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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Gesicht
Eingestellt am 29. 08. 2003 20:21


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Donna_mobile
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Aug 2003

Werke: 4
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Sie schaute schon nicht mehr hoch, als er aufstand und das Lokal verließ. Sie wußte, dass es zu spĂ€t war hinzublicken; dafĂŒr war es zu spĂ€t, und es war zu spĂ€t fĂŒr alles. Das wußte sie jetzt wieder, als er aufstand und fortging.

Durch Zufall war er in dieses Lokal gekommen und er hatte noch Wein dazu getrunken, den er anderswo schon getrunken hatte, und einmal, als er den Blick anhob, sah er in ihr Gesicht. Auch sie hatte Wein getrunken, weniger freilich, aber getrunken mit anderem Zugriff; und wenn sie ihr Glas zurĂŒck auf die hölzerne Tischplatte setzte, scheinbar sanft, doch nur mĂŒde: da wĂŒnschte sie zuweilen, das Glas zersprĂ€nge. Und sie blickte hinĂŒber zu dem Tisch, wo er saß. Und irgendwann spĂ€ter kam es, dass er mit ihr tanzte; drei- oder vier- oder fĂŒnfmal tanzte er mit ihr, er drehte und bog und wirbelte sie herum. Und er sprach mit ihr, sprach Worte ohne Belang, ohne Absicht, ohne Zweck; Worte so elegant wie er selber, wie jede seiner Bewegungen mit denen er sie in den Bann geschlagen hatte, in den Bann des GlĂŒcks. Und fĂŒr diese kurze Weile vergaß sie alles, sie tanzte zurĂŒck um all die Jahre, die in ihrem Gesicht verzeichnet standen wie Einnahmen und Ausgaben einer Bilanz; und sie vergaß, dass es lĂ€ngst zu spĂ€t war fĂŒr irgendein Leben der Art, wie der Mann, der sie tanzend dahin entfĂŒhrte, es anbot; zu spĂ€t, doch zu spĂ€t seit wann? Irgendeinmal mußte etwas geschehen sein in ihrem Leben, irgend etwas, das nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig, nicht mehr ungeschehen zu machen war. Irgend etwas, das damals gewiß noch kein Geschehen war, aber eben doch schon der Anfang eines Geschehens. Ein Anfang, aber noch nicht offenbar: eine erste schadhafte Stelle im Gewebe des GlĂŒcks; jene Stelle, wo es viel spĂ€ter einmal reißen wird. Niemand vermag zu sagen, wann etwas wirklich begonnen hat. Der Verfall eines GebĂ€udes, beginnt nicht erst damit, dass ein StĂŒck Putz von der Decke fĂ€llt, und ein Mensch beginnt nicht erst dann unglĂŒcklich zu sein, wenn ihm die erste EnttĂ€uschung wiederfĂ€hrt. Und so sah er in ihrem Gesicht nicht nur Spuren ihres Lebens, sondern er sah darin auch, was ungelebt hatte bleiben sollen. Doch unter all den unauslöschlich eingegrabenen Zeichen und Chiffren, stand unversehrt ihre Schönheit. Ihm schien, als brauche er nur einen Vorhang beiseite zu ziehen, um diese Schönheit ans Licht zu bringen. Er fĂŒhlte sich fĂ€hig, alles zu tun und alles zu lassen, um dieses Gesicht zu retten vor dem Ruin. Und so vergaß er fĂŒr eine kurze Weile, dass die Welt eine Scheibe ist, eine Scheibe, mit einer Oberseite und einer Unterseite, zwischen denen es keine Verbindung gibt. Aber es gibt keine Möglichkeit, Geschehenes ungeschehen zu machen, das wußte er ja. Aber noch wehrte er sich gegen dieses bittere Wissen, und als er am nĂ€chsten Morgen mit dem Geschmack von Kupfer auf der Zunge erwachte, war sein erster Gedanke: wie sich zu wehren dagegen und ob es der Liebe nicht doch gelĂ€nge, die Welt so rund zu machen, wie sie sein sollte. Doch er wußte, dass er sie nur hochgehoben hatte und dass sie jetzt nur um so tiefer fallen wĂŒrde. Er hörte auf, sich Rechenschaft darĂŒber zu geben. Er erinnerte sich gerade noch ihres Gesichts, in dem die Schönheit noch einmal aufgeleuchtet hatte, ihres Gesichts mit den auf ihn gerichteten Augen. Sie aber wußte, noch ehe er aufstand und das Lokal verließ, dass es zu spĂ€t war fĂŒr alles, zu spĂ€t auch dafĂŒr, sich zu erinnern, wann es begonnen hatte, was hier nun so enden mußte. Und wenn er sich, ehe er ging, noch einmal umgedreht hĂ€tte, so hĂ€tte er ihr Gesicht schon nicht mehr gesehen; denn sie saß am Tisch und beugte den Kopf ĂŒber das Weinglas und blickte hinein wie ein Blinder in einen blinden Spiegel.

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Traveller
???
Registriert: Jun 2003

Werke: 2
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puhhhh ....

... wie langatmig ! Dazu sehr viele Wortwiederholungen und dazwischen eine ĂŒberflĂŒssige ErklĂ€rung.

Also ich wĂŒrde den Text auf die HĂ€lfte zusammen streichen.
Verdichtet, kĂ€me das Bild besser rĂŒber.
__________________
Einen wunderschönen Tag wĂŒnscht

Traveller Peter

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
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hallo donna mobile,

ich bin ganz und gar hin und her gerissen .

manche deiner sĂ€tze und formulierungen sind so einfach gestrickt, daß ich unwillkĂŒrlich lachen mußte (bitte um vergebung). aber gleich danach schreibst du genau nach meiner fasson - klare, selten oder noch nicht gelesene bilder von großer strahlkraft, ohne pathos, aber mit hinter den worten liegendem tiefgang.

die situation ist nachvollziehbar und mitreißend geschildert - das ende, wenn auch einfach, trotzdem ĂŒberraschend. solltest du auf diesen effekt (daß eben "nichts" passiert) hingearbeitet haben, so mußt du meiner meinung nach unbedingt vorn noch ein kleines bißchen mehr druck machen und die stĂ€ndigen, von traveller schon bemĂ€ngelten, wiederholungen herausnehmen, da diese sonst leser verschrecken werden.


grĂŒĂŸe

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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doktordigitalis
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2001

Werke: 29
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Das Gesicht

Hallo Donna Mobile (klasse Internet-Name!)
Bin sehr angetan von deiner Geschichte.
Hier ein paar kleine Anmerkungen.

Die Wiederholung im Intro wĂŒrde ich vermeiden:
Vorschlag:
Sie schaute schon nicht mehr hoch, als er aufstand und das Lokal verließ. Sie wußte, dass es zu spĂ€t war hinzublicken zu spĂ€t war fĂŒr alles.

„Niemand vermag zu sagen...“ könnte man auch streichen. Einfach: „Wann aber hat etwas wirklich begonnen?“

Den ganzen Abschnitt:
„Er fĂŒhlte sich fĂ€hig, alles zu tun und alles zu lassen, um dieses Gesicht zu retten vor dem Ruin“
wĂŒrde ich aus der Sicht der Frau weiterbeschreiben, z.B. so: Wahrscheinlich wĂŒrde er sich sogar fĂ€hig fĂŒhlen, alles zu tun.... usw...

Was meinst du? Das hÀlt die ganze Story nÀher bei ihr.

Ansonsten: herzlichen Dank! Starke Bilder und Emotionen. Gipfelnd in dem Schlussbild:
Ein Blinder, der in einen blinden Spiegel blickt. Dabei ist mir, anders als „ Rainer“, der ja eher unwillkĂŒrlich lachen mußte, eine TrĂ€ne gekommen...

Sehr hohes Niveau.

dd

__________________
doktordigitalis

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