Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5553
Themen:   95293
Momentan online:
503 Gäste und 9 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Lächeln
Eingestellt am 08. 09. 2016 12:07


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
sternvomrhein
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2016

Werke: 4
Kommentare: 3
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um sternvomrhein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Straßenbahn war mäßig besetzt. Die meisten Fahrgäste blickten ausdruckslos aus dem Fenster und hofften vielleicht, dass sie möglichst bald an ihrem Fahrziel ankamen, damit sie die Nähe der anderen fremden Menschen verlassen konnten. Ich sitze immer gerne auf dem Doppelsitz direkt am Ende des ersten Wagenteils auf der rechten Seite. Hier war man um diese Tageszeit vor direkter Sonnenbestrahlung sicher. Ich fand es furchtbar zu schwitzen. Vor allem hier in der Straßenbahn. Man konnte nicht einfach aufstehen und sich unter einen schattigen Baum stellen. Den gibt es logischerweise in einer Straßenbahn nicht. Dann setzt man sich doch besser gleich so hin, dass einen die Sonne nicht zu arg erwischt. Ich wollte ja auch nur kurz einen kleinen Einkauf machen und dann möglichst schnell wieder nach Hause fahren, in die kühle Wohnung. Denn heute sollte es wieder sehr heiß werden an diesem Tag im Juli.

An der nächsten Haltestelle stieg er ein, schob seine Fahrkarte in den Entwerter und setzte sich. Er blickte in meine Richtung, schien mich aber gar nicht richtig wahrzunehmen. Mir dagegen war er gleich aufgefallen. Er war vielleicht Mitte zwanzig, ein sportlicher Typ. Das dunkelrote T-Shirt zeichnete deutlich seinen muskulösen Brustkorb ab. Und seine kräftigen Oberarme sahen auch ganz gut aus. Ansonsten war er schlank. Nein, nicht dünn. Schlank, athletisch. Vermutlich treibt er viel Sport, dachte ich. Sein dunkles kurzes Haar verlieh seinem leicht gebräunten und sehr ebenmäßig geschnittenen Gesicht eine gewisse Anziehungskraft. Man musste ihn einfach ansehen. Aus seinem Earphone, das mit seinem Handy verbunden war, klang anscheinend irgendeine Musik, denn er wiegte den Kopf im Rhythmus leicht hin und her. Er schaute aus dem Fenster. Nicht teilnahmslos, wie die meisten anderen Fahrgäste. Sein Blick war offen, wachsam, beweglich. Mir gefiel das. Insgesamt war dieser junge Mann eine attraktive Erscheinung, die bei mir ein wenig Herzklopfen auslöste. Nein, ich wollte keinen Kontakt aufnehmen. Ich genoss den Augenblick, ihn anzusehen. Plötzlich drehte er den Kopf und sah mich an. Er hielt meinem Blick stand und – lächelte. Ich fühlte mich ein wenig ertappt und vielleicht wurde ich auch rot, denn ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde. Doch es war nicht die Sonne. Ich schaute zur Seite. Als ich wieder in seine Richtung blickte, lächelte er erneut und nickte mir freundlich zu. Ich lächelte zurück. Was war das doch für ein Lächeln! Ich hatte das Gefühl, dass es Streicheleinheiten für meine Seele waren. Irgendwie kam es mir bekannt vor, aber ich wusste nicht, wo ich es einordnen sollte. Vielleicht wollte er Kontakt? Sollte ich mich zu ihm rübersetzen? Vielleicht ein paar nette Worte wechseln? Nein, das käme mir wie ein plumpe schwule Anmache vor. Also ließ ich es und versuchte, aus dem Fenster zu schauen und sehr uninteressiert zu wirken. An der nächsten Haltestelle musste ich aussteigen. Jetzt fasste ich mir ein Herz und ging an ihm vorbei und meinte beim Vorbeigehen: "Einen schönen Tag wünsche ich!" Er lächelte und meinte: "Herzlichen Dank, ich Ihnen auch!" An der Tür stieg eine junge Frau ein. Als die Straßenbahn abfuhr, sah ich, wie sie den jungen Mann küsste und sich zu ihm setzte. Ich musste schmunzeln: das hätte beinah peinlich werden können.



__________________
Es ist nie falsch, das Richtige zu tun!

Version vom 08. 09. 2016 12:07

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
Häufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo sternvomrhein, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den häufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Eine schöne Geschichte, allerdings hätte ich mir ein bisschen mehr Pep am Ende gewünscht. Ich habe mir erlaubt, ein paar Absätze einzubauen.


Viele Grüße von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


Arno Abendschön
Häufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2010

Werke: 291
Kommentare: 1267
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Arno Abendschön eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

O je, sternvomrhein, wenn die Freundin wüsste - wie der Ihre, wenn sie nicht dabei ist, wirkt und dass ihm dies offenbar nicht unangenehm ...

Interessanter Stoff, großenteils angemessen dargeboten. Das Zweideutige der Außenwirkung des Fremden in der Straßenbahn wird durch den angehängten Schluss (beim IE zu Hause) leider interpretatorisch ad usum delphini abgemildert, nicht zum Vorteil der Geschichte. Sie würde besser mit dem Auftreten der Freundin enden.

Im 2. Absatz Zeile 8/9 würde ich ein Gesicht herausnehmen und formulieren: "seinem leicht gebräunten und sehr ebenmäßig geschnittenen Gesicht".

Arno Abendschön

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung