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Leselupe.de > Kindergeschichten
Das Geburtstagsmännlein
Eingestellt am 22. 01. 2003 10:42


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Ruedemann
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

Werke: 6
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Mein liebes Luischen,
du glaubst gar nicht, was mir passiert ist. Ich habe das Geburtstagsmännlein getroffen, sogar schon zum zweiten Male. Es machte ein sehr strenges Gesicht, schaute mich böse an und fragte: „Weißt du, was jetzt für ein Monat ist?“
„Ja“, sagte ich „Ende Juli.“
„Es ist also fast vier Monate nach Luischens Geburtstag!“ Finster und drohend blickte mich das Männlein an. Es hatte recht damit.
Das letzte Mal hatte ich es im April getroffen, kurz nach deinem Geburtstag. Aber wie sah es damals aus? Sein rundes grünes Hütchen mit der bunten Feder war schmutzig und zerrissen. Es saß ihm ganz schief auf dem Kopf. Das grüne Jäckchen mit den goldenen Knöpfen sah auch schlimm aus. Völlig zerknautscht war es, die Knopflöcher ausgefranst und ein goldner Knopf fehlte völlig. Die anderen baumelten traurig an ihren Fäden und glänzten kein bisschen. Die Stiefelchen waren voller Dreck und an manchen Stellen sogar zerrissen. Ein Bild des Jammers!
Das Gesichtchen des Geburtstagsmännleins war eingefallen. Falten hatten sich in seine Stirn eingegraben, die Haut war grau und runzelig geworden. Tiefe dunkle Ringe lagen um die Augen des lieben Männleins. Sein Bart war verfilzt, voller Kletten ebenso wie seine Haare.
Wie ein Häuflein Unglück hockte er auf einem großen Stein am Rande eines Feldweges. Beinahe hätte ich ihn nicht erkannt.
„Du lieber Himmel“, konnte ich nur ganz erschrocken ausrufen, „Geburtstagsmännlein, was ist dir denn geschehen?“
„Ach“, er winkte müde mit der Hand ab, ich glaube, ich werde zu alt und kann nicht mehr Geburtstagsmännlein sein.“
„Aber wieso denn das?“
„Ich schaffe es nicht mehr, alle Kinder an ihrem Geburtstag aufzusuchen. Die meisten haben sich aber so an mich gewöhnt, dass sie glauben, sie hätten gar keinen Geburtstag, wenn ich nicht komme.“ Das Männlein tat mir so leid. Bestimmt war es krank, hatte seit ein paar Wochen nicht mehr richtig geschlafen. Wer weiß, vielleicht hatte es auch keine Zeit mehr, sich zu waschen und seine Sachen in Ordnung zu halten und seine Stiefelchen zu putzen?
Das Männlein fing an, bitterlich zu weinen. Dicke Tropfen rollten aus seine Augen, verfingen sich in seinem verfilzten Bart. „Ich weiß ganz genau, dass ein kleines Mädchen sehr unglücklich ist. Ich habe es nicht geschafft, die Glückwünsche von ihrem Opa rechtzeitig hinzuberingen.“
„Woher weißt du das denn?“
„Ich bin doch eine Märchenfigur und die wissen so was“, entgegnete er mir mit verhaltenem Stolz. „Aber meine ganze Märchenzauberkraft reicht nicht aus. Manche Kinder haben einfach zu große Wünsche. Die wünschen sich keine Bilderbücher, Puppen oder Teddys, nein, die wollen Nintendo- Spiele, Playstations, Fahrräder oder auch ganze Stereoanlagen, einige gar Computer. Das übersteigt meine Märchenzauberkraft.“
Er wischte sich die Augen trocken und schaute mich hilfesuchend an. „Du bist doch ein erwachsener Mensch. Die wollen immer soo klug sein. Kannst du mir helfen?“ Da hatte ich en Salat. Mir war ja selbst nichts eingefallen Vorsichtig fragte ich: „Hast du es schon mal mit den neuen Dingen versucht, mit Telefon, Telefax, Handy und so?“ Das Geburtstagsmännlein wurde richtig böse. „Kannst du dich denn überhaupt nicht in ein Kind hineindenken?“ schimpfte er mit mir. „Das Geburtstagsmännlein kommt doch in der Nacht uns zwar genau um Mitternacht. Dann nimmt es sein Jahreszauberstäbchen und schnippt damit dreimal. So wird das Kind ein Jahr älter, aber es merkt nichts davon. Am nächsten Tag sind dann die Eltern und Geschwister, Oma und Opa und die Freunde besonders nett und freundlich. Das hat das Jahreszauberstäbchen gemacht. Versuch das mal mit einer E-Mail!“
Wie ein begossener Pudel kam ich mir vor. „Aber, wenn du doch nicht alles schaffst ...“ wagte ich mir einzuwenden.
„Dummplappern kann ich alleine!“ Jetzt war das Männlein richtig böse geworden. „Hast du denn nun eine Rat für mich? Wenigstens für das kleine Mädchen mit dem Opa!“ Zum Glück fiel mir jetzt etwas ein. „Ich kenne da ein kleines Äffchen, das mögen die Kinder sehr, weil es immer so lustige Streiche macht. Das könnte ich doch bitten, zu dem kleine Mädchen zu gehen und die Geburtstagsgrüße von seinem Opa hinzubringen.“
„Und warum das Äffchen?“ fragte das Männchen misstrauisch. „Weil sich kleine Affenkinder und kleine Menschenkinder prima verstehen“, behauptete ich.
„ Und du meinst, auch wenn der Geburtstag auch schon am elften April war?“
„Gewiss, und dem Äffchen fällt bestimmt noch ein richtiger großer Extraspaß ein, der dem kleinen Mädchen große Freude machen wird.“
Was meinst du, Luischen, hatte ich recht. Du musst es wissen, denn du bist keine Märchenfigur und nicht erwachsen und auch kein Opa, der manchmal wichtige Sachen vergisst. Wenn du an deinen Geburtstag zurückdenkst, fällt dir bestimmt die richtige Antwort ein.
Diese Antwort brauche ich, wenn ich das Geburtstagsmännlein das nächste Mal treffe. Dann will er nämlich von mir wissen, ob er sich auch bei anderen Kindern von niedlichen kleinen Affenkindern, von manchen Opas Mais und Papis helfen lassen kann, ohne das die Geburtstagskinder deshalb traurig sein müssen. Eigentlich hatte ich versprochen, diese Antwort dieses Mal schon zu wissen. Die Geschichte dazu hatte ich auch schon sehr lange geschrieben aber dann ... einfach aus den Augen verloren. Und nun kann ich nur hoffen, dass dir die Geschichte auch heute noch gefällt und das Geburtstagsmännlein bei unseren nächsten Zusammentreffen mit der Antwort zufrieden ist.

__________________
Kopfhund zu sein ist manchmal auch unangenehm.

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Katjuscha
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Luischen

Hallo Ruedemann,

deine Geschichte gefällt mir wirklich gut. Allerdings weiß ich nicht so genau, welches Treffen mit dem Geburtstagsmännlein du so ausführlich beschreibst - das erste oder das zweite? Das ist etwas verwirrend. Außerdem kommt es mir so vor, als hätte das Mädchen (das ja sicherlich Luischen sein soll) sich genau wie das Geburtstagsmännlein es bemängelt "unverschämte" Sachen gewünscht, so dass das Männlein es nicht geschafft hat, den Opa heran zu organsieren. Denn ein ähnliche rZusammenhang wird ja bei den anderen Kindern hergestellt.
Schade finde ich ein bisschen, dass du diesen Brief am Ende als Geschichte abtust. Wäre es nicht spannender, wenn dieser Brief keine Geschichte sondern eben ein Brief ist?

Aber deine Idee ist klasse - sicherlich wird Luischen dem Opa verzeihen, dass er ihren Geburtstag vergessen hat.
__________________
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist wirklich ein Mensch. (Erich Kästner)

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