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Leselupe.de > Lange Texte
Das Jahrtausendgrab 2
Eingestellt am 07. 03. 2004 16:32


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Marcel Sommerick
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Das Jahrtausendgrab


Zweites Kapitel


Es war der 23. April 3005. Der bullige Antigrav-Gleiter glitt im Zickzack durch das Gelände. Eine tödliche Stille lastete über der Landschaft. Die Welt lag in Trümmern, und dieser Teil der Wüste war besonders unwirtlich. Der Gleiter zischte an der versiegten Quelle vorbei durch die bizarren Kalkformationen. Mit etwas Phantasie konnte man sich unter den Felsen Figuren vorstellen, wie auf einem Schachbrett. Yassir stoppte den Gleiter abrupt und kam unter einem Felsblock zum Stehen, der der Form nach wie ein Springer aussah. Hier machte es Sinn, nach Wasser zu graben. Es war der ideale Rastplatz. Er öffnete die Seitentür, und ein Schwall von Hitze schlug ihm entgegen. Aus dem Kofferraum kramte er eine Schaufel hervor und begann zu schanzen. Er war ein Berber vom Stamm der Rifkabylen aus dem nördlichen Marokko, und dies war für ihn unbekanntes Terrain. Der Geigerzähler knarzte ein wenig, es mochte an die 200 Jahre her sein, dass hier die letzte Atombombe gefallen war. Yassir unterbrach seine Arbeit, um das Gebet zu verrichten. Er öffnete den Gleiter, holte einen Teppich vom Rücksitz. Aus dem Radio kam die Stimme des Imam: „Allahu akbar.“ Er richtete den Teppich gen Mekka aus und begann zu beten. Es war seine erste Pilgerfahrt, die Haddsch. Er war seit drei Wochen unterwegs und wäre gut vorangekommen, wenn nicht die Hälfte aller Brunnen versandet gewesen wäre. Er presste seine Stirn in den Sand. „Und wahrlich, prüfen werden Wir euch mit Furcht und Hunger und Verlust an Gut und Seelen und Früchten; aber Heil verkünde den Standhaften.“ Er rollte den Teppich wieder zusammen und stopfte ihn in den Kofferraum. Seit fünf Tagen hatte er mit keinem Menschen gesprochen. Es war ratsam, die Gesellschaft zu meiden. Er trug kein Laserschwert bei sich und hätte davon auch nur ungern Gebrauch gemacht. Wichtiger war für ihn der schnelle Gleiter, mit dem er jeden räuberischen Bedu abgehängt hätte.
Die Schaufel stieß auf etwas Hartes. Besessen schippte Yassir den Sand beiseite. Ihm stockte der Atem. Unter dem Sand kam die Kofferkante eines Lkws zum Vorschein. Wie lange war es her, dass jemand mit Diesel gefahren war? Der Fund musste mindestens 900 Jahre alt sein. Vorsichtig legte er die Stelle frei und holte dann einen Trennschleifer aus seiner Werkzeugkiste. Wie gut, dass er sich so sorgfältig auf seine Reise vorbereitet hatte. Der Trennschleifer sprühte Funken. Vorsichtig schnitt er ein kreisrundes Loch in den Koffer des Lkws. Dann holte er ein Kevlarseil und eine Taschenlampe aus seinem Gepäck und kletterte in das Innere des Hängers. Allah sei Dank, das Erste, was er erblickte, war eine Batterie von Wasserkanistern. Er kramte einen Streifen Micropur aus seiner Hosentasche und warf in jeden Kanister zwei Tabletten. Dann sah er das Gerippe. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sich die Leiche zersetzt. Alles, was noch übrig war, war ein Paar Schuhe, die fein säuberlich neben dem Toten abgestellt waren. Ein Stück Papier war zu Staub verfallen; unmöglich, hier noch einen letzten Willen zu entschlüsseln.
Er nahm das Innere des Lkws in Augenschein. Ein Generator, zwei Fässer mit Benzin. Fünfzehn Aluminiumkisten, antike Gemälde, die an die Wände des Hängers angeschraubt waren. Szenen in Öl aus einer versunkenen Welt. Fünf Vasen, ein uralter Computer, der allem Anschein nach das Zeitliche gesegnet hatte. Expeditionsausrüstung. Unmengen Schrauben, Werkzeug und Autoersatzteile. Zwei Beutel mit mottenzerfressenen Kleidungsstücken. Ein Koffer mit Medikamenten und zwei Kartons mit Büchern. Er nahm eines zur Hand, blätterte darin. Es war nicht in Mondial geschrieben. Er konzentrierte sich auf seine bescheidenen Geschichtskenntnisse und entschied, dass die Bücher in Deutsch geschrieben sein müssten. Ein unglaublicher Fund. Doch dann, als sei dies alles nicht genug, sah er die Vitrine. Zwei Barren Gold mit 24 Karat. Sein Pulsschlag pochte. Wenn er jetzt keinen Fehler machte, hatte er ausgesorgt. Allein das Gold musste vier Millionen Lunos wert sein.
Er kletterte aus dem Lkw und überdachte die Lage. Zu seinem Vorteil lag die Fundstelle sehr abgelegen, und es war nicht mit Patrouillen oder räuberischen Bedus zu rechnen. Das Wasser in den Kanistern mochte für zwei Wochen reichen. Er nahm einen Schluck. Es war genießbar. Der Fund war atemberaubend, doch um das Gold in Lunos einzutauschen, würde er sich schon auf den Weg zur nächsten Handelsstation der Amerikaner machen müssen. Und die lag auf dem Mond. Nachdem im Dritten Weltkrieg sämtliche Goldminen in Südafrika und Russland in die Luft gesprengt worden waren, hatte das Gold sehr viel an Wert gewonnen und war in den amerikanischen Kolonien ein allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel. Es wurde hauptsächlich in elektrischen Schaltungen sowie bei der Computerherstellung verwendet, und schon die Kinder reimten: „Mit vier Gramm Gold bist du mir hold, komm, zahle den Sold, du hast es gewollt.“ Yassir seufzte und schaltete das Radio ein. Er wusste genau, dass sie den Ohrwurm bald wieder bringen würden. Er setzte sich in den Sand und brühte eine Kanne Tee auf. Gerne hätte er jetzt eine Ziege oder ein Kamel geopfert, doch hier, am Ende der Welt, waren ihm die Hände gebunden. Seine Vorräte reichten noch für drei Wochen, und nun, da er mit unverhofftem Reichtum gesegnet war, musste er seinen Fund auch verteidigen. Er nahm einen Schluck Tee und kratzte sich den Bart. Das größte Problem war, dass er auf Pilgerfahrt war. Er konnte nicht einfach alles stehen und liegen lassen, um dem Mammon zu frönen. Er würde den Rat eines Marabuts einholen müssen, um die weitere Vorgehensweise zu planen. Eine Windbö riss ihn aus den Gedanken. Die Luft knisterte. Es sah nach einem Sandsturm aus. Er deckte den Antigrav-Gleiter mit einer Plane ab, um den Lack zu schonen, und streckte sich auf der Rückbank aus. Es half nicht viel, alle Fenster zuzukurbeln. Bald hatte er den Sand überall. Es knirschte zwischen den Zähnen. Zu seinem Glück hatte er daran gedacht, die Fundstelle mit einem Blech abzudecken. Elektrizität lag in der Luft. Es dauerte nur eine Stunde, doch er hatte seine liebe Not, den Gleiter von Sand freizukriegen. Das Blech über der Fundstelle war von einer dicken Sandschicht bedeckt.
Als sei dies alles nicht genug, bemerkte er mit Schrecken, dass sich von jenseits der Felsen ein ausgewachsener Krokofant näherte. Es war eines dieser Geschöpfe, die während des Krieges in Genlaboren zum Leben erweckt wurden, um vielen Menschen den Tod zu bringen. Der Krokofant lief in der Deckung durch die Felsen auf ihn zu. Er musste schon lange seiner Spur gefolgt sein. Er zischte und bleckte die Zähne. Yassir zögerte, griff dann nach der Schaufel. Geschickt parierte er die Attacken des Monstrums. Doch was war eine Schaufel schon wert gegen zwei doppelte Zahnreihen und zum Töten geschärfte Klauen. Er rettete sich in das Innere des Antigrav-Gleiters, während das Biest von außen gegen die Scheiben trommelte. Er trat das Gaspedal durch und zischte davon. Nach fünfhundert Metern machte er eine Kehrtwendung und fuhr mit voller Geschwindigkeit auf den Krokofanten zu. Der Rammschutzbügel krachte gegen das Biest. Knochen splitterten. Er stoppte den Gleiter und begutachtete den Schaden. Der Krokofant lag tot im Sand. Sein Fahrzeug hatte einige Kratzer im Lack und dummerweise auch einen langen Riss in der Windschutzscheibe. Das Radio lief immer noch, und jetzt brachten sie endlich den Song: „Mit vier Gramm Gold bist du mir hold...“
Yassir trank noch einen Schluck von dem Wasser und holte dann einen großen Gaskocher aus dem Kofferraum. Er schnitt ein saftiges Steak aus den Lenden des Krokofanten und hievte das Biest dann mit Hilfe eines Abschleppseils hinter den nächsten Felsen, um seinen Rastplatz sauber zu halten. Im Licht der Dämmerung kochte er sich eine heiße Shorba, dazu briet er das Steak in der Pfanne und bereitete sich in einem großen Topf auch etwas Couscous mit Gemüse zu. Dann zündete er sich ein Lagerfeuer an und saß noch unendlich lange in der Dunkelheit, wärmte die Glieder am Feuer und sah in den funkelnden Sternenhimmel.
Am nächsten Morgen ließ er sich noch einmal zu der Fundstelle hinab. Er öffnete die Aluminiumkisten, stöberte in alten Büchern herum, begutachtete das Geschirr und die mottenzerfressenen Kleidungsstücke. In der trockenen Luft waren die Fundstücke gut erhalten geblieben. Ihm kam eine Idee. Er warf den Generator an, stöpselte die Verteilersteckdose ein. Der Computer blinkte auf, stürzte dann ab. Yassir stutzte. Plötzlich erklang Musik. „All the people sit and wonder if the lord watches at their way...“ Er lehnte sich zurück und schloss die Augen. Aus dem Lautsprecher erklang das Zirpen von Zikaden, eine elektrische Gitarre jaulte auf. Nach tausend Jahren Einsamkeit war dies die richtige Musik für den Ort. Er untersuchte den Kabelstrang, der in einer Kiste endete. Eine Stereoanlage mit CD-Spieler, das Cover der CD lag obenauf. „Santana, Caravanserai.“ Eine dreiviertel Stunde lang tat Yassir nichts anderes, als der Musik zu lauschen und eine Kippe nach der anderen zu rauchen. Eine Sternstunde seines Lebens. Er fand einen Haufen weitere CDs und Kassetten. Anscheinend hatte der Grabinhaber vor seinem Tod alle Habseligkeiten mit ins Grab genommen. Dann fand er das Tagebuch. Es war ebenfalls in Deutsch geschrieben, er verstand kein Wort. Eine Skizze mit einem Galgenmännchen ließ ihn vermuten, dass der Tote Suizid begangen hatte. Der Generator stotterte, setzte dann aus. Auf einmal verspürte Yassir Durst, trank einen Schluck Wasser aus einem der Kanister. Er kletterte nach draußen, schob die heiße Asche des Feuers beiseite und bereitete aus Mehl, Wasser, Salz und Trockenhefe einen Teig vor. Er legte den Teig in den Sand und häufte eine weitere Sandschicht darüber, dann die glühende Asche. Nachdem er das Brot einmal gewendet hatte, konnte er einen frischen Fladen aus dem Sand bergen. Dazu trank er starken schwarzen Kaffee.
Als er das Gebet verrichtet hatte, überdachte er die weitere Vorgehensweise. Der Antigrav-Gleiter hatte eine Reparatur dringend nötig. Zudem brauchte er den Rat eines Gelehrten. Auf keinen Fall durfte er die Lage des Fundes verraten, sonst würde sich ein Rudel Grabräuber an seine Fersen heften. Er vergrub seinen Müll und häufte Sand über die Feuerstelle. Er stieg in den Antigrav-Gleiter, warf das Antriebsaggregat an. Dann machte er sich auf den Weg nach Luxor.
Es war brütend heiß, und die Klimaanlage seines Fahrzeugs war ausgefallen. Er hatte auf automatische Navigation umgestellt und gönnte sich noch ein Nickerchen. Dann und wann fuhr er hoch, wischte sich den Schweiß von der Stirn, blickte auf das unwirtliche Geröll zu beiden Seiten der Piste. Einmal hielt er kurz an, um auszutreten. Er hatte Kopfschmerzen. Die Gegend war einsam und verlassen, niemand begegnete ihm in den sechs Stunden, die er unterwegs war. Hätte er jetzt eine Panne gehabt, so wäre er völlig auf sich allein gestellt. Er fuhr einen schicken Gleiter, aber wenn das Aggregat einmal aussetzte, brauchte man schon einen Mechaniker, der zehn Jahre lang den Beruf gelernt hatte. Gottseidank verlief die Fahrt ohne weitere Zwischenfälle. Einmal konnte er einen Wüstenfalken beobachten, der weit über ihm über der Piste kreiste und nach Beute Ausschau hielt.
Luxor war eine Geisterstadt. Eine Handvoll Bauern und Nilschiffer teilten sich das Wasser des Nils. Yassir parkte den Gleiter vor dem antiken Tempel und schlenderte dann zwischen den Säulen umher, die einen bescheidenen Schatten spendeten. Es dauerte eine halbe Stunde, bis er den Einsiedler fand, der den Tempel hütete. Er saß im inneren des Tempels und wischte den Staub von einigen Fundstücken. Yassir räusperte sich. Der Tempelhüter brummte etwas in seinen Bart.
„... Ich wusste schon, dass mich Besuch erwartet. L-hamdu-l-ellah – Ehre sei Gott.“
„Wa alikum es-salam. Ich brauche den Rat eines Weisen.“
„Du bist kein Nasrani?“
„Nein, ich bin gläubiger Moslem und auf dem Weg nach Mekka.“
„Von woher stammst du?“
„Ich komme aus dem Rifgebirge in Marokko. Ich bin Bauer und pflanze Kif an.“
„Was treibt dich dazu, deine Pilgerfahrt zu unterbrechen? Hast du einen Fund gemacht?“
„Du kannst Gedanken lesen, weiser Mann. Ich fand eine halbe Tagesfahrt von hier entfernt das Grab eines Christen. Gemälde, Vasen, Gold. Er hat seine Besitztümer mit sich ins Grab genommen, vor vielleicht tausend Jahren.“
„Das haben schon die alten Pharaonen gemacht. Wie kann ich dir helfen?“
„Ich denke daran, meine Pilgerfahrt zu unterbrechen.“
„Gemach. Wenn das Grab tausend Jahre alt ist, kommt es auf ein weiteres Jahr nicht an.“
„Kannst du mir helfen, den Fund zu bergen?“
„Das kann ich, sofern du mir vertraust.“
„Dein Ruf ist dir weit vorausgeeilt. Wozu rätst du mir?“
„Kif anzubauen ist unehrenhaft. Du könntest an der Fundstelle ein kleines Café einrichten oder ein Museum.“
„Es geht mir darum, das Gold gegen Lunos einzutauschen.“
„Dazu müsstest du eine Rakete chartern. Wie viel Gold hast du gefunden?“
„Zwei Kilogramm.“
„En-sha-allah! Dann bist du ein gemachter Mann.“
„Das scheint mir auch so. Wo kann ich meinen Gleiter reparieren lassen?“
„In Kairo.“
„Und von wo fliegt die nächste Rakete?“
„Ebenfalls von Kairo aus.“
„Dann steht mein Reiseziel fest.“
„Hüte dich. Kairo ist ein Moloch.“
„Wollt ihr mich begleiten?“
„Ich komme gerne mit zu der Fundstelle. Aber hast du keine Angst um dein Gold?“
„Das Gold führe ich mit mir. Ich vertraue dir.“
„Shokran, Sahib. Du hast mich neugierig gemacht.“
„Wann können wir aufbrechen?“
„Jetzt gleich.“
Sie schlenderten aus dem Schatten des antiken Tempels in die glühende Sonne. Der alte Mann murmelte einen Koranvers vor sich hin. „Und Allahs ist der Westen und der Osten, und wohin ihr euch daher wendet, dort ist Allahs Angesicht. Siehe, Allah ist weit und breit und wissend.“
Er kramte eine gepackte Tasche aus dem Schatten und stieg zu Yassir in den Antigrav-Gleiter. „Nach Kairo ist es nicht weit, aber bis zum Mond – das wird eine weite Reise. Sprichst du überhaupt Mondial?“
„Ein wenig. Meine Muttersprache ist Tarifi.“
„Sieh dich vor. Den Beni-l-kalb ist nicht zu trauen.“
Yassir warf den Gleiter an. Sie fuhren los. Das Summen des Antriebsaggregats rührte Yassir in einen kurzen Schlaf. Als er erwachte, parkte das Fahrzeug schon an der Fundstelle, und der alte Mann begutachtete das Erdloch, das zu dem Lkw führte. Yassir stieg aus. Der Chromgriff war glühend heiß. Wieder wischte er sich den Schweiß von der Stirn, nahm einen Schluck Wasser. Der Alte stocherte mit der Schaufel im Sand herum. „Wir werden einen Brunnen graben müssen.“
„Zehn Kilometer von hier gibt es eine versiegte Quelle.“
„Das könnte eine Lösung sein. Wieviel Wasser haben wir noch?“
„Etwa hundert Liter.“
„Ich schlage vor, dass du dich zunächst nach Kairo begibst, während ich damit beginne, die Fundstelle freizulegen.“
„Einverstanden.“
„Und kein Wort von dem Gold! Sonst stehen bald die Grabräuber Schlange.“
„Einverstanden.“
Der Alte klopfte ihm auf die Schulter. „Gute Reise.“
„Shokran. Eines noch. Wie ist dein werter Name?“
„Mein Name ist Rashid Mechri, und seit Generationen hütet meine Familie den Tempel in Luxor.“
Yassir bedankte sich nochmals, schĂĽttelte dem Alten die Hand und lieĂź das Grab hinter sich, das bald nur noch ein verschwommener Punkt in der Entfernung war.



© 2004 by Marcel Sommerick

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jon
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…Star Wars lässt grüßen: Nicht nur, dass man im Jahr 3005 offenbar mit Laserschwertsern rumfuhrwerkt, man lebt auch in jener bizarren Mischung aus Hightech und Urtechnologie (der Typ fliegt Antigrav-Gleiter hantiert aber mit 'ner heute handelüblichen Trennscheibe) Und nicht nur das: Der Bildungsdurchschnitt dieser Zeit muss enorm sein: Dieser Kif-BAUER weiß sofort, dass er die KofferKANTE eines Diesel-LKW vor sich hat, (versteht zwar nicht aber) erkennt eine etwa 1000 Jahre alte Schriftsprache und begeistert sich einfach mal so an 1000 Jahre alter Musik…
Schon möglich, dass das alles so gewollt ist – mich schreckt es eher ab. Vor allem, weil es so verdammt nach dem Stil diverser Endzeit-SF-Filme klingt, die in Wirklichkeit nur „Haudrauf“ in neuer Kulisse sind…

Noch was anderes: Der Dialog könnte etwas Handlung vertragen. Im Moment ist er nur ein trockener Wortwechsel, der wie auswendig gelernt abgspult wird. Lass die beiden diesen Dialog doch spielen: ZEIGE, wie Yassir abcheckt, ob er dem Alten trauen kann, ZEIGE, wie der Alte über den Goldfund staunt etc. …

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Marcel Sommerick
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Hallo jon,

ich geb zu, dass ich ein bisschen zu wenig Perry Rhodan gelesen habe. Andererseits kann ich mir schon vorstellen, dass die Menschen auch in 1000 Jahren noch wissen, dass Lkws mit Diesel fahren oder dass Santana auch in 1000 Jahren noch gut klingt. Der Trennschleifer ist für mich eine praktische Erfindung, die bestimmt ihre Zukunft hat. 1000 Jahre ohne Krieg sind für mich schwer vorstellbar, und bei den modernen Möglichkeiten kann man mit allem rechnen. Das sagte ja schon Hoimar von Ditfurth, und ich habe mich in "Megalopolis" ausgiebig darüber ausgelassen, vielleicht magst du mal reinschauen. Es wäre einfacher, 100 Jahre in die Zukunft zu gehen, aber 1000 Jahre, das macht die Story schon kompliziert. Dennoch will es die Idee so. Daher freue ich mich über konstruktive Kritik. Übrigens habe ich mir den Schauplatz von Star Wars in Tunesien angesehen, ich muss eingestehen, dass es mich beeindruckt hat. Wüstenreisende haben nach meiner Erfahrung alles, aber auch alles im Kofferraum, sofern sie keine Autos nach Schwarzafrika schieben

Gruss Marcel

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jon
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Ich weiĂź zwar nicht, was deine Argumente mit Perry Rhodan zu tun haben, weil ich den (und andere Serien) auch nie gelesen habe, aber:
Das Schwert war vor 1000 Jahre auch eine tolle Erfindung – trotzdem benutzt es heute niemand mehr (außer zu sportlichen oder nostalgischen Zwecken). Wenn die Typen Laserschwerter haben (, deren Sinn ich nie ganz verstand: Wenn man schon Laser einsetzt, warum nicht gleich zum Brennen?), wieso fallen sie dann hinter heute zurück und bleiben beim Trennschleifer statt Laser-Schneider zu benutzen? Und: Wenn heute ein Irgendwer (also kein Historiker oder Archäologe) buddelt und bekommt die Steinkante von irgendwas zu sehen – der weiß auch nicht sofort, ob es eine alte Treppenstufem eine Grabplatte, ein Fenstersims oder irgendwas der Art ist. (Mal abgesehen davon ,dass ich das gar nicht beanstandet hatte:) Auch heute wissen nicht alle, dass LKWs nur mit Diesel fahren – mir zum Beispiel kannst du gern auch sagen, es gibt welche, die fahren mit Benzin: Ich glaubs, weil ich (aus Interessemangel) keine Ahnung von Autos habe. Und: weiß heute noch jeder Irgendwer, womit vor 1000 Jahren ein ganz bestimmter Karren(, den man grade ausgebuddelt hat zum Beipiel,) gezogen wurden? Der Möglichkeiten gibts ja einige: Pferd, Ochse, Esel, Menschen…
Das mit der Musik ist auch nicht so einfach: Natürlich kann Yassir Santana gefallen, so wie heute Leuten mittelalterliches Gedudel zusagt (, obwohl das ja nicht wirklich mittelalterlich sondern nachgeahmt und damit dem heutigen Geschmack angepasst ist) – aber auch das nicht "einfach so". Zumindest sollte es ungewohnt für ihn klingen und er sich erstmal reinhören müssen. Nur mal zur Orientierung was die Zeitspannen betrifft: Heute vor 1000 Jahren begann man in Deutschland gerade mal die ersten Städte zu bauen – Musik von vor 50 (1954) Jahren wird im allgemeinen als unerträglich empfunden (, und ist selbst remixed oder gecovert nicht jedermanns Sache).
Was ich meine ist: Natürlich kann der Typ das alles haben und wissen und mögen, aber dann sollte es einen Grund dafür geben. Er könnte ja historische Autors und machomäßig sperriges Werkzeug lieben und schon immer auf die platten Klänge alter Aufnahmen (Stichwort zum Vergleich: Schellack) verblichener CDs (CDs altern nämlich! Die heute üblichen behalten ihre Qualität vorraussichtlich bis zu 50, maximal 100 Jahren, hab ich mal im TV gehört) stehen. Das würde ihm übrigens auch etwas "Farbe" verleihen…
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Marcel Sommerick
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Hallo jon,

der text ist ja auch noch in der Mache. Was das Laserschwert angeht, so könnte man sich vielleicht darauf einigen, dass es sich besser um einen Betäubungsstrahler handelte? Ich bin gerne bereit, Änderungen vorzunehmen. In dem trockenen Klima der Wüste hält sich alles sehr viel länger als anderswo, deshalb schimpft man ja auch über die Leute, die achtlos Konservendosen wegschmeißen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich dort eine CD so lange hält, werde das aber noch recherchieren. Was die Musik angeht, so muss ich an meinen Fahrer aus Bahariya denken. Ein Ägypter nahmens Ahmed, hab leider seine Visitenkarte verschlampt. Jedenfalls hörte der bestimmt nur arabische Musik. Aber als wir in den Dünen eine Pause einlegten, borgte er sich von mir den Walkman und hörte eine Stunde lang begeistert R.E.M. So etwas kommt schon vor. Ob der Lkw nun mit Diesel fährt oder mit Benzin (wie z.B. der gute alte Unimog 404S) ist ja eher nebensächlich, es geht doch um den Hänger. Und den würde sicher jeder identifizieren können, so wie ich auch einen Karren aus dem Mittelalter erkennen würde. Wie kommst du eigentlich darauf, dass Yassir nur ein tumber Kif-Bauer ist? Die meisten Marokkaner, die ich hier in Deutschland kennengelernt habe, waren hochintelligent und gerade in handwerklichen Dingen sehr versiert. Vielleicht ist Yassir ja ein kleiner Freak, der gerne mit Maschinen hantiert. Ich bin mir noch nicht sicher, wie sich die Story weiter entwickelt. Kante ist übrigens eines meiner Lieblingswörter, z.B. "das geht mir bis zur Dachkante" oder "gleich geb ich mir die Kante".

GruĂź Marcel

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jon
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„Wie kommst du eigentlich darauf, dass Yassir nur ein tumber Kif-Bauer ist?“
…ehrlich gesagt klingt er im Dialog ein bisschen danach. Vor allem aber habe ich kaum einen Grund, etwas anderes anzunehmen – der Text bescheinigt ihm (bisher) zwar ein gewisses Maß an geistiger Beweglichkeit, aber ein "Typ" ist er nicht (, sondern "nur" ein Durchschnittsmensch {seiner Zeit}).
Ich hab nachgesehen, woran das liegen könnte – ich weiß es nicht genau. Vielleicht ist die Handlung zu nackt runtergschrieben – du sagst zwar, was Yassir macht, aber ich "sehe" es nicht. Zu selten ist seine Reaktion oder Empfindungen sichtbar…
Vielleicht hilft es bei den kommenden Teilen, wenn du nicht nur auf die "Action" der Geschichte schaust, sondern auch auf die Akteure. Man kriegt den Leser am besten, wenn ihn interessiert was mit dem Protagonisten passiert (, nur beim journalistischen Schreiben funktioniert das auch über das Interesse an dem, was passiert – und selbst da geht es noch besser mit dem was mit dem „Protagonisten“ passiert)…

PS: Ein paar Absätze mehr täten wirklich gut. Nicht nur lesetechnisch. Strukturelemente transportieren immer auch Inhalte, verstärken oder nuancieren. Absätze insbesondere helfen, einzelne Bilder/Szenen zu trennen und sich dem Leser als solche ins Bewusstsein zu bringen. Tipp: Da der Text hier im Flattersatz erscheint, sind Einzüge am Absatzanfang ideal.
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Marcel Sommerick
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Dialoge

Hallo jon,

du hast schon recht, der Dialog ist ein wenig hölzern. Muss wohl erst noch mal ein bisschen bei Hemingway spicken. Jetzt hab ich vorsichtigerweise im dritten Kapitel gar keine Dialoge verwendet, was natürlich auch keine Lösung ist. Ist auch schwierig zu entscheiden: Sollen die Dialoge in Deutsch, Arabisch oder Englisch abgefasst sein? Zumal ich kein Arabisch kann, was mich sehr ärgert.
Ich hoffe, dass die Absätze im dritten Kapitel nicht zu lang geworden sind. Einzüge sind kein Problem. Übrigens habe ich jetzt das Wort für „Laserschwert“ gefunden, das mir die ganze Zeit im Kopf rumspukte: „Freezer“. Mit einem Freezer kann man kein Blech schneiden, aber Leute einfrieren. Ist das nicht drollig?
Was die CDs angeht, so habe ich einen erfahrenen Radio- und Fernsehtechniker aus meinem Bekanntenkreis befragt. Er sagte, CDs wĂĽrden ewig halten, 1000 Jahre seien da gar kein Problem.
Yassir ist sicher ein Durchschnittsmensch, es ist nicht ganz einfach, die arabische Mentalität und Denkweise nachzuvollziehen. Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung, vielleicht muss ich noch etwas genauer recherchieren. Nach Nordafrika fahr ich leider erst wieder im Herbst * freu*.

Marcel

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