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Leselupe.de > Kurzprosa
Das Moorbad
Eingestellt am 25. 10. 2004 11:20


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apokabraxas
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Aug 2004

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Es war ein Sonntag, wie man ihn sich an grauen, langweiligen Wochentagen ertr├Ąumt: Wolken, die an wei├če Wollkn├Ąuel erinnern, zogen ├╝ber einen tiefblauen Himmel, der Sonnenschein setzte der Landschaft Glanzlichter auf, die sonnt├Ągliche Ruhe wurde nur vom Vogelgezwitscher unterbrochen, ein Bilderbuch-Sonntag mit einem herrlichen Ausflugswetter.
Das Ziel des Paares war das Hohe Venn im Deutsch-Belgischen Naturpark in der N├Ąhe von Monschau. Es bot sich dem Wanderer so dar, wie im Lexikon beschrieben: eine einmalige, urzeitliche Sumpf-Landschaft mit besonderer Pflanzen- und Tierwelt, die so nur im Hohen Venn vorkommt. Der Blick schweifte bis zum Horizont, nur wenige B├Ąume reckten ihre windgekr├╝mmten, kr├╝ppeligen ├äste dem Himmel entgegen.
Der Himmel wirkte dramatisch, da gleichzeitig graue Regen- und wei├če Sch├Ânwetterwolken an einem blauen Horizont vorbeizogen. Schmale, schwankende Holzstege teilten das Sumpfgebiet und boten dem Wanderer einen sicheren Weg.

Da huschte eine winzige Echse, farblich perfekt der erdigen Landschaft angepasst, ├╝ber die Holzstege, zeigte sich einen Moment dem staunenden Betrachter und war dann blitzschnell wieder verschwunden.
Sie riskierte einen Schritt neben die Holzplanken, der Untergund war weich, gab nach, Wasser gurgelte hoch; ihr kamen Geschichten in den Sinn von elend im Moor Ertrunkenen und sie zog erschrocken den Fu├č zur├╝ck.
Sie verlor das Interesse an den Fr├╝chten der vielen Blaubeer- und Preiselbeerst├Ąucher, die hier wohl den einzigen greifbaren Reichtum boten und betrachtete sie nur noch als Farbtupfer am Wegesrand.
Eine Torfschnittstelle erinnerte daran, da├č Torf das einzige verf├╝gbare Heizmaterial f├╝r Generationen armer Vennbauern war, die dieses kostbare Gut m├╝hsam in S├Ącken auf dem R├╝cken nach Hause schleppen mussten, um die extrem kalten Winter zu ├╝berstehen.
Diese eigent├╝mlich sch├Âne Landschaft wollte sie mit der Kamera einfangen. Das rosa-wei├č der Erika wird ein sch├Âner Farbklecks sein, ein prima Vordergrund, dachte sie und ging in die Hocke. Die schmalen Holzstege schwankten, sie wurde unsicher, verlor das Gleichgewicht und landete wie ein K├Ąfer auf dem R├╝cken, neben dem Holzsteg, im Moor.
Sie sp├╝rte, wie die Feuchtigkeit an ihrem R├╝cken hochkroch, der Boden triefte vor N├Ąsse, aber Wurzeln boten einen festen Untergrund, und so gelangte sie wieder auf den Holzsteg.
Die Frage ihres Liebsten, ob sie ein Moorbad nehmen wollte, ignorierte sie, scho├č ihre Fotos, aber sitzend, schlang ihren Pulli um die nassen H├╝ften und marschierte weiter - Richtung Heimat.


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