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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Leben hinter den Kulissen
Eingestellt am 20. 06. 2002 23:29


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Papillon
Hobbydichter
Registriert: Jun 2002

Werke: 2
Kommentare: 1
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Ich war gerade mal 8 Jahre alt, als eine Freundin meiner Schwester auf uns zukam und fragte, ob wir nicht Lust hĂ€tten, in einer kleinen Theatergruppe mitzumachen. NatĂŒrlich hatten wir beide Lust!
Wir ĂŒbten dort mit unserem "Lehrer" kleine Sketche und Lieder ein und zur Adventszeit zogen wir durch die Altenheime unserer Gegend und lenkten die alten und meist auch kranken Menschen von ihrem tristen Leben ab, indem wir unsere einstudierten Werke vorfĂŒhrten. Wie die alten Leute sich freuten, dieses Leuchten in ihren Augen! Ich habe in meinem jungen Leben schon begriffen, dass es fĂŒr diese alten Herrschaften das GrĂ¶ĂŸte war, zur Vorweihnachtszeit so eine Abwechslung zu haben!

Es gab von dieser Gruppe natĂŒrlich auch eine richtige Theatergruppe, die richtige StĂŒcke einstudierten und diese auf der großen BĂŒhne vor Hunderten Leuten vorfĂŒhrten. Immer wenn ich im Theater war und mir diese StĂŒcke ansah, hatte ich nur einen einzigen Wunsch: Das möchte ich auch. Einmal auf dieser großen BĂŒhne stehen - und sei es nur eine kleine Rolle - und zum Schluß den Applaus von diesen vielen Leuten abholen. Nur einmal!

Nach ein paar Jahren, sank das Interesse an dieser Gruppe. Es gab immer weniger Nachfrage, und die Gruppe an sich wurde kleiner! Auch unser super netter und lieber Regisseur konnte mit 3 Leuten nicht mehr wirklich viel organisieren. Ich wurde zu dem Zeitpunkt gerade 15 Jahre und war somit auch schon ein bisschen zu alt dafĂŒr. Die Gruppe wurde aufgelöst!

Unser Regisseur kam auf mich zu und sagte mir, dass ich wirklich großes Talent hĂ€tte, und ob ich nicht Lust hĂ€tte, bei der richtigen Gruppe mitzumachen! FĂŒr mich ging in dieser Sekunde ein Traum in ErfĂŒllung, von dem ich nicht mal zu trĂ€umen gewagt hatte, aus Angst, er wĂŒrde nie in ErfĂŒllung gehen!
Ich sagte natĂŒrlich sofort zu, keine Frage!

Weil ich denn fĂŒr diese Gruppe doch noch ein wenig zu jung war, musste ich die erste Zeit noch zusehen. Aber alleine das war fĂŒr mich schon das GrĂ¶ĂŸte! Diesen Leuten, die ich sonst nur von der BĂŒhne kenne, die ich aus dem Publikum angehimmelt habe, persönlich kennenzulernen! Voller Begeisterung sah ich Abend fĂŒr Abend zu, wie ein komplettes StĂŒck entsteht!

Mein zu Hause war ca. 10 km von dem Theater entfernt, und da ich mit 15 Jahren noch keinen FĂŒhrerschein hatte, holte meine Mutter mich immer ab. Irgendwann bot mir unser Regisseur an, mich immer nach Hause zu fahren, obwohl dies fĂŒr ihn selbst auch ein Umweg war. DarĂŒber freute sich meine Mutter, weil sie nicht immer fahren musste, und ich freute mich, weil mir das irgendwie einen besonderen Status in der Gruppe gab! Er war zwar 50 Jahre Ă€lter als ich, aber wir verstanden uns prima! Dieser Mann war fĂŒr mich echt der GrĂ¶ĂŸte, ich habe ihn verehrt wie einen Gott! Er war mein absolutes Vorbild, was die ganze Sache mit dem Theater anging!

1 1/2 Jahre spĂ€ter war es dann endlich soweit. Er kam auf mich zu und sagte, dass in seinem nĂ€chsten StĂŒck eine kleine Rolle als HausmĂ€dchen frei wĂ€re. Keine große Rolle, nicht viel Text! Aber das war mir so was von egal! Mein Wunschtraum sollte endlich in ErfĂŒllung gehen: Ich auf dieser großen BĂŒhne! Das ich zugesagt habe, brauche ich ja wohl nicht zu erwĂ€hnen! Ich habe diesen Mann vergöttert!

Es kam der Tag der ersten Probe, und obwohl ich ja fast AnfĂ€nger war und nicht viel zu sagen hatte, stimmten "ihm" alle zu, dass ich sehr viel Talent hĂ€tte! Ich war natĂŒrlich sehr geschmeichelt und ich fĂŒhlte mich wohl wo ich war. Alles war toll!!
Aber auch dieser Abend musste zu Ende gehen! Wir packten alle unsere Sachen zusammen und ich ging mit "ihm" zu seinem Auto! Er steckte sich gerade eine Zigarette an und ich - als Nichtraucher - fing an zu lĂ€stern, ob das denn unbedingt sein mĂŒsste. Wir haben ein bisschen rumgeshakert und es war irgendwie ganz lustig. Plötzlich nahm er mich in den Schwitzkasten und drĂŒckte meinen Kopf in seinen Schoß. Die Sache fing an mir unheimlich zu werden und ich befreite mich aus dieser Umklammerung. Ich sah ihn ein bisschen verdattert an. Da legte er seine Hand an meinen Nacken und zog meinen Kopf zu sich heran. Er kĂŒsste mich und versuchte mir seine Zunge in den Mund zu schieben. Dies verhinderte ich, indem ich meine Lippen aufeinanderpreßte, das es schon weh tat. Mir gingen 1.000 Gedanken durch den Kopf aber irgendwie war ich unfĂ€hig mich zu wehren! Ich habe mir immer geschworen, dass ich demjenigen der mir zu Nahe kommt, so doll eine runterhaue, dass derjenige nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist, aber in dieser Sekunde war ich unfĂ€hig zu reagieren!
Irgendwann ließ er von mir ab und fuhr endlich los. Ich habe es nicht mal geschafft auszusteigen und bin mitgefahren! WĂ€hrend der ganzen Fahrt kraulte er entweder meinen Nacken oder er legte die Hand auf meinen Oberschenkel. Ab und zu sah er mich an, und hatte einen so komischen Blick, dass ich noch mehr Angst bekam, als ich eh schon hatte!

Endlich zu Hause angekommen, wollte er mich noch einmal kĂŒssen, aber ich flĂŒchtete schlagartig aus diesem Auto.

Meine Mutter merkte wohl gleich, dass mit mir etwas nicht in Ordnung ist, und fragte mich danach. Aber ich sagte mir ginge es gut und ging in mein Zimmer. Ich hatte vor es ihr zu sagen, aber ich mußte erst mal selbst damit klar kommen!
Am nÀchsten Tag fuhr ich in meiner Mittagspause nach Hause und erzÀhlte ihr alles.

Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, rief meine Mutter bei ihm an, und stellte ihn zur Rede! Wie nicht anders zu erwarten, stritt er alles ab! Ich hÀtte das völlig falsch verstanden und das war auf keinen Fall böse gemeint! Die typischen Ausreden halt! Er versprach sich bei mir zu entschuldigen! Auf diese Entschuldigung warte ich bis heute!

Dieser Text wurde ohne Namen verfaßt, weil es eine wahre Geschichte ist! Ich habe sie wirklich so erlebt!
Ich bin in der Theatergruppe geblieben, um ihm zu zeigen, dass ich stÀrker bin als er! Nach einigen Anfangsschwierigkeiten kam ich damit klar!
Ich habe allen Theaterkollegen erzĂ€hlt was fĂŒr ein Schwein er in Wirklichkeit ist, und habe sie vor ihm gewarnt! Etwas das niemand fĂŒr mich getan hat! Leider! Denn sonst wĂ€re diese Geschichte wahrscheinlich zu vermeiden gewesen!

Letzte Woche ist „er“ gestorben. Viele Leute sagen, er hĂ€tte seine gerechte Strafe bekommen....

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Nadja
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2002

Werke: 7
Kommentare: 11
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Papillon,

aufmerksam habe ich deine Geschichte gelesen und ich war regelrecht erleichtert, als ich las, dass du das Ganze deiner Mutter gesagt hattest und dass sie mutig genug war, diesen Mann zur Rede zur stellen.
Noch besser fand ich es, dass du dann auch in der Theatergruppe geblieben bist.

Liebe Papillon, ganz sicher warst du sehr enttĂ€uscht von diesem Mann, den du ja wie du schreibst verehrt hast wie einen Gott. Wenn einen ein solcher Mensch so derart enttĂ€uscht, tut das sehr weh. Ich kann es förmlich nachempfinden. Und aus dem Schmerz wird dann eine große Wut.

Doch ob der Tod eine gerechte Strafe ist, wage ich anzuweifeln. Ich glaube, dass der Tod vieles sein kann - eine Erlösung, ein Weiterkommen, ein Ausruhen.....
aber ganz bestimmt, so glaube ich , keine Strafe.

Nadja

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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

Werke: 468
Kommentare: 8220
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eine Geschichte,die etwas sauer macht.Denn Du hattest ja zu diesem Menschen-Vertrauen.
Und ich denke mal, dieses wurde sehr missbraucht.Dabei fiel mir dann das typische Klischeebild ein, eines Regisseurs.
"Besetzungscouch".
Deine Liebe zum Theater ist ungebrochen,das ist gut so.Hak es ab unter dem Mantel der "Erfahrungen" die man(Frau) so im Leben macht, die mehr zu Vorsicht rufen.

HÀtte bestimmt auch unter "ErzÀhlungen" seinen Platz gefunden.

WĂŒnsche Dir alles Gute.

Stoffel

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