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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Quartett
Eingestellt am 05. 02. 2013 23:39


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flammarion
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Das Quartett

Jeder Chor vereint viele sch├Âne Stimmen. Da hatte die Leiterin des Berliner Frauenchores eine tolle Idee: sie wollte ein Quartett gr├╝nden. Johann Sebastian Bach sollte seine h├╝bschen Motetten nicht umsonst geschrieben haben.
Sie pickte den klarsten Sopran, einen guten Mezzosopran, eine tolle Altistin und eine sehr gute zweite Altstimme heraus und unterbreitete den Damen ihren Plan. Die Damen musterten einander und meinten dann: ÔÇ×Na ja, versuchen k├Ânnten wir das wohlÔÇť.
Eine jede hatte Bedenken, ob sie wohl mit den anderen Schreckschrauben harmonieren w├╝rde, aber im Chor klappte das ja auch.
Man verabredete sich bei der Chorleiterin, weil sie in ihrem Salon ein Klavier hatte und das Quartett zu begleiten gedachte.
Die Probe dauerte etwas l├Ąnger, aber damit hatte Frau Schirlich gerechnet und ein paar Pl├Ątzchen bereitgestellt sowie einen leckeren Berliner Kartoffelsalat zubereitet:

1 kg Kartoffeln, 1 gro├če Zwiebel, ┬Ż Tasse Essig, etwas Pfeffer und Salz, 1 Prise Zucker, gehackte Petersilie, 2 Salzgurken, K├╝mmel (sehr wichtig!), 3 El ├ľl

Kartoffeln mit Schale unter Beigabe von Salz und K├╝mmel garkochen, abpellen und noch warm in Scheiben schneiden. In eine Sch├╝ssel geben und mit folgender Marinade vermischen:
Gew├╝rfelte Zwiebeln, Gurke, Salz, wei├čer Pfeffer, Essig und ├ľl werden in etwas Wasser angesetzt und gekocht, bis die Zwiebel weich ist. Nochmals mit den Gew├╝rzen kr├Ąftig abschmecken und ├╝ber die Kartoffeln geben, mischen. Ca. 2 Stunden abk├╝hlen lassen, probieren und evtl. nachw├╝rzen. Ist der Salat ausgek├╝hlt, mit Petersilie bestreuen und servieren.

Da lie├čen sich die Damen nicht lange bitten.
Aber Clarissa behagte der K├╝mmelgeschmack nicht. Sie kannte den Kartoffelsalat von ihrer Gro├čmutter etwas anders:

350g Kartoffeln, 2 Eier, 1 Gew├╝rzgurke, 3EL saure Sahne, 2EL Mayonnaise, etwas Zitronensaft (ersatzweise Essig), 1 Bund Schnittlauch, etwas Petersilie, Salz, Pfeffer

Die Kartoffeln wie gewohnt als Pellkartoffeln kochen und erkalten lassen, dann pellen und in Scheiben schneiden. Eier hart kochen, abpellen und w├╝rfeln. Gew├╝rzgurke in Scheibchen schneiden.
Eiw├╝rfel, Kartoffelscheiben und Gurkenscheibchen miteinander vermengen.
Schnittlauch waschen und in R├Âllchen schneiden, Petersilie waschen und hacken.
Aus saurer Sahne, Mayonnaise, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Schnittlauchr├Âllchen eine Marinade bereiten und ├╝ber den Salat geben. Vorsichtig unterheben. Salat kaltstellen und mindestens 2 Stunden ziehen lassen, ab und an umr├╝hren.
Vor dem Servieren mit Petersilie ├╝berstreuen.

Diesen Salat brachte sie zur n├Ąchsten Probe mit und auch diese Sch├╝ssel war im Handumdrehen leer.

ÔÇ×Also, wenn ich vielleicht zur n├Ąchsten Probe meinen Nudelsalat mitbringen d├╝rfte?ÔÇť, meldete sich zaghaft Claudia zu Wort.
ÔÇ×Das w├Ąre eine sch├Âne Abwechslung!ÔÇť, ermunterte Frau Schirlich.

1 kg Bandnudeln, 800 g Kichererbsen, 2 Zitronen, gemahlenen Kreuzk├╝mmel, 10 El Speise├Âl, 16 EL Naturjoghurt, 4 EL milder Essig, Salz, Pfeffer, frischer Knoblauch, Safran, Kardamom, frische Minze

Die Bandnudeln bissfest kochen, die Kichererbsen gut abtropfen lassen und zuf├╝gen.
Knoblauch kleinhacken, Minzbl├Ątter (ca. 4 EL) kleinhacken, Zitronen auspressen und Schale abreiben. Mit ├ľl, Essig, Naturjoghurt vermengen und nach Belieben mit den Gew├╝rzen abschmecken.

So kam Clarissa erstmalig in den Genuss von Kichererbsen und am├╝sierte sich bestens. Erst auf dem Heimweg fiel ihr auf, dass in dem Salat weder Fleisch noch Wurst war. ÔÇ×Na, das muss sich aber ├Ąndern!ÔÇť, meinte sie. Jedoch es war schon abgemacht, dass Daniela einen Salat zur n├Ąchsten Probe mitbringt:

Thunfischsalat
2 Eier, 1 EL Mayonnaise, 150 g Joghurt, 2 EL Gew├╝rzgurkenwasser, Pfeffer, Salz, Paprikapulver, Zwiebeln, 1/2 gr├╝ne Paprikaschoten, 2 Gew├╝rzgurken, 1 Dose Thunfisch, 2 Baguette

F├╝r den Thunfischsalat zun├Ąchst Eier hartkochen und anschlie├čend in kaltem Wasser abk├╝hlen lassen. Inzwischen Mayonnaise in eine Salatsch├╝ssel geben und mit Joghurt und Gew├╝rzgurkenwasser verr├╝hren. Mit frisch gemahlenem Pfeffer, Salz und Paprikapulver kr├Ąftig w├╝rzen. Zwiebel halbieren, pellen und in feine W├╝rfel schneiden. Zwiebelw├╝rfel in die Salatsauce geben. Gr├╝ne Paprika halbieren, von wei├čen Kernen und H├Ąuten befreien, w├╝rfeln und in die Sauce geben. Gew├╝rzgurken in kleine W├╝rfel schneiden und zum Salat geben. Eier pellen und mit dem Eierschneider einmal l├Ąngs und einmal quer halbieren, sodass kleine W├╝rfel entstehen. Eierw├╝rfel vorsichtig unter die Salatsauce mischen. Das ├ľl vom Thunfisch abgie├čen und den Thunfisch unter den Salat heben. Thunfischsalat mit Baguette servieren.

Da war ja wieder kein Fleisch drin! Versteht sich, dass Clarissa als n├Ąchste dran war, und zwar mit einem Waldorfsalat:
1 B├╝chse Ananas, 1 B├╝chse feine Erbsen, 1 B├╝chse Mais, 1 B├╝chse Champignons, 1 Glas Mayonnaise, 1 gro├čes H├╝hnchen, etwas Paprika, etwas Pfeffer
Das Huhn mit einem El Salz kochen und klein schneiden (am besten nur das Brustfleisch), Ananas, Erbsen, Mais und Champignons abtropfen lassen und mit Mayonnaise, Paprika und Pfeffer gut zusammenr├╝hren. Eine Stunde ziehen lassen und noch mal durchr├╝hren.

Der geneigte Leser hat schon erkannt, dass das Quartettsingen v├Âllig vergessen wurde. Es wurde nur noch geschlemmt!
Der Chor brach auseinander, weil die f├╝nf Walk├╝ren nur noch Rezepte austauschten.
Sie er├Âffneten eine Salatbar am Alexanderplatz, wo sie diverse Salate zum Verkosten und zum Verzehr anboten, begleitet von Klaviersonaten (am Piano Frau Schirlich) und A-Capella-Gesang. Die Leute str├Âmten nur so herbei!
Fast jeden Tag gaben die f├╝nf Frauen an mit neuen Kleidern, weil sie immer dicker wurden und die alten Sachen nicht mehr passten. Das kam davon, weil sie alle Reste selber a├čen.
Nachdem sie alle m├Âglichen Rezepte ausprobiert hatten, schufen sie neue Kreationen, die auch regen Anklang fanden..
In der Salatbar bekamen sie auch endlich (so ganz nebenbei) ihren Quartettgesang zustande und produzierten eine CD.
Der Berliner Kartoffelsalat, mit dem alles begann, fand wegen des K├╝mmelgeschmacks keinen Anklang bei der Kundschaft . . .

__________________
Old Icke

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