Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
84 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Das Pausenbrot
Eingestellt am 29. 09. 2010 22:54


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Uklatsch
AutorenanwÀrter
Registriert: Sep 2010

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Uklatsch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tobias Cancellara verweigerte sein Pausenbrot, weil, wie er sagte, die Zeit reif sei und diesen Schritt erfordere. Seine Mutter hatte ihm, wie an jedem Morgen, am FrĂŒhstĂŒckstisch ein Brot geschmiert, eines mit Schinken, einer Tomate und einem Ei, doch er entschied, sich fortan ohne Pausenbrot den Herausforderungen des Lebens stellen, auf eigenen Beinen stehen zu wollen, jetzt, so kurz vor der AbiturprĂŒfung.
Überhaupt konnte er sich keinen besseren Zeitpunkt vorstellen als jenen Morgen im April, um sich endlich der mĂŒtterlichen FĂŒrsorge zu entziehen. Das Wetter ließ den nahenden FrĂŒhling erkennen, und die frische Luft jener Morgenstunden tat ihr Übriges, sodass er bester Laune vor die elterliche Wohnung trat, ohne weiter an die herzhaften Schnitten zu denken, die er auf dem Eck des FrĂŒhstĂŒckstisches zurĂŒckgelassen hatte, wo sie die Mutter in all den Jahren platziert hatte. Er habe sein Pausenbrot vergessen, hatte sie ihm noch nachgerufen, doch er hatte nur erwidert, ihm sei, als sei die Zeit ĂŒber ihre Pausenbrote hinweggeschritten. Er stand auf dem BĂŒrgersteig, bereit, seinen Weg anzutreten.

SchĂŒchtern lief er die Straße entlang, vorbei an VorgĂ€rten mit adrett frisierten Rosenhecken und an Einfahrten, in denen GelĂ€ndewagen parkten. Er fĂŒhlte sich beobachtet, glaubte, man sehe seinem Rucksack an, dass er ohne Pausenbrot unterwegs sei.
Seine Unsicherheit Àrgerte ihn. Als könne er ohne Mutters Brote nicht weit kommen! Pah, sagte er. Jetzt endlich, leichten Schrittes ohne Proviant, erkenne er, er sei auf seinem bisherigen Lebensweg, was seine persönliche Entwicklung anbelange, in Verzug geraten; doch damit sei nun Schluss.

Auf dem Bahnsteig angekommen, erfreute er sich des Privilegs, als Abiturient nicht mehr unbedingt als SchĂŒler wahrgenommen zu werden. Denn mit ihm an der Haltestelle stand Herr Buchecker; und von seinem alten Freund Matthias wusste er, dass Herr Buchecker sich bisweilen berufen fĂŒhlte, sich in die Belange der SchĂŒler des Ortes einzumischen und sich zu erkundigen, warum man eine solch spĂ€te Verbindung wĂ€hle, wo man doch wissen mĂŒsse, dass nur eine der frĂŒheren Verbindungen ein pĂŒnktliches Erscheinen im Klassenzimmer gewĂ€hrleiste. So aber mochte Herr Buchecker ihn fĂŒr einen spĂ€ten Studenten halten; deren StundenplĂ€ne, so mochte Herr Buchecker denken, lassen eine solch spĂ€te Bahnverbindung gewiss zu.
Tobias gefiel die Vorstellung, fĂŒr einen Studenten gehalten zu werden.
Als die Straßenbahn vorfuhr, schwang er sich mit dem selbstsicheren Schritt des Erwachsenen aufs Trittbrett, noch bevor sich die TĂŒren krachend zu den Rahmen hin zusammengefaltet hatten. Seine Klassenkameraden taten es immer so, und er wusste, dass die Ă€lteren Damen, die man vormittags in Straßenbahnen antrifft, verĂ€chtlich wegschauten, wenn SchĂŒler seines Alters derart in die Straßenbahn sprangen, ohne sich zu vergewissern, ob nicht eine jener Damen auszusteigen gedenke.
Tobias Cancellara jedoch kam niemand entgegen, als er ins Abteil sprang, und so landete er mit einem langen Satz im Gang zwischen den beiden Sitzreihen, doch als er mit lĂ€ssigem Blick nach einem angemessenen Sitzplatz Ausschau hielt – unbedingt am Fenster, nicht zu nah an der Steuerkabine des Schaffners, am liebsten eine der Sitze ganz hinten, von wo man das vor einem liegende Abteil im Auge behalten konnte, ohne selbst ins Visier neugieriger Passagiere geraten zu können –, rief ihm der ZugfĂŒhrer aus dem herabgelassenen Innenfenster der Fahrerkabine nach, wenn er noch einmal in solch ungestĂŒmer Manier zur FahrzeugtĂŒr hereinplatze, könne er gleich wieder aussteigen. Aus den schadenfrohen Blicken der im vorderen Teil der Straßenbahn verteilten Passagiere, die sich allesamt nach ihm umdrehten, schloss Tobias, dass er aus den Reihen der Mitfahrerschaft nicht auf UnterstĂŒtzung hoffen dĂŒrfe, wenn er dem Schaffner auf dessen unverfrorene, respektlose Zurechtweisung entgegenhielte, wĂŒrde er, der Schaffner, vorne in seiner Kanzel, oder wie man seinen Ausguck dort vorne auch nennen mag, eine auch nur annĂ€hernd vergleichbare Dynamik an den Tag legen, so könnte man berechtigter Hoffnung sein, einmal, nur ein einziges Mal, ohne die fĂŒr diese Linie schon sprichwörtliche VerspĂ€tung im hohen zweistelligen Minutenbereich sein Ziel zu erreichen. So aber enthielt er sich eines Kommentars und setzte sich auf einen der freien EinzelplĂ€tze am Ende des Abteils.
Er sprang mit demselben Schwung aus dem Waggon, mit dem er hineingesprungen war, als die Bahn nach kurzer Fahrt die nördliche Innenstadt erreichte. Die Chance, in diesem Teil der Stadt auf einen Schulkameraden zu treffen, stufte er als gering ein, vielmehr, so dachte er, laufe man in dieser Gegend Gefahr, von Jugendlichen angegangen zu werden, die Abiturienten oder auch Studenten nicht wohlgesonnen waren, und so wechselte er schnellen Schrittes den Bahnsteig und reihte sich in eine kleine Schlange Wartender ein, um eine einlaufende Bahn in die westlichen Stadtteile zu besteigen.
Er fand einen freien Doppelsitz, rutschte bis zum Fenster durch, doch noch ehe er seinen Rucksack bequem auf dem Boden abgelegt hatte, ließ sich ein Ă€lterer Herr auf dem freien Platz neben ihm nieder. Das Leben, befand Tobias mit einem Blick auf den Alten, mĂŒsse in einem prekĂ€ren Zustand sein, wenn man noch im hohen Alter aufs Bahnfahren angewiesen sei.
Zu seiner Überraschung nahm dieser sogleich das GesprĂ€ch mit ihm auf. Er könne sich an Zeiten erinnern, als Ă€lteren Herren noch in die Bahn geholfen wurde, sagte der Mann.
Dies könne er weder bestÀtigen, noch widerlegen, antwortete Tobias ohne Zögern, denn er scheine einer gÀnzlich anderen Generation anzugehören.
Der alte Mann blickte ihn skeptisch aus den Augenwinkeln an. Manchmal frage er sich, wo dies alles enden solle, wĂŒrde alten Menschen nicht einmal mehr in die Bahn und zu einem Sitzplatz geholfen. Das mĂŒssen ja schöne Zeiten werden.
Er vermute, antwortete Tobias mit ruhiger Stimme, dieser pessimistische Blick auf die Zukunft rĂŒhre daher, dass das nahende Ende unausweichlich erscheine und man so kurz vor dem Ableben mit derlei Fatalismus eine letzte Energiequelle anzuzapfen hoffe, die einem Kraft fĂŒr die letzten Stunden verspreche.
Nach einer Sekunde der Stille war der alte Mann aufgestanden und hatte sich einen Sitzplatz weiter hinten gesucht, der ihm von einem nur unwesentlich jĂŒnger erscheinenden Herrn bereitwillig angeboten worden war.

Keine zehn Minuten spĂ€ter, die Bahn war bereits in die westliche SphĂ€re der Stadt eingedrungen, sprang Tobias Cancellara aus dem Abteil. Die große Kreuzung gleich neben dem Bahnsteig ĂŒberquerte er, als noch das Rot der FußgĂ€ngerampel leuchtete, doch er hatte bereits mit umsichtigem Blick erkannt, dass die Fahrbahn frei war, und ein Warten vor einer roten Ampel in einer solchen Situation hĂ€tte er sich spĂ€ter als hĂŒndische Ergebenheit, als willenlosen Konformismus vorwerfen mĂŒssen.
Der BĂŒrgersteig war schmal und von Passanten verstopft. Tobias reihte sich in einen Strom FußgĂ€nger ein, denen ebenso wie ihm nicht daran gelegen zu sein schien, zu viel Zeit auf dem schmalen Fußweg zu vergeuden, doch musste er schon nach wenigen Metern erkennen, dass der Fluss der Gehenden, trotz bester Absichten, von einem Strom Entgegenkommender ins ZĂ€hflĂŒssige gebremst wurde. Ein ums andere Mal ertappte sich Tobias dabei, wie er abzuschĂ€tzen versuchte, wie weit er zur Seite treten mĂŒsse, um einen Entgegenkommenden passieren zu lassen, unter der Voraussetzung, auch jener rĂ€ume ihm ein wenig Platz ein. Nichts hasste Tobias mehr, als fĂŒr einen Passanten zur Seite zu treten, nur um dann im Nachhinein feststellen zu mĂŒssen, dass ebendieser schnurstracks weitergegangen war, ohne seinerseits einen Schritt zur Seite getan zu haben. In solchen FĂ€llen wĂŒnschte er sich einen vorausschauenden Blick, der ihn erkennen ließe, wann jemand ihm Platz einrĂ€ume und wann nicht. Letztlich erkannte er, wann immer er dieser Wunschvorstellung verfiel, drohe er ins Paradoxe abzugleiten, und verwarf den Gedanken.
So folgte er dem viskosen Strom der Passanten, passierte Cafes und Kneipen, Buchhandlungen und Frisiersalons, Kioske mit sĂŒdlĂ€ndischen Zeitungstiteln in den Auslagen und Imbissbuden mit sĂŒdlĂ€ndischen Fleischgerichten im Angebot, bis er schließlich die grobklötzigen GebĂ€ude der UniversitĂ€t erkannte.
Ein Mann trat ihm in den Weg, als er sich ĂŒber eine RasenflĂ€che dem HauptgebĂ€ude nĂ€herte.
«Entschuldigung, aber wĂŒrden Sie mir Ihr Pausenbrot ĂŒberlassen? Ich habe seit gestern Abend nichts mehr zu essen gehabt.»
Tobias taumelte einen Schritt zurĂŒck. Wie war das nur möglich? In all den Jahren, in denen er mit einem Pausenbrot der Mutter zur Schule gegangen war, ist er niemals um seine Brote angegangen worden; und ausgerechnet heute, wo er sich ohne Pausenbrot der UniversitĂ€t nĂ€herte, wo er den Schritt hinaus ins Leben tat, ohne dass Mutter seine Versorgung in die Hand genommen hĂ€tte, widerfuhr ihm dies.
«Wie kommen Sie nur auf die Idee, ich könnte ein Pausenbrot mit mir fĂŒhren?»
Der Mann zögerte, als mĂŒsse er ĂŒberlegen, ob Tobias ernstlich an einer Antwort gelegen sei.
«Sie wÀren nicht der Erste, den ich in dieser Gegend mit einem Pausenbrot im GepÀck antrÀfe.»
«Ich kann Ihnen versichern», empörte sich Tobias, «dass ich aus diesem Alter bereits heraus bin.»
«Nun, in diesem Fall wĂŒrden es auch ein paar Euro tun »
«Ich muss schon sagen, Sie kommen mir reichlich unverfroren daher.» Tobias spĂŒrte, wie ihm die Beherrschung zu entgleiten drohte. «Sie fangen mich auf dem Weg zur UniversitĂ€t ab, nur um mir zu unterstellen, ich gehörte zu jenen, die sich nicht ohne Pausenverpflegung der Mutter vor die TĂŒr wagten.»
«So’n Quatsch!»
«Ich kann Ihnen jedenfalls versichern, auf eigenen Beinen zu stehen; und trĂŒge ich dennoch einmal ein Butterbrot bei mir, so hĂ€tte ich es mit Sicherheit selbst geschmiert!»
«Steck‘ Dir doch Deine Brote in den Allerwertesten.»
«Ich gehe nun weiter, bevor ich vollends die Beherrschung verliere. Doch nur dass Sie’s wissen: FĂŒr Pausenbrote sind Sie mit mir an den Falschen geraten!»
Und mit einem seitlichen Schritt war Tobias Cancellara an dem Mann vorbeigetreten und hielt, ohne sich noch einmal umzuschauen, auf den rĂŒckwĂ€rtigen Eingang des HauptgebĂ€udes zu.

Im Inneren des großen Backsteinbaus Ă€rgerte er sich noch immer ĂŒber den Unbekannten auf dem Rasen. Sicheren Schrittes ĂŒber die Wiese hinter der UniversitĂ€t konnte man ihn doch unmöglich fĂŒr etwas anderes als einen spĂ€ten Studenten halten, eilig auf dem Weg zum Hörsaal der Wahl, jedenfalls nicht fĂŒr einen Wurstbrot schmatzenden PennĂ€ler! NatĂŒrlich, er ging noch zur Schule, doch wer wollte noch ernsthaft einen Abiturienten von einem Studenten im ersten Semester unterscheiden?
Er schlich den menschenleeren Korridor entlang, der sich der EingangstĂŒr im Erdgeschoss anschloss. Hinweisschilder wiesen verschiedene Sekretariate aus, doch Tobias wollte lieber gleich einen der Studenten nach dem Weg fragen, bevor er sich in den GĂ€ngen und Schluchten des GebĂ€udes verirrte. Doch weder in dem langen Schlauch im HauptgebĂ€ude, noch im Foyer des Nebentraktes, in den er gelangte, traf er auch nur eine Menschenseele. Er blickte auf seine Armbanduhr und verglich die Zeit mit der großen Wanduhr am Ende der Halle. Selbst wenn der Lehrbetrieb in vollem Gange wĂ€re, grĂŒbelte er, sollte man in einer solch großen Akademie auf NachzĂŒgler oder Blaumacher, auf Lerngruppen oder MĂŒĂŸiggĂ€nger stoßen. Doch er sah niemanden.
An einem Ende des Saals nahm er ein Rumpeln wahr. Er erkannte einen Fahrstuhl, dessen TĂŒren nun knirschend aufglitten, und dem ein Mann in blauem Overall entstieg. Tobias lief hinĂŒber, mit einem Arm winkend, als wollte er verhindern, dass der Mann ihn ĂŒbersĂ€he.
«Jungchen, was hast Du hier verloren?», empfing ihn der Mann, noch bevor Tobias sein Anliegen vorbringen konnte.
Er blieb ein paar Meter vor dem Mann stehen, begriff, dass man den Eindruck gewinnen musste, er traue sich nicht nÀher heran, und machte einen weiteren, nun zögerlichen Schritt auf ihn zu.
«Entschuldigen Sie, ich suche das Studentensekretariat», stammelte er.
Der Mann, der einer HausmeistertĂ€tigkeit nachzugehen schien, hielt einen Taschenkalender in der Hand, den er nun zuschlug und in die große Brusttasche seines Blaumanns steckte.
«Vielleicht hĂ€tte Mutti Dich warnen sollen », begann er, doch Tobias, augenblicklich verĂ€rgert ĂŒber den abfĂ€lligen Ton des Hausmeisters, fiel ihm ins Wort.
«Wenn Sie auf mein Pausenbrot anspielen», schnaubte er, «so kann ich Sie beruhigen: Es war meine freie Entscheidung, ganz ohne Proviant aus dem Haus zu gehen. Gut und gerne fĂŒnfzehn Jahre, wenn man die Zeit im Kindergarten hinzunimmt, wurde ich von den Butterbroten meiner Mutter ernĂ€hrt. Schinkenbrote, Fleisch- und Leberwurstbrote, Schnitten mit Camembert, manchmal sogar mit Thunfisch, Salami und Dauerwurst, StreichkĂ€se, das Ganze dann manchmal auf Brötchen, meist jedoch auf einfachem Weißbrot, an besonderen Tagen Pumpernickel. Zwar habe ich vor Jahren, es mag in der neunten Klasse gewesen sein oder in der achten, rebelliert und auf einer einfachen Handsalami bestanden, doch jetzt, so unmittelbar vor dem Abitur, fĂŒhle ich, es ist an der Zeit, den Schritt aus der Obhut der Mutter zu tun und mich ohne ihre Verpflegung ĂŒber Wasser zu halten. Sollte Ihnen diese ErklĂ€rung nicht ausreichen » – er breitete die Arme aus, als wolle er sein GegenĂŒber auf nahendes Ungemach vorbereiten – «  so kann ich Ihnen auch nicht helfen.»
Tobias erwartete, dem Hausmeister mit einer solchen Zurechtweisung zu denken gegeben zu haben. Umso ĂŒberraschter war er, als dieser das GesprĂ€ch unvermittelt fortsetzte.
«Du findest das Studentensekretariat im dritten Stock, hier im GebĂ€ude.» Er deutete mit dem Daumen ĂŒber seine Schulter, wo die TĂŒren des Fahrstuhls inzwischen wieder zugeglitten waren. «Nur hĂ€ttest Du Mutti vielleicht noch einmal fragen sollen, denn das Sekretariat ist geschlossen: Es sind Semesterferien!»
Der Speichel war aus Tobias‘ Mund gewichen, und so verhinderte seine Zunge, die kraftlos an seinem Gaumen klebte, dass er irgendetwas anderes außer einem kapitulierenden Grunzen von sich gab. Seine Augen verweigerten den Dienst, blickten durch den Hausmeister hindurch, ohne jedoch an anderer Stelle Halt zu finden.
Dieser hatte sich bereits umgedreht und war zurĂŒck in Richtung Fahrstuhl aufgebrochen. Er drĂŒckte den Knopf, drehte sich dann aber noch einmal zu Tobias um.
«Fahr‘ zurĂŒck zu Mama, zurĂŒck nach Hause, Du Held.» Die LifttĂŒren knarrten auf, als hĂ€tten sie den Rost von tausend Jahren zu ĂŒberwinden. «Und falls Dir nach einem Butterbrot zumute ist: Die Mensa nebenan hat auch in den Ferien geöffnet.»

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


KaGeb
Guest
Registriert: Not Yet

Zuerst einmal „Hallo“ hier auf der LeLu und möge dich die Muse kĂŒssen =)

Deine Geschichte ist vergnĂŒglich und unterhaltsam, doch (fĂŒr mich) fĂŒr die letztendliche Aussage einfach zu lang.
Manche Ausuferungen brÀuchte es m.M.n. nicht und auch nicht solche SchachtelsÀtze (ohne Ergebnis) wie:

quote:
Aus den schadenfrohen Blicken der im vorderen Teil der Straßenbahn verteilten Passagiere, die sich allesamt nach ihm umdrehten, schloss Tobias, dass er aus den Reihen der Mitfahrerschaft nicht auf UnterstĂŒtzung hoffen dĂŒrfe, wenn er dem Schaffner auf dessen unverfrorene, respektlose Zurechtweisung entgegenhielte, wĂŒrde er, der Schaffner, vorne in seiner Kanzel, oder wie man seinen Ausguck dort vorne auch nennen mag, eine auch nur annĂ€hernd vergleichbare Dynamik an den Tag legen, so könnte man berechtigter Hoffnung sein, einmal, nur ein einziges Mal, ohne die fĂŒr diese Linie schon sprichwörtliche VerspĂ€tung im hohen zweistelligen Minutenbereich sein Ziel zu erreichen. So aber enthielt er sich eines Kommentars und setzte sich auf einen der freien EinzelplĂ€tze am Ende des Abteils.

Auch spĂ€ter in der Geschichte, die Auseinandersetzung mit dem Ă€lteren Herrn, wird es (mir) zu weitschweifig. Sowas passt sicher gut in eine lĂ€ngere ErzĂ€hlung oder einen Roman, aber (fĂŒr mich) besteht die Kunst einer Kurzgeschichte in reduktiver Handlungsstringenz, d.h. das Besinnen auf das absolut Wesentliche (und Erforderliche).
Ist natĂŒrlich (Lese-)Geschmackssache.

quote:
Er vermute, antwortete Tobias mit ruhiger Stimme, dieser pessimistische Blick auf die Zukunft rĂŒhre daher, dass das nahende Ende unausweichlich erscheine und man so kurz vor dem Ableben mit derlei Fatalismus eine letzte Energiequelle anzuzapfen hoffe, die einem Kraft fĂŒr die letzten Stunden verspreche.

Das fand ich lustig und gut formuliert.

Überhaupt sind von dir witzige Momente verarbeitet, deinen Ausdruck finde ich gut – und ich hab das Lesen nicht bereut.
Die Pointe finde ich allerdings zu schwach.

LG KaGeb

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!