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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Leben der Natur
Eingestellt am 12. 06. 2013 14:44


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TheRealRonny
Hobbydichter
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Augen zu ÔÇô Augen auf

Augen zu. Augen auf. Einatmen. Ausatmen. Mund auf. Mund zu. Augen zu. Einatmen. Augen auf. Ausatmen. Jede Geschichte hat einen Anfang. Meine nicht. Jede Geschichte hat einen Helden, etwas was sonderbar ist. Meine nicht. Jede Geschichte hat ein Ziel. Meine nicht. Meine Geschichte ist anders. Sie l├Ąuft nur vor sich her ohne ein klares Ziel. Die Verwirrtheit des Menschen ist etwas sonderbares, insofern ist meine Geschichte doch etwas sonderbar. Ich lebe inÔÇŽ ja wo lebe ich eigentlich? Wie alt bin ich? Wer bin ich? Das letzte an das ich mich erinnere ist meine Mutter. Wir stritten uns. Ich wei├č nicht wieso, aber ich w├╝nschte ich w├╝sste wieso. Sie schrie mich die ganze Zeit an und ich reagierte nicht auf sie. Sie schmiss mit Geschirr um sich, nur um meine Aufmerksamkeit zu bekommen, doch sie bekam sie nicht. Sie versuchte alles. Sie sch├╝ttelte mich und riss mich umher, doch ich schenkte ihr keine Aufmerksamkeit. Nicht mal einen winzigen Augenblick lang. Und ja, nun bin ich hier. In irgendeinem Wald.
Lauter B├Ąume. Gro├če B├Ąume, kleine B├Ąume und da ein Hase. Dort hinten sehe ich 2 Rehe, sie sehen traurig aus. Ich sp├╝re den kalten Wind um meine Nase wehen und f├╝hle die Ruhe. Niemand ist hier. Nichts ist hier. Nur ich und die unber├╝hrte Sch├Ânheit der Natur. Dort oben, hoch in der Baumkrone sehe ich ein gro├čes und ein kleines Eichh├Ârnchen.
Die beiden scheinen sich zu streiten. Das kleine Eichh├Ârnchen hat eine Nuss fallen gelassen und das Gro├če guckt es b├Âse an und sagt etwas. Das Kleine ist total verwirrt und wei├č nicht wie es reagieren soll. Es versucht die ganze Zeit ├╝ber etwas zu sagen, doch es wei├č nicht was. Ich w├╝sste es auch nicht. Was sagt man in solch einer Situation. Es gibt viele M├Âglichkeiten. Man kann sagen, was man denkt, doch ist das das Richtige? Man kann nichts sagen, doch ist das das Richtige? Das Gro├če Eichh├Ârnchen will eine Antwort. Es schaut das Kleine mit gro├čen runden Augen an. Der Kopf ist leicht nach vorne geneigt und die Ohren sind gespitzt. Das Kleine steht in einer eingesch├╝chterten Haltung. Es hat Tr├Ąnen in den Augen. Es will dem Gro├čen so gerne eine Antwort geben, doch es findet nicht die richtigen Worte. Immer wieder landen ein paar Worte auf seiner Zunge, doch sie verschwinden direkt wieder wie Rauch im Wind. Sie sind zum Greifen nah und doch so fern.
Ich laufe durch den Wald und nehme alles in mich auf. Dort eine Spinne, die gerade ihr Netz baut. Dort ein Kaninchen, dass sich in seinem Bau versteckt. Dort eine Ameisenkolonie, die ihre Nahrung nach Hause bringt. Nach und nach wird mir klar, was sie haben und ich nicht. Sie haben ein Zuhause, eine Familie, einen Ort zu dem sie geh├Âren. Ich geh├Âre nicht hierher und trotzdem bin ich hier. In der Schule war ich nie besonders gut und werde es wahrscheinlich auch niemals sein. Das will ich auch gar nicht. Ich will mich nicht f├╝r so etwas verausgaben, es gibt wichtigere Dinge in meinem Leben. Was interessiert mich meine Zukunft. Das hier und jetzt ist viel wichtiger. Ich will leben. Wer wei├č denn schon was morgen, ├╝bermorgen oder gar ├╝ber├╝bermorgen ist. Vielleicht bin ich morgen schon tot. Vielleicht auch nicht. Es interessiert mich auch nicht, das was z├Ąhlt ist das hier und jetzt, nicht das Morgen oder das was in ein paar Jahren mal sein k├Ânnte.
Dort oben. Ein Vogel. Er sitzt auf einem Ast. Er schaut zu mir hinunter. Was vermag er zu denken? Ist er auch allein? Hat er eine Familie? Ein Vogel hat alle Freiheiten der Welt. Er kann sich frei in der Luft bewegen, hinfliegen wohin er will. Er muss sich nicht mit den Problemen hier auf der Erde befassen. Er wird nicht belastet, mit Dingen die wehtun. Er ist frei und doch ist er allein. Der Himmel ist so gro├č und er ist ein kleiner Vogel. Vielleicht ist er einsam. Vielleicht ist er traurig, weil er jemanden verloren hat. Ich kann ihn verstehen. Vielleicht haben wir ja etwas gemeinsam. Oh...

Er ist doch nicht alleineÔÇŽ
Da kommt ein anderer Vogel und setzt sich neben ihn. Jetzt schauen sie mich gemeinsam an. Warum? Was bin ich f├╝r sie? Bin ich f├╝r sie ein Feind? Bin ich f├╝r sie einfach nur ein jemand? Oder sehen sie gar nicht mich an? Da.. Jetzt schauen sie sich gegenseitig an. Dieser Blick in ihren Augen. Er sagt so vieles. Es scheint fast als w├╝rden sie l├Ącheln. Sie schauen sich einfach nur an und ich schaue beide an. Mehrere Minuten geschieht nichts. Nicht die kleinste Regung. Doch jetzt kommen sie sich n├Ąher und n├Ąher. Und da! Sie k├╝ssen sich. Ich schaue jetzt nicht mehr hin. Dieser Moment geh├Ârt nur ihnen.
Ich erinnere mich. Auch ich hatte einen solchen Moment. Ich war nicht immer allein. Es gab dieses eine M├Ądchen. Wie alt war sie? Wo wohnte sie? Ich wei├č es nicht mehr. Ich wei├č nur, dass sie wundervolle Augen hatte. Sie waren hellblau und immer wenn ich in ihre Augen sah, sah ich Gl├╝ck und Freude. Das Strahlen ihrer Augen wenn sie fr├Âhlich war, war das Sch├Ânste was ich jemals sehen durfte. Ich w├╝nschte sie w├Ąre jetzt hier dann w├Ąre ich nicht alleine.
Ich gehe weiter. Dort seht ihr das? 2 Kaninchen. Sie sehen sich nicht. Das eine hat ein aufgeplustertes Fell und ist sehr gro├č und kr├Ąftig. Das andere hat ein sch├Ânes glattes Fell und sieht eher zierlich aus. Sie bewegen sich aufeinander zu ohne es zu merken. Sie existieren nebeneinander so dicht zusammen und doch bemerken sie nicht, dass der andere existiert. Die Entfernung zwischen den beiden ist nicht nennenswert. Sie m├╝ssten sich schon atmen h├Âren und doch bemerken sie sich nicht. Es liegt an dem Baumstamm der zwischen ihnen liegt. Ein Element, dass die beiden voneinander trennt und vielleicht auch von einer gemeinsamen Zeit. Ein Baumstamm kann alles ver├Ąndern. Doch was w├Ąre, wenn dieser Stamm eine L├╝cke h├Ątte? Nur einen kleinen Riss, durch den sich die beiden sehen k├Ânnten? Sie w├╝ssten von der Existenz des anderen und w├╝rden sich immer wieder an dieser L├╝cke treffen und nach und nach w├╝rde die L├╝cke gr├Â├čer werden. Nach und nach w├╝rden sie noch n├Ąher zusammenkommen und schlie├člich w├Ąren sie nicht mehr getrennt. Sie w├╝rden sich treffen und zusammen sein. Sie w├╝rden sich lieben.
Ich wei├č es wieder. Damals war ich noch ein Sch├╝ler. Ich war auf der Herrentoilette und wusch meine H├Ąnde. Da sah ich ein Loch in der Wand und hinter dieser Wand war die M├Ądchentoilette. Ich versuchte nicht hindurchzuschauen und zu spannen, doch durch dieses Loch gelang eine Stimme in mein Ohr. Diese Stimme hatte einen sanften Klang und verzauberte mich von vorn bis hinten. Ich bekam eine G├Ąnsehaut und war wie erstarrt. Ich lauschte dieser Stimme die ganze Zeit. Ich wei├č nicht mehr, was sie sagte, aber das interessierte mich auch nicht. Ich wollte einfach nur die Stimme h├Âren. Bei ihr f├╝hlte ich mich geborgen, sicher und weniger einsam. Tag f├╝r Tag ging ich auf die Toilette nur in der Hoffnung wieder ihre Stimme zu h├Âren, doch sie kam nicht. Eines Tages ging ich nach drau├čen. Ich wollte den M├╝ll aus meinem Zimmer zur M├╝lltonne bringen. Da h├Ârte ich sie wieder. Ich lie├č den Beutel fallen und versuchte sie zu finden und ich fand sie.
Sie war vielleicht 1,72 Meter gro├č und hatte langes braunes Haar. Sie war normal gebaut und trug ein rotes Top und eine kurze Hose. Ich mochte diese Kleidungsst├╝cke immer besonders. Sie war zusammen mit einer Freundin und die beiden lachten. Ihr Lachen werde ich nie mehr vergessen. Es war so ehrlich und unschuldig. Es war als w├╝rde sie mit ihrem Lachen versprechen, dass sie immer aufrichtig war. Dann schaute sie zu mir her├╝ber und ich erstarrte. Was sollte ich tun? Wie sollte ich sie ansprechen? Sie schaute mich lange und l├Ąchelte. In meinem Herzen ging die Sonne auf und nie wieder unter. Alles schlechte was mir passierte oder was ich erlebt hatte, war f├╝r diesen einen Augenblick verschwunden. Es war ein solches L├Ącheln, welches man h├Âchstens zwei vielleicht dreimal im Leben sieht.
Ich glaube, dass es Liebe auf den ersten Blick war.
Ich konnte die darauffolgenden Tage einfach nicht mehr aufh├Âren an sie zu denken. Abends, wenn ich im Bett lag, da sah ich ihr L├Ącheln und h├Ârte ihr wundervolles lachen. In der Schule malte ich sie auf meine Matheaufgaben und beim Essen legte ich ihr Gesicht aus Nudeln zusammen. Sie nahm einen Platz in meinem Herzen ein, ob ich es nun wollte oder nicht. Ich traf sie erst kurze Zeit sp├Ąter wieder, doch da entschied ich mich auf sie zuzugehen.
Ich war in der Einkaufspassage und sie war in einem Klamottenladen f├╝r Frauen. Ich ging gerade auf sie zu und sagte: ÔÇ×Hi.ÔÇť Im Nachhinein wird mir klar, dass dies vielleicht nicht die beste Aussage war, aber das war mir in der Situation auch egal. Ich wei├č, dass sie auch Hi sagte und ich sie auf ein Eis einlud. Auch das war nicht die beste Entscheidung, aber da es sehr warm war, vielleicht die nachvollziehbarste.
Ich wei├č nicht mehr was wir sagten, ich wei├č nur, dass wir uns sehr gut verstanden. Wir trafen uns danach regelm├Ą├čig und auch immer sehr lange. Es waren die sch├Ânsten Zeiten in meinem Leben. Nach einigen Monaten kamen wir zusammen.
Wir waren ins Kino gegangen und mitten im Film lehnte sie ihren Kopf an meine Schulter und ich strich ihr sanft ├╝ber den Kopf. Ich f├╝hlte mich so gl├╝cklich und musste ihr einfach sagen, dass ich sie liebe. Es war vielleicht nicht der beste Zeitpunkt, aber in dieser Situation vielleicht der nachvollziehbarste. Sie schaute nach oben und sah mir in die Augen. Wir schauten uns ein paar Minuten einfach nur an. Ich dachte, es w├Ąre falsch gewesen und sie geht weg, doch dem war nicht so. Wir kamen uns immer n├Ąher und k├╝ssten uns, genau wie die 2 V├Âgel hoch oben auf dem Ast des Baumes. Danach schaute sie mich an und sagte:
ÔÇ×Ich liebe dich auch!ÔÇť
Ich wei├č nicht was wir alles Erlebten ich wei├č nur, dass wir lange zusammen waren. 4 vielleicht 5 Jahre. Ich wei├č nur, dass ich sie immer noch unheimlich liebe. Meine Liebe zu ihr wird auch nicht verblassen.
Ich bin weiter im Wald gelaufen und habe einen Fluss entdeckt. Ich habe schon lange nichts mehr getrunken und mein Hals ist staubtrocken. An der anderen Seite des Flusses sehe ich eine Stra├če. Es scheint nur eine einfache Landstra├če zu sein. Ich suche nach einem Weg r├╝ber aber es gibt keinen. Also gehe ich durch den Fluss. Er ist nicht sehr tief. Einen Meter vielleicht. Mehr nicht. Ich gehe auf die Stra├če.
Die Stra├če ist sehr lang und auf dieser sind weiter hinten ein paar Reifenspuren. Ich gehe dorthin und schaue in den Wald. Es ist der Wald, in dem ich die ganze Zeit ├╝ber war. Ich folge den Reifenspuren, doch ich finde nichts. Vielleicht bin ich in die falsche Richtung gelaufen. Also gehe ich wieder in die andere. Dort! Dort liegt ein Auto. Ein schwarzer Golf. Er ist vollkommen zerst├Ârt und ├╝berall liegt Blut. Glas liegt auf der Stra├če und neben dem Auto. Keine 5 Meter links neben dem Auto liegt ein Hirsch. Er ist tot. Er ist komplett zerplatzt, wahrscheinlich vom Aufprall des Autos als er den Hirsch traf. Er scheint der Vater von den 2 Rehen aus dem Wald zu sein.
Auch ich habe keinen Vater. Er ist vor langer Zeit im Krieg gestorben. Meine Mutter sagte immer, dass er wieder kommen w├╝rde. Er sei nur im Urlaub. Als ich klein war, glaubte ich ihr nat├╝rlich, doch als ich ├Ąlter wurde und er noch nicht da war wurde ich stutzig. Ich schaute im Internet nach und fand heraus, dass er im Krieg starb. Als ich meine Mutter darauf ansprach stritt sie es ab und ich sagte, dass sie von nun an f├╝r mich gestorben sei. Ein paar Tage sp├Ąter schrie sie mich an und wollte Aufmerksamkeit von mir, aber ich gab sie ihr nicht. Ich zog zu meiner Freundin mit dem wundervollen L├Ącheln, doch auch das konnte mich nicht mehr aufheitern.
Ein paar Wochen sp├Ąter hatte ich mich beruhigt und wollte nach Hause zu meiner Mutter fahren. Ich hatte bereits mit ihr telefoniert und ihr gesagt, dass ich mit ihr reden wolle. Sie schien sich zu freuen und sagte, dass sie einen Kuchen besorgen w├╝rde. Ich freute mich und fuhr zu ihr. Meine Freundin wollte unbedingt mit, denn sie und meine Mutter kamen immer gut klar und auch sie vermisste meine Mutter. Wir fuhren zusammen los. Es war nicht weit. Wir mussten nur ├╝ber die Landstra├če fahren. Vielleicht 30 Minuten nicht l├Ąnger. Meine Freundin und ich redeten viel auf dem Weg und ich war sichtlich nerv├Âs. Was sollte ich zu ihr sagen? W├╝rde sie mich verstehen? Und vor allem w├╝rde sie mir verzeihen? Ich liebe sie. Ich wollte ihr nicht so sehr wehtun. Sie bedeutet alles f├╝r mich. Meine Mutter und ich haben so viel zusammen erlebt.
Als ich klein war und zur Schule musste, wollte ich nicht ohne meine Mutter gehen. Sie sagte, dass das nicht m├Âglich sei. Ich m├╝sse alleine gehen und gro├č werden. Ich wollte aber nicht und so kam sie mit. Sie sa├č zwischen den anderen Kindern und neben mir. Eines Tages sagte sie im Unterricht sie m├╝sse auf die Toilette. Sie kam nicht wieder, aber das merkte ich gar nicht. Ich hatte Freunde gefunden und konnte nun auf mich selbst aufpassen, was hei├čt ich konnte ohne meine Mutter in der Schule sein.
Meine Freundin und ich fuhren also zu ihr und ich kannte den Weg in und auswendig. Ich wusste auch, dass neben der Stra├če ein Wald ist und man vorsichtig sein muss, doch ich war so aufgeregt und passte nicht auf, da war es auch schon zu sp├Ąt. Ein Hirsch sprang aus dem Wald heraus und 2 Rehe waren hinter ihm. Ich traf den Hirsch mit einer Geschwindigkeit von 110 KM/H. Der Hirsch war sofort tot. Die 2 Rehe erschraken und rannten zur├╝ck in den Wald. Mein Auto ├╝berschlug sich 3-4mal und kam auf dem Dach auf. Als wir uns ├╝berschlugen sah ich, dass meine Freundin sich den Kopf gesto├čen hatte und extrem blutete. Als ich aufwachte, war ich schon im Wald.
Ich gehe zum Auto und schaue hinein. Ich sehe dort 2 Personen in den St├╝hlen und erschrecke mich. Ich renne auf die Stra├če, ganz weit weg. Nach einem Kilometer bleib ich stehen und schaue an mir hinunter, denn erst jetzt merke ich, dass ich gar keinen K├Ârper mehr habe.

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