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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Das Licht im Spiegel
Eingestellt am 08. 03. 2005 21:05


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Cirias
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Das Licht im Spiegel

Er hatte sich beobachtet gef├╝hlt, ohne einen Beobachter zu sehen. Das Licht warf seine silbernen Netze aus und legte Schatten in die H├Âhlungen der Steine. Er war unruhig. Nachts schlief er nun zugleich sanfter und unruhiger. Die ganze Nacht hindurch hegte er best├Ąndig eine sanfte Unruhe, bis sie ihn schlie├člich in solche Spannung brachte, dass er wie ein Pfeil vom Bogen des Bettes hochsprang. Und dann hatte er den Spiegel am Ende des Raumes aufgestellt.

Er erinnerte sich an diesen ersten Tag in der Reihe der Tage, die voll geheimnisvollen Genusses waren. Die H├Ąnde auf dem k├╝hlen Gel├Ąnder des Balkons sah er direkt in das Sonnenlicht, das sich in der Stille spiegelte. Er war nackt.
Auch am n├Ąchsten Morgen f├╝hlte er sich beobachtet, und in den kommenden Tagen wiederholte sich diese Empfindung, ja, nahm zu, wie auch das Luftbad an Intensit├Ąt und Dauer zunahm. Er f├╝hlte, wie sich seine Unruhe steigerte. Mit den Fingern kratzte er ├╝ber das warme Mauerwerk. Und selbst bei Regen blieb er jetzt auf dem Balkon stehen, w├Ąhrend er nachdachte, wer ihn auf dem Balkon sehen konnte, denn dass ihn jemand gesehen hatte, daf├╝r glaubte er einen sehr bestimmten Grund zu haben.
Ein kalter Schauer hatte ihn durchfahren, als er sich eines Morgens klar dar├╝ber wurde, was der Grund war, weshalb er sich auf einmal nicht blo├č beobachtet f├╝hlte, sondern sich beobachtet wusste. Zwischen dem Balkon und dem n├Ąchsten Haus lag ein ausgedehntes und dichtes Waldgebiet. Dieses Haus war das einzige von allen hinter dem Wald liegenden H├Ąusern, das vom Balkon aus gesehen werden konnte, weil quer durch den Wald, in der Geraden zwischen Balkon und dem gro├čen Haus, wie er es nannte, eine Schneise verlief, die es ihm erm├Âglichte, dieses Haus zu sehen und umgekehrt. Das wusste er.





Er wurde beobachtet. Er wusste es, nicht weil er jemanden gesehen hatte, nein: er hatte angefangen, sp├Ąter aufzustehen. Urpl├Âtzlich war ihm klar geworden, dass er jeden Tag, seit er sich zum ersten Mal beobachtet f├╝hlte, immer sp├Ąter aufstand und dies eben tat, um beobachtet zu werden, um sicher zu sein, dass er aus dem gro├čen Haus beobachtet wurde, wenn er nackt in sein Luftbad auf dem Balkon sprang und die Unruhe ihn nicht mehr loslassen wollte.
Das Loch im Mauerwerk wurde tiefer, w├Ąhrend seine Finger vom Kratzen m├╝de wurden.
Er begann sp├Ąter aufzustehen und musste, um den immer wacheren und angespannteren Schlaf der Nacht auszuhalten, sp├Ąter ins Bett gehen. Er legte sich jetzt nur noch drei, vier Stunden ins Bett, um dann aufzuspringen und seinen nackten K├Ârper ins Licht des Tages zu tauchen, seiner geliebten Beobachterin aus dem gro├čen Haus entgegen. Manchmal, wenn er abends von der Arbeit nach Hause kam, glaubte er sie zu sehen. Wenn es dunkel war, krochen die Schatten ├╝ber den Boden. Es schien, als s├Ą├če sie im weit offenen Mantel, der ihren bleichen K├Ârper mit den Br├╝sten und die ausgebreiteten Beine sehen lie├č. Kroch sie jetzt nicht auf allen vieren und warf den Nacken zur├╝ck, war da nicht eine Hand, die den Strumpf l├Âste und ihn ├╝ber die Hinterseite des Schenkels hinabgleiten lie├č, wo er verschwand, so dass er sich einen Augenblick auf dieses aufw├Ąrts gerichtete Hinterteil konzentrierte, dass er es f├╝r das och im Mauerwerk hielt und zu reiben und zu kratzen begann und im Bild ein langer Riss entstand und der eine Schenkel sich l├Âste, auf den Boden fiel und verschwand, ein unsichtbarer Papierstreifen im Halbdunkel des Raumes. Er sehnte sich nach diesem Bild, auch wenn er von Tag zu Tag weniger zwischen dem Bild und dem was er wirklich sehen konnte, unterschied.
Wenn er nun auf dem Balkon sa├č und das Licht um sich zerrinnen lie├č und er sein Hemd auf- und zukn├Âpfte, die Finger an dem warmen Mauerwerk blutig kratzte, f├╝hlte er sich nicht nur, sondern wusste sich beobachtet und entkleidete sich. Er zog das Hemd aus, erhob sich vom Stuhl, zog die Hose aus und stand nackt auf dem Balkon, voller geheimer Lust bei dem Gedanken an seine geliebte Beobachterin. Er glaubte sie im Spiegel zu sehen, eine sanfte Spiegelung in den Schatten der Sommerluft.
Als der M├Ârtel vom Balkon herabgerieselt war und die ersten Bl├Ątter im unaufh├Ârlichen Strom der Herbstwinde dahintrieben, fand er das Fernglas. Es lag in einem Hohlraum hinter den m├╝rben Backsteinen, die er mit der Zeit weggekratzt hatte. Vielleicht hatte es der Vormieter dort vergessen. Er nahm das Fernglas in seine zitternden H├Ąnde und hielt es vor seine Augen, die nun durch das Fernglas in ein Fernglas sahen, in zwei Augen, die weit aufgerissen und staunend wie seine seinen Blick kreuzten, dr├╝ben auf dem Balkon des gro├čen Hauses hinter dem Wald.
Langsam glitten die Ferngl├Ąser auf und ab, tasteten langsam ├╝ber Br├╝ste und Scho├č, ├╝ber Penis und Schultern, blinde und sehende Wege, bis die L├Âsung aufschien, herabrieselte wie eine Tr├Ąne. Und doch gab sie sich nicht zu erkennen, aus einem ganz bestimmten Grund. Als die Silhouetten ihrer K├Ârper wie Pfeile von den B├Âgen der Betten in der durchsichtigen Luft quer ├╝ber den Wald geflogen waren und die Bl├Ątter mit sich gewirbelt hatten, war nichts anderes zu sehen als ein Reflex in der Sonne in dem Spiegel im Zimmer, in das die Sonne nie gelangen konnte.





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Amos
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Cirias!

Bei der Lekt├╝re ist mir aufgefallen, da├č der Beobachtete anscheinend intuitiv davon ausgeht, sein Gegen├╝ber sei eine Frau. Ich frage mich, ob es daf├╝r irgendwelche Anhaltspunkte gibt -- dann w├Ąre allerdings die Suche nach der/m Beobachter/in sinnlos --, oder ob es sich um die genannte Intuition handelt? Das lie├če sich vielleicht einflechten.

Etwas umst├Ąndlich zu lesen war mir die Schilderung des Balkons in Bezug zu den ├╝brigen Geb├Ąuden samt Waldschneise. Eine Vereinfachung lie├če diese doch nicht unbedingt essentielle Textstelle leichter lesen.

Abschlie├čend blieb ich an der Formulierung "aus einem ganz bestimmten Grund" h├Ąngen. Nat├╝rlich willst du hier nicht explizit werden, doch die Formulierung erweckt den Eindruck, als k├Ânne man es dem Text entnehmen... Das scheint mir etwas zu verzwickt.


Sch├Âne Gr├╝├če,

Amos

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Cirias
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Hallo Amos,

deine Kritikpunkte sind nachvollziehbar, allerdings nehmen sie den Standpunkt des ├Ąu├čeren Beobachters ein- und vieles passiert in der Vorstellung des Protagonisten, weswegen er sich auch nicht deine berechtigte Frage stellt, ob es sich wirklich um eine Frau handelt- diese Vorstellung ist f├╝r ihn eben erregender als die andere.
Der Balkon spielt in der Geschichte eine besondere Rolle, weil er der Hauptbeobachtungsstandpunkt ist, aber m├Âglicherweise k├Ânnte man hier wirklich k├╝rzen.
Die andere Formulierung muss ich in der Tat ├╝berdenken.

Herzliche Gr├╝├če, Cirias

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