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Leselupe.de > Humor und Satire
Das Grillfest
Eingestellt am 14. 07. 2004 12:08


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Anna Osowski
Routinierter Autor
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Sie waren mir zuwider und eigentlich h├Ątten sie es wissen k├Ânnen. Vielleicht hatte sich der eine oder andere ├╝ber die Einladung gewundert, vermutlich wurde sie unterm Strich f├╝r ein vers├Âhnliches Angebot gehalten. Das Fest lag g├╝nstig an einem Samstagabend und ausnahmslos alle Nachbarn waren erschienen. Ordentlich verheiratete Paare, die Kinder buddelten idyllisch in der gro├čfl├Ąchigen Sandkiste. Niemand nahm Ansto├č daran, dass ich nur Salat und Tofuw├╝rstchen a├č, schlie├člich war bekannt, dass ich die vegetarische Ern├Ąhrung bevorzugte. Wie es sich geh├Ârte, benahm man sich tolerant und h├Ąmische Bemerkungen wurden an diesem Abend durch heimliches Grinsen ersetzt.

Einige Hausfrauen hatten gro├čz├╝gig Salate beigesteuert, die in k├╝rzlich erworbenen Tuppergef├Ą├čen herangetragen wurden. Der Grill, angefacht durch den fachm├Ąnnisch dreinblickenden Kassenwart der Siedlung, qualmte und stank, so dass niemand auf mein stilles L├Ącheln achtete. Vorsichtshalber war mein Sohn an diesem Abend bei den Gro├čeltern. Auch die Musikauswahl, die ich mit einer l├Ąssigen Gemeinheit traf (zuerst die fr├╝hen St├╝cke von Prince, sp├Ąter dann Wagner), konnte die allgemein gute Laune in keiner Weise tr├╝ben. Man gab sich M├╝he. Bald schon schmorten die ersten Fleischst├╝cke auf der Glut und zum Klang der unfassbar belanglosen Dialoge wurde das Grillzeug im Laufe einer guten Stunde restlos verspeist.

Mit steigendem Bierkonsum bewegte sich die Konversation bald vom hitzetobenden Wetter zur Gesundheitsreform und Gemeindeintrigen. Von K├╝rzungen war die Rede und sp├Ąter dann auch von Jugendkriminalit├Ąt und dem Verfall der Sitten. Ich hielt mich beobachtend und genie├čend bedeckt. Mein Schweigen kaum zu deuten, wurde f├╝r Sch├╝chternheit gehalten oder schlicht gar nicht beachtet. Man hatte seine ├╝blichen Gespr├Ąchspartner und geno├č die Abendd├Ąmmerung und die darin glei├čenden Fackeln. W├Ąhrend die letzten noch an ihren Fleischst├╝ckchen kauten, kam endlich die Rede auf die ersch├╝tternden Ereignisse in der Gemeinde, von denen die Presse seit einer Woche berichtete.

Mein Blick glitt ausdruckslos ├╝ber die Spuren des Gelages. Frau Gottwald, die gerade den Verlust ihres Riesensittichs beklagte, stocherte mit der Gabel in den Resten des Wurstsalats, w├Ąhrend Herr Liebold, der sich ├╝ber das vermutliche Ableben seines Cockerspaniels ausschwieg, schon l├Ąngst nur noch Knochenreste auf seinem Teller hatte. Herr Kunstmann, den ich pers├Ânlich am allerwenigsten leiden konnte, hatte zu meiner Zufriedenheit seinen unappetitlichen Bierbauch mit mindestens einem Kilo Koteletts ├╝berfordert. Ein wenig leid tat mir die zerbrechliche Frau Ehlers, Mutter zweier hagerer Jungs, die ├╝ber alles gut informiert war, wegen ihrer umfassenden Allergien jedoch nie ein Haustier halten konnte. Sie gab Insiderwissen ├╝ber die neuesten Ermittlungsergebnisse preis, weil sie seit einem Vierteljahr im Sekretariat des B├╝rgermeisters arbeitete.

Der Fall war so gut wie sicher auf dem Weg zur Ablage ÔÇ×unl├ÂsbarÔÇť. Insgesamt waren drei Hunde, zwei Katzen, sieben Wellen- und andere Sittiche sowie zw├Âlf Kleinnager auf ziemlich spontane und unerkl├Ąrliche Weise abhanden gekommen.

Ich war nun sicher, dass alle Spuren beseitigt waren. Mit einem sehr selbstzufriedenen Grinsen ging ich an diesem Abend ins Bett.

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An Anna Osowski

Leider kann ich dieser Geschichte keinen Witz abgewinnen. Das liegt aber nicht an meiner tierliebenden Natur, die nun den verspeisten Sittichen nachtrauern w├╝rde. Auch nicht an moralischen Bedenken, denn die l├Ąsst man beim Lesen von literarischen Texten am besten sein.

Was mich an deiner Geschichte st├Ârt, ist die Protagonistin, die sich in ├╝berheblicher Weise ├╝ber die Spie├čer setzt. Sie urteilt, und teilt aus. Sie blickt herab und missachtet. Das solltest du ├Ąndern.

Und erz├Ąhlt hast du auch zu wenig. Erst im letzten Abschnitt gibt es Ans├Ątze, da, wo die Nachbarn Namen bekommen und ihr Charakter ein wenig beschrieben wird. Vorher ist es eher der Bericht einer sich ├╝ber die anderen mit erhobenem Finger stellenden Person.

Ich konnte an keiner Stelle lachen oder schmunzeln. Und du w├╝rdest dein Ziel am besten erreicht haben, wenn der Leser am Ende zu dem Schluss kommt, den die Protagonistin ihm vorweg nimmt.

Lotte Werther

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majissa
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Ich liebe Wellensittiche!



Ohne Kopf, ged├╝nstet, mit Rotkraut, Pellkartoffeln und einem Lorbeerblatt.

Hallo Anna,

nach dem kleinen Scherz da oben komme ich zu deiner Geschichte, die mir ausgesprochen behagte. Mir gef├Ąllt die erhabene, schon an Zynismus grenzende, Sichtweise, aus der du deine Protagonistin erz├Ąhlen l├Ąsst. Sicher mag es starker Tobak sein, von gegrillten Tieren zu schreiben, doch in der Literatur sollte auch das erlaubt sein. Besonders, wenn es wie hier so galant, stilsicher und unterhaltsam pr├Ąsentiert wird. Ein gro├čes Lob also von mir f├╝r Idee und Umsetzung. Dass deine Geschichten wie aus einem Guss sind, fiel mir schon bei deinen anderen Werken auf. Das findet man hier eher selten.

Lieben Gru├č
Majissa

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Anna Osowski
Routinierter Autor
Registriert: Jun 2004

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Liebe Lotte, liebe Majissa.

Der eine kann dr├╝ber lachen/schmunzeln, der andere nicht. Soviel habe ich hier gelernt. Das mit dem "aus einem Guss" ehrt mich, ich selbst habe diesen Eindruck bei den St├╝cken, die in einer Stunde runtergeschrieben sind. Wie dies hier auch.

Was nun aber Deine Einw├Ąnde betrifft, Lotte. Zum einen sollte es keine Erz├Ąhlung werden, deshalb habe ich auf Profile verzichtet. Wie bei vielen meiner Fragmente lasse ich gro├če Teile weg. Zum Weiteren: ├ťberheblichkiet kann man da hineinlesen, aber es gibt doch auch noch ganz andere Lesarten?! Den erhobenen Finger kann ich irgendwie auch gar nicht finden, daf├╝r bleiben die Motivationen viel zu diffus. Au├čerdem habe ich Deinen letzten Satz nicht verstanden. Was nehme ich dem Leser vorweg? So gern ich Deine Textkritiken hier immer wieder lese, weil sie so ausgesprochen differenziert und sorgf├Ąltig sind, so wenig kann ich leider in diesem Fall damit anfangen. Trotzdem vielen Dank f├╝rs Befassen.

Lieben Gru├č
Anna
__________________
"Gro├če Geister m├╝ssen bereit sein, nicht nur Gelegenheiten zu ergreifen, sondern sie zu schaffen."
(Charles Colton, engl. Geistlicher 1780-1832)

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Lotte Werther
Guest
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Gerne melde ich mich nochmals.

Sie waren mir zuwider und eigentlich h├Ątten sie es wissen k├Ânnen.

Schon im ersten Satz gibst du die Gef├╝hle der Protag. zu ihren Nachbarn preis.

Wie es sich geh├Ârte, benahm man sich tolerant und h├Ąmische Bemerkungen wurden an diesem Abend durch heimliches Grinsen ersetzt.

Bei diesem Satz ist es auch klar, dass sie sich ├╝ber die lieben Nachbarn stellt.

Auch die Musikauswahl, die ich mit einer l├Ąssigen Gemeinheit traf...

Hier wieder – anstatt den Leser feststellen zu lassen, dass sie gemein ist, servierst du es ihm. Das nenne ich vorwegnehmen und ich bleibe bei meiner Meinung.

...sp├Ąter dann Wagner), konnte die allgemein gute Laune in keiner Weise tr├╝ben. Man gab sich M├╝he...

Wenn du Musik von Wagner erw├Ąhnst mit dem Zusatz, „Man gab sich M├╝he“ - ist das eine ├╝berhebliche Aussage der Prot.

Was nun nicht heissen soll, dass die lieben Nachbarn nicht Spie├čer w├Ąren, aber du hast es eben direkt gesagt, durch deine Wortwahl. Und das finde ich nicht spannend.
Und auch nicht am├╝sant.

... zum Klang der unfassbar belanglosen Dialoge wurde das Grillzeug im Laufe einer guten Stunde restlos verspeist.

Und wieder – anstatt Dialoge zu bringen, die mich folgern lassen, dass sie unfassbar sind, l├Ąsst du die Prot. das sagen und sich damit mit erhobenem Finger ├╝ber die anderen stellen.

Ich glaube, ich habe nun ausf├╝hrlich und verst├Ąndlich genug meinen Satz vom Vorwegnehmen erkl├Ąrt.

Und dieser zweite Kommentar ist keine Rechtfertigung meines ersten, sondern als Hilfe f├╝r dich gedacht.

Meine Intention ist es nicht, jemanden einzustampfen, sondern ihn zu f├Ârdern.

Lotte Werther

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AndreasGaertner
Guest
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hallo liebe Anna,

ich habe noch ein paar Anmerkungen zu Deinem Text.


Sie waren mir zuwider und eigentlich h├Ątten sie es wissen k├Ânnen. Vielleicht hatte sich der eine oder andere ├╝ber die Einladung gewundert, vermutlich wurde sie unterm Strich f├╝r ein vers├Âhnliches Angebot gehalten. Das Fest lag g├╝nstig an einem Samstagabend und ausnahmslos alle Nachbarn waren erschienen. Ordentlich verheiratete Paare, die Kinder buddelten idyllisch Sie buddelten bestimmt nicht idyllisch, sondern die Szenerie soll idyllisch sein.in der gro├čfl├Ąchigen Sandkiste. Niemand nahm Ansto├č daran, dass ich nur Salat und Tofuw├╝rstchen a├č vielleicht haben die Leute ja heimlich gegrinst?, schlie├člich war bekannt, dass ich die vegetarische Ern├Ąhrung bevorzugte. Wie es sich geh├Ârte, benahm man sich tolerant und h├Ąmische Bemerkungen wurden an diesem Abend durch heimliches Grinsen ersetzt.

Einige Hausfrauen hatten gro├čz├╝gig Salate beigesteuert, die in k├╝rzlich erworbenen Tuppergef├Ą├čen herangetragen wurden. Einige gro├čz├╝gige Hausfrauen hatten in Tuppergef├Ą├čen Salate herangetragen.Der Grill, angefacht durch den fachm├Ąnnisch dreinblickenden ?Kassenwart der Siedlung, qualmte und stank, so dass niemand auf mein stilles L├Ącheln achtete. Vorsichtshalber war mein Sohn an diesem Abend bei den Gro├čeltern. Auch die Musikauswahl, die ich mit einer l├Ąssigen Gemeinheit traf (zuerst die fr├╝hen St├╝cke von Prince, sp├Ąter dann Wagner), konnte die allgemein gute Laune in keiner Weise tr├╝ben. Man gab sich M├╝he. Bald schon schmorten die ersten Fleischst├╝cke auf der Glut und zum Klang Klang?der unfassbar belanglosen Dialoge wurde das Grillzeug im Laufe einer guten Stunde restlos verspeist.

Mit steigendem Bierkonsum bewegte sich die Konversation bald vom hitzetobenden? Wetter zur Gesundheitsreform und Gemeindeintrigen. Von K├╝rzungen war die Rede und sp├Ąter dann auch von Jugendkriminalit├Ąt und dem Verfall der Sitten. Ich hielt mich beobachtend und genie├čend bedeckt. Mein Schweigen kaum zu deuten, wurde f├╝r Sch├╝chternheit gehalten oder schlicht gar nicht beachtet. Man hatte seine ├╝blichen Gespr├Ąchspartner und geno├č die Abendd├Ąmmerung und die darin glei├čenden glei├čen ist unertr├Ąglich grelles Licht Fackeln. W├Ąhrend die letzten noch an ihren Fleischst├╝ckchen Fleischst├╝cke zum Zweiten kauten, kam endlich die Rede auf die ersch├╝tternden Ereignisse in der Gemeinde, von denen die Presse seit einer Woche berichtete.

Mein Blick glitt ausdruckslos ├╝ber die Spuren des Gelages. Frau Gottwald, die gerade den Verlust ihres Riesensittichs beklagte, stocherte mit der Gabel in den Resten des Wurstsalats, w├Ąhrend Herr Liebold, der sich ├╝ber das vermutliche Ableben seines Cockerspaniels ausschwieg, schon l├Ąngst nur noch Knochenreste auf seinem Teller hatte. Herr Kunstmann, den ich pers├Ânlich am allerwenigsten leiden konnte, hatte zu meiner Zufriedenheit seinen unappetitlichen Bierbauch mit mindestens einem Kilo Koteletts ├╝berfordert??. Ein wenig leid tat mir die zerbrechliche Frau Ehlers, Mutter zweier hagerer Jungs, die ├╝ber alles gut informiert war, wegen ihrer umfassenden Allergien jedoch nie ein Haustier halten konnte. Sie gab Insiderwissen Englischdeutschwort├╝ber die neuesten Ermittlungsergebnisse preis, weil sie seit einem Vierteljahr im Sekretariat des B├╝rgermeisters arbeitete.

Der Fall war so gut wie sicher auf dem Weg zur Ablage ÔÇ×unl├ÂsbarÔÇť. Insgesamt waren drei Hunde, zwei Katzen, sieben Wellen- und andere Sittiche sowie zw├Âlf Kleinnager auf ziemlich spontane und unerkl├Ąrliche Weise abhanden gekommen.

Ich war nun sicher, dass alle Spuren beseitigt waren. Mit einem sehr selbstzufriedenen Grinsen Ausdruckslos?ging ich an diesem Abend ins Bett.

Liebe Anna, Dein Text ist holprig und tr├Ągt NUR etwas Sarkasmus in sich.

Liebe Gr├╝sse

Andreas





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rabi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2001

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Ich finde die Idee sehr interessant und auch die Art und Weise, wie sie umgesetzt wurde. Es ist eine sogenannte Story-of-Second-Reading, wie ich es immer nenne.

Beim ersten Lesen wei├č der Leser bis zu 90 Prozent des Textes ├╝berhaupt nicht, worauf der Autor ├╝berhaupt hinaus will. (Da gibt richtet jemand ein Grillfest aus, und setzt sich dann als Gastgeber still in die Ecke)

Erst beim zweiten Lesen "versteht" man die Geschichte. Und auch das Belehrende, der erhobene Zeigefinger des Protagonisten ist dann besser zu verstehen.
__________________
rabi

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