Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
83 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Das Recht auf Arbeit
Eingestellt am 01. 06. 2005 16:19


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
Kommentare: 1253
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um MDSpinoza eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Was bedeutet es, ein Recht zu haben? In erster Linie einmal, da├č es m├Âglich ist, dies recht vor einem Gericht oder einer anderen Institution durchzusetzen. Wenn ein recht verbrieft ist, mu├č es respektiert werden und impliziert oft auch Pflichten. Ein Recht auf Arbeit impliziert, da├č es jemanden oder eine Institution geben mu├č, die daf├╝r sorgt, da├č jeder, der dies Recht beansprucht, auch eine Arbeit bekommt. Das hei├čt, da├č ein Arbeitgeber gezwungen werden kann, diesen Menschen einzustellen, ob er ihn braucht oder nicht.
Das impliziert weiterhin, da├č es einem Arbeitgeber verunm├Âglicht wird, sich von Besch├Ąftigten zu trennen. Einmal von pers├Ânlichen Differenzen und Qualifikationsproblemen abgesehen, wenn ein Unternehmen verkleinern oder sich ver├Ąndern mu├č und Arbeitnehmer entlassen m├╝├čte um zu ├╝berleben, darf es das nicht. Das Resultat ist, das Unternehmen geht bankrott, obwohl es unter Preisgabe eines teils seiner Besch├Ąftigten h├Ątte gerettet werden k├Ânnen.
Die direkte Folge dieses Rechtes auf Arbeit sind Gro├čpleiten und Massenarbeitslosigkeit.
Sollte jemand glauben, da├č die Verstaatlichung der Wirtschaft etwas bessern k├Ânnte, der sei an die Verh├Ąltnisse in der DDR erinnert, die dieses Recht auf Arbeit in der Verfassung verbrieft hatte. Die Staatskonzerne konnten niemanden entlassen, ob er nun produktiv t├Ątig war oder nur seine Stunden absa├č. Die Folge war, da├č die gesamte DDR-Wirtschaft nicht mehr funktionierte. Die Arbeiter bekamen zwar L├Âhne, konnten daf├╝r nur recht wenig kaufen, weil L├Ąden oft bis auf die Regale leer waren. Die Bankkonten der B├╝rger waren voll, die L├Ąden leer. Als die DDR zusammenbrach, wurden die Bankguthaben auf ihren realen Wert zur├╝ckgesetzt. Das hat den Inhabern sehr weh getan, aber ihr Geld war effektiv sogar noch weniger wert. Die DDR hatte eine rein fiktive W├Ąhrung, die au├čerhalb der RGW-Staaten nicht konvertierbar war. Was die DDR ├╝ber die letzten 15 Jahre ihrer Existenz gerettet hatte, waren Valuta ÔÇô Kredite, haupts├Ąchlich aus Westdeutschland, von denen niemand erwartete, da├č sie je zur├╝ckgezahlt werden. Um an Devisen zu kommen war es in der DDR ebenso wie anderen RGW-Staaten ├╝blich, Produkte unter Produktionskosten zu verkaufen.
Eine Wirtschaft, die sich frei entwickeln kann, bietet jederzeit neue Chancen (bei unbestritten vorhandenen Risiken), die neue Ideen und neue Gewinne erm├Âglichen. Je strikter die Wirtschaft reguliert wird, desto weniger profitabel und innovativ wird sie, umso starrer und statischer die Strukturen. Warum hat Japan 4.4% Arbeitslose und wir ├╝ber 11%? In Japan gibt es kein Recht auf Arbeit...


__________________
Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


nikita
Guest
Registriert: Not Yet

also ..... hier geb ich dir un.ein.geschr├Ąnkt "recht"
du hast es kurz und klar formuliert ... das recht auf arbeit ist aber ein guter propaganda-titel - nicht nur f├╝r gewerkschaften ... ein titel - der nicht unbedingt zum nach/vor/mit-denken anregt ...
ein funktionierendes mem ... im kampf um populistische meinungsmache

Bearbeiten/Löschen    


Bluomo
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo MDSpinoza,

guter Text, aber das Beispiel Japan hinkt.

quote:
Warum hat Japan 4.4% Arbeitslose und wir ├╝ber 11%? In Japan gibt es kein Recht auf Arbeit...

In Japan war es bis in die 90er ├╝blich lebensl├Ąnglich (oder bis zur Rente) nur und ausschlie├člich f├╝r eine Firma zu arbeiten, und teilweise sogar seine Freizeit im Kreise der Firma zu verbringen.
Der Unterschied Dtland Japan ist eher, dass die Japaner am Ende der 90er eine schwere Krise gel├Âst haben. Die "Heuschrecken" kamen, und haben die kaputten Kredite gekauft, haben marode Firmen saniert. Dazu hat Japan viele weitere Dinge im Wirtschaftskreislauf ge├Ąndert.

Gruss

Bluomo


Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das ist ein verdammt gutes Beispiel daf├╝r, was Sprachschlamperei anrichtet. (Ich wei├č, das war nicht das Thema, aber ich hoffe, du gestattest mit trotzdem den kleinen Ausflug. Einiges davon zeilt ja auch indie Richtung, die du begonnen hast...)

Das Recht auf etwas haben hei├čt in der Tat, dass einem dieses etwas nicht verweigert werden darf. Wobei: Man kann nur verweigern, was man andernfalls geben k├Ânnte. Ich kann also niemandem Arbeit verweigern, wenn ich keine habe.

* "Recht auf Arbeit" m├╝sste also beinhalten, dass ich eine Stelle abschaffen einfach kann, wenn (und sobald! - Das Gesetz sieht das bekanntlich anders.) die Arbeit daf├╝r nicht mehr da ist (,ich darf "nur" nicht einem anderen die Stelle geben oder (evtl. weniger gewordene) Arbeit auf andere Stellen verteilen). Man d├╝rfte sich auch nicht den aussuchen, der die Arbeit am besten erledigt - solange jemand sie ├╝berhaupt erledigen kann, muss man ihn nehmen/behalten. Es hei├čt aber auch - ganz drastisch gesehen - dass es "├╝berqualifiziert" als (inoffizielles) Ablehn-Kriterium nicht geben kann: Derjenige kann die Arbeit machen, will die Arbeit machen, also darf er sie auch machen. Man d├╝rfte bei der Einstellung nicht drauf schauen, ob jemand "ins Team passt". Ob er aufgrund einer K├Ârperbehinderung einen extra neu eigerichteten Arbeitsplatz br├Ąuchte. Ob er erst angelernt werden muss. Ob er gesundheitlich vorgesch├Ądigt ist, so dass er die berufliche Belastung (z.B. Duftstoff-Allergie bei einem Drogerie-Job)wahrscheinlich nicht aushalten w├╝rde. Nat├╝rlich schaut man darauf, wenn man aus vielen Bewerbern ausw├Ąhlen muss - aber wenn ein Abgelehnter denkt, er wurde DESWEGEN abgelehnt, m├╝sste er klagen k├Ânnen. In einigen der F├Ąlle kann er das wohl sogar. Was ist dann aber mit dem Recht desjenigen, der statt seiner angenommen wurde? Wonach bemisst sich, wer "mehr Recht auf Arbeit" hat?

* "Recht auf Arbeit" m├╝sste also beinhalten, dass ich "jeden" einstellen/behalten muss - angefangen bei der "echten Produktion" bis hin zum Blumengie├čen und Treppekehren gibt es jede Menge Arbeit in einem Betrieb. Ich kann immer jemanden irgendwas tun lassen - wenn ich diese "Arbeit" unerledigt lasse, verweigere ich also jemandem die Arbeit. Ja sogar der Privatmensch "ich" hat so viel Arbeit, die er selbst nicht schafft oder machen will, dass jeder Arbeitslose mich privat verklagen k├Ânnen m├╝sste, weil ich ihn nicht meine Bettw├Ąsche b├╝geln lasse. Nur macht das keiner - weil es darum nicht geht. Es geht um die Bezahlung f├╝r die geleistete Arbeit. Der Knackpunkt ist n├Ąmlich: Es geht nicht um das "Recht auf Arbeit" (, davon hat man zu Hause genug), es geht um das Recht, f├╝r seinen Lebensunterhalt zu sorgen (Klartext: Geld zu verdienen).

* "Recht auf Arbeit" hei├čt auch, nicht verpflichtet zu sein. Und das hei├čt, bei Nicht-Wollen nicht bestraft zu werden. Und das wiederum hei├čt, dass bei Nichtwollen (echtem oder angeblichem) niemand bestraft werden darf (z.B. durch Leistungsk├╝rzung durch Sozial├Ąmter). (Was anderes w├Ąre es, wenn es gar keine solche Leistungen g├Ąbe - dann w├Ąren Nicht-Woller und Nicht-K├Ânner absolut gleich gestellt. So wie es ist, beklagt man zu recht: Wieso kriegen die Faulen das gleiche wie die, die man nur nicht l├Ąsst?)
Knackpunkt: Es besteht de facto eine "Pflicht zur Arbeit", um sich dadurch das Recht zum Erhalt des Lebensunterhaltes (inkl. Luxus als Extra-Belohnung)zu verdienen. (Dass diese Arbeit durchaus auch von Vorfahren erbracht worden sein kann und man "nur erbt", ist eine eher formale Unsch├Ânheit in diesem Prinzip. Auch die Versorgung Arbeitsunf├Ąhiger setzt voraus, dass jemand f├╝r sie mitarbeitet.)

Summa summarum:
* "Recht auf Arbeit" ist eine falsche Formulierung: Jeder kann den ganzen Tag lang seine Fenster putzen, den Balkon wischen, ehrenamtlich Kinder betreuen etc.
* "Recht auf Arbeit" geht von falschen Pr├Ąmissen aus: Jeder, der Arbeit (oder besser: Jobs) zu bieten hat, ist bestrebt, diese Jobs erledigen zu lassen. Anders als beim "Recht auf Leben", "Recht auf Gesundheit", "Recht auf Eigentum" etc. ist niemand daran interssiert, dieses "Recht" zu verletzen. Der Jobgeber verweigert das Recht nicht - es ist nur so, dass er es nicht allen einr├Ąumen kann.
* "Recht auf Arbeit (besser. Jobs)" ist ein Euphemismus auf das Leistungsprinzip "Nur wer leistet, bekommt". Es ist in diesem Sinne soviel wert wie ein "Recht auf Luftholen".
... aber es klingt gut, denn wer hat nicht gern Rechte?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


MDSpinoza
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2004

Werke: 197
Kommentare: 1253
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um MDSpinoza eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Jon, ich glaube, das geht ├╝ber einfache Sprachschlamperei weit hinaus. Die das "Recht auf Arbeit" fordern, suchen eine M├Âglichkeit, Kontrolle ├╝ber die Wirtschaft zu erlangen. Damit sind wir von "gutgemeinter" Schlamperei zur klaren Demagogie gewandert. Das "Recht auf Arbeit" hatte in der DDR Verfassungsrang. Das konnte nur in einer Staatswirtschaft, und dort auch nicht lange, funktionieren. Wer solche Forderungen in den Raum stellt, will mehr als nur Wohlf├╝hlgesetze, der will Macht.
__________________
Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Du hast recht: Es ist weitestgehend demagogisch.

Das Problem ist, dass dies wegen der weit verbreiteten Einstellung "Man wissen doch, was gemeint ist" gar nicht auff├Ąllt. In einer Kultur, in der Sprache w├Ârtlich zu nehmen, immer mehr als "spinnert" angesehen wird, haben solche Sachen jede Chance: Man h├Ârt, was man h├Âren will, weil man nicht begreift, was eigentlich gesagt wird (oder gar bemerkt, dass das, was gesagt wird, eigentlich Unsinn ist). Und da rede ich noch nicht mal von klassischen L├╝gen. Oder von dem Effekt, dass man sich nur das merkt, was sch├Ân klingt, und dann hinterher behauptet, niemand h├Ątte vor dem Schlimmen gewarntÔÇŽ (Aber das ist ein anderes Thema.)
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!