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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Haus auf dem Hügel
Eingestellt am 12. 08. 2002 22:31


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SusannaS
Hobbydichter
Registriert: Jul 2002

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Das Haus auf dem Hügel

„Seit mehr als dreißig Jahren verfolgt mich der Schrecken jener Nacht. Meine Träume zeigen mir immer wieder das Gesicht des alten Mannes, dessen richtigen Namen ich nie erfuhr.

Die Gegend, in der das verfluchte Haus stand, habe ich nie wieder besucht, und trotzdem werde ich die Gespenster der Vergangenheit nicht los. Vielleicht lag es an dem Zweifel, der mich quälte und der jetzt seine furchtbare Bestätigung fand.“

Die alte Frau schwieg und tastete wie blind nach ihrer Kaffeetasse. Dann gab sie sich einen Ruck und sprach weiter: „Aber ich bin hier, um Ihnen meine Geschichte von Anfang an zu erzählen, Sie werden mich sonst wohl nicht verstehen. Vielleicht können Sie es auch danach noch nicht. Ich kann es ja selbst nicht begreifen.“

„Horst und ich waren noch nicht lange verheiratet gewesen. Wir hatten unseren ersten eigenen Wagen gekauft, aus ich weiß nicht wievielter Hand, und genossen es, an den Sommerabenden stundenlang durch die nähere und fernere Umgebung zu fahren. Damals fand man noch Stellen, die nur spärlich besiedelt waren und die stillen Landschaften trugen zur Muße nach einem hektischen, arbeitsreichen Tag bei.

An jenem Abend fuhren wir auf der Hauptstraße nach R., wie wir es schon oft getan hatten. Wir waren etwas weiter gefahren als gewöhnlich, und so entdeckten wir eine Nebenstrecke, die wir noch nie gesehen hatten. Wir bogen ab und kamen durch ein Gebiet, in dem die wenigen Häuser in völliger Dunkelheit lagen. Es ging auf Mitternacht zu, als plötzlich unser alter Wagen nicht mehr weiter konnte. Am Fuße eines Hügels blieb er stehen, keuchte noch einmal ein wenig und rührte sich dann nicht mehr. Wir waren verzweifelt, denn unsere Bemühungen um den Motor führten zu nichts. Als wir uns dann umsahen, stellten wir aber zu unserer Erleichterung fest, dass auf dem Hügel ein großes Haus stand. Vielleicht konnte mein Mann die Eigentümer wecken und von dort aus den Garagennotdienst anrufen. Ich wartete im Wagen auf ihn. Die Zeit kam mir unglaublich lang vor.

Plötzlich flog die Tür des Hauses auf und Horst kam wie von wilden Furien gehetzt auf mich zugelaufen. Er riss die Wagentür auf, ließ sich auf den Fahrersitz fallen und schlug die Tür sofort wieder zu. Seine Hände zitterten, seine Lippen waren weiß. Es bedurfte vieler beruhigender Worte, bis er mir endlich erzählen konnte, was geschehen war. Dies waren seine Worte:

‘Auf mein Klingeln wurde sofort geöffnet. Vor mir stand ein großer, alter Mann. Eine Flut schneeweißer Haare fiel in seine Stirn, er hielt sich sehr aufrecht und war sehr gut gekleidet. Er musste aus einem der hinteren Räume gekommen sein, denn dort brannte Licht. Ich schilderte ihm unsere Notlage. Er bat mich herein und führte mich zum Telefon. Dann brachte er mir eine Tageszeitung, aus der ich die Nummer des Notdienstes heraussuchte. Als ich jedoch den Hörer aufnahm, war die Leitung tot. Ich sagte dies meinem freundlichen Helfer und war sehr verwundert über seine heftige Reaktion. Er erbleichte und murmelte etwas wie „Das Schicksal ruft!“. Sein Blick wurde starr und er rief heftig: „Gehen Sie! Gehen Sie sofort!“ Mysteriöse Geräusche drangen aus dem hinteren Raum. Als ich mich umdrehte, glaube ich durch die halb geöffnete Tür einen Schatten zu sehen, der sich langsam auf uns zu bewegte. Mein Gastgeber stand still und starrte an mir vorbei auf genau diese Tür. Ich bekam Angst, rannte hinaus und ... – ja, hier bin ich nun und weiß nicht, ob ich mich nicht völlig albern benommen habe.’

In diesem Moment hörten wir einen lauten Knall. Wir sahen zu dem Haus hinauf, das plötzlich in Flammen aufging. Und da sah ich ihn: den alten Mann. Er musste sich mit letzter Kraft an dem Vorderfenster hochgestemmt haben. Sein Gesicht war im Schein des Feuers deutlich zu erkennen. Ein edles Gesicht, dem die Zeit nicht geschadet hatte. Doch es war blutüberströmt.

Zuerst waren wir wie gelähmt. Dann sagte Horst, dass wir schnell wegfahren müssten, damit uns nicht noch etwas passiere. Aber mit einem kaputten Wagen? Horst stieg mutig aus, zog mich auf den Fahrersitz und gab mir Anweisungen, während er das Auto anschob. Tatsächlich geschah das Wunder: der Motor lief wieder und mein Mann stieg ein und übernahm das Steuer. So schnell wir konnten, fuhren wir nach Hause.

Die Explosion musste wohl die Nachbarn aufgeschreckt haben. Auf der Straße nach R. begegneten uns die Feuerwehrwagen. Horst war erleichtert, dass er nun keine Meldung mehr machen musste. Er schärfte mir ein, dass wir auf gar keinen Fall mit der Sache etwas zu tun haben sollten und dass ich mit niemandem darüber sprechen sollte.

Die Schlagzeilen der nächsten Wochen waren nur diesem Unglücksfall gewidmet. Die wildesten Vermutungen wurden angestellt und die Wellen schlugen hoch, als die Presse erfuhr, dass der Tote offenbar mit einem falschen Pass hier gelebt hatte. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass er in den Wirren des Zweiten Welkriegs ein Agent des Widerstands gewesen sein sollte, der viele Nazischergen ausgeliefert hatte und von den Besatzungsmächten mit einem falschen Namen geschützt worden war. Doch aufgeklärt wurde das Verbrechen nie. Irgendwann stellte man die Ermittlungen ein und das Presseecho verklang. In den folgenden Jahren ist der Fall zwar das eine oder andere Mal wieder aufgerollt worden, aber es gab keine neuen Ergebnisse.

Vor zwei Monaten ist dann mein Horst an einem Schlaganfall gestorben. Ich sah seine alten Unterlagen durch und stieß auf Papiere, die seine Arbeit in den vierziger Jahren betrafen. Er hatte mir nie von dieser Zeit erzählt, als wir uns noch nicht kannten und in verschiedenen Teilen Deutschlands gelebt hatten. Deshalb war ich besonders neugierig. In einem alten Schuhkarton auf dem Boden, den er unter abgelegte und nie weggeworfene Kleidungsstücke geschoben hatte, fand ich es dann.

Die Urkunden sagten, dass mein Horst für Transporte in die Konzentrationslager verantwortlich gewesen war.

Mein ruhiger, friedlicher Horst? Ich konnte es nicht glauben.

Aber ein anderer Zettel wühlte mich noch mehr auf. Eine Skizze war darauf gemalt. Sie zeigte genau die Stelle, an der dieses schreckliche Haus gestanden hatte, mit einer genauen Beschreibung des Weges.

Ich drehte den Zettel um und fand die Inschrift auf der Rückseite: Verräter gefunden. Tu, was Du musst. Das Schicksal ruft!“


__________________
Susanne Schnitzler

"Be careful of your thoughts; they may become words at any moment."---Ira Gassen

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annabelle g.
Guest
Registriert: Not Yet


hallo susanna, deine geschichte ist gut geschrieben, konzentriert sich auf das wesentliche und hält den leser nicht auf. manchmal erschien sie mir als "erzählte erzählung" etwas zu sehr in schriftdetusch gehalten.

näheres findest du im text!

schöne grüße, annabelle


Das Haus auf dem Hügel

„Seit mehr als dreißig Jahren verfolgt mich der Schrecken jener Nacht. Meine Träume zeigen mir immer wieder das Gesicht des alten Mannes, dessen richtigen Namen ich nie erfuhr.

Die Gegend, in der das verfluchte Haus stand, habe ich nie wieder besucht, und trotzdem werde ich die Gespenster der Vergangenheit nicht los. Vielleicht lag es an dem Zweifel, der mich quälte und der jetzt seine furchtbare Bestätigung fand.“

Die alte Frau schwieg und tastete wie blind nach ihrer Kaffeetasse. Dann gab sie sich einen Ruck und sprach weiter: „Aber ich bin hier, um Ihnen meine Geschichte von Anfang an zu erzählen, Sie werden mich sonst wohl nicht verstehen. Vielleicht können Sie es auch danach noch nicht. Ich kann es ja selbst nicht begreifen.“

„Horst und ich waren noch nicht lange verheiratet gewesen. Wir hatten unseren ersten eigenen Wagen gekauft, aus ich weiß nicht wievielter Hand, und genossen es, an den Sommerabenden stundenlang durch die nähere und fernere Umgebung zu fahren. Damals fand man noch Stellen, die nur spärlich besiedelt waren und die stillen Landschaften trugen zur Muße nach einem hektischen, arbeitsreichen Tag bei. (das ist zu ausformuliert für gesprochenen sprache)

An jenem Abend fuhren wir auf der Hauptstraße nach R., wie wir es schon oft getan hatten. Wir waren etwas weiter gefahren, wiederholung als gewöhnlich, und so entdeckten wir eine Nebenstrecke, die wir noch nie gesehen hatten. Wir bogen ab und kamen durch ein Gebiet, in dem die wenigen Häuser in völliger Dunkelheit lagen. Es ging auf Mitternacht zu, als plötzlich unser alter Wagen nicht mehr weiter konnte. am Fuße eines Hügels stehenblieb blieb er stehen, noch einmal keuchte und sich nicht mehr rührte. Wir waren verzweifel. , denn unsere Bemühungen um den Motor führten zu nichts. Als wir uns dann umsahen, stellten wir aber zu unserer Erleichterung fest, dass auf dem Hügel ein großes Haus stand. Vielleicht konnte mein Mann die Eigentümer wecken und von dort aus den Garagennotdienst anrufen. Ich wartete im Wagen auf ihn. Die Zeit kam mir unglaublich lang vor.

Plötzlich flog die Tür des Hauses auf und Horst kam wie von wilden Furien gehetzt auf mich zugelaufen. Er riss die Wagentür auf, ließ sich auf den Fahrersitz fallen und schlug die Tür sofort wieder zu. Seine Hände zitterten, seine Lippen waren weiß. Es bedurfte vieler beruhigender Worte, bis er mir endlich erzählen konnte, was geschehen war. Dies waren seine Worte:; zu ausformuliert, sie erzählt ja noch

Auf mein Klingeln wurde sofort geöffnet. Vor mir stand ein großer, alter Mann. Eine Flut schneeweißer Haare fiel in seine Stirn, er hielt sich sehr aufrecht und war sehr gut gekleidet. Er musste aus einem der hinteren Räume gekommen sein, denn dort brannte Licht. Ich schilderte ihm unsere Notlage. Er bat mich herein und führte mich zum Telefon. Dann brachte er mir eine Tageszeitung, aus der ich die Nummer des Notdienstes heraussuchte. Als ich jedoch den Hörer aufnahm, war die Leitung tot. Ich sagte dies meinem freundlichen Helfer und war sehr verwundert über seine heftige Reaktion. Er erbleichte und murmelte etwas wie „Das Schicksal ruft!“. Sein Blick wurde starr und er rief heftig: „Gehen Sie! Gehen Sie sofort!“ Mysteriöse Geräusche drangen aus dem hinteren Raum. Als ich mich umdrehte, glaube ich durch die halb geöffnete Tür einen Schatten zu sehen, der sich langsam auf uns zu bewegte. Mein Gastgeber stand still und starrte an mir vorbei auf genau diese Tür. Ich bekam Angst, rannte hinaus und ... – ja, hier bin ich nun und weiß nicht, ob ich mich nicht völlig albern benommen habe.’

In diesem Moment hörten wir einen lauten Knall. Wir sahen zu dem Haus hinauf, das plötzlich in Flammen aufging. Und da sah ich ihn: den alten Mann. Er musste sich mit letzter Kraft an dem Vorderfenster hochgestemmt haben. Sein Gesicht war im Schein des Feuers deutlich zu erkennen. Ein edles Gesicht, dem die Zeit nicht geschadet hatte. Doch Es war blutüberströmt.

Zuerst waren wir wie gelähmt. Dann sagte Horst, dass wir schnell wegfahren müssten, damit uns nicht noch etwas passiere. Aber mit einem kaputten Wagen? Horst stieg mutig aus, zog mich auf den Fahrersitz und gab mir Anweisungen, während er das Auto anschob. Tatsächlich geschah das Wunder: der Motor lief wieder und mein Mann stieg ein und übernahm das Steuer. So schnell wir konnten, fuhren wir nach Hause.

Die Explosion musste wohl die Nachbarn aufgeschreckt haben. Auf der Straße nach R. begegneten uns die Feuerwehrwagen. Horst war erleichtert, dass er nun keine Meldung mehr machen musste. Er schärfte mir ein, dass wir auf gar keinen Fall mit der Sache etwas zu tun haben sollten und dass ich mit niemandem darüber sprechen sollte.

Die Schlagzeilen der nächsten Wochen waren nur diesem Unglücksfall gewidmet. Die wildesten Vermutungen wurden angestellt und die Wellen schlugen hoch, als die Presse erfuhr, dass der Tote offenbar mit einem falschen Pass hier gelebt hatte. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass er in den Wirren des Zweiten Welkriegs ein Agent des Widerstands gewesen sein sollte, der viele Nazischergen ausgeliefert hatte und von den Besatzungsmächten mit einem falschen Namen geschützt worden war. Doch aufgeklärt wurde das Verbrechen nie. Irgendwann stellte man die Ermittlungen ein und das Presseecho verklang. In den folgenden Jahren ist der Fall zwar das eine oder andere Mal wieder aufgerollt worden, aber es gab keine neuen Ergebnisse.

Vor zwei Monaten ist dann mein Horst an einem Schlaganfall gestorben. Ich sah seine alten Unterlagen durch und stieß auf Papiere, die seine Arbeit in den vierziger Jahren betrafen. Er hatte mir nie von dieser Zeit erzählt, als wir uns noch nicht kannten und in verschiedenen Teilen Deutschlands gelebt hatten. ?Deshalb war ich besonders neugierig. In einem alten Schuhkarton auf dem Boden, den er unter abgelegte und nie weggeworfene Kleidungsstücke geschoben hatte, fand ich es dann.

Die Urkunden sagten, dass mein Horst für Transporte in die Konzentrationslager verantwortlich gewesen war.

Mein ruhiger, friedlicher Horst? Ich konnte es nicht glauben.

Aber Ein anderer Zettel wühlte mich noch mehr auf. Eine Skizze war darauf gemalt, besser „gezeichnet“. Sie zeigte genau die Stelle, an der dieses schreckliche Haus gestanden hatte, mit einer genauen Beschreibung des Weges.

Ich drehte den Zettel um und fand die Inschrift auf der Rückseite: Verräter gefunden. Tu, was Du musst. Das Schicksal ruft!“

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SusannaS
Hobbydichter
Registriert: Jul 2002

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Kommentare: 2
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Hallo Annabelle,

vielen Dank ! Ich habe mich nicht nur gefreut, sondern die Tipps gleich rüberkopiert und eingearbeitet ;-)

Liebe Grüße und ich freue mich auf's Weitere

SusannaS
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Susanne Schnitzler

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