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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Das Leben ist hart
Eingestellt am 21. 01. 2006 22:31


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masi
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2006

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ÔÇ×Das Leben ist hart!ÔÇť pflegte meine Mutter stets zu sagen, Heute wei├č ich, sie hatte Recht. Das Leben war sehr hart gewesen. Wirklich leicht hatte ich es seit meinen Kindertagen nicht mehr gehabt. Doch wen interessierte das schon? Um ehrlich zu sein, niemanden. Schlie├člich haben alle Menschen eigene Probleme. Und nun stehe ich hier. Und komme mir auf eine nicht zu erkl├Ąrende Art und Weise verloren vor. Was war geschehen? Wie hatte ich so abrutschen k├Ânnen? Seit Monaten hielt ich mich fast ausschlie├člich in meiner Wohnung auf. Nur mit meinen Gedanken besch├Ąftigt. Ab und zu kamen Menschen zu mir, die sich Sorgen machten und mir etwas zu essen mitbrachten. Doch viel gegessen hatte ich nicht in der letzten Zeit.
Das Leben geht weiter. Das war ein Satz, den ich wirklich oft geh├Ârt habe. Aber geht das Leben wirklich weiter? Ich bin mir da nicht mehr sicher. Schlie├člich habe ich den Inhalt meines Lebens verloren. Inwiefern geht denn jetzt noch das Leben weiter?
Mir f├Ąllt auf, dass ich das Erste Mal seit langem wieder klare Gedanken habe. Nicht so verworrene und vor allem verwirrende Gedanken, die mich immer mehr zu ÔÇÜentseelenÔÇÖ schienen. Vielleicht war ich ja wirklich auf dem Weg der Besserung. Vielleicht w├╝rde ich in ein paar Wochen wieder ganz normal meinem Alltag nachgehen. Wer wei├č das schon?
Aber wie w├╝rde mein Alltag aussehen? Ich bin alt. Alt und trotzdem unerfahren. Ich habe keine Kinder, die mich erf├╝llen k├Ânnten. Nat├╝rlich nicht. Ich wollte auch nie Kinder haben. Ich wollte meiner Karriere nachgehen. Das hatte ich so weit auch alles geschafft. Nur mittlerweile war ich in Rente. Was hatte ich nun? Mein Mann war vor Monaten gestorben. Altersschw├Ąche. Er war friedlich gestorben. Wenigstens etwas. Und nun war ich ganz alleine. Als er noch bei mir war, brauchte ich auch niemanden sonst. Aber nun frage ich mich, ob es mir nicht besser gehen w├╝rde, wenn ich Kinder h├Ątte, die aus der Liebe von uns beiden entstanden w├Ąren. Die mich noch Jahre lang an meinen Mann und unsere Liebe erinnern w├╝rden. Aber ich habe nichts, was mich an ihn und die Liebe zu ihm erinnert. Nichts. Wieder laufen Tr├Ąnen ├╝ber meine Wangen. Warum musste mir das passieren? Was hatte ich denn verbrochen, dass das Schicksal mich so straft? Ich sehe aus dem Fenster, auf die Stra├če. Ich sehe dieselben H├Ąuser, wie immer. Dieselben Stra├čenschilder. Dieselben Stra├čen. Vielleicht kommt er ja gleich um die Ecke und zu mir in die Wohnung, wie er es so oft getan hatte in all den Jahren, die schon unendlich weit entfernt schienen. F├╝r einen kurzen Moment ist mein Schmerz fort. Ich empfinde nur Aufregung. Angespannt gucke ich zur Ecke und warte auf meinen Mann. Doch schon in der n├Ąchsten Sekunde verfluche ich mich f├╝r dieses dumme Verhalten. Und mir f├Ąllt ein, dass ich alleine bin und es bleiben werde. Nun h├Ąlt mich nichts mehr. Ich weine hemmungslos, schaue aber weiter aus dem Fenster. Dort drau├čen findet das Leben statt. Auch dort m├╝sste es Sorgen geben, doch mir scheint, alle Sorgen, ├ängste und vor allem die ganze Trauer befinden sich nur bei mir. Vielleicht sollte ich auf die Strasse gehen, raus aus diesen stickigen R├Ąumen, bestimmt w├╝rde es mir gut tun. Aber bei diesem Gedanken erfasst mich die Angst, dass ich dadurch die anderen Menschen in Gefahr bringe, weil ich die Trauer und die Verzweiflung mit mir nehmen w├╝rde. Und obwohl ich wei├č, dass dieser Gedanke l├Ącherlich ist, bleibe ich drinnen. Ich stehe am Fenster und bin allein. Die Tr├Ąnen sind mittlerweile zu einem Teil von mir geworden. Unwillk├╝rlich frage ich mich, ob ich sie vermissen w├╝rde, wenn sie weg w├Ąren. Doch ich beruhige mich. Sie lassen mich nicht allein. Sie werden bei mir bleiben.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Masi,

wenn ich dein Profil richtig verstanden habe, bist du noch recht jung und versuchst, dich in diesem Text in eine ├Ąltere Frau hinein zu versetzen. Eine, die sich allein und verloren f├╝hlt am Ende ihres Lebens.
An einigen Stellen rei├čt mich das nicht sonderlich mit. Ein Grund daf├╝r ist, dass die Dame recht konturlos bleibt. Charakterisiert wird sie durch Allgemeinpl├Ątze, wie "Karriere statt Kinder", das Nachdenken ├╝ber Aussagen wie "Das Leben ist hart", "Das Leben geht weiter" etc. Vom Ansatz her ist das gut, aber es d├╝rfte ruhig etwas spezieller sein, etwas abwechslungsreicher im Ausdruck.

Andererseits ist dieses die Tagebuchrubrik. Ich kann deinen Text also auch als die Phantasie einer jungen Frau lesen, die sich ├╝berlegt, wie ihr Leben sp├Ąter mal aussehen k├Ânnte/wird. Das ist als Experiment auf jeden Fall spannend. Die darin zum Ausdruck kommende Unsicherheit macht auf jeden Fall Eindruck. Gl├╝cklicherweise wei├č man nicht, wie es in irgendeiner fernen Zukunft mal sein wird.
Doch auch aus dieser Perspektive fehlt es mir etwas an "Feuer". Wenn dieses nicht gew├╝nscht ist, um die hoffnungslose Stimmung nicht zu zerst├Âren, k├Ânnte man vielleicht einfach hier und da etwas straffen.

Du merkst schon: ich bin sprachlich nicht ganz ├╝berzeugt, auch wenn mir die Idee an sich gef├Ąllt.

Viele Gr├╝├če,
Denschie

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masi
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2006

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Danke, f├╝r deine Kritik. Ich werde versuchen, sie umzusetzen.

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