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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Klogespräch
Eingestellt am 08. 11. 2016 22:34


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JcPosch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2016

Werke: 10
Kommentare: 2
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»Was soll die Scheiße? Kannst du dich nicht beherrschen?«
Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen.
»Hast du ’ne Ahnung, wer den ganzen Mist sauber machen darf, Arschloch?«
Vermutlich würde ich Grillen hören, wenn mein Würgen und das Aufplatschen des Schwalls mit einem undefinierbaren Aggregatzustand nicht so einen Lärm machen würde.
»Ich auch nicht«, sagt er auf einmal ganz ruhig, völlig gelassen, als ob er vergessen hätte, was er mir sagen wollte: »Na, jedenfalls. Das ist echt uncool, Mann.«
Ich halte die eine Hand hoch und forme eine Faust, lasse jedoch meinen Daumen in der Luft nach oben stehen. Ein weltweit universellen Zeichen. Wenn auch nicht überall gleich verstanden. Es besteht wohl durchaus Interpretationsfreiheit.
Beim erneuten, schnellen Beugen über die dreckige Kloschüssel, im Keller einer nicht erwähnenswerten Kneipe spüre ich meinen Geldbeutel, wie er ruckartig aus meiner Hosentasche fällt. Doch ich widme diesem Geschehnis keine allzu große Aufmerksamkeit. Warum auch, ich bin mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Äquivalent dazu verhält sich jedoch mein Gesprächspartner, der weniger mein Gesprächspartner, als ein Fremder in meiner Nähe ist, dem es zu gefallen scheint, mich in seinen Monolog mit einzubinden.
Er tritt vorsichtig einen Schritt auf mich zu und hebt – wie ich annehme, denn ich mache mir erst gar nicht die Mühe um nachzusehen – mein Portmonee auf. Es fällt mir schwer zu glauben, mit welch einer Tollpatschigkeit er davonkommt. Wenn ich jetzt langsam atme, denke ich mir, schaffe ich es vielleicht die nächste Runde etwas hinauszuzögern.
Das dezente Rascheln von Geldpapieren – wieder vermute ich meine Geldpapiere – erreicht meine Ohren. Ein wahnsinniges Gefühl. Wie er sich wohl erst fühlen muss.
Alles andere als gekonnt, lässt er wenig später, den vorher noch mit Plastik und Papier gefüllten Lederumschlag auf den klebrigen Fliesenboden fallen. Ich fasse es nicht, dass er das Geräusch auch noch mit einem gespielten Husten zu übertönen versucht.
Stille. Ich bin mir fast sicher, dass er abhaut.
»Weißt du«, sagt er dann und macht eine verstörend lange Pause, »ich habe es echt vermisst, Leute wie dich in Bars und Kneipen zu treffen. Nette Kerle, mit denen man einen guten Abend haben kann.«
Wenn ich doch nur in der Lage wäre, ihm zu zeigen, wie sehr ich mich für seine Geschichte interessiere. Stattdessen beginne ich die nächste Runde und stoße wieder auf.
»Und dann gibt es Leute, die wollen dich abziehen. Glaubt man das?«
»Ja, schon.«
»Da will ich –«
»Ach, hier findet die Wurstparade statt. Ich hatte mich schon gewundert«, ich vernehme eine weitere, bisher unbekannte Stimme.
»Mann, wir haben hier ein ernsthaftes Gespräch«, faucht die bekannte Stimme.
»Aber wartet wenigstens noch, bis ich fertig bin, bevor ihr richtig loslegt.«
Fast wieder mit mir selbst im Reinen; fast sicher, dass nun der gesamte Inhalt meines Magens entleert und in – teils neben, teils in – der Kloschüssel versammelt ist, atme ich tief durch.
Urin trifft das Wasser in der Schüssel der Nachbarkabine.
»Bist du dir sicher, dass ihn das überhaupt interessiert?«, wieder ist es der Unbekannte. Ich hatte gar nicht erst damit gerechnet, nach all dem noch mehr bereichert zu werden, doch man soll sich ja bekanntlich nicht zu früh freuen. Denn während die Person, zu der die mir unbekannte Stimme gehört, welche ich ebenso vorher betitelt hatte sich zu Wort meldet, fallen goldgelbe Tropfen auf den Boden, unter der Kabinenwand hindurch und auf meine Hand, meine Geldtasche; was weiß ich. Wo fängt der Schuh an, wo hört der Boden auf?
»Weißt du was? Ich glaube, ich habe heute meine Spendierhosen an«, flüstert die bekannte der unbekannten Stimme zu, scheinbar völlig uninteressant dran, dass die Kabine, durch die sich die beiden unterhalten, meine ist.
Klick. Moment festgehalten, fünf Tage gewartet, eingerahmt, über den Kamin gehangen.

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