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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Lockende
Eingestellt am 31. 08. 2002 23:13


Autor
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Ludowika
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2001

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Das Lockende
Unruhe treibt sie aus der Stadt hinaus.
Sie geht, l├Ąuft, so schnell sie kann. Schon bald riecht sie das nahe Moor. Was ist es, das mich ber├╝hrt? ├╝berlegt sie. Es ist so still. Eigenartig! Ist es der ungew├Âhnliche Geruch oder das Schweigen?
Sie liebt Stille, aber nicht diese Lautlosigkeit. Kein Wind weht durch ihr Haar. Nicht eine Vogelstimme ist zu h├Âren. Die B├Ąume neigen sich einander zu, als suchten sie Schutz vor etwas Drohendem.
Erdklumpen bleiben an den Sohlen h├Ąngen und machen das Weitergehen m├╝hsam. Ihr ist beklommen zu Mute. Die H├Ąnde sind feucht. Schaudernd ├╝berlegt sie, was die Natur zum Schweigen bringt ?
Sie will von hier fort und doch auch wieder nicht. Nebel kommt direkt auf sie zu und unbemerkt wird sie von Schwaden umringt. Die Umgebung ist nicht mehr zu erkennen, aber am Glucksen kann sie h├Âren, dass das Moor nicht mehr weit ist. Modrige Luft nimmt ihr fast den Atem, und pl├Âtzlich steht sie vor dem Sumpf, sieht den aufgew├╝hlten Grund voller Bla- sen,die sich aufplustern und an quakende Fr├Âsche erinnern.
Ihr Blick wird starr. Sie kann ihn nicht von der Wasserober-fl├Ąche l├Âsen. Da teilt sich der Sumpf zu ihren F├╝├čen. Im dunklen Schlund w├Ąlzt sich die schlammige Masse von einer Seite zur anderen und eine rauhe Stimme lockt: „ Komm, komm!“ Gebannt schaut sie hinunter, ist wie angewurzelt. Immer eindringlicher wird der Ruf. „Komm zu mir! Komm!Ich warte! Hier findest du Frieden!“
Zaghaft geht sie einen Schritt n├Ąher. Mit dem n├Ąchsten, wei├č sie, wird sie in die Tiefe st├╝rzen. „Nein,ich will nicht !“ schreit sie. „La├č mich in Ruhe!“
Sie springt entsetzt zur├╝ck. Nur ganz schnell weg von hier. Immer wieder scheitert ihre Kraftanstrengung fortzukommen, weil sie mit den Schuhen h├Ąngen bleibt. Nach einigen ver-zweifelten Versuchen l├Âst sich ihre Anspannung allm├Ąhlich. Gl├╝cklich, dem Hexenkessel entkommen zu sein, will sie nur noch schnell von diesem Abgrund fort. Nach einigen Schrit-ten f├╝hlt sie wieder festen Boden unter ihren F├╝├čen.
Gespenstische Figuren wirft der Nebel in die Luft. Verschwommen tanzt ein Irrlicht ├╝ber dem Moor, bis es sich im schwachen Mondschein verliert.
Der Spuk ist vorbei.
Immer noch rast ihr Herz. Sie kann nicht unterscheiden, was lauter ist, ihr Herzklopfen oder der bellende Schrei des Schelladlers auf Beuteflug. Mit weit ausgespannten Fl├╝geln gleitet er ├╝ber sie hinweg. In ihrer Aufregung, vom Morast fortzukommen, hat sie Moorschnepfen und Sumpfh├╝hner aufge-scheucht. Im selben Moment st├╝rzt der Adler auf sein wehr-loses Opfer. Im schnellen Flug steigt er wieder in die H├Âhe, wo im Baumhorst hungriger Nachwuchs auf ihn wartet. Des Adlers durchdringender Schrei kreischt in ihren Ohren.
Sie kann ihn nicht mehr sehen, h├Ârt aber im Laufen immer noch den grellen Ton. Unaufhaltsam schrillt es in ihrem Kopf, bis ein vertrautes Ger├Ąusch sie in die Wirklichkeit zur├╝ckholt.
Ihr Wecker.

Ludowika Eschrich



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Gerhard Kemme
Guest
Registriert: Not Yet

Das Lockende

Hallo Ludowika, hallo Forum!
Alle werden mich berichtigen, aber ich finde es immer scheu├člich, wenn da steht, der Wecker klingelt. Es war doch nur ein Traum, nimmt soviel Spannung. Eine solche suizidale Situation halte ich durchaus f├╝r realistisch. Der Weg ins Moor ist detailreich und gekonnt geschildert. F├╝r die Einen w├Ąre dies ein Albtraum f├╝r Andere ein eher halluzinatives Erleben.
Tsch├╝ss Gerd

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Ich stimme Gerhard zu, liebe Ludowika. Den letzten Absatz w├╝rde ich ganz streichen und mit dem Adler enden. Der Leser f├╝hlt sich einfach verarscht, wenn er sich erst intensiv auf eine fiktive Welt einl├Ą├čt und dann vom Autor eine Nase gedreht bekommt: "├ätsch - war blo├č ein Traum!"
Der Text ist sonst sehr ├╝berzeugend, dicht und voll Atmosph├Ąre.
Diesen Satz
>Immer wieder scheitert ihre Kraftanstrengung fortzukommen, weil sie mit den Schuhen h├Ąngen bleibt<
fand ich ein wenig farblos. Schildere doch lieber, wie sie verzweifelt keuchend an den Schuhen zerrt, die im z├Ąhen Schlamm steckenbleiben!
Gr├╝├čle
Zef

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Ludowika
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2001

Werke: 37
Kommentare: 29
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Das Lockende

Liebe Zefira,
danke f├╝r Deinen Hinweis. Ich werde mich noch einmal mit dem
Text befassen. Ich habe es nicht als Verarschung gesehen, sondern wollte einen besonderen Effekt schaffen. Das ist mir ja wohl nicht gelungen.
Lieben Gru├č
Ludowika

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