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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Schweigen / Wut
Eingestellt am 01. 12. 2000 10:02


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
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(Ausz├╝ge aus "Punkt" (".") - noch in Arbeit)

Das Schweigen

Folgende Worte fand man in einem gro├čen Teppich, aus dem jemand m├╝hsam die Fasern herausrerupft haben mu├č, um aus den entstandenen L├Âchern Buchstaben zu bilden:

Ich hab's!!! Ich mu├č schweigen k├Ânnen. Denn Schweigen ist Gold. Schweigen ist gut. Schweigen mu├č gut sein. Die ganze Welt schweigt. Oder sagt sie nur nichts? Schweigen. Ruhig sein. Stumme Stille. Reglose Luft, alleiniges Atmen. Schweigen. Ruhig sein. Ruhe. Im K├Ârper.
Ist der K├Ârper an das Schweigen gew├Âhnt, so
(folgendes ist unleserlich, scheint erst geschrieben und dann wieder ausgerupft worden zu sein)
dann ist der K├Ârper
reich.
Schweigen macht reich. Ich bin ein reicher Mann. Denn ich kann schweigen. Ich kann in den Teppich schweigen.
Doch geh├Âren nicht, wie in der Liebe auch, zum Schweigen immer zwei? Ich, der Schweigende, mu├č doch jemand anderen anschweigen. Denn wenn ich das nicht tue, so schweige ich ja nicht. Dann bin ich ja einfach nur still.
Ich k├Ânnte mich ja selbst anschweigen. Wenn ich nichts zu sagen habe. Ich mu├č nichts zu sagen haben. Vor allem nicht mir, der ich ja schon im vorneherein wei├č, was ich mir sagen wollen w├╝rde. Ich k├Ânnte und werde mich einfach stumm ignorieren, indem ich mir nichts sage. Ich werde mich selbst mit Schweigen strafen, wenn ich mir selbst nichts mehr zu sagen habe. Ha! - Ich soll schon sehen und nicht h├Âren, was ich davon habe.
Ich kann schweigen, wenn ich will und von mir blo├č stumm ignoriert werde.
Was denke ich mir eigentlich? So eine Frechheit! Bin ich nicht von mir abh├Ąngig? Und doch sitze ich hier rum,
auf dem Teppich
und schweige mich gegenseitig an.
Sitze hier. Schweige. Bin ruhig. Ruhe. Stumme Stille. Goldenes Schweigen.
Wem sollte es auffallen, da├č ich schweige?
Den W├Ąnden, die ich anstarre, als seien sie durchsichtig?
Die Decke, die mir st├Ąndig droht, mir auf den Kopf zu fallen?
Dem Fu├čboden, den ich wochenlang getreten habe?
Dem Teppich? Der schweigt mich an, aber nicht ich ihn, der ich ihn beschreibe, zerrupfe, mit Worten f├╝lle, die nicht f├╝r ihn sind, die er nicht versteht. Die ihm nur wehtun. - Dabei schreit nicht nicht einmal.
Ja. Der Teppich ist ein guter Schweigender. Mein Worte sind bei ihm gut aufgehoben. Sie k├Ânnen sicher viel von ihm lernen. Dem Teppich kann ich meine Worte wohlschweigend anvertrauen.
(Gro├č und deutlich
Ich schreibe mein goldenes Schweigen in den Teppich. M├Âge mein goldenes Schweigen es dort in Ruhe warm haben.
(Wieder kleiner
Vielleicht kann ich mich dazulegen. In die W├Ąrme. In den Teppich. Zu meinen Worten. Zu meinem goldenen Schweigen. Zur Decke schauen. Zur schweigenden, weit entfernten, immer schmaler werdenen Decke. Liege ich im Gold, im Schweigen, im Warm, in meinen Worten. Und fl├╝stere br├╝llend:
"Ruhe!"


Wut

Das Bild ├╝ber der Kommode ist kaputtgegangen. Das von meiner Liebe. Die mit dem Herz in der Mitte. Die, die niemand haben will. Ja, genau die. Kaputtgegangen. Ging einfach. Und war kaputt.
Nein. - Es war mein Zorn. Nicht ich. Es war diese Wut. Ja, genau. Sie war es.
Diese Wut, die in den Z├Ąhnen juckt, so da├č man den Reiz zerbei├čen will. Diese Wut, die sich trunken und benommen an die Stimmb├Ąnder lehnt und dort einschl├Ąft. Die man wachr├╝tteln will. Ja, will. Sie tat doch nur, als ob sie schlief.
Ich wu├čte, da├č sie wach war. Sie mu├čte sich austoben.
Ich habe auf den Schrank eingeschlagen. Und wieder und immer wieder. Bereits beim ersten Hieb mu├čte ich merken, wie hart er ist ... gewesen ist. Jetzt tut mir die Hand so weh, da├č ich sie zur Faust ballen mu├č, um den Schmerz auf die Handfl├Ąchen zu lenken. Meine Fingern├Ągel graben zornig sich in sie.
Und meine Z├Ąhne jucken. Jemand hat mir meine Lungen gestohlen. Ich atme nur noch meine F├Ąuste voll. Meine Muskeln wollen rei├čen. Sie wollen sich l├Âsen und an ihre Grenzen toben.
Ich will Sturm in meinen Lungen, in den Augen, in den Ohren.
Der Sturm soll mir die Haut zerfetzen.
Mich in St├╝cke pusten und mich wieder zusammenwehen, damit diesmal vielleicht etwas besseres dabei herauskommt.
Meine F├╝├če wollen die W├Ąnde zertrampeln.
Wenn m├Âglich, sich selbst in Magma stampfen.
Ich will die Elefantenherde in meinem Kopf befreien.
Den Wal in meinem Brustkorb ertr├Ąnken.
W├Ąlder pflanzen, um sie herunterzubrennen.
Eine Stadt bauen und sie wieder dem Erdboden gleichmachen.
V├Âlker zeugen und sie niedermetzeln.
Welten erschaffen und pulverisieren.
Sie aus den Angeln heben und die Luft aus ihnen herauslassen, wie aus einem zu gro├čen, geballten, prallen, voll ├ťberflu├č befluteten Glutwuthei├čluftallon.
W├Ąre ich schon tot, w├╝rde meine Wut mich noch einmal aus dem Erdboden hebeln.
Ich will ans Ende!!
Ich will endlich sagen k├Ânnen, da├č ich am Ende bin.
Ich bin am Ende!!

Das sch├Âne Bild.

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Flori
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 6
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Wut

Ein sch├Âner innerer Monolog. Ich habe mich selbst schon an solchen Sachen versucht. Darum glaube ich einsch├Ątzen zu k├Ânnen, das dir die plastische Darstellung der Emotion gut gelungen ist.
Ich glaube erkennen zu k├Ânnen, das du die Wut irgend wie als einen eigenst├Ąndigen Teil von dir betrachtest (aber man soll ja Autor nicht gleich dargestellte Person setzten)
Ist damit der Gegensatz zwischen Gef├╝hl und Verstand gemeint? Es wird doch eine spezielle Wut dargestellt, die mit Liebeskummer zu tun hat.
Ich hoffe ich hab deine Beweggr├╝nde nicht ganz mi├čverstanden.

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