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Leselupe.de > Humor und Satire
Das Leben wird komplizierter
Eingestellt am 13. 11. 2011 13:30


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Karl Feldkamp
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Alles r├Ącht sich irgendwann. Zurzeit nehmen gerade t├Ąglich Ungeschicklichkeiten grausamste Rache an mir.
Was habe ich mich fr├╝her, als ich noch jung und gelenkig war, ├╝ber tollpatschige Alte am├╝siert. Es war mir eine echte Schadenfreude, ├╝ber sie zu l├Ąstern.
Heute ÔÇô als Senior - versuche ich, vor allem ├╝ber einen alten Tollpatsch zu lachen. ├ťber mich.
Und das f├Ąllt mir manches Mal nicht wirklich leicht.
Neulich griff ich nicht zur Zahnpasta sondern zur Tube daneben und versuchte, mir mit Fu├čpilzsalbe die Z├Ąhne zu reinigen. Mit dem widerlichen Zeugs im Mund, l├Ąsst sich wahrlich nicht gut ├╝ber sich lachen.
Meiner Frau ist es offenbar noch peinlicher als mir, wenn ich mich zum m├Âglichen Gesp├Âtt der Leute mache.
Mit Vorliebe in voll besetzten Restaurants sucht sie mit Argusaugen meinen Bart nach Speiseresten ab. Sie findet immer welche und macht mir dann Zeichen, die mir signalisieren, zu meiner Serviette zu greifen, um mir den Bart gr├╝ndlichst zu s├Ąubern.
Doch das gestaltet sich schwierig, denn zumeist sind die Speisereste in den Tiefen meiner mundumgebenden Haarespracht bereits angetrocknet.
Mit ermunternder Putzfrauengestik ├╝bt sich meine bessere (und wohl auch sauberere) H├Ąlfte in dezenter Unauff├Ąlligkeit, ohne zu registrieren, dass l├Ąngst mehr G├Ąste grinsend auf sie als auf meinen Bart sehen.
Und entdeckt sie es, greift sie entschlossen zu ihrer Serviette und beginnt in meinem Bart herumzuw├╝hlen.
Merke ich dann auch noch an, sie sei wie meine Mutter, lehnt sie sich beleidigt zur├╝ck und verk├╝ndet lauthals: ÔÇ×Ja, dann mach dich doch zum Gesp├Âtt der Leute.ÔÇť
Vers├Âhnlich r├╝cke ich an sie heran und halte ihr den Bart hin, den sie nach einigem Z├Âgern erneut mit ihrer Serviette traktiert.
Als ├Ąlterer Mensch bin ich inzwischen reichlich abgebr├╝ht und empfinde nur noch in wenigen Situationen so etwas wie Scham.
Im Restaurant jedoch err├Âte ich jedes Mal wieder, vor allem wenn ich danach noch mitten durch den Gastraum zur Toilette gehen muss. Der Gang gleicht einem Spie├črutenlauf, bei dem ich wegen meiner bem├╝ht stolz-aufgerichteten Gangart auch noch ├╝ber Stuhlbeine oder Stufen stolpere. Und das wiederum gerade, wenn ich j├╝ngere Frauen passiere und - dem m├Ąnnlich bedingten Reflex folgend - die Luft anhalte. Die verl├Ąsst umgehend den aufgebl├Ąhten Brustkorb und flie├čt in meinen Bauch zur├╝ck, der sich ungeniert ├╝ber meiner durch einen stramm angezogenen Leibriemen tief eingeschnittenen G├╝rtellinie ausbreitet.
Was h├Ątte ich fr├╝her ├╝ber derart alte Gockel gelachtÔÇŽ?
Heute halte ich sie f├╝r traurige Gestalten, die sich mit den T├╝cken des Lebens im fortgeschrittenen Alter abm├╝hen m├╝ssen.
Genau so einem Altersgenossen begegnete ich neulich in meiner Stammkneipe. Mit unkontrolliertem Schwung hatte er sein K├Âlsch-Glas umgesto├čen.
Die junge Kellnerin, auf die er - Entschuldigungen murmelnd - herabblickte, wischte gerade das K├Âlsch vom Boden auf.
Als sie sich erhob und lachend behauptete: ÔÇ×Macht doch nichts. Kann jedem mal passieren.ÔÇť Stellte ich mich neben ihn und t├Ątschelte ihm tr├Âstend die Schulter. Mit Schamr├Âte im faltenreichen Gesicht sah er mich an und meinte verzagt: ÔÇ×Warum macht das Alter aus erfahrenen M├Ąnnern blo├č solche Trottel?ÔÇť
Die junge Kellnerin, schon auf dem Weg zur Theke, drehte sich l├Ąchelnd um. "Mein ungeschickter Vater meint immer: ÔÇ×In der Jugend kannst du aus Fehlern lernen und dich verbessern. Im Alter kannst du die Fehler nur noch wiederholen.ÔÇť"
Hoppla! Beinahe w├Ąre sie ├╝ber die Schwelle zur K├╝che gestolpert. Doch geschickt, wie sie noch war, fing sie sich.




__________________
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Version vom 13. 11. 2011 13:30

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Schriften
Guest
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Lieber Karl :-),

wieder ein ganz tolles St├╝ck :-). Ich habe sehr oft geschmunzelt. Sch├Ân geschrieben, fl├╝ssig lesbar und naja..du wei├čt schon...es h├Ątte ruhig noch weiter gehen k├Ânnen!

Zum Inhalt: Lass mal, auch wir mittelalterlichen machen manchmal merkw├╝rdige Dinge. So stand ich neulich gedankenverloren vor dem K├╝hlschrank und wunderte mich, warum der Toaster da nicht hinein passt. Ohne zu bemerken, dass er dort gar nicht hineingeh├Ârt.

Zu dem Bart: Mein Vater hatte auch einen -also der Bart ist inzwischen ab. Man konnte immer genau erkennen, was es zum Mittag gegeben hatte *lach*. Meine Mutter war immer eifrig bem├╝ht, sie aus seinem Bart zu puhlen. Er scherzte dann immer: "Lass mal, das ist f├╝r schlechte Zeiten!"

Ich w├╝rde dir gerne ein *a* schenken!

quote:
Schmr├Âte


Und im letzten Absatz ist nicht ganz klar, ob die Kellnerin spricht, tut sie bestimmt, aber der Beginn der w├Ârtlichen Rede m├╝sste dann anders gesetzt sein.

Ganz Klasse auch wieder das Ende:

quote:
Doch geschickt, wie sie noch war, fing sie sich.

Was so ein klitzekleines Wort wie "noch" f├╝r eine Ironie "machen" kann! Das merke ich mir :-)!
Liebe Gr├╝├če
Diana

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Karl Feldkamp
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Lieber Ironbiber,
danke f├╝r die mitf├╝hlenden Zeilen eines noch nicht ganz so alten. Ich kann nur empfehlen, sich fr├╝hzeitig in Selbstironie zu ├╝ben, frei nach der Weisheit: Die Pubert├Ąt endet mit der Entscheidung, dich nicht mehr l├Ącherlich zu machen sondern ├╝ber dich zu lachen selbst, wenn du noch zu sp├Ątpubert├Ąren Auff├Ąlligkeiten neigst.
Herzliche Gr├╝├če
Karl
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Karl Feldkamp
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Liebe Diana,
herzlichen Dank f├╝r dein Mitf├╝hlen. Nat├╝rlich habe ich alles ein wenig zugespitzt. Aber im Prinzip geht es mir nicht selten so,
Danke auch f├╝r dein aufmerksames┬┤Lesen. Ich werde Beides korrigieren.
Liebe Gr├╝├če
Karl
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