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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Rezept
Eingestellt am 16. 02. 2014 12:48


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Wagner-Martinez
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2013

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Aufgrund eines Ăśberfalles starben alle Einwohner eines Dorfes. Ein kleiner Junge, der sich versteckt hatte, ĂĽberlebte das Gemetzel. Ein Meister, der gerade auf der Durchreise war, traf auf den kleinen Jungen. Ohne lange zu ĂĽberlegen nahm der Meister ihn auf. Seitdem waren die beiden unterwegs. Im Laufe der Jahre lernte der Junge vieles von seinem Meister. Er war voller Wissbegierde auf das Leben und trotz seines junges Alter schon voller Weisheit. All die Aufgaben, die ihm aufgetragen wurden, meisterte er mit Lust, Freude und Geduld. Aber durch das Eigene, als auch durch das Leid das andere widerfahren war, hatte er immer mehr seinen Glauben auf seinem Weg hin verloren. Im Laufe der Zeit wurde der mittlerweile junge Mann unzufriedener. Denn er wusste ohne Glauben, wĂĽrde sein Leben nicht viel Sinn machen.

Eines Tages ging der Lehrling zu seinem Meister.
„Meister, ich brauche deine Hilfe. “
„Bis du dir sicher?“
„Ja, denn ich spüre in mir eine Sinnlosigkeit, die mich meinen Weg nur schwerlich wandern lässt.“
„Und, wie kann ich dir dabei helfen?“
„Indem du mir hilfst, meinen Glauben zu finden.“

Der Meister überlegte kurz und sagte zu ihm: „Ich werde dir helfen mein Junge. Ich kenne da ein Rezept. Aber für die Kräutermischung brauche ich eine Rose samt Wurzel, die in einer bestimmten Höhe eines Berges wächst. Das könnte dir helfen deinen Glauben zu finden.“

Nach einer kurzen Beschreibung der Rose sowie des Weges brach er sofort auf um keine Zeit, zu verlieren. Als er vor dem Berg stand, schien es eine der leichteren Aufgaben zu sein, die er bis dahin aufgetragen bekommen hatte.

Aber der Aufstieg entpuppte sich mit jedem Schritt schwerer als gedacht. Trotz aller Vorsicht rutschte er aus oder fiel hin. Denn der steinige und sandige Untergrund gab immer wieder nach. Hinzu kam ein eisiger Wind, der gegen sein Gesicht peitschte. Das alles führte dazu, dass er immer wieder lautstark fluchte, wenn er hinfiel. Eine weitere Eigenschaft, die er an sich selbst nicht mochte und die ihn noch wütender machte. Aber aufgeben kam für ihn nicht infrage. Seine Knie waren blutig, seine Knöchel verstaucht und seine Laune im tiefsten Loch seines Inneren, als er die Rose sah. Sichtlich erleichtert, dass die Rose wirklich existiert, pflügte er vorsichtig die Rose mit der Wurzel ab. Denn es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass ihn der Meister zu etwas losschickt und nichts von dem da ist, was da sein sollte. Seine innere Erleichterung hielt nicht lange an. Denn der Abstieg war weit aus anstrengender als der Aufstieg. Er fluchte unentwegt über das steinige Gebirge. Ein verbittertes und ironisches Lächeln begleitete im beim Abstieg. Er glaubte, dass, was er gerade durchmachte sein Leben ähnelte. Als er festen Boden unter den Füßen hatte, waren seine Hände und Knie blutig, die Füße verstaucht und seine Laune entsprach seinem körperlichen Zustand.

Der Meister hatte währenddessen auf ihn gewartet. Mit sichtlich schlechter Laune, aber erleichtert seinen Teil erfĂĽllt zu haben, ĂĽbergab er ihm die Rose. Der Meister schaute sich genĂĽsslich und begeistert mehrere Minuten die seltene Rose an. Er selbst hatte dieses Rose noch nie zu Gesicht bekommen. Dabei sagte er zu ihm: „Es wäre schade, diese seltene Rose, die nicht jeder Mensch zu Gesicht bekommt, fĂĽr ein Rezept zu verwenden, das es gar nicht gibt. Du aber in dir trägst.“

Entsetzt über das, was der junge Mann hörte, sprach die Wut aus ihm heraus. Er überschüttete den Meister mit Beleidigungen und sagte zu ihm, dass er es leid sei, Aufgaben ohne Sinn zu erfüllen und ging weg.

Später als der junge Mann sich beruhigt hatte, ging er zum Meister.

„Warum hast du das getan?“
„Was getan?“
„Einmal mehr mit meinem Leben gespielt! Zumindest wusstest du genau, dass ich nicht ohne Verletzung auskommen würde.“
„Das tut mir wirklich leid, dass du dir wehgetan hast. Das meine ich im ernst. Aber ich habe dich auf den Weg geschickt, damit du deinen Glauben findest.“
„Ich habe ihn aber nicht gefunden,“ schrie er den Meister erneut an.
„Na gut, ich möchte dir zwei Fragen stellen“, und sprach ruhig auf ihn ein. „Wenn du keinen Glauben in dir trägst, wie kommt´s dann, dass du losgegangen bist?“
„Weil ich dir vertraut habe.“
„Genau. Und jetzt die zweite Frage. Wie kommt´s, dass du immer dann, wenn du hingefallen bist, wieder aufgestanden bist?“
„Weil ich gelernt habe nicht aufzugeben.“
„Und was trägt du wohl in dir, ausser kämpfen zu können, wenn du nicht aufgibst?“

Nach kurzer Ăśberlegung sagte er: „Den Glauben, dass das, was ich mache einen Sinn hat.“
„Sehr richtig. Denn obwohl Du nicht wusstest, ob es die Rose gibt, hast Du dich auf dem Weg gemacht. Du hast mir vertraut, weil du an mich geglaubt hast. Glauben heiĂźt nicht zu sehen, sondern zu vertrauen. Zu vertrauen, dass alles gut wird, dass alles einen Sinn hat, und dass was man macht, besser ist, als das, was man nicht macht.
Wenn du das zulässt, dann wirst auch du immer wieder deinen Glauben fühlen. Aber wenn du glaubst, das gibt es nicht, nur weil du es nicht siehst, dann wirst auch du den Glauben nicht in dir tragen.“

Der junge Mann zweifelte noch an der Antwort des Meisters.

„Wenn das so ist, dann sagt mir doch, wieso Gott zulässt, dass ich immer wieder hinfalle und mir wehtue?“
„Vielleicht damit du spürst, dass er da ist, wenn du hinfällst.“
„Wie den? Indem ich Schmerzen habe, weiß ich, dass er da ist?“
„Nein, indem er dir die Kraft gibt, wieder aufzustehen.“

Nach ein paar Sekunden des Schweigens bedankte sich der junge Mann, fĂĽr das Rezept, das er in sich trug.

__________________
owm der nicht nur seine Träume träumt, sondern auch lebt.

Version vom 16. 02. 2014 12:48

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Vagant
???
Registriert: Feb 2014

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Meinung

Hallo Wagner-Martinez,
ich habe deine kurze Geschichte gerade gelesen, und bin dabei auch auf einige andere Arbeiten von dir gestoßen. Sie mir bitte nicht böse, aber ich muss das hier nun mal so sagen: ich denke, du bist stilistisch irgendwo im frühen 19'ten Jahrhundert hängengeblieben. Mir klingt alles so nach Schulaufsatz/ Fabel / Märchen, und ignoriert so völlig die verschiedenen Strömungen der letzten 150 Jahre.
Aber erst mal zu aktuellen Geschichte. Ich finde die Idee und den Plot eigentlich höchst interessant. Das hat unheimliches Potential, und ist wohl auch über all die Zeiten brandaktuell.
Aber warum kommt es bei dir dann so moralinsauer daher? Ich denke; Hier fehlt ein erkennbarer Erzähler. Einer der sich einmischt, sich mal positioniert, vielleicht auch mal wertet, einer der bereit ist auch mal in die Innenperspektive der Protagonisten zu wechseln, einer der dort hingeht wo's weh tut.
In dieser Art wird es die leider nicht gelingen, den Leser mitzunehmen. Ein einfaches Mittel um diesen Zustand zu ändern, wäre das “show dont't tell“. Also; erzählen nur dort wo es unbedingt nötig ist, ansonsten in die szenische Darstellung gehen.
Den Dialog halte ich leider auch fĂĽr nicht gelungen. Er klingt nun mal nicht wie gesprochenes Deutsch des 21'ten Jahrhundert.
Aber nix fĂĽr ungut, dies ist nur eine subjektive Meinung. Mag sein, dass ein Anderer das anders liest.
Lg Vagant.

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