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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Hörspiel
Eingestellt am 10. 11. 2004 07:34


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flammarion
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Das Hörspiel

Kaum, dass ich einen Kassettenrecorder besaß, wollte ich auch schon zusammen mit meinem Bruder ein Hörspiel machen. Weitere Mitwirkende sollten meine Schwägerin und ein Freund meines Bruders sein.
Natürlich musste erst einmal ein Konzept gemacht werden, wovon das Hörspiel handeln soll und so. Leider konnten wir uns lange nicht auf ein Szenario einigen. Schlug ich etwas vor, gefiel es ihm nicht und umgekehrt. Wenn gar seine Frau etwas vorschlug, wurde sie von uns beiden ausgelacht.
Endlich einigten wir uns auf eine utopische Geschichte. Eilig begann ich, das „Drehbuch“ zu schreiben. Auf der dritten Seite gab es bereits die nächsten Differenzen mit meinem Bruder. Während ich nämlich die Außerirdischen näher kennen lernen wollte, hatte er nur im Sinn, sie recht effektiv zu vernichten. Das passte mir aber gar nicht.
So verlief die Sache im Sande; und ich hatte schon ein Mikrophon gekauft, eine Geräusche – Kassette und ein paar leere für die Aufnahmen. Das war 1970 gar nicht billig; die leeren Kassetten kosteten allein schon zwanzig Mark das Stück. Besonders gern hatte ich die in Russland produzierten Kassetten, die waren nicht verschweißt, sondern verschraubt, so konnte man im Falle eines Falles das Band reparieren. Ich habe damals etliche Tonbänder mit Nagellack geklebt!
In Punkto Hörspiel ließ ich den Mut nicht sinken, sondern hoffte auf nettere Kumpels, die sich für meine Idee erwärmen ließen. Jedoch nahmen meine Kinder so viel Zeit in Anspruch, dass ich mein hochtrabendes Projekt irgendwann vergaß.

Kürzlich wollte ich für meinen Seniorenclub einen geselligen Nachmittag gestalten und suchte zwischen meinen Kassetten nach alten Schlagern. Ich hatte die verstaubten Dinger ewig lange nicht mehr gehört und schwelgte in seligen Jugend-Erinnerungen. Bald fehlte mir nur noch ein bestimmter Titel zum Gelingen des Abends, aber ich konnte ihn nicht finden. Gewissenhaft legte ich eine Kassette nach der anderen ein; der Schlager musste irgendwo drauf sein, ich hatte ihn doch damals soo geliebt! Auf einer mit „alte Lieder“ beschrifteten Kassette – es war die letzte in der Kiste – bekam ich plötzlich Kinderstimmen zu hören und klirrende, kratzende Geräusche.
Was war das denn? Als Namen genannt wurden, wusste ich, dass sich meine Kinder da wohl einen Spaß gemacht hatten. Zu jenem Zeitpunkt waren sie zwischen acht und zwölf Jahre alt. Ich hörte genauer hin und geriet in ein Hörspiel, völlig aus dem Stegreif gegriffen. Es bestand schlicht und einfach aus Kinderliedern, Schlagern, heiteren Dialogen und kleinen Geschichten, untermalt von den „Klängen“ zweier Eierschneider.
Ach, wenn mir wenigstens so etwas mit meinem Bruder gelungen wäre! Waren wir Mittzwanziger etwa zu alt? Nein, vielleicht war ich nur zu begierig, etwas Bemerkenswertes zu tun.

__________________
Old Icke

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