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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Hohelied der Zivilcourage
Eingestellt am 15. 10. 2006 18:00


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petrasmiles
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Das hervorstechendeste Merkmal von Manfred ist seine UnauffÀlligkeit.
In einer Menge Menschen gleitet der Blick ĂŒber ihn hinweg.
Wenn man ihn nÀher kennen lernt, fallen seine warmen braunen Augen auf,
flankiert von einem schĂŒchternen LĂ€cheln.
Manfred kann aber auch stur sein und wenn man ihn einige Zeit beobachtet,
bemerkt man seine Eitelkeit.
Glaubt man den Geschichten, hat er einen Stein im Brett bei seinen Vorgesetzten.
NatĂŒrlich mĂ€nnlichen Vorgesetzten. Da scheint er eine Art Welpenschutz zu genießen, den es in der Natur so gar nicht gibt.
FĂŒr Frauen gilt er eher als ZutrĂ€ger.

Einmal gebĂ€rdete sich seine Firma wie ein zotteliger, in den Regen gekommener Hund. Er schĂŒttelte sich und was nicht angewachsen war, landete in einer PfĂŒtze auf dem Boden.
Obwohl es einige gab, die den Regen kommen sahen und sich schon frĂŒh in Sicherheit brachten.
Nicht so Manfred.
Aber Manfred hat sich mit seinen kurzen Ärmchen ganz fest gekrallt.
Ihn gibt es noch.

Auch Renate sah keinen Grund, das Weite zu suchen.
Wie eine echte FĂŒhrungskraft hat sie schon frĂŒh ein gerĂŒttelt Maß ihrer Arbeitszeit darauf verwendet, auf PR-Tour in eigener Sache zu gehen.
Gut sieht sie aus in ihrem grauen KostĂŒm.
Sie ist der Typ Rassefrau, die um so anziehender wirken, je einfacher ihr Aufzug ist. Es macht Spaß, mit ihr in der Kantine gesehen zu werden.
Immer umgibt sie eine Aura der GeschĂ€ftstĂŒchtigkeit und sie kann gut mit Excel umgehen.
Sie wird nicht mĂŒde, sich an Meetings und Workshops zu beteiligen, die nur entfernt mit ihrer Arbeit zu tun haben.
Sie bringt dann ihren Bereich ein.
Ganz besonders gut kann sie Arbeitsaufwand in andere Bereiche hineindelegieren, bevorzugt an Mitarbeiter, die noch nie ‚nein’ sagen konnten.
Nach der SchĂŒttelkur stieg sie zur Teamchefin auf.
Solche Leute sind eben unverzichtbar.

Man sollte auch Thorsten nicht vergessen. Thorsten ist Sportsmann.
Er hat so ein ausgesprochen jungenhaftes LĂ€cheln im Gesicht.
Wenn er den Raum betritt, scheint die Luft von seiner Energie zu knistern.
Man wartet darauf, dass ihm die Hemdknöpfe von der breiten Brust springen, so vital und mÀnnlich wirkt er trotz der Neutralisierung durch den Anzug.
Thorsten ist ein KĂŒnstler an der Tastatur, kennt alle Kniffe, auch die traurigsten Wahrheiten in ein attraktives Format zu gießen.
Er ist immer ganz bei sich, weiß immer, was er will und hat meist auch eine Idee, wie er es bekommt. Gleichzeitig, und das ist sein wahres Talent, verbreitet er den Eindruck, allzeit bereit zu sein.
Und bei den richtigen Leuten ist er es auch.
Er hat nicht wirklich einen Ehrgeiz, der ĂŒber die nĂ€chste Ziellinie hinausgeht, aber er lebt in der Gewissheit, dass sich der Weg nach oben aus einer Kette solcher Ziellinien zusammensetzt und ist frohen Mutes.
Sein Optimismus ist begrĂŒndet.
Er zÀhlt zu den Davongekommenen.

Und da ist Peter. Peter hat schon immer viele Freunde gehabt.
Jeder kann zu Peter mit seinen Wehwehchen kommen.
Ganz zornig vor Empörung wird er, wenn es um Ungerechtigkeiten geht,
und er hat schon so manchen Strauß ausgefochten.
Peter lebt und arbeitet in der Gewissheit, die Seele des Betriebs zu sein.
Wenn eine neue Software eingefĂŒhrt wird, ihn kann man alles fragen.
Keiner, der nicht meint, der Peter sei ein feiner Kerl.
Peter kommt gerne ein bisschen spÀter.
Auch ansonsten ist er ein bisschen eigenwillig, weil er gerne Spaß an der Arbeit hat und gute Arbeit zu schĂ€tzen weiß.
Aber er mag seinen Chef, und sein Chef mag ihn.
Auf dem Weg zur Kantine muss er viele Menschen grĂŒĂŸen.

Manfred und Renate treffen sich in der Kantine.
GeĂŒbten Blickes erfassen sie die gelichteten Reihen.
Man tauscht sich aus darĂŒber, mit wem man es demnĂ€chst an welcher Stelle zu tun haben wird.
Ein ‚Hast Du schon gehört?’, und ‚Wie ist das nur möglich?’, wird geflĂŒstert, nach rechts gegrĂŒĂŸt, nach links genickt.
‚Nein, wirklich Peter?’ ‚Na, ja, eigentlich ja keine Überraschung.’ ‚Da hat er sich wohl einen Feind zuviel gemacht.’ Man blickt betreten zur Seite. ‚Ist aber auch untragbar, diese Unruhe, die er reingebracht hat.’
Renate lĂ€chelt nach links. Manfred nickt grĂŒĂŸend nach rechts.

Am Nachbartisch sitzt Thorsten schÀkernd neben der neuen Auszubildenden, die verlegen lÀchelnd ihre SalatblÀtter sortiert.

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Gabriele
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Sehr gut,

mit scharfem Blick und treffsicherer Ironie hast Du da die einzelnen Typen herausgearbeitet.
Allein die Idee, die Firma mit einem "zotteligen, in den Regen gekommenen Hund" zu vergleichen...
Ein paar (nicht wirklich bedeutsame) Kleinigkeiten sind mir beim Lesen aufgefallen:

quote:
Sie ist der Typ Rassefrau, die um so anziehender wirken, desto je einfacher ihr Aufzug ist.

quote:
Sie wird nicht mĂŒde, sich an Meetings und Workshops zu beteiligen, die auch (vielleicht stattdessen bestenfalls? oder ganz weglassen) nur entfernt mit ihrer Arbeit zu tun haben.

Ansonsten ein toller kleiner Text!
Liebe GrĂŒĂŸe
Gabriele
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petrasmiles
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Dankeschön!
Die VorschlÀge habe ich sofort umgesetzt; feine GlÀttungen das!
Liebe GrĂŒĂŸe
Petra

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HFleiss
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Das Hohelied der Zivilcourage

Petrasmiles, das ist keine Kurzgeschichte, sondern eine Anreihung von Behauptungen, die sich zwar ganz nett lesen, aber mehr ist dieser Text nicht. Mach dich mal schlau, wie eine Kurzgeschichte aufgebaut wird, es gibt genĂŒgend Literatur dazu.

Gruß
Hanna

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GabiSils
???
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Hanna, du siehst die Geschichte zwischen den "Behauptungen" nicht. Sie ist aber trotzdem da, und es gefĂ€llt mir sehr gut, wie unaufdringlich hier die Aussage transportiert wird. Petra hĂ€tte auch einen "Betroffenheitstext" schreiben können, zum GlĂŒck hat sie es nicht getan.

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HFleiss
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Das Hohelied der Zivilcourage

Gabi, die Kurzgeschichte könnte da sein, nĂ€mlich dann, wenn sie ihre Personen, die sie ganz gut beschreibt, in eine Situation stellt, wo sie die Beschreibungen beweist. Es gibt keine Story, keinen Konflikt - nichts. Es gibt nur Personenbeschreibungen, und das ist die Vorarbeit fĂŒr eine Kurzgeschichte (hat selbst aber darin ĂŒberhaupt nichts zu suchen). Hört man doch schon an der Bezeichnung des Genres: KurzGESCHICHTE. Wo aber ist sie? NatĂŒrlich kann ich mir eine ganze Menge denken, wenn ich mir vorstelle, diese Leute geraten in eine Entscheidungssituation. Aber Petrasmiles erfindet eben diese Situation nicht, insofern kann man hier wohl kaum von einer GESCHICHTE reden, denke ich.

Gruß
Hanna

Gruß
Hanna

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