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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Kaminfeuer
Eingestellt am 23. 12. 2001 14:25


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AaronCaelis
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Das Kaminfeuer
von Aaron Caelis

Montag, 2001.04.30 1000-1035MEZ

Der flackernde Schein des Kaminfeuers beleuchtete den Raum nur spärlich. Der alte Mann seufzte und drehte sein rechtes Bein ein wenig. So, das war viel besser. Eine wohlige Wärme stieg in ihm auf, doch seine Hände waren immer noch kalt. Er streckte sie aus, den züngelnden Flammen entgegen, hielt sie ganz nah hin, bis ihre Finger die seinigen fast berührten. Der alte Mann schloss die Augen und genoss die Wärme. Als junger Mann, da war Kälte für ihn kein Problem gewesen. Er hatte ihr getrotzt, dem beißenden Frost ins Gesicht gelacht, seinen tausend Nadeln widerstanden. Ja, er hatte ihm ins Gesicht gelacht und der Frost hatte seinen Atem in Eis verwandelt. Ha! Das war eine Zeit gewesen! Damals war er noch viel gelaufen, tagelang, wochenlang, unermüdlich von einer Siedlung zur nächsten. Das war, noch bevor sie die Straße durchs Gebirge gesprengt hatten, noch vor der Eisenbahn. Niemand kam damals im Winter hier durch, auch nicht die mächtigen Schiffe auf dem Meer. Er grinste. Sie hatten es mit Hunden versucht, wie an anderen Orten auch. Aber hier hatte das nicht funktioniert. Nein, hier nicht. Hier hatte es nur ihn gegeben und noch ein paar andere, aber die waren nicht mehr.
Na ja, das war schon lange vorbei. Der alte Mann zog seine Hände zurück und betrachtete sie. Die Finger waren leicht angesengt, aber das machte nichts. Seine Hornhaut war dick. Er schaute auf seine Handflächen, hart und rauh wie Reibeisen, von vielen Narben bedeckt. Er wusste noch von jeder, wie und wo er sie sich zugezogen hatte. Die lange da, an seiner linken Hand, als er als junger Bursche diesem Mann ins Messer gefasst hatte. Und diese hakenförmige, da drüben... Ach, dachte er, meine Hände, die Kraft hat euch schon längst verlassen! Es knisterte und knackte und einer der Scheite im Feuer zerbarst. Funken stoben und einer traf seine rechte Augenbraue. Der alte Mann schreckte auf. Feuer, sagte er, komm', ärgere mich nicht, ich bin müde und meine Knochen frieren noch. Weißt Du, es ist sehr kalt da draußen, und er nickte in Richtung Tür. Ich bin froh, es noch hierher geschafft zu haben. Hörst Du den Sturm, Feuer? Er rüttelt an den Wänden Deiner Behausung, obwohl sie aus dicken Stämmen bestehen. Hörst Du, wie der Wind heult? Er macht sogar den Wölfen Angst. Aber mir nicht. Nicht mir. Als ich viel jünger war, da habe ich viel schlimmeren Unwettern getrotzt, da habe ich mich gegen den Wind gestemmt und ihn ausgelacht. Und ich habe auch Brüder von Dir gesehen, draußen, in der Wildnis, als sie sich im Sommer über den Wald hermachten. Ihre Hitze bräuchte ich jetzt, um mich zu wärmen. Aber immerhin, wenigstens bist Du ja da.
Weißt Du, ich werde hier noch etwas sitzen bleiben, bis der Sturm ein wenig nachlässt. Ich werde mich aufwärmen und dann ziehe ich weiter. Nur ein wenig noch, ein kleines bisschen. Ich mache die Augen zu und ruhe mich aus. Falls ich einschlafe und Du Hunger bekommst, dann wecke mich einfach, ich nehm's Dir auch ganz bestimmt nicht übel. Und mache Dir wegen der Funken keine Sorgen. Das ist schon in Ordnung. Der alte Mann kuschelte sich in seine Decke. Nur ein wenig ausruhen, Feuer. Nur ein wenig Wärme, sagte er. Er hörte noch, wie es draußen mächtig krachte und etwas gegen die Wände schlug, dann war es still in der Hütte.

Epilog

Ja, wir haben ihn gefunden....Ja, genau. Es ist eine alte Hütte, wahrscheinlich von Holzfällern oder von Wilderern....Nein Sir, das können wir ausschließen....Ja, OK. Aber wissen Sie, was komisch ist?....Also, als wir ihn fanden, da saß er vor dem Kamin, die Hände ausgestreckt und steifgefroren, als wollte er sich am Feuer wärmen....Nein, Sir. Das ist ja das Merkwürdige. In diesem Kamin hat schon seit vielen Jahren kein Feuer mehr gebrannt....OK Sir. Over and out.

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What a man thinks - really thinks - goes down into him and grows in silence.
What a man writes in books are the thoughts that he wishes to be thought to think.

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flammarion
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alle achtung!

da ist dir eine perle gelungen, die in meine sammlung kommt. ganz lieb grüßt
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Old Icke

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Lukas L.
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 1
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Meines Erachtens fehlt am Anfang etwas, was das Weiterlesen anregt. Man weiß nicht, wieso man diese Geschichte lesen soll: ein Mann, der sich an einem Kamin wärmt, ist nicht besonders spannend, wieso soll man sich dafür interessieren? Da müßte noch gefeilt werden.

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