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Leselupe.de > Ungereimtes
Das Lehnen an die Leiden
Eingestellt am 04. 08. 2006 16:01


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Meral Vurgun
Routinierter Autor
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Das Lehnen an die Leiden




du, Lebenskraft meiner Seele, komm hierher
komm! setzt dich neben mir
lehne deine Schulter an meine Leiden
wenn wir ha sagen, wird das Herz ins Str├Âme geraten
wir haben W├Ârter gesammelt
das Schweigen ist jetzt der Ozean

man hat unsere Nabelbinde mit dem Stein geschnitten
mit dem Schnur gebunden
unser Blut fliesst in den gleichen Adern
ihr Urteil ist der Augenzeuge, die Geschichte weisst es
die Kugel, die in unsere Wunden gesteckt sind
ist der Schmutz von gleichen H├Ąnden
es ist bei Jedem offensichtlich
wir sind mit dem Kampf erwachsen
wir wurden in den H├Ąnden von Widerstand gespannt
und mit der Liebe wurden wir fein und zierlich gestrickt
unser Erweisen ist an den Freunden
lass uns verheimlichen, was wir alles erlebt haben

ich habe dir einen Tisch gedeckt
teile mit mir die letzte Olive
ich habe dir auch noch einen Tee gekocht
Schluck f├╝r Schluck ziehe dir Liebe ins Herz
danach z├╝nde dir deine Zigarette an
lass in ihr Feuer unsere Zunge brennen
und Rauch zu Rauch k├╝ssen
unser Sehnsuchtswunden und Geschrei
das ganze ist eine Hand voller Liebe
ein Atemzug ist unsere gebrochene Stimme

du weisst es
wir vergessen niemals die schmerzhaften W├Ârter
auf unseren R├╝cken wurden so viele gerostete Messer gesteckt
wir wurden so viele male auspl├╝ndert
und in den Zerst├Ârungstr├╝mmern geraten
unser Schlafen wurde tausend mal gest├Ârt
doch wir haben selber die Herzwunden von unseren Freunden geheilt
wir haben sie nie den fremden H├Ąnden gelassen

man sagt
dass die Liebe gemeinsame Lieder von Menschheit ist
in jeder Sprache die gleiche Melodie
aber
doch das Freiheitslied
in der Muttersprache
ist ein schussbereiter Gewehr...






__________________
Wir m├╝ssen lieben, bevor es zu sp├Ąt ist.

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dockanay
Guest
Registriert: Not Yet

liebe meral,


ja, am schmerz festhalten (acılara tutunmak, h.h. korkmazgil), mehr denn je ist das f├╝r uns menschen wichtig geworden (wenn wir ha sagen, wird das Herz ins Str├Âmen geraten / wir haben W├Ârter gesammelt / das Schweigen ist jetzt der Ozean) und so wie du, ├╝ber das ganze, m├Âchte man sagen, hat der heutige dichter kaum eine meinung mehr, auch ist er nicht geneigt, sich f├╝r die welt schlechthin verantwortlich zu f├╝hlen oder das amt des stellvertreters der menschheit f├╝r sich zu beanspruchen, wie noch der autor der 'Duineser Elegien' es tut. bescheidung und beschr├Ąnkung ist eher sein teil, er h├Ąlt sich an einzelnes - bei mir ist das auch nicht anders - an eine besondere sinnliche oder seelisch erfahrung und deren reine vergegenw├Ąrtigung in der sprache. bei dir ist jedoch, trotz stiller und stets lyrischer w├Ârter, eine kosmische aufruhr zu sp├╝ren, eine mit sonnen und gestirnen ball spielende, gro├čartige geste, die sich mit einem bescheidenen st├╝ck welt zur abbildung nicht zufrieden gibt, weil es eben nicht den einzelnen betrifft, sondern uns alle, die gesamte menschheit n├Ąmlich (man sagt / dass die Liebe gemeinsame Lieder von Menschheit ist / in jeder Sprache die gleiche Melodie).
ich kann nur danken f├╝r dein wunderbar ver├Ąu├čertes gef├╝hl mit allen menschen in br├╝derlichkeit leben zu wollen.
deine worte erobern wirklich das herz, danke.

lg dockanay

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

"das freiheitslied ist ein schussbereites gewehr"
- mit einer munition aus liebe.
wie oft wurde das freiheitslied mi├čbraucht und mit
bleikugeln aus den gewehren geschossen.

die poesie deines gedichts ist dick wie blut.

bon.

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo meral,

deine Gedichte handeln von gro├čen Gef├╝hlen, von Leid, von Schmerz, der Liebe, Heimat und Verlust.
Du findest sehr sch├Âne Metaphern. Manchmal denke ich w├Ąhrend des Lesens - brauchen solche Gef├╝hle nicht Zeit? Braucht so etwas zu schreiben (und auch zu lesen) nicht Zeit? (Weil es Schmerz bedeutet. Bedeuten muss.)

Und weil deine Texte eine Verdichtung deiner Empfindungen sind, weil sie so intensiv sind, ist es f├╝r mich manchmal schwer nachzuvollziehen, wie viele deiner Texte hier stehen. Ich w├Ąre blutleer an deiner Stelle.

LG
Sandra

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

Und ├╝ber noch etwas dachte ich nach:

Niemals war ich heimatlos, niemals wurde ich bekriegt und verlor ein Haus, den Blick auf meine Heimat, einen Geliebten.
Deine Geschichte ist nicht meine Geschichte. Unsere Kulturen sind getrennt und ein Trugschluss fasst der, der denkt, sie werden durch die Poesie vereint.
Ich kann teilhaben. Wie bei einem Fernsehersprecher, der mir die Nachrichten aus fernen L├Ąndern verliest. Deine Gedichte sind sch├Âner, denn der Klang deiner Worte nimmt mich ein. Ich kann mitf├╝hlen und weinen. Kann mich durch die Poesie deiner Worte einnehmen lassen. Doch wenn ich ehrlich bin - wie weit bin ich doch letztendlich immer noch von dir entfernt, von den Bildern, die ich zu sehen bekomme? Habe und kann ich doch nie erlebt haben, was du erlebtest. Und so bleibt es meine Vorstellung aus Tausend und einer Nacht, vermischt mit den Kriegen deiner Heimat und den Grenzen meiner Vorstellung, was mich an deinen Gedichten ber├╝hrt. Doch zu sagen, ich w├╝rde mit deinen Zeilen verschmelzen, zu behaupten, ich h├Ątte ein Geschenk erhalten, welches nun mir geh├Âren w├╝rde, w├Ąre gelogen.
Vielleicht erz├Ąhlten fr├╝her die alten Frauen in deinem Heimatdorf Geschichten, denen du zuh├Ârtest. Und ich erfahre nun aus deiner Hand in einem anderen Land von alldem. Und ich mag das Fremde, was ich h├Âre, denn es ist bunt und anders und lebendig. Und ich will f├╝hlen das Fremde, weil es fremd und poethisch und nochmals fremd ist.
Doch ich bin kein Teil davon und werde nie einer sein.

LG
Sandra

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Meral Vurgun
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2004

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Lieber dockanay,

du hast so einen sch├Ânen Kommentar auf mein Gedicht geschrieben. Ich weiss nicht wie Antworten soll. Du kennst ja, was im Gedicht vorgeht.

Ich danke dir herzlich f├╝r das Lesen und Lob.

Liebe Gr├╝sse.




Lieber Bon,

das Leben besteht aus den Leiden, aus Gl├╝ck und aus der Liebe.

Ich danke dir vom Herzen.


Lieben Gruss.


__________________
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