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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Mitleid
Eingestellt am 04. 11. 2007 20:38


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Daunelt
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Das Mitleid


Pandit, ein indischer Kaufmann, hatte in seiner Jugend durch GleichgĂŒltigkeit beinahe den Tod eines Menschen verschuldet. Letztlich war damals alles gut gegangen und niemand wußte von seiner Verfehlung.

Doch ihn ließen seitdem die SchuldgefĂŒhle nicht mehr los und er ĂŒberlegte sich oft schreckerfĂŒllt, wie sehr er sein Karma wohl belastet haben möge. Immer, wenn ihm etwas Widriges geschah, wenn er gedemĂŒtigt wurde oder eine geschĂ€ftliche Unternehmung mißlang, sah er es als Strafe, als gerechte Folge seines Handels an.

Dies half ihm einerseits, mit EnttĂ€uschungen umzugehen, machte ihn andererseits aber auch ungeduldig. Irgendwann, so sagte er sich, mĂŒĂŸte das negative Karma doch abgebaut sein.

Es ging so Jahr um Jahr, er nahm alle NiederschlĂ€ge – und deren waren es nicht wenige – als reuiger SĂŒnder hin, aber seine Unzufriedenheit wuchs. Er konnte den Tag nicht erwarten, an dem er genug gebĂŒĂŸt haben wĂŒrde, an dem es endlich aufwĂ€rts ging und er, gelĂ€utert und rein, ein neues, erfolgreiches Leben beginnen könnte.

Aber die Mißerfolge, die kleinen und grĂ¶ĂŸeren Niederlagen, hĂ€uften sich, je Ă€lter er wurde. Da beschloß er, einen Sadhu aufzusuchen. Es gab davon viele, aber keiner schien ihm kompetent genug.

Schließlich wurde er von den Brahmanen an einen alten, unscheinbaren BĂŒĂŸer verwiesen, der jahrein, jahraus unter einem mĂ€chtigen Pandanusbaum saß und sich von Opfergaben ernĂ€hrte. Pandit schilderte sein Problem und die in seiner Jugend begrĂŒndete, so lang zurĂŒckliegende Ursache. Vielleicht hatte er gehofft, der Sadhu wĂŒrde etwas Tröstendes sagen, doch der seufzte nur:
„Das ist schlimm. Du hast dein Karma schwer belastet.“ Da erzĂ€hlte der Kaufmann ihm von den SchicksalsschlĂ€gen, die er in all den Jahren erlitten hatte.
„Sag mir,“ fragte er hoffnungsvoll, „wieviel habe ich abgebĂŒĂŸt, wie lange werde ich noch leiden mĂŒssen ?“
Der Alte sprach:
„Nur so viel wie einen Windhauch am Abend hast du abgezahlt.“ Er wies auf den prĂ€chtig belaubten Baum: „Und so viele BlĂ€tter, wie der Baum hat, so viele Leben lang mußt du bĂŒĂŸen."
Da brach der SĂŒnder weinend zusammen.
Der Heilige legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter. „Ich möchte dein Leid mit Dir teilen. Ich habe Mitleid mit Dir.“
Pandit schluchzte:
„Was nutzt mir dein Mitleid, wo ich auf tausend Leben hinaus verdammt bin ! Oh, wie bereue ich meine SĂŒnden, ich bin verloren !“
Da lÀchelte der Weise:
„Es ist dir alles schon vergeben.“

__________________
Die Aufgabe des Dichters ist nicht, Wege aufzuzeigen, sondern SehnsĂŒchte zu wecken (Hermann Hesse)

Version vom 04. 11. 2007 20:38
Version vom 05. 11. 2007 22:45

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Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Schöner Text, Daunelt. Wenn Du erlaubst,hÀtte ich ein paar Vorschlage:


quote:
den Todes eines Menschen
(Tod)

quote:
waren es nicht wenig
(wenige)

quote:
, er konnte den Tag nicht erwarten
(wĂŒrde ich als neuen Satz beginnen)

quote:
gebĂŒĂŸt habe
(hÀtte)

quote:
die kleinen und grĂ¶ĂŸeren Niederlagen hĂ€uften sich
(Komme vor hÀuften)

quote:
Schließlich wurde er von den Brahmanen
(neuer Absatz vor „Schließlich“)

quote:
seufzte: „Das ist schlimm
(die wörtliche Rede wĂŒrde ich als neuen Absatz beginnen)

Auch ein paar AbsĂ€tze mehr wĂŒrde ich einfĂŒgen. UngefĂ€hr so:


Pandit, ein indischer Kaufmann, hatte in seiner Jugend durch GleichgĂŒltigkeit beinahe den Todes eines Menschen verschuldet. Letztlich war damals alles gut gegangen und niemand wußte von seiner Verfehlung.
Doch ihn ließen seitdem die SchuldgefĂŒhle nicht mehr los und er ĂŒberlegte sich oft schreckerfĂŒllt, wie sehr er sein Karma wohl belastet haben möge. Immer, wenn ihm etwas widriges geschah, wenn er gedemĂŒtigt wurde oder eine geschĂ€ftliche Unternehmung mißlang, sah er es als Strafe, als gerechte Folge seines Handels an.
Dies half ihm einerseits, mit EnttĂ€uschungen umzugehen, machte ihn andererseits aber auch ungeduldig. Irgendwann, so sagte er sich, mĂŒĂŸte das negative Karma doch abgebaut sein. Es ging so Jahr um Jahr, er nahm alle NiederschlĂ€ge – und deren waren es nicht wenig – als reuiger SĂŒnder hin, aber seine Unzufriedenheit wuchs, er konnte den Tag nicht erwarten, an dem er genug gebĂŒĂŸt habe, an dem es endlich aufwĂ€rts ging und er, gelĂ€utert und rein, ein neues, erfolgreiches Leben beginnen könne.

Aber die Mißerfolge, die kleinen und grĂ¶ĂŸeren Niederlagen hĂ€uften sich, je Ă€lter er wurde.
Da beschloß er, einen Sadhu aufzusuchen. Es gab derer viele, aber keiner schien ihm kompetent genug.
Schließlich wurde er von den Brahmanen an einen alten, unscheinbaren BĂŒĂŸer verwiesen, der jahrein, jahraus unter einem mĂ€chtigen Pandanusbaum saß und sich von Opfergaben ernĂ€hrte. Pandit schilderte sein Problem und die in seiner Jugend begrĂŒndete, so lang zurĂŒckliegende Ursache. Vielleicht hatte er gehofft, der Sadhu wĂŒrde etwas tröstendes sagen, doch der seufzte:
„Das ist schlimm. Du hast dein Karma schwer belastet.“
Da erzÀhlte der Kaufmann ihm von all den SchicksalsschlÀgen, die er in all(Dopplung) den Jahren erlitten hatte.
„Sag mir,“, fragte er hoffnungsvoll, „wieviel habe ich abgebĂŒĂŸt, wie lange werde ich noch leiden mĂŒssen ?“
Der Alte sprach:
„Nur so viel wie einen Windhauch am Abend hast du abgezahlt.“ Er wies auf den prĂ€chtig belaubten Baum: „Und so viele BlĂ€tter, wie der Baum hat, so viele Leben lang mußt du bĂŒĂŸen.“
Das brach der SĂŒnder weinend zusammen.
Der Heilige legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter:
„Ich möchte dein Leid mit Dir teilen. Ich habe Mitleid mit Dir.“
Pandit schluchzte:
„Was nutzt mir dein Mitleid, wo ich auf tausend Leben hinaus verdammt bin ! Oh, wie bereue ich meine SĂŒnden, ich bin verloren !“
Da lÀchelte der Weise:
„Es ist dir alles schon vergeben.“

GefÀllt mir, Daunelt. Das Ende so prophetenhaft.

LG, Karsten

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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Daunelt,

mir gefÀllt auch dein Text. Besonders die Idee, die dahinter steckt, sagt mir zu.

Hier noch meine kleinen, bescheidenen VorschlÀge:

quote:
Pandit, ein indischer Kaufmann, hatte in seiner Jugend durch GleichgĂŒltigkeit beinahe den Todes eines Menschen verschuldet

quote:
Immer, wenn ihm etwas Widriges geschah,

quote:
Aber die Mißerfolge, die kleinen und grĂ¶ĂŸeren Niederlagen , hĂ€uften sich, je Ă€lter er wurde.

quote:
der Sadhu wĂŒrde etwas Tröstendes sagen,doch der seufzte nur?

quote:
Das brach der SĂŒnder weinend zusammen


Alles andere finde ich wirklich schön. Mir gefĂ€llt dein Text gut, aber vielleicht magst du ja trotzdem ĂŒber meine VorshlĂ€ge nachdenken.

Einen schönen Tag wĂŒnsch ich dir!

Gruß,
Haki



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Daunelt
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Hallo Karsten, hallo Haki !

Danke fĂŒr Eure Hinweise. Einiges, was Ihr kritisiert, ist wirklich (nur) Schludrigkeit von mir. Obwohl ich den Text vor Veröffentlichung mehrmals gelesen habe, ist es mir durchgeschlĂŒpft. Heute abend mache ich mich an die Verbesserungen !

Liebe GrĂŒĂŸe
Daunelt
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Daunelt
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Guten Abend Karsten, guten Abend Haki,

Eure Korrekturen habe ich eingearbeitet und versucht, den Text mit zusÀtzlichen AbsÀtzen zu gliedern. Hoffe, es ist jetzt "rund".

Liebe GrĂŒĂŸe
Daunelt
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Orangekagebo
Guest
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Hallo Daunelt,

ich finde es besser, ab schau vielleicht noch mal in meinen Kommentar vom 5.11.. Dort habe ich Deinen Text mal so gerĂŒckt, wie es gefĂ€lliger wirken wĂŒrde.
Persönliche Rede sollte man immer mit neuer Zeile beginnen.
Ebenso wie Änderungen im Verlauf.

Beispiel aus Deinem Text:

quote:
Irgendwann, so sagte er sich, mĂŒĂŸte das negative Karma doch abgebaut sein. Es ging so Jahr um Jahr, er nahm alle NiederschlĂ€ge – und deren waren es nicht wenige – als reuiger SĂŒnder hin, aber seine Unzufriedenheit wuchs. Er konnte den Tag nicht erwarten, an dem er genug gebĂŒĂŸt habe, an dem es endlich aufwĂ€rts ging und er, gelĂ€utert und rein, ein neues, erfolgreiches Leben beginnen könne.

wĂŒrde ich wie folgt "brechen":

Irgendwann, so sagte er sich, mĂŒĂŸte das negative Karma doch abgebaut sein.
Es ging so Jahr um Jahr, er nahm alle NiederschlĂ€ge – und deren waren es nicht wenige – als reuiger SĂŒnder hin, aber seine Unzufriedenheit wuchs.
Er konnte den Tag nicht erwarten, an dem er genug gebĂŒĂŸt habe (hĂ€tte), an dem es endlich aufwĂ€rts ging und er, gelĂ€utert und rein, ein neues, erfolgreiches Leben beginnen könnte.


Gruß, Karsten

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