Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
71 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Gewissen
Eingestellt am 10. 09. 2002 08:15


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
bassimax
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2002

Werke: 12
Kommentare: 52
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um bassimax eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Ursache f├╝r meinen Unmut bestand in einem fetten, kleinen Jungen. Er hatte kurze Stoppelhaare, ein rotes Gesicht und kleidete seinen unf├Ârmigen Leib mit ├╝berdimensionalen Markenklamotten. Er d├╝rfte vielleicht zw├Âlf Jahre alt gewesen sein.
Zusammen mit seinem Opa stand er vor einem Gesch├Ąft, „PC Spiele Welt“. Ich sa├č auf einer Bank, vielleicht zehn Meter weit entfernt. Sein Opa war ein Mittsechziger, bieder gekleidet mit einem karierten Hemd und einer grauen Stoffhose. Der Alte hatte ein gutm├╝tiges Gesicht. Es dr├╝ckte momentan nur eine gewisse Verst├Ąndnislosigkeit f├╝r das Ansinnen seines Enkels aus, der ein Spiel f├╝r DM 100,-- haben wollte. Wenn Menschen einen verst├Ąndnislosen Gesichtsausdruck haben, kann sie das manchmal sehr sympathisch machen. Es ist sympathisch, wenn ein Mensch gewisse Dinge nicht versteht, weil er zum Beispiel keinen Sinn darin sieht. Der Alte dachte sicherlich, da├č man f├╝r dieses Geld auch zwei Hosen in der Kaufhalle kaufen k├Ânnte. Oder ein Ausflug in den Zoo - mit gutem Essen - w├Ąre drin gewesen. Vielleicht h├Ątte man das Geld auch f├╝r Weihnachten aufsparen sollen. Hundert Mark f├╝r ein Spiel? Man kann doch drau├čen spielen!
Jedenfalls zog der fette Junge am Ärmel des Alten.
"Wir k├Ânnen doch mal reingehen!" sagte er dr├Ąngend. Sein Plan war klar. Erst mal drinnen, wollte er seinen Opa zwingen, das Spiel zu bezahlen. Indem er Terror machte, den Alten vor dem Verk├Ąufer durch einen Mordsaufstand in Verlegenheit brachte. Auf die anderen Kids im Laden deutete, "die auch alles haben d├╝rfen".
Der Opa aber wollte nicht. Er witterte die Gefahr. Er kannte die g├Ąngigen Taktiken des Monsters, das sein Sohn oder seine Tochter erschaffen hatten. Ich bekam einerseits Mitleid mit ihm, andrerseits war ich gespannt, wie die Sache weitergehen w├╝rde.

Der Fettsack drehte auf. Er zog noch st├Ąrker am ├ärmel des Opis. Und er wurde lauter.
"Wir gehen jetzt da rein!"
Verzweiflung schwang in seinen Worten mit. Schwei├č erschien auf seinem verquollenem Gesicht. Es sah wirklich so aus, als w├╝rde ihn die Tatsache, da├č er seinen Willen nicht durchsetzen konnte, in eine psychische Ausnahmesituation bringen. Seine Stimme wurde schweinchenhaft schrill.
„Wir gehen jetzt da rein!“
Ihm war es sicher egal, was eventuelle Passanten von ihm denken k├Ânnten. Der Opa aber blickte sich nerv├Âs um, in der Hoffnung, da├č niemand zusah. Der Junge wollte Geld. Das an der Geldb├Ârse noch ein Mensch hing, interessierte ihn nicht.
Er wurde noch w├╝tender, und zog so kr├Ąftig am Alten, da├č dieser sich mit einer Hand an einem Verkehrsschild festhalten musste. Hass gl├╝hte in den Augen des Jungen.
"Aber Kind das ist doch viel zu teuer!"
"Nein, das ist billiiiig!" quietschte das Schweinchen zur├╝ck.
"Lass uns doch erst mal nachhause gehen, was die Mama sagt!" Mittlerweile vor Verzweiflung heulend schrie der Dicke:
"Neiiiiiiiiiiiin!" und das in einer Tonlage , die mich einen Tinnitus bef├╝rchten lie├č. Man mochte meinen, der Junge w├╝rde um sein Leben k├Ąmpfen.
"Was ist denn nur los mit dir Florian? Ich dachte du wolltest mit mir spazieren gehen?“
Jetzt drehte er total durch. Der Junge trommelte auf den Alten ein. Der hielt sch├╝tzend seinen Arm vor sich. Sein Gesicht hatte einen todtraurigen Gesichtsausdruck. Jetzt trat der Junge, heulend und bebend, gegen das Knie des Alten und der ging zu Boden. Er konnte sich gerade noch mit den H├Ąnden aufst├╝tzen. Die Brille rutschte von seinem faltigen Gesicht.
Sicherlich liebte dieser Mann seinen Enkel, zumindest bis jetzt. Sicherlich hatte er ihm ein Sparbuch angelegt und freute sich ├╝ber jede gute Note, die er nachhause brachte. Aber nun war der Alte am Boden, auf allen Vieren. Hielt in einer Hand seine Brille, blickte nach oben. Und fing still an zu Weinen.
Der jugendliche Spieleenthusiast geriet ob des Dramas, das er angerichtet hatte, noch mehr au├čer sich. Er stampfte mit den F├╝ssen auf.
"Du bist schuld! Du bist schuld! Du Arschloch!" br├╝llte er .
Mittlerweile stand der Ladenbesitzer wie erstarrt in der T├╝r. Er konnte nicht fassen, was er sah. Er half dem Opi hoch. Auf einem seiner Knie war ein roter Fleck. Vorsichtig f├╝hrte er ihn in den Laden, schloss die T├╝r.

Der Junge blieb drau├čen. Er atmete schwer, wischte sich das Gesicht und bi├č in seine Unterlippe.
Ich hatte keine Lust gehabt, einzugreifen, den Alten zu retten. Ich wollte sehen, was passiert.
Pl├Âtzlich f├╝hlte das Kind , da├č ich ihn beobachtete. Er drehte sich abrupt um und sah mir direkt in die Augen. Sofort begriff er, da├č ich alles gesehen hatte und erschrak. Wiederum stieg Wut in ihm auf. Eine andere Wut, die des Ertappten. Und diese richtete sich gegen mich, der ich Zeuge seiner Untat war. Scham und Wut sind eine ├╝ble Mischung , die nie zu etwas Gutem f├╝hrt.
"Schau weg!" schrie er. „Das ist meine Sache!“
Nicht schlecht, dachte ich mir. Der hat immer noch Energie, der kann’s zu was bringen. Oder aber, er landet im Knast. Er ging einige Schritte auf mich zu und fuchtelte mit seinen F├Ąusten herum. Das sollte wohl eine Drohgeb├Ąrde darstellen
"Hau ab Du Arschloch!"
Wieder befand er sich im Reich der Hysterie. Ich stand auf. Ging auf ihn zu. Er blickte ├Ąngstlich und verstummte. Ging r├╝ckw├Ąrts, bis er an der Hausmauer stand. Und ich vor ihm.
Jetzt war er aufgewacht. Er war still. Blitzschnell griff ich in seine Haare, hielt ihn fest, und schlug sein Gesicht mit voller Wucht gegen die Hausmauer.
Tot war er nicht, die Nase jedoch war sicher hin. Er st├Âhnte dumpf, ging in die Knie.
" Ich bin dein Gewissen. Und ich werde immer bei dir sein." sagte ich und machte mich aus dem Staub.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Das Gewissen

Lieber bassimax,

hmm...ich w├╝rde grunds├Ątzlich schon gerne auf Einzelheiten deiner Geschichte eingehen, aber vorher k├Ânntest du sie vielleicht erst noch einmal selbst ├╝berpr├╝fen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass du sie etwas ├╝bereilt eingestellt hast.

Hier nur ein paar abstrahierte Eindr├╝cke:

- Die Interpunktion ist - sorry - schlimm.

- Der logische Ansatz wirft an manchen Stellen Fragen auf.
Nur ein Beispiel: Du bist zehn Meter entfernt und siehst, wie sich Schwei├č auf seinem Gesicht bildet???

Was das Ende betrifft... das ist Geschmacksache.

Gru├č

Arno


Bearbeiten/Löschen    


margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

ganz so ein aufmerksamer leser wie arno bin ich nicht.
ich kann noch kilometerweit die schwei├čperlen auf
der gestre├čten stirn eines menschen sehen. die geschichte
gef├Ąllt mir. aber die gebrochene nase am schlu├č mi├čfiel mir.
wenn mir mein gewissen immer die nase brechen w├╝rde, h├Ątte
ich mittlerweile nur noch brei im gesicht.
doch, das ist eine sch├Âne geschichte. sie zeigt wunderbar die ohnmacht des greises vor der ungez├╝gelten aber auch
d├╝mmlichen lebenslust des 12-j├Ąhrigen jungen. das gewissen
schl├╝pft aus der beobachterrolle und schl├Ągt zu.
tolle 3-faltigkeit. wer gewinnt ist klar.
das gewissen nicht.

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen    


bassimax
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2002

Werke: 12
Kommentare: 52
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um bassimax eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo!

Also, die Interpunktation habe ich jetzt verbessert. Denke
ich zumindest. Ich meine allerdings auch, da├č man aus einer
Entfernung von zehn Metern erkennen kann, ob jemand schwitzt
oder nicht. Es ist mir klar, da├č diese Geschichte polarisiert. Grausamkeit ist nicht jedermanns Sache.

Sebastian

Bearbeiten/Löschen    


margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

vorausgesetzt die schwei├čperlen benetzen nicht den
von grausamkeit schon getr├╝bten blick.
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!