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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Piano
Eingestellt am 02. 11. 2003 20:42


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Costner
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2001

Werke: 21
Kommentare: 41
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Die Morgensonne schien durch die lang gezogenen Fenster in den gro├čen Saal hinein, w├Ąhrend altgriechische Skulpturen den Salon zierten und merkw├╝rdige Schatten an die Wand zeichneten. Der Wind lie├č die endlos fallenden Gardinen im Raum tanzen. An den W├Ąnden hingen Portraits von Leuten mit markanten Gesichtern, w├Ąhrend im unteren Teil des Rahmes ihre Namen in goldenen Lettern schimmerten. Allein die Familie Holobricks reservierte die lange Wand des Salons, die sich in dem endlosen Raum zu verlieren schien. Doch ein Bild wirkte wie das eines verlorenen Kindes. Es schien nicht in die Reihe dieser Vorfahren zu passen und doch hing das Antlitz einer ├Ąlteren, wei├čhaarigen Dame mit dunklen, fast schwarzen Augen in einem goldenen Rahmen. Ihr Blick war durch einen zornigen Ausdruck auf dem alten Leinwand festgehalten worden und ihre Augen wirkten leblos. Verwunderlich war die Tatsache, dass kein Schild im unteren Rahmenteil ihren Namen verriet.
Der Holzfu├čboden gl├Ąnzte im Schein der aufgehenden Sonne, w├Ąhrend der m├Ąchtige Saal von einer bedr├╝ckenden Stille beherrscht wurde. Die Luft war mit dem Geruch von Leder vermischt, mit dem die Couch und ein paar hoch dekorierte Sessel bezogen waren. Sie fanden am anderen Ende des Saals ihren Platz. In roter Farbe leuchtete der Lederbezug trotz seines hohen Alters im Schein der Sonne.
Die j├Ąhe Stille wurde unterbrochen, als eine der gro├čen Fl├╝gelt├╝ren aufschwang und sich knarrend im Anschlag verankerte. Aus dem Dunkel des Flures trat ein ├Ąlterer Mann in den Raum und lief direkt auf das Piano zu. Sein zorniger Blick wirkte entschlossen und die braunen Augen fixierten das Ziel vor ihm - das Piano. Er streckte seine Hand aus, griff nach der Tastenklappe und knallte sie zu. Ein Knall hallte durch den ganzen Saal und wiederholte sich in seinem Echo mehrere Male. Wutschnaubend ging er zu den gro├čen Panoramafenstern r├╝ber und schaute durch den wei├čen Vorhang hinunter auf das gro├če Anwesen, welches in seinem gr├╝n sein Gem├╝t erhellte. Gedankenverloren fuhr er sich durch sein sch├╝tteres wei├čes Haar und versuchte Gelassenheit auszustrahlen. Aber in den Augen war seine Unruhe zu erkennen, nerv├Âs suchten seine Blicke einen Punkt, auf den er sich konzentrieren konnte. Der Ausdruck in seinem Gesicht wirkte verloren, als bliebe er eine hilflose Person in einem gro├čen weiten Saal, unbemerkt und allein. Und als er sich umdrehte, fiel das Piano in seinen Blick. Sein Entsetzen lie├č ihn f├╝rchterlich schnell blass werden, als er die kurz zuvor zugeschlagene Tastenklappe entdeckte, die wieder in ihrer Ausgangsposition war - ge├Âffnet. Ein Ruck durchfuhr seinen K├Ârper und er ballte beide H├Ąnde zu F├Ąusten. Aufgeregt stapfte er aus dem gro├čen Saal und schlug die Fl├╝gelt├╝re hinter sich zu, w├Ąhrend das laute Knallen nach kurzer Zeit wieder erstickte.
Stille kehrte zur├╝ck.
Der Mann stapfte durch das gro├če Anwesen, den langen Flur hinunter auf edlen orientalischen Teppichen und an ├ľlgem├Ąlden vorbei, die an den W├Ąnden Landschaften zeigten. Antike Schemel und Vitrinen s├Ąumten seinen Gang durch den Flur. Angestrengt ├Âffnete er die n├Ąchstgelegene T├╝re vor ihm und betrat die ger├Ąumige K├╝che, in der eine Frau an einem Tresen stand und mit dem Messer etwas zubereitete. Erschrocken drehte sie sich zu ihm und sah ihn grimmig an.
ÔÇ×Hast du mich erschrocken. Ich hatte dir doch gesagt, dass du nicht einfach so hereinst├╝rmen solltestÔÇť, begann sie ihn zurechtzuweisen. Gleich widmete sie sich wieder ihrem Gem├╝se, das schon klein geschnitten auf dem Tresen vor ihr lag. Sein Blick war fahl und unbeholfen. Die K├╝che war aus altem Holz gezimmert worden, w├Ąhrend von der hohen Decke ein kleiner L├╝ster hing und zwischen den Steinen strahlte. Der Fu├čboden war mit zahlreichen Teppichen ausgelegt worden, um der K├Ąlte der farblos anmutenden Flie├čen entgegen zu wirken. Er kam ihr ein paar Schritte n├Ąher.
ÔÇ×Es ist schon wieder passiertÔÇť, sagte er mit zitternder Stimme.
ÔÇ×Was ist schon wieder passiert?ÔÇť, fragte sie. Konzentriert schnitt sie das Gem├╝se zusammen und f├╝llte es in einen gro├čen, schwarzen Topf auf einem Gasherd. Mit aller Ruhe ging sie ihrer Arbeit nach. Eine gebl├╝mte Sch├╝rze verlieh ihr den Eindruck einer Haush├Ąlterin, wobei sie doch die Frau des Mannes war, der sie mit gro├čen Augen anstarrte.
ÔÇ×Du hast es nicht geh├Ârt?ÔÇť, fragte er ├╝berrascht.
ÔÇ×Was geh├Ârt?ÔÇť
ÔÇ×Das Spielen in der NachtÔÇť, antwortete er mit Unverst├Ąndnis, da seine Frau von nichts zu wissen schien. Mit flehenden Handbewegungen kam er seiner Frau n├Ąher, die mit pl├Âtzlicher Best├╝rzung einige Schritte zur├╝cktrat und ihm entsetzt ins Gesicht sah. Seine blutverschmierten Wangen l├Âsten in ihr einen erschreckenden Gef├╝hlsausbruch aus, der sie dazu trieb aus der K├╝che zu fl├╝chten. Die T├╝r knallte ins Schloss und der alte Mann blieb allein zur├╝ck. Schockiert und schier bewegungslos versuchte er nicht in Panik zu geraten. Kontrolliert ging er zur gegen├╝berliegenden Wand und trat Vorsichtig vor den Spiegel. Er fuhr sich mit den H├Ąnden ├╝ber die mit Blut beklebten Wangen und konnte vor Fassungslosigkeit kaum atmen. In seine Nase stieg der Duft frischen Gem├╝ses und gleichzeitig breitete sich auch ein entsetzlicher Geschmack in seinem Mund aus. Keine seiner ├ťberlegungen f├╝hrte ihn zu einer Antwort dieser Ereignisse. Nachdenklich wusch er sich das Blut aus dem Gesicht und sp├╝lte seinen Mund mit frischem Wasser aus. Anschlie├čend betrachtete er die K├╝che und fuhr sich mit beiden H├Ąnden durchs Gesicht. Er holte tief Luft und versuchte wieder zu einem klaren Kopf zur├╝ck zu finden. Die Geschehnisse lie├čen ihn nicht kalt, viel schlimmer war die Tatsache, dass er keine Erkl├Ąrung hierf├╝r aufbringen konnte. Er machte sich auf die Suche nach seiner Frau.

Stille war eingekehrt. Der Mond schien durch die gro├čen Fenster des Anwesens und erwirkte mit seinem d├╝steren Licht eine unheimliche Atmosph├Ąre. Nebelschwaden schl├Ąngelten sich wie verlorene Seelen um das Haus und h├╝llten die Umgebung in ein un├╝berschaubares Dickicht. Es war kalt geworden und die Fassade des Anwesens erschien in dem blassen Mondlicht wie ein bemaltes und zerbrechliches Gem├Ąuer in einem alten ├ľlgem├Ąlde, wie sie in dem reich best├╝ckten Flur an den W├Ąnden hingen.
Auf der einen Seite des Himmelbettes w├Ąlzte sich der alte Herr hin und her und versuchte in den wenigen Stunden dieser Nacht etwas Schlaf zu finden. Die langen Vorh├Ąnge waren zugezogen, verhinderten aber nicht, dass das Mondlicht in das Schlafzimmer str├Âmte. Auf der anderen Seite des Bettes lag seine Frau, tief eingeh├╝llt in die warme Bettdecke. Die Bettdecke hob und senkte sich, das atmen seiner Frau war deutlich zu erkennen.
Augenblicklich aber zerbrach die Stille als ein spielerischer Pianoklang leise in das Schlafzimmer drang. Es war die Musik zu dem Jazzst├╝ck ÔÇ×MisteriosoÔÇť von Thelonious Monk. Der Mann schreckte aus seinem leichten Schlaf auf und sa├č senkrecht in seinem Himmelbett. Erschrocken starrte er seine Frau an, die neben ihm lag. Er versuchte sie wachzur├╝tteln, was aber ergebnislos blieb. Dann zog er sich die Decke von seinem warmen K├Ârper und schl├╝pfte in seine Hausschuhe, die direkt neben seinem Bett standen. Schlaftrunken tapste er im Dunkeln durch das gro├če Zimmer zur T├╝re, deren Klinke er Vorsichtig hinunterdr├╝ckte. Langsam zog er die T├╝re auf und vernahm den Pianoklang, der nicht aufzuh├Âren schien. Ein Schauder durchfuhr seinen K├Ârper und er z├Âgerte, nach unten zu gehen. Doch dann entschloss er sich, diesem unheimlichen Treiben auf den Grund zu gehen. Immer noch ├Ąngstlich trat er Stufe um Stufe die Wendeltreppe hinunter und war darum bem├╝ht, kein Ger├Ąusch zu hinterlassen. Die R├Ąume und der Flur lagen in einem sicheren Dunkel, in dem er sich eigentlich fast blind zurechtfand. Im Erdgeschoss angekommen, hielt er auf einmal inne, als die Musik verstummte. Die G├Ąnsehaut auf seinem R├╝cken lie├č ihn schwer schlucken. Er stand sich pl├Âtzlich der Frage gegen├╝ber, was er tun sollte. F├╝r einen Moment blieb er unentschlossen, tendierte dann aber dazu, zur├╝ck zu seiner Frau ins Bett zu kehren. Als dann die Musik wieder von vorne zu spielen begann, fuhr er erschrocken zusammen und ├╝berwand den Widerwillen, dort hinein zu gehen.
Ihm war so, als schn├╝re sich seine Luftr├Âhre zusammen, als er die T├╝re zum Salon ├Âffnete und mit einem Schritt hinein trat. Das Piano lag in einem dunklen Schatten, nicht zu erkennen, w├Ąhrend auf allen anderen Flecken des gro├čen Saales das blasse Mondlicht schien. Er nahm den Geruch des Leders der Couch wahr und trat dem Piano Schritt f├╝r Schritt n├Ąher. Die Musik spielte weiter, als w├Ąre nichts gewesen. Doch bei seinem n├Ąchsten Schritt, der das Piano ansatzweise aus seinem dunklen Versteck riss, verstummte die Musik pl├Âtzlich nach einem Augenblick ganz. Es ging selbst kein Hall durch den gro├čen Saal wie man es eigentlich gewohnt war. Eingesch├╝chtert blieb er wenige Meter vom Piano entfernt stehen und sah sich um. Einen Augenblick lang schien er zu glauben, eine Gestalt aus dem Dunkel schleichen zu sehen. Die G├Ąnsehaut auf seinem R├╝cken kehrte zur├╝ck. Ratlos stagnierte er und versuchte sich zu ├╝berwinden, dem Piano n├Ąher zu treten. Angst erfasste ihn, als er einen neugierigen Blick auf das Portrait der alten ungew├Âhnlichen Dame warf, dass vom Mondlicht beschienen wurde. Die Augen glichen der seiner Frau und auch die Hochgewachsene Stirn erinnerte ihn an sie. Entsetzt trat er an das Portrait heran und versuchte den Namen im unteren Rahmen des Bildes zu erkennen, der augenblicklich vor seinen Augen zu verschwimmen begann, ehe er erahnen konnte, wie sie hie├č. Er traute seinen Augen nicht mehr und rannte zur├╝ck in das Schlafzimmer zu seiner Frau.
Aufgew├╝hlt und verst├Ârt versuchte er seine Frau wachzur├╝tteln, die nach kurzer Zeit aufschreckte und ihn mit ihrem zornigen Blicken fixierte. ÔÇ×Was ist denn um Himmels Willen?ÔÇť, st├Âhnte sie verschlafen. Sie legte sich wieder in das wohl warme Kopfkissen und schloss die Augen, w├Ąhrend ihr Mann stotternd versuchte, etwas zu erkl├Ąren.
ÔÇ×Dort unten, Margarete, dort unten geschieht etwas unheimlichesÔÇť, schnappte er nach Luft, ehe er sich zu beruhigen versuchte und sich auf die Bettkante setzte.
ÔÇ×Was soll denn da unten schon passieren?ÔÇť, fragte sie mit kratziger Stimme kurz vor dem einschlafen.
ÔÇ×Wenn du es gesehen h├Ąttest, w├╝rdest du nicht mehr wissen, was Realit├Ąt und was Phantasie istÔÇť, raunte er als Reaktion dessen, dass sich seine Frau weniger darum bem├╝hte zu erfahren, was dort unten vor sich ging. Er sch├╝ttelte entr├╝stet den Kopf. Kurz darauf ging er wieder zur Schlafzimmert├╝re und ├Âffnete sie einen Spalt. Mit einem unwohlen Gef├╝hl in seiner Magengrube starrte er in den dunklen Flur hinaus in der Hoffnung, alles bliebe ruhig. Und dem war auch so. Als er zufrieden die T├╝r wieder schloss, sperrte er zugleich ab, damit er sich an einem sicheren Gef├╝hl anlehnen konnte. Er legte sich zur├╝ck ins Bett und versuchte zu schlafen. Es war kalt und das schwache Mondlicht begann wieder dunkler zu werden, als sich gro├če schwarze Wolken am Firmament nach vorne dr├Ąngten.

Sein m├╝der Blick fiel auf die Tastenreihe des Pianos. Es war merkw├╝rdig, da es den Eindruck machte, als w├Ąre alles unber├╝hrt geblieben. Nachdenklich klappte er den Schutz wieder herunter und sicherte die Klappe durch unbedachtes ├ľffnen mit einem am Piano angebrachten metallenen B├╝gel. Selbst als er das Portrait der alten Dame betrachtete, fielen ihm keinerlei ├ähnlichkeiten mit seiner Frau mehr auf. Das Namensschild war leer geblieben. Anschlie├čend verschloss er den Salon mit einem langen B├╝gelschl├╝ssel und gesellte sich zu seiner Frau in die K├╝che.
Den Tag verbrachten sie im Garten, so lange das gute Wetter es zulie├č. Sie waren die meiste Zeit mit den Beeten besch├Ąftigt und den Rosen, die ringsum um das Anwesen zu gedeihen pflegten. Und als das Wetter umschwang und die ersten Regentropfen kamen, kehrten sie in das wohnliche innere zur├╝ck und verbrachten den Abend in der B├╝cherei. Zum fr├╝hen Abend entschlossen sich die beiden dazu, schlafen zu gehen.

Langsam aber sicher verlor sich das Anwesen in einem dichten Nebel, in der nicht einmal mehr das Licht der Stra├čenlaternen die Kraft hatte, auch nur ansatzweise einen Weg zu weisen. Die Lichter im innern waren erloschen und die Ruhe legte sich ├╝ber die Gegend wie ein biederer Schleier, nur in der Ferne vermochte man ein leises Jaulen zu vernehmen.
Mit weit aufgesperrten Augen stand er vor dem Fenster und starrte hinunter in das neblige Dickicht. Die G├Ąnsehaut auf seiner Haut verriet ihm selbst, dass irgendwas nicht stimmte. Sein Blick zur├╝ck auf das Himmelbett beruhigte ihn, da seine Frau wohlbehalten schlief. Er jedoch bekam nicht auch nur einen Moment lang Schlaf, sondern war darum besorgt, dass wieder etwas passierte. Einen Augenblick sp├Ąter nahm er sich zusammen und ging zur Zimmert├╝re, die er entschlossen ├Âffnete. Der Schein des tr├╝ben Mondlichtes zeigt ihm so weit es ging, den Weg. Er schlenderte die Treppe hinunter ins Foyer, bog links ab in den langen Flur und fuhr in sich zusammen, als er die angelehnte Fl├╝gelt├╝re zum Salon entdeckte, die er am vergangenen Abend noch zugesperrt hatte. Ihm war klar, dass seine Frau die T├╝re nicht aufgesperrt haben konnte. Der Griff zur T├╝rklinke lag ihm nahe, als pl├Âtzlich das Piano zu spielen begann. Er zuckte zusammen und trat einen Schritt zur├╝ck. Ein kalter Luftzug aus dem Salon streichelte ihm ├╝bers Gesicht und lie├č ihn erschaudern. Es war das St├╝ck aus ÔÇ×MisteriosoÔÇť, dass aus dem Salon klang. Sein Herz klopfte wild und die Anspannung in seinem K├Ârper dr├Ąngte ihn zu einer Entscheidung, bevor das Spielen wieder in der dunklen Nacht verstummte. Jetzt wollte er herausfinden, was da vor sich ging.
Die Musik klang in seinen Ohren, ruhig und zwischendurch mit schnellen Passagen versehen, als er nach vorne trat und die T├╝r Vorsichtig aufstie├č. Die Musik spielte weiter ohne dass etwas passierte. Er wusste noch nicht, was er vorfinden w├╝rde. Und als er dann eintrat und sein Blick auf das Piano warf, wurde ihm ganz blass um die Nase. Er schluckte schwer und versuchte weiter zu atmen, doch er stockte und konnte nicht fassen, was er dort zu sehen glaubte. Die Musik spielte immer weiter und er trat Schritt f├╝r Schritt n├Ąher und jeder Schritt erweckte in ihm das Bewusstsein, dass das hier nicht Wirklichkeit sein konnte.
Auf dem kleinen Schemel vor dem Piano sa├č eine leuchtende Gestalt, die mit einem voranschreitenden Enthusiasmus auf dem Piano das St├╝ck von ÔÇ×MisteriosoÔÇť spielte. Sie bewegte sich mit den Kl├Ąngen und genoss die Musik in ihren Ohren, w├Ąhrend sie die Augen dabei schloss. Und er kam ihr immer n├Ąher und entdeckte v├Âllig fassungslos, dass ein Ebenbild seiner Frau auf dem Piano spielte. Sie sah so friedlich aus, unbek├╝mmert und gesund, ganz anders als heute Nachmittag, als der Eindruck nahe lag, sie f├╝hle sich unwohl. Doch er konnte nicht begreifen, was hier geschah.
Er trat noch einen Schritt n├Ąher und das Piano verstummte. Die Frau drehte sich erschrocken zu ihm und warf ihm einen verachtungsvollen Blick zu, kurz darauf verschwand ihr Bild von dem Schemel spurlos. Entsetzen zeigte sein Ausdruck in den Augen. Sie f├╝llten sich mit Tr├Ąnen und er setzte sich auf den Schemel, da er f├╝hlte, wie seine Kraft aus den Beinen verschwand. Dann fiel sein sorgenvoller Blick auf das Portrait dieser alten Dame und was er dort sah, schockte ihn zutiefst. Seine Frau war es, die dieses Portrait darstellte und im Namensschild leuchtete in goldenen Lettern ÔÇ×Margarete von Holobricks ÔÇô 1934 ÔÇáÔÇť. Mit einer abf├Ąlligen Handbewegung wusch er den Gedanken aus seinem Kopf, seine Frau w├Ąre bereits seit drei Jahren tot und machte sich schnellen Schrittes auf den Weg zu seiner Frau ins Schlafzimmer. Oben angekommen, brach er ins Zimmer herein wie ein zorniger Soldat, der seinen Befehl ausf├╝hrte. Er knallte die Faust auf den Lichtschalter und das Zimmer wurde vom Licht des kleinen L├╝sters an der Decke geflutet. Das Bett war leer und es war ungemacht, auf der anderen Seite, wo seine Frau immer geschlafen hatte, lag eine zerw├╝hlte Decke und ein eingedr├╝cktes Kopfkissen. Es durchfuhr ihn so eiskalt, dass er jegliche Realit├Ąt aus seinen Augen verlor und entr├╝stet auf die Bettkante fiel. Angst erf├╝llte ihn und die Tatsache, dass er allein in dem gro├čen Anwesen war, best├Ątigte ihm die Einsamkeit, die er schon so lange gesp├╝rt hatte, aber nicht wahrhaben wollte. Er begann zu weinen und die Kleinigkeiten des Tages zu begreifen. Wie ein Diafilm schoss ein Bild nach dem andern an ihm vorbei, in kleinen Etappen erz├Ąhlt, wie sein Leben in diesen drei Jahren ohne seine Frau verlaufen war, ohne es gemerkt zu haben. Es war wie ein m├╝hsam aufgebautes Puzzle, das in sich zusammen fiel.
Dann begann das St├╝ck zu ÔÇ×MisteriosoÔÇť wieder zu spielen und Gustav begann zu verstehen. Er erkannte pl├Âtzlich das St├╝ck ÔÇô es war das Lieblingsst├╝ck seiner Frau, das sie so gern immer auf dem Piano gespielt hatte. Und als er wieder in den Salon zur├╝ckkehrte und seine Frau spielen sah, war auf einmal alles ruhig. Die Anspannung hatte sich gel├Âst und die Angst war ebenso verflogen wie die Gedanken in seinem Kopf. Er setzte sich neben seine Frau auf den schmalen Schemel und h├Ârte dem Klang des Pianos zu. Sie spielte bis in den Morgengrauen und als die Sonne durch den dichten Nebel drang, begann ihr Bild zu verblassen, ehe sie kurz darauf zusammen verschwanden.

Die T├╝re zum Salon wurde aufgeschlagen und knallte lautstark gegen die Wand. Ein w├╝tender Mann trampelte in den Salon hinein und sah sich mit gro├čen Augen um. Er entdeckte nichts, bis ihm die beiden Portraits zweier Leute an der Wand hinter dem Piano auffielen, die namenlos geblieben waren. Einzig das Jahr in dem sie gestorben waren, schimmerte in goldenen Lettern auf. Sie waren 1904 ÔÇá verstorben, vor 20 Jahren.
Der Besitzer des Anwesens stellte sich mit skeptischen Blicken vor das Piano. Er konnte sich nicht erinnern, die Tastenklappe aufgeschlagen zu haben. Er schloss sie bed├Ąchtig und verlie├č anschlie├čend wieder den Salon.

__________________
cu
M.

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Parsifal
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Costner,

ich habe mir die M├╝he gemacht, Deine Geschichte zu leesn und zu kapieren; es war ein hartes St├╝ck Arbeit, sich durch die oft unbeholfenen und h├Âlzernen Formulierungen zu qu├Ąlen.

Hier - pars pro toto - ein paar Stellen, die dringend ├╝berarbeitungsbed├╝rftig sind:

    Allein die Familie Holobricks reservierte die lange Wand des SalonsÔÇŽ
  • Ihr Blick war [u durch einen zornigen Ausdruck auf dem alten Leinwand festgehalten wordenÔÇŽ
  • Die Luft war mit dem Geruch von Leder vermischtÔÇŽ
  • ÔÇŽein paar hoch dekorierte Sessel ÔÇô es gibt hochdekorierte Soldaten, aber keine solchen Sessel.
  • Wutschnaubend ging er zu den gro├čen Panoramafenstern r├╝ber [ÔÇŽ]versuchte Gelassenheit auszustrahlen
  • Und als er sich umdrehte, fiel das Piano in seinen Blick. ÔÇô Wie geht das?
  • ÔÇ×Hast du mich erschrocken.ÔÇť ÔÇô Nein, erschreckt!
  • Eine gebl├╝mte Sch├╝rze verlieh ihr den Eindruck einer Haush├Ąlterin, wobei sie doch die Frau des Mannes warÔÇŽ
  • Kontrolliert ging er zur gegen├╝berliegenden WandÔÇŽ
  • Keine seiner ├ťberlegungen f├╝hrte ihn zu einer Antwort dieser Ereignisse.
  • Der Mond schien durch die gro├čen Fenster des Anwesens und erwirkte mit seinem d├╝steren Licht eine unheimliche Atmosph├Ąre.
  • Er versuchte sie wachzur├╝tteln, was aber ergebnislos blieb.
  • ÔÇŽ war darum bem├╝ht, kein Ger├Ąusch zu hinterlassen.
  • Die G├Ąnsehaut auf seinem R├╝cken lie├č ihn schwer schlucken.
  • F├╝r einen Moment blieb er unentschlossen, tendierte dann aber dazu, zur├╝ck zu seiner Frau ins Bett zu kehren.
  • Doch bei seinem n├Ąchsten Schritt, der das Piano ansatzweise aus seinem dunklen Versteck riss ÔÇô Wieso rei├čt sein Schritt das Piano aus seinem dunklen Versteck, und wieso ÔÇ×ansatzweiseÔÇť?
  • ÔÇŽ raunte er als Reaktion dessenÔÇŽ
  • Die G├Ąnsehaut auf seiner Haut verriet ihm selbst, da├č irgendwas nicht stimmte.
  • Es durchfuhr ihn so eiskalt, da├č er jegliche Realit├Ąt aus seinen Augen verlor und entr├╝stet auf die Bettkante fiel.


Gru├č
Parsifal

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Costner
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2001

Werke: 21
Kommentare: 41
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hi

hallo,
danke f├╝r das lesen der geschichte.
ich werde mir die m├╝he machen, einige von den fehlern, die du angesprochen hast, auszubessern.

gr├╝├če
marco

__________________
cu
M.

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