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Das Lotterielos
Eingestellt am 01. 08. 2001 21:47


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Monika M.
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

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Das Lotterielos




Es war ihr letztes Geld. Eigentlich hatte sie Br├Âtchen davon kaufen wollen. Br├Âtchen f├╝r ein gem├╝tliches Fr├╝hst├╝ck morgen. Ihr Mann und ihre Kinder liebten Sonntagsbr├Âtchen, auch wenn sie immer vom Samstagabend waren. Abends bekam man sie eben billiger.
Das Wochenende w├╝rden sie schon irgendwie totschlagen. Es gab vieles, was man tun konnte, das kein Geld kostete. Sie konnten im Park spazieren gehen oder hinunter zum Fluss. Am Montag w├╝rde sie wieder Geld bekommen. Es war nicht viel, soviel man eben erwarten konnte, wenn man B├╝ros putzte. Doch seit ihr Mann keine Arbeit mehr hatte, war dieses Geld f├╝r sie wichtiger denn je.
Es war ihr letztes Geld gewesen. Statt der altbackenen Br├Âtchen hatte sie ein Lotterielos gekauft. Was f├╝r ein Teufel hatte sie da blo├č geritten? Ein Los, ausgerechnet!
Sie hatte noch nie etwas gewonnen. In ihrem ganzen Leben nicht. Nicht einmal bei einer Tombola. Zielsicher griff sie immer nur Nieten heraus.
Kopfsch├╝ttelnd ging sie weiter. Sie war auf dem Weg nach Hause. Hoffentlich hatten die Kinder ihre Zimmer aufger├Ąumt. Hoffentlich war in der K├╝che das Geschirr gesp├╝lt. Hannah seufzte und wich einem alten Mann aus, der langsam mit seinem Dackel, die Stra├če entlang ging.
ÔÇ×Was habe ich mir blo├č dabei gedacht?ÔÇť entfuhr es ihr.
ÔÇ×Wie bitte?ÔÇť Der alte Mann sah fragend auf. ÔÇ×Was haben sie gesagt?ÔÇť Er l├Ąchelte freundlich. Wahrscheinlich h├Ątte er zu einem kurzen Geplauder ├╝ber Belanglosigkeiten nicht nein gesagt. Wahrscheinlich, doch zu Hause war bestimmt nicht gesp├╝lt oder aufger├Ąumt.
ÔÇ×Nichts, nichtsÔÇť, murmelte sie geistesabwesend und eilte weiter. Sie hatte doch tats├Ąchlich ein Lotterielos gekauft. Wie dumm, wo sie doch niemals gewann!
Sehns├╝chtig seufzte Hanna noch einmal. 1.000.000 DM sollte der Hauptgewinn sein. Was f├╝r eine herrliche Zahl ÔÇô 1.000.000!
Seit ihr Mann vor einem Jahr seine Arbeit verloren hatte, war das Geld bei ihnen st├Ąndig knapp. Daran konnten auch Arbeitslosenhilfe und ihr Putzjob nichts ├Ąndern. St├Ąndig musste sie rechnen, jeden Pfennig zweimal umdrehen und ihren Kindern alles abschlagen.
Vielleicht war es das gewesen. Der Gedanke daran, was sie alles mit 1.000.000 DM w├╝rde kaufen k├Ânnen.
Ein L├Ącheln breitete sich auf Hannahs Gesicht aus. Vielleicht gewann sie ja doch! Vielleicht hatte sie einmal in ihrem Leben Gl├╝ck!
Lisa w├╝nschte sich so sehr ein neues Fahrrad und Fabian sah immer nach den Inline-Skatern. Beides war im Moment unerschwinglich.
ÔÇ×Aber alle anderen haben welcheÔÇť, konnte sie in Gedanken ihren Sohn sagen h├Âren. ÔÇ×Mama, alle ÔÇô einfach alle ÔÇô haben Inliner.ÔÇť
ÔÇ×Nur du nicht, ich wei├čÔÇť, hatte sie geantwortet. ÔÇ×Es tut mir so leid, aber sie sind einfach zu teuer. Vielleicht finden wir auf einem Flohmarkt Gebrauchte...ÔÇť
Fabian hatte nur ein langes Gesicht gemacht und den Rest des Tages auf seinem Zimmer geschmollt.
Wenn sie mit diesem Los gewann, dann w├╝rde sie heimlich die besten und teuersten Inline-Skater kaufen, die es nur gab. Sie w├╝rde sie einfach an den Fr├╝hst├╝ckstisch stellen, einfach so. Fabian w├╝rde vor Freude jubeln und sie umarmen. Sie hatten sich in letzter Zeit so selten umarmt!
Lisa w├╝rde gro├če Augen machen. Doch sie w├╝rde nur lachen und sagen: ÔÇ×Geh mal nach unten, da steht etwas f├╝r dich!ÔÇť
Vertr├Ąumt war Hannah vor dem Fahrradgesch├Ąft stehen geblieben. Sie w├╝rde Lisa das rote Rad dort kaufen oder vielleicht auch das Orange. Ihr Blick fiel auf das kleine Preisschild. F├╝r einen Moment stockte ihr Atem. DM 899,00 stand da, doch dann l├Ąchelte sie wieder.
Was waren schon 899 DM f├╝r eine Million├Ąrin?
Fast h├Ątte sie laut gelacht. Was f├╝r ein herrlicher Gedanke! Das Los steckte in ihrer Tasche, schnell griff sie hinein und sah es sich sicherheitshalber noch einmal an. Ja, so konnte durchaus ein Gewinnerlos aussehen.......
W├Ąhrend sie weiterging spann sie die wundersch├Ânen Gedanken in ihrem Kopf weiter. Vielleicht sollten sie auch einmal wieder Urlaub machen. Vielleicht sogar eine Reise f├╝r ihren Mann und sie alleine!
ÔÇ×Guten AbendÔÇť, gr├╝├čte sie pl├Âtzlich eine Frauenstimme.
Hannah sah erschrocken auf. Sie war so in ihre Gedanken versunken gewesen, dass sie die Nachbarin, die nun vor ihr stand, gar nicht bemerkt hatte.
ÔÇ×Auf dem Weg nach Hause?ÔÇť
Hannah nickte. Frau Grabowski wohnte unter ihnen und beschwerte sich sonst st├Ąndig ├╝ber den Krach ihrer Kinder. Heute l├Ąchelte sie ebenso freundlich wie falsch.
ÔÇ×Ein Gl├╝ck, das sie diese Aushilfsstelle habenÔÇť, redete sie weiter, ohne auf die schweigsame Hannah zu achten. ÔÇ×Wirklich ein Gl├╝ck, bei den Umst├Ąnden!ÔÇť
Bedr├╝ckt nickte Hannah. Was wollte die nur von ihr? Sie wollte jedenfalls nach Hause.
ÔÇ×Ich muss mich jetzt aber beeilenÔÇť, versicherte sie ihrer Nachbarin und wollte weitergehen.
ÔÇ×Es ist ja schrecklich, wenn man seine Arbeit verliertÔÇť, redete Frau Grabowski unbeeindruckt weiter. ÔÇ×In dem Alter findet man ja so leicht nichts mehr.ÔÇť
Hannah blickte sie b├Âse an. Die Nachbarin wusste ganz genau, dass ihr Mann arbeitslos war und keine Stelle mehr fand. Sie wusste ganz genau, wie schwierig die Situation geworden war und trotzdem musste sie immerzu in dieser Wunde stochern. Wenn sie erst gewonnen hatte, dann w├╝rde sie ihr einmal richtig die Meinung sagen. Am besten zogen sie dann aus und in eine andere, gr├Â├čere Wohnung, wo die Nachbarn nicht so neugierig waren.
ÔÇ×Auf WiedersehenÔÇť, sagte Hannah mit allem Nachdruck, zu dem sie f├Ąhig war, dr├╝ckte sich an Frau Grabowski vorbei und lie├č sie verbl├╝fft am Stra├čenrand stehen.
Ach ja, wenn sie erst gewonnen hatte! Ihre Hand hielt noch immer das Los! Es war doch eine gute Idee gewesen es zu kaufen!
Frau Grabowski w├╝rde vielleicht schauen, wenn sie von dem Gewinn ihrer Nachbarn erfuhr! Und die anderen auch, der ehemalige Chef ihres Mannes, ihre Kolleginnen, denen es zum Teil auch nicht besser ging, als ihr. Ihre Schwester und deren Mann.....
Nun ja, ihrer Schwester w├╝rde sie es vielleicht besser nicht erz├Ąhlen. Die war auch st├Ąndig in Geldnot, dabei verdiente ihr Mann wirklich genug. Doch sie hatten dieses Haus gekauft und auch ein neues Auto, da konnte man sich leicht ├╝bernehmen.
Ihre Schwester w├╝rde Geld von ihr erwarten, wenn sie erst einmal genug davon hatte. Wahrscheinlich w├╝rde sie es sogar als Geschenk erwarten. Wie lehnte man so etwas ab, freundlich, aber entschieden?
Nein, das ging wahrscheinlich nicht. Sie w├╝rde ihr wohl Geld schenken m├╝ssen, um des lieben Friedens willen. Sie konnte sich schon vorstellen, wie ihr Schwager heimlich sticheln w├╝rde: ÔÇ×Nun mach schon, frag sie doch noch einmal. Sie ist doch deine Schwester und sie schwimmt im Geld! Sie muss dir einfach etwas abgeben!ÔÇť
Hannah st├Âhnte unwillk├╝rlich leise auf. Besser ihre Schwester erfuhr gar nichts von dem Gewinn! Ob das ging?
Bestimmt w├╝rde pl├Âtzlich eine Menge Leute mit ihr sprechen wollen und um Geld bitten. Vielleicht auch die eine oder andere Kollegin.
ÔÇ×Die hat doch jetzt genug davonÔÇť, w├╝rden sie denken. ÔÇ×Warum hilft sie mir dann nicht? Ich habe es so n├Âtig. Ich w├╝rde es teilen... ÔÇť
W├╝rden sie das wirklich? Hannah wollte den Gedanken gar nicht zu Ende denken. Sie konnte unm├Âglich allen helfen, die sie kannte. Einige w├╝rden das vielleicht verstehen, aber viele auch nicht. Wahrscheinlich w├╝rde sie durch diesen Gewinn viele Freunde verlieren!
Ihr Mann w├╝rde nicht mehr nach einer Arbeit suchen wollen. Er w├╝rde weiter zu Hause bleiben, doch ohne das dr├╝ckende, schlechte Gewissen. Hoffentlich wurde davon seine Laune besser.
Er war jetzt oft unausgeglichen und reizbar. Sicher er tat sich nicht leicht damit, all die Absagen einzustecken. Aber wenn er reich war, dann konnte ihn das aller ja kalt lassen. Sie w├╝rde auch nicht mehr arbeiten gehen.
Sie k├Ânnte sogar eine eigene Putzfrau einstellen, die w├╝rde sich dann ├╝ber die unaufger├Ąumte K├╝che ├Ąrgern. Aber wenn man fremde Leute im Haus hatte, musste man so aufpassen, nicht wahr!
Ihre Kinder w├╝rden bald neue W├╝nsche haben, immer gr├Â├čere und weil Geld genug da war, w├╝rden sie nie wieder auf den Preis achten m├╝ssen. Doch, wenn immer alle w├╝nsche prompt erf├╝llt w├╝rden, w├╝rde nie wieder einer von ihnen jubelnd in ihre Arme fallen.
In der Schule w├╝rde sich der Gewinn nat├╝rlich auch herum sprechen. Bald w├╝rden sich ihre Kinder vor neuen Freunden kaum noch retten k├Ânnen. Doch die w├╝rden nur um sie herum schw├Ąrmen, um ausgehalten zu werden und vielleicht das ein oder andere abzustauben. Wie sollte man mit so viel Geld ├╝berhaupt noch echte Freunde erkennen, die nicht in Gedanken nur die Scheine sahen, die man in seiner Tasche trug!
Ach Gott, soviel Geld und gar kein Gl├╝ck!
Abrupt blieb Hannah stehen. 1.000.000 DM, war das wirklich so viel. Reise, neue Wohnung, M├Âbel sowieso, Putzfrau und alle die W├╝nsche, wie lange reichte denn da eine Million? Sicher nicht lange genug! Und dann....
Auf einmal schwebte dieses ÔÇ×und dann...ÔÇť drohend wie eine schwarze Gewitterwolke ├╝ber ihr. Ein kalter Schauer lief ihr ├╝ber den R├╝cken. Was sie sich da ausgemalt hatte, war nicht nur Freude und eitel Sonnenschein, das war ganz anders, als sie es sich vorstellen wollte!
ÔÇ×Alles in Ordnung?ÔÇť Ein junger Mann war stehen geblieben und musterte sie nachdenklich. ÔÇ×Haben sie etwas verloren?ÔÇť
Verloren? Sicher, wollte Hannah im ersten Moment antworten, ich habe eben alle meine Illusionen vom Gl├╝ck verloren. Ich war ungef├Ąhr eine halbe Stunde lang Million├Ąrin und jetzt bin ich todungl├╝cklich, weil Geld eben doch nicht alles ist!
ÔÇ×Nein, dankeÔÇť, sagte sie statt dessen, bem├╝ht freundlich zu l├Ącheln. ÔÇ×Es ist alles in Ordnung!ÔÇť
Und das war es wirklich, stellte sie mit seltsamer Klarheit pl├Âtzlich fest. Alles war in bester Ordnung. Sicher sie mussten sich krumm legen, doch es reichte ja dann doch immer irgendwie. Ihr Mann w├╝rde fr├╝her oder sp├Ąter eine neue Arbeit finden und auf dem Flohmarkt gab es eine Menge Fahrr├Ąder und In-Liner, die f├╝r ihre Kinder gut genug waren. Sie w├╝rden sich auch dar├╝ber freuen, w├╝rde sie auch daf├╝r umarmen.
Mit einem tiefen Seufzer nahm Hannah das Lotterielos aus ihrer Tasche. Wahrscheinlich h├Ątte sie sowieso nicht gewonnen. Sie gewann nie etwas, nicht einmal bei einer Tombola. Doch dieses Mal wollte sie lieber sichergehen!
Mit einem kurzen Ruck zerriss sie das Los in viele kleine Teile und lie├č die Schnipsel auf die Stra├če fallen. Morgen w├╝rde es keine Br├Âtchen geben, doch das machte nichts. Es w├╝rde auch keinen Gewinn geben, doch das machte noch viel weniger. Das Geld war nicht wichtig, Hannah war auch so gl├╝cklich!
























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gladiator
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Sch├Ân...

...und mit einem vers├Âhnlichen Ende. Zu dem Thema gibts grade einen ziemlich passenden Link:

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Geld alleine macht wirklich nicht gl├╝cklich, die Probleme, die der Mensch mit seiner Seel hat, bleiben oft die gleichen...

Dramaturgisch finde ich das Umschwenken der Protagonistin nicht wirklich ├╝berzeugend. Ich h├Ątte die negativen Aspekte des Million├Ąrsdasein noch ein bi├čchen massiver ausgemalt (Mann geht mit der Kohle durch, Kinder schnappen ├╝ber und werden neureiche Schn├Âsel, die Schwester kriegt ein Teil des Geldes und ├╝bernimmt sich pl├Âtzlich richtig und wird ruiniert...)

Das Thema, wie ein Ereignis/Gegenstand durch seine pl├Âtzliche Existenz auf das Leben vieler Menschen positiv wie negativ auswirkt, hat ├╝brigens Leo Tolstoi in seiner Erz├Ąhlung "Der gef├Ąlschte Coupon" eindrucksvoll beschrieben. Solltest Du vielleicht mal lesen.

Gru├č
Gladiator
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Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

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Monika M.
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Hallo Gladiator,

das mit dem Umschwengen und den negativen Aspekten ist ein guter Hinweis. Das werde ich noch einmal ├╝berarbeiten. Vielleicht bringe ich sogar die Zeit f├╝r Tolstoi auf.
Viele Gr├╝├če
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flammarion
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also,

mir gef├Ąllt die geschichte so, wie sie ist. ich bewundere den mut dieser frau, das los zu zerrei├čen. bleiben da nicht zweifel - vielleicht h├Ątte es ja doch gewonnen und nun kann man es nicht mehr nachpr├╝fen! ganz lieb gr├╝├čt
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Old Icke

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