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Leselupe.de > Kurzprosa
Das Gesicht
Eingestellt am 20. 11. 2001 08:10


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Nighel
Hobbydichter
Registriert: Nov 2001

Werke: 7
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Im Blick durch das Fenster verweben die bizarren Formen windender Regentropfenwürmer sich mit den zarten, neblig feuchten Zügen ihres Gesichts, auf das die Außenwelt ihre Maserung zeichnet: ein Industriekamin entwächst der linken Unterlippe und zwischen ihren eh schon tiefgrünen Augen nistelt ein Wäldchen, darin ein Gott wohnt. Uralte Angsterinnerungen schmalen die Lippen ein wenig, zartes blutleeres Rosa als horizontaler Gegensatz eines ansonst in die Senkrechte fliehenden Bildes. Die wenigen Fältchen, die ihre Biographie sind, wirken transparent, da nun sich das Bild der Stadt in ihr Gesicht gelegt hat. Doch die Stadt kann nicht schlafen.
Die üppigen Haare, die in krausen Locken vom Mittelscheitel den schmalen Schultern zum Ausruhen entgegenstreben, sind braun wie der Rasensaum im Stadion gleich gegenüber. In den weißen Brüsten, träg bauchige Schiffe, ferne Planeten mir fremder Galaxien, verliert sich ihr Bild und weiches Rosa zarter Haut vermischt sich mit dem Betongrau der Welt.
Die Scheibe des Fensters hat einen Fehler: eine Blase, einen Lufteinschluss. Der liegt auf dem Nasenrücken sehr symmetrisch wie ein Mal.

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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

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Kreativ

Der Text ist für mich eine kreative Lösung des gestellten Problems. Im Bewußtsein der Schwierigkeit einer "objektiven" Beschreibung eines Gesichts wird hier ein Text vorgelegt, voller Assoziationen und Wortschöpfungen. Man kann in den Text eintauchen, sich treiben lassen und eine eigene, subjektive Vorstellung von der Frau entwickeln, die sich da in der Scheibe spiegelt und deren Spiegelung sich in der Beschreibung gleichsam mit ihrem Bild vermischt. Vielleicht kommt man dieser Person so näher, als wenn man ein Foto von ihr betrachten würde. Sehr schön.

Danke für Deinen Beitrag!
__________________
fz

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Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Nighel,
ich habe es gleich mal ausprobiert,weil ich doch tatsächlich dachte,das man sich im Fenster eher farblos spiegelt.*tse*
Heute ist mieses Wetter,ich werde es nochmals bei Sonne testen.Allerdings kommts wohl darauf an,was aus dem Fenster heraus zu sehen ist.Je dunkler alles,desto besser die Spiegelung.
Das ist eine gute Idee..gefällt mir und liefert ein Bild.Ich kann es mir also gut vorstellen.
Fast wie ein Kunstwerk erscheint mir die Personenspiegelung mit dem was draussen ist..
Dazu fällt mir Guiseppe Archimboldo ein..
lG
schönen Tag
Sanne

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Nighel
Hobbydichter
Registriert: Nov 2001

Werke: 7
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... Archimboldo, ja... genau.

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Sanne Benz
Guest
Registriert: Not Yet

HURRRRAA!
Ich lag richtig.
Freut mich,denn ich bringe öfter mal so einen Vergleich.
*jepp*
lieben Gruß
an den Jungen
mit der Schürfwunde
auf der Backe.
Sanne

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