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Leselupe.de > Humor und Satire
Das Geschenk
Eingestellt am 13. 12. 2006 19:32


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Raniero
Textablader
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Das Geschenk
Der Höhepunkt des Festes stand bevor, und eine merkwĂŒrdige Unruhe erfasste die zahlreichen GĂ€ste im Saal.
Man feierte den sechzigsten Geburtstag eines Mannes, der aufgrund einiger persönlicher Marotten nicht bei allen Freunden und Bekannten gleichermaßen beliebt war, jedoch aufgrund dieser Macken fĂŒr alle gleichermaßen derart interessant schien, dass es sich keiner der Geladenen auch nur im Traum einfallen ließ, diesem Ereignis fernzubleiben, schon allein aus Neugier und im Hinblick darauf, welch absurde Überraschungen der Jubilar dieses Mal parat hĂ€tte. Denn zu außergewöhnliche Ideen, spontanen oder geplanten EinfĂ€llen mit besonderen Überraschungseffekten, das musste man ihm lassen, war er allemal fĂ€hig, ob zum Wohl oder zum Nachteil der jeweiligen Betroffenen, sei allerdings dahingestellt.
Er selbst liebte Überraschungen, wenn sie nicht von ihm ausgingen, keineswegs und eine seiner grĂ¶ĂŸten Marotten bestand folglich darin, bei bevorstehenden Geburtstagsfeiern, speziell bei seinen eigenen, genau darĂŒber informiert zu sein, welche Geschenke die GĂ€ste mitbrĂ€chten, und dieses, wie er betonte, aus zwei GrĂŒnden: zum Ersten, weil dadurch vermieden wĂŒrde, dass ein Geschenk mehrfach auf dem Gabentisch erschiene und zum Zweiten, damit er sich, wie er meinte, im Voraus darauf einstellen und seine Lob- und Dankesrede entsprechend planen könne. Diese Danksagung wiederum gelang ihm wirklich ausgezeichnet, ein jedes Mal, denn er war ein Redner vor dem Herrn, der eine ganze Abendgesellschaft praktisch allein unterhalten konnte, obgleich seine Rede nicht immer zum Vorteil eines jeden Teilnehmers ausfiel.
Die GeburtstagsgĂ€ste, denen diese ungewöhnliche Eigenschaft des Mannes schon seit langem bekannt war und von denen nicht wenige bereits einmal das VergnĂŒgen hatten, das Opfer ihres Gastgebers bei einer seiner launigen AusfĂŒhrung gewesen zu sein, hatten es sich daher zur Gewohnheit gemacht, im Vorfeld seine Ehefrau genau zu befragen, mit welchem Geschenk man ihn beglĂŒcken solle, um ja keinen Fehler zu begehen, der spĂ€ter unvermeidlich mit spitzer Zunge geahndet wĂŒrde. Die Ehefrau selbst, eine Frau von ausgleichender Natur und fast als harmoniesĂŒchtig zu bezeichnen - kein Wunder, bei solch einem Gatten - machte das Spiel, obwohl es ihr ein wenig lĂ€cherlich erschien, in vollem Umfang mit, konnte sie doch somit sicher sein, dass sie auf diese Art der ‚EntschĂ€rfungstaktik’ wie sie es nannte, die scharfe Zunge ihres Mannes einigermaßen im Zaum halten konnte.
So nahm sie denn die Liste mit den GeburtstagswĂŒnschen ihres Ehemannes und koordinierte diese weit vor dem eigentlichen Termin telefonisch ausfĂŒhrlich mit allen GĂ€sten, damit diese Zeit genug hĂ€tten, die zugedachten GeschenkwĂŒnsche entsprechend umzusetzen. Das hatte bisher auch immer zur Zufriedenheit aller geklappt, und auf nichts freuten sich die GĂ€ste sosehr, wie auf die Laudatio des Gastgebers, in welcher er mit teilweise galligen Worten die BemĂŒhungen seiner Freunde hinsichtlich der ErfĂŒllung seiner Wunschliste kommentierte.
Doch ausgerechnet dieses Mal, zum sechzigsten, gab es ein Problem besonderer Art, eine schwierige Nuss, zu knacken.
Das Geburtstagskind, welches unter anderem als Literaturliebhaber galt und auf dessen Wunschliste stets auch eine Reihe von BĂŒchern zu finden war, hatte sich in der letzten Zeit ausgiebig mit der russischen Literatur beschĂ€ftigt und einem Autor aus diesem Land sein besonderes Interesse zugewandt:, nĂ€mlich keinem Geringeren als Fjodor Dostojewskij. Von diesem berĂŒhmten Schriftsteller hatte er nacheinander in kurzer Zeit fast alle Werke regelrecht verschlungen, von Schuld und SĂŒhne ĂŒber Die GebrĂŒder Karamasow bis hin zu dessen zahlreichen Kurzgeschichten. Ein einziges Werk jedoch fehlte noch in seiner Sammlung, und als er dieses Buch auf seine Geburtstagsliste setzte, stellte sich bei seiner Frau ein ungutes GefĂŒhl ein.
Ebenso erging es den GĂ€sten, die sich schon darĂŒber wunderten, dass sie dieses Mal die Wunschliste relativ spĂ€t erhielten, doch als sie den Titel des Buches lasen, welches sich der Jubilar zur Vervollkommnung seiner Sammlung wĂŒnschte, hielten sie erschreckt den Atem an: Der Idiot von ebendiesem Fjodor Dostojewskij.
‚Das kann man doch nicht machen’, war die einhellige Meinung aller, ‚solch einem Zyniker eine solche Steilvorlage zu geben, indem man ihm ein Buch mit so einem Titel zum Geburtstag prĂ€sentiert, man stelle sich vor, wie er dieses ‚Geburtstagsgeschenk’ mit hĂ€mischen und bissigen Bemerkungen kommentieren wird; nein, jedem anderen, nur ihm nicht, ihm kann man ein Buch mit so einem Titel einfach nicht prĂ€sentieren.’
Hilfesuchend wandten sich die Geladenen an die Ehefrau des Jubilars und versuchten, diese zu ĂŒberreden, ihrem Mann auf schonende Art diesen unmöglichen Wunsch auszureden, doch die arme Frau sah sich nicht dazu in der Lage.
„Ihr kennt doch meinen Mann“, rief sie verzweifelt, „was der sich einmal in den Kopf gesetzt hat, davon lĂ€sst er nicht mehr ab. Doch eines kann ich euch jetzt schon sagen“ fĂŒgte sie hinzu, und es klang wie eine Drohung, „wenn das verfluchte Buch nicht auf seinem Gabentisch liegt, dann garantiere ich fĂŒr nichts mehr, dann haben wir alle darunter zu leiden, ihr wisst ja, wie weit er gehen kann, mit seinen Nickeligkeiten.“
Das war mehr als deutlich, und die FestgĂ€ste sahen sich vor die eindeutige Wahl gestellt, die da lautete, einer oder alle. Entweder einer von ihnen opferte sich und schenkte ihm das verfluchte Buch, mit der Konsequenz, sich allein den zynischen Kommentaren des Gastgebers aussetzen zu mĂŒssen, oder das Buch wurde von der Liste gestrichen, und alle mussten sich den Vorwurf der Feigheit gefallen lassen. Doch gesetzt den Fall, man wĂ€hlte die erste Möglichkeit, fragten sich die GĂ€ste verzweifelt, wer aus ihren Reihen zeigte sich bereit, sich zu opfern, sozusagen zum Gemeinwohl, wer die schwere BĂŒrde auf sich nehmen, diesem Gastgeber den Idioten von Dostojewski zum sechzigsten darzubieten, da war Mut gefragt, der Mut eines Löwen.
Sollte man 'das Opferlamm' durch Losentscheid ermitteln? Oder gab es doch noch einen anderen Ausweg?
Frei nach dem Wahlspruch Und wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her beschloss die Geladenen, die Ehefrau des Jubilars noch einmal zu konsultieren, hinter dessen RĂŒcken, versteht sich.
Diese erklĂ€rte sich auch nach einigem Zögern dazu bereit, und sie arrangierte ein Treffen in genau dem Restaurant, in dem spĂ€ter das Fest selbst stattfinden wĂŒrde. Dieses Treffen nahm einige Stunden in Anspruch, Stunden intensivster Beratungen, doch zum Abschluss glaubte man schließlich, eine befriedigende Lösung hinsichtlich des Idioten von Dostojewskij gefunden zu haben und einigte sich einstimmig ĂŒber das weitere Vorgehen. Gleichwohl gingen die Teilnehmer nach der Versammlung mit sehr gemischten GefĂŒhlen, doch auch in spannungsvoller Erwartung auseinander.

Der Abend war gekommen.
Wie ĂŒblich, hielt der Gastgeber zu Beginn eine seiner berĂŒhmten lĂ€ngeren BegrĂŒĂŸungsreden und eröffnete anschließend mit seiner Gemahlin mit einem stilvollen Walzer den Tanz. Nach weiteren WalzerklĂ€ngen gesellten sich andere Tanzstile hinzu, und nach und nach fĂŒllte sich die TanzflĂ€che, bis fast alle der Geladenen ihre Beine zu den Rhythmen der Kapelle bewegten. Sodann folgte eine Pause, die der Jubilar zum Anlass nahm, das BĂŒffet freizugeben, als Belohnung fĂŒr die ersten körperlichen Anstrengungen, wie er hinzufĂŒgte. Dies ließen sich die GĂ€ste nicht zweimal sagen und eilten in Scharen zu den delikaten Speisen, um gerĂŒstet und gestĂ€rkt zu sein, fĂŒr den eigentlichen Höhepunkt des Abends.
Im Anschluss daran folgten wiederum einige Tanzeinlagen der hervorragenden Musikkapelle, bevor man in der Tat zum Höhepunkt des Abends, der PrÀsentation der Geburtstagsgeschenke durch den Jubilar selbst, schritt.
Hierzu hatte man im Vordergrund des Saales auf einer etwas erhöhten BĂŒhne, auf der auch die Musiker saßen, einen Tisch aufgestellt, der durch einen separaten Vorhang abgeteilt wurde.
Auf diesem Tisch wiederum hatte die Ehefrau wie in all den Jahren zuvor mithilfe einiger Bediensteten die Geschenke fĂŒr ihren Mann, die ihr die GĂ€ste beim Empfang ĂŒberreichten – nicht ihm, er wollte sie vorher gar nicht sehen, er hatte ja seine Liste – deponiert.
Auf einen Wink der Gemahlin des Gastgebers spielte die Kapelle einen Tusch, und mit einer feierlichen Bewegung zog der Jubilar den Vorhang beiseite und
erstarrte.
Auf dem Tisch, auf dem sich in all den Jahren die Geschenke, hĂŒbsch und einfallsreich verpackt, nur so hĂ€uften, befand sich dieses Mal nur ein einziges PrĂ€sent; ein einsames Buch, und man hatte es mitten auf den Tisch gestellt, mit dem Cover nach vorne, auf dem weithin sichtbar der Titel des Werkes prangerte, welches dem Jubilar noch in seiner Sammlung fehlte.
Es herrschte Totenstille im Saal, manche vergaßen sogar, zu atmen, alle blickten gebannt auf den Gastgeber. Dieser löste sich langsam aus seiner starren Haltung und schritt auf den Tisch zu, auf seinem Gesicht zeigte sich ein diabolisches LĂ€cheln.
„Ihr Idioten!“ schrie er mit unbĂ€ndiger Freude und setzte sich auf den Tisch, den GĂ€sten zugewandt.
Sodann nahm er das Buch zur Hand, gab den Musikern einen Wink, die BĂŒhne zu verlassen und begann, laut vorzulesen, aus seinem Geburtstagsgeschenk. Er las langsam und akzentuiert, und gegen drei Uhr morgens war er noch lĂ€ngst nicht bis zur Mitte des Buches angelangt..
Viele der GĂ€ste waren mittlerweile eingeschlafen, andere rauften sich verzweifelt die Haare; wiederum andere jedoch waren heilfroh, dass er sich nicht Die DĂ€monen von Dostojewskij zu seinem Jubeltag gewĂŒnscht hatte.

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Arthrys
Guest
Registriert: Not Yet

Mein Eindruck:

nette kleine Story. Jedoch zu viele Kommas, somit auch zu viele EndlossÀtze; zu sehr gestreckt, einige Wortwiederholungen und das kleine Unwörtchen "man" stören.
"In der KĂŒrze liegt die WĂŒrze", irgend ein Wortgewaltiger hat das mal mit erhobenem Zeigefinger gesagt. Wie gesagt, etwas gerafft wĂ€re die Story wirklich richtig gut, finde ich. Aber jeder emfindet das anders, denke ich.
Es grĂŒĂŸt dich
Arthrys

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
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na,

man ist ein unwörtchen, weil es so leicht zu ersetzen ist, praktisch ein schummelwort, mit dem es sich gut um den heißen brei reden lĂ€ĂŸt. stell dir vor, du dĂŒrftest es nie mehr benutzen, wie direkt mĂŒsstest du dann werden!
lg
__________________
Old Icke

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