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Leselupe.de > Gereimtes
Das Licht
Eingestellt am 28. 02. 2003 18:51


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Charima
???
Registriert: Sep 2001

Werke: 25
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Das Licht

Das Licht, das sich in Deinen Augen bricht,
funkelt golden und sternenklar.
Ich blicke nachdenkend in Dein Gesicht,
versuche, mich an das zu erinnern, was war.

Gerne w├╝rde ich wieder mit Dir ├╝ber Steine springen,
am Flu├č die Eisschollen knacken lassen,
aus tiefster Seele "Heroes" singen
und morgens um vier den letzten Zug verpassen.

Aber apathisch liegst Du da,
Dein letzter Atemhauch klagt mich an.
Ich f├╝hle mich Dir seltsam nah
und komme doch nicht an Dich heran.

Der Glanz in Deinen Augen verlischt,
alles erscheint so unwirklich und still,
w├Ąhrend meine Seele sich sehnt
und nochmal mit Dir leben will.



__________________

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Das Licht

Liebe Charima,

das ist ein Text, der einen nicht kalt lassen kann. In der zweiten Strophe schilderst Du das gl├╝ckliche Zusammensein mit dem Du, und man erf├Ąhrt, wie jung Du noch bist:"um vier Uhr den letzten Zug verpassen". Man kann auch in der vierten Strophe erahnen, da├č das Du gestorben ist. Soweit ist Dein Text deutlich. Dann gibst Du uns aber R├Ątsel auf:"Dein letzter Atemhauch klagt mich an". Es gibt Texte, bei denen macht es Spa├č, etwas herauszufinden, das zun├Ąchst versteckt ausgedr├╝ckt ist. Aber bei Deiner Stelle hier hat man ja keine Chance, denn Du teilst ja nichts mit. Nach meinem Empfinden ist es g├╝nstiger, entweder die Sache auszusprechen oder anzudeuten, oder diese Zeile eben wegzulassen. Nun wirst Du Dein sch├Ânes Gedicht nicht ├Ąndern wollen. Das wollte ich Dir auch nicht empfehlen. Ich wollte Dich nur darauf aufmerksam machen, da├č mich etwas st├Ârt.

Ganz liebe Gr├╝├če Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Charima
???
Registriert: Sep 2001

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Ein ganz liebes Dankesch├Ân an Dich...

Liebe Vera-Lena!

Herzlichen Dank f├╝r Deine Reaktion auf meinen Text! Es ist ja schon l├Ąnger her, seit ich etwas in der Leselupe gepostet habe, und da├č ich bei meinem ersten Text nach der Pause sofort eine Antwort bekomme, freut mich sehr.

Zu der Zeile, die Dich st├Ârt: Mu├č ich wirklich etwas dazu erkl├Ąren? Ich frage das, weil ich die Ansicht vertrete, da├č die meisten Texte viel von ihrer Interpretationsfreiheit durch (in meinen Augen teilweise ├╝berfl├╝ssige) Erkl├Ąrungen verlieren.

F├╝r Dich mache ich jedoch meine pers├Ânliche Aussage, die ich mit dieser Zeile machen m├Âchte, hiermit ganz deutlich offen (ich hoffe es zumindest): Kennst Du das Gef├╝hl der Hilflosigkeit, gegen das Sterben einer Person nichts unternehmen zu k├Ânnen, sich verantwortlich zu f├╝hlen, f├╝r ihren Tod - auch wenn keine "reale Schuld" gegeben ist? Dieses Gef├╝hl ist es, das ich damit zum Ausdruck bringen m├Âchte. Meinem Empfinden nach habe ich dies damit auch ausgesagt, aber wie es scheint, vielleicht nicht deutlich genug, da├č es jeder verstehen kann.

Gel├Ąchelt habe ich im ├╝brigen bei Deiner Bemerkung zu meinem Alter. Die Stelle mit dem Zug mu├č ja nichts mit meinem tats├Ąchlichen Lebensalter zu tun haben - ich habe Personen in meinem Freundeskreis, die Ende Drei├čig und ├Ąlter sind, und denen es oft genug so geht. S├╝├č fand ich die Bemerkung aber trotzdem - war die Textstelle doch auf Erlebnisse meiner Jugendzeit gem├╝nzt, die nun aber wiederum ein Jahrzehnt zur├╝ckliegen.

Liebe Gr├╝├če und ein sch├Ânes Wochenende mit kreativen Gl├╝cksmomenten w├╝nscht Dir

Charima



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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Das Licht

Liebe Charima,

jetzt wird mir deutlich, warum ich mit dieser Textstelle nichts anfangen konnte. Deine Frage war gut gezielt. Nein, so ein Gef├╝hl kenne ich nicht. Ich war noch sehr jung, als mir die liebsten Menschen gestorben sind, da war ich noch nicht in dem Alter, in dem man Verantwortungen ├╝bernehmen kann, und deshalb hat sich das wohl f├╝r mich so eingeschliffen, da├č der Tod eines Menschen unm├Âglich etwas mit meinem Verhalten zu tun haben kann. Da siehst Du es, da liegt der Hund begraben. Jetzt w├╝rde es mich aber brennend interessieren, ob andere diese Textstelle m├╝helos interpretieren k├Ânnen. Mal abwarten, ob sich noch jemand findet, der Dir und mir Auskunft gibt. Ich danke Dir f├╝r Deine ausf├╝hrliche Antwort, habe ich doch dadurch wieder etwas Neues ├╝ber mich selbst erfahren.

Ein sch├Ânes Wochenende w├╝nscht Dir
Vera-Lena
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Waldemar Hammel
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Bitte, mir das Folgende nicht nachzutragen, ich bewerte hier vorerst nix. Es geht mir nur um den Text, nicht um die Autorin!

Den Text "kaufe" ich so nicht ab.
Was ist die Aussage?
Der/die Tote/ Sterbende wird instrumentalisiert um anhand dessen eigene Sentimentalit├Ąten auszudr├╝cken. Ist schon eine sehr zu hinterfragende Denkfigur. Diese Einstellung ist lange nach einem Tod die Normale f├╝r den ├ťberlebenden, aber NICHT im aktuellen Sterben, weil dann noch die Distanz fehlt.
Der Text m├╝├čte sich also entscheiden, ob er ein Sterben "lange danach" im R├╝ckblick thematisieren will, oder eine aktuelle Situation w├Ąhrend des Sterbens. Macht er aber nicht.

Dann textlich:
[Das Licht, das sich in Deinen Augen bricht,
funkelt golden und sternenklar.]

Beide Zeilen machen kontr├Ąre Bilder auf: Symbolisch "die Augen brechen" und "Licht ist freundlich golden und sternenklar". Ist ein Widerspruch, der aber f├╝r den folgenden Text nicht mehr aufgegriffen wird, also hier ├╝berfl├╝ssig ist (oder Fehler!)

[Ich blicke nachdenkend in Dein Gesicht,
versuche, mich an das zu erinnern, was war.]

Hier sollte "nachdenklich"/ "zur├╝ckblickend" stehen?

[Gerne w├╝rde ich wieder mit Dir ├╝ber Steine springen,
am Flu├č die Eisschollen knacken lassen,
aus tiefster Seele "Heroes" singen
und morgens um vier den letzten Zug verpassen.]

Diese Stelle ist die authentischste im ganzen Text, und der Erz├Ąhler/die Erz├Ąhlerin schildert Eigenschaften des Sterbenden/der Sterbenden anhand einstiger gemeinsamer Befindlichkeiten. Gelungen.

[Aber apathisch liegst Du da,]

Ist ok, als Gegensatz zur vorherigen Aktivit├Ątenschilderung.

[Dein letzter Atemhauch klagt mich an.]

Ein kaum wahrnehmbarer "Hauch" kann schlecht anklagen, dann sollte da etwa stehen:
"Dein letzter, schwerer Atemzug/ Dein letzter seufzender Atemzug".
"Apathisch gehaucht" ist nicht nachvollziehbar, wieso eine (selbst symbol.) Anklage zustande kommen sollte.
Oder: Es mu├č an dieser Stelle etwas mehr an Zusammenhang/ Hintergrund erkl├Ąrt werden.

[Ich f├╝hle mich Dir seltsam nah
und komme doch nicht an Dich heran.]

Dies als Bild der Hilflosigkeit im Problem eines fremden Sterbens sehr gelungen.

[Dann: Der Glanz in Deinen Augen verlischt,]

Das "dann" macht den intendierten Sterbevorgang zu einem Prozess und holt ihn punktgenau in die Wirklichkeit und wirkt ziemlich falsch, denn: Steht sehr im Widerspruch zum illusion├Ąren Charakter der vorhergehenden Zeilen.

[alles erscheint so unwirklich und still,
w├Ąhrend meine Seele sich sehnt
und nochmal mit Dir leben will.]

Jetzt wieder illusion├Ąr fortgesetzt, macht die Zeile "dann:..." noch unbrauchbarer

[F├╝r einen ganz besonderen Menschen in tiefer Verbundenheit und Liebe.]

Mag subjektiv richtig empfunden sein, ist aber textlich nicht gelungen diese Aussage/Gef├╝hle entsprechend explizit auszuf├╝hren. Teilweise wirken Zeilen auch gek├╝nstelt, so, als seien sie selbst in ihrer Aussage reim-manipuliert/-gestutzt.

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Charima
???
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Liebe Vera-Lena, lieber Waldemar!

Herzlichen Dank f├╝r Eure Stellungnahmen zu meinem Text! Ich freue mich immer ├╝ber R├╝ckmeldung, denn ohne R├╝ckmeldung fehlt der Dialog zwischen Autor und Leser.

Was Du sagst, Vera-Lena, kann ich sehr gut nachvollziehen, und es tut mir gut zu erfahren, da├č Dir meine Erkl├Ąrungen offensichtlich geholfen haben, die Bedeutung meines Textes besser zu verstehen.

Zu Deinen Aussagen, lieber Waldemar: Es gef├Ąllt mir, da├č Du so offen geschrieben hast, welche Wirkung mein Text auf Dich erzielt. Deine intensive Bearbeitung zeugt in meinen Augen von einem regen Interesse und wahrer Kritik. Daf├╝r danke ich Dir!

Was Du im ersten Teil zum Sterben schreibst, kann ich best├Ątigen. Vielleicht w├Ąre es passend von mir, an dieser Stelle zu erw├Ąhnen, da├č ich mit diesem Text versucht habe, meine Schuldgef├╝hle und die Trauer, bezogen auf den Tod einer f├╝r mich sehr wichtigen Person, zu verarbeiten. Ich bin dazu viele Jahre danach in Gedanken zur├╝ck in die Sterbesituation gegangen und schreibe daher quasi aus einem "aktuellen Erleben im R├╝ckblick", dem aber bereits viele Jahre der Trauer zugrundeliegen. Vielleicht wirkt der Text daher in dieser Hinsicht etwas diffus.

Im ersten Teil des Textes brechen im ├╝brigen NICHT die Augen - es geht um den letzten Blick und die Sch├Ânheit des Augenblicks, BEVOR die Augen brechen. Dies geschieht erst im letzten Teil.

Das Wort "nachdenkend" habe ich sehr bewu├čt gew├Ąhlt, um eben nicht das typische "nachdenklich" zu benutzen. Auch das Wort "Hauch" ist bewu├čt gew├Ąhlt - kennst Du nicht auch das Gef├╝hl, da├č etwas Leises, Zartes, Zerbrechliches um vieles st├Ąrker ber├╝hren kann, als etwas Lautes, Bombastisches? Gerade durch die Stille werde ich h├Ąufiger viel mehr betroffen, als durch einen lauten Schrei - so auch in dieser Situation. Darum geht es mir bei der Aussage.

Du hast Recht, was das "Dann" betrifft - dieses Wort hat mich an dieser Stelle von Anfang an gest├Ârt. Ich habe es aber letztlich doch stehen lassen, um mit diesem Einschnitt den abrupten Wechsel zu absoluter Hoffnungslosigkeit zu verdeutlichen. Ich glaube aber, da├č Du Recht hast und der Text stimmiger wirkt ohne dieses Wort, daher werde ich es streichen.

Die letzte Zeile geh├Ârt eigentlich nicht zum Text - damit habe ich nur versucht, einen Teil der in mir widerstreitenden Gef├╝hle auf den Punkt zu bringen und mir (mehr f├╝r mich selbst) zu sagen, warum ich diesen Text geschrieben habe: Weil ich die betreffende Person noch immer liebe! Ich werde die Worte daher ebenfalls hier streichen.

Es dankt Dir herzlich f├╝r Dein Engagement

Charima

P.S.: Ich hoffe, da├č ich mit meinen Erkl├Ąrungen vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen konnte, auch wenn mir das Erkl├Ąren sehr schwer fiel, da mir bei diesem Thema immer sehr leicht die richtigen Worte fehlen...



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