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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Schweigen der ganzen Welt
Eingestellt am 25. 10. 2000 02:57


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Yossarian
Hobbydichter
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Das Schweigen der ganzen Welt

>Wo bist du gewesen ?, du warst mein Freund<. Ted sitzt im Dunklen und beobachtet die Bewegungen seines ehemaligen besten Freundes. Es handelt sich um einen drei├čigj├Ąhrigen Mann namens Peter. Er hat alles was erreicht, ist Gesch├Ąftsmann, hat eine sch├Âne Frau und zwei entz├╝ckende T├Âchter. Ted hat nichts von alledem. >Wei├čt du noch wie wir fr├╝her Spa├č hatten, wir waren ein gutes Team nicht wahr ?<, fragt Ted bedr├╝ckt. Nur die Konturen seines K├Ârpers sind im fahlen Licht des Raumes zu erkennen. Er sitzt gegen die Wand gelehnt in einer Ecke, nur eine schwache Deckenlampe beleuchtet das Zimmer. Sie flackert gelegentlich und droht immer wieder zu erlischen. >Es war stets sehr lustig mit dir<, sagt Peter mit belegter Stimme. >Wieso hast du mich im Stich gelassen ? <, ruft Ted verst├Ąndnislos. >Wie h├Ąttest du denn an meiner Stelle gehandelt ?<. >Ja du hast recht. Du hast schlie├člich auch Familie, einen Job und Kinder, so was wie mich kann man in deiner Welt nicht gebrauchen<, sagt Ted verbissen. >Du verstehst das alles falsch<. >Wie sollte ich es verstehen Peter ? Ein Jahr ist es her seit ich in dieser H├Âhle sitze. Du kommst mich besuchen, aber du bist nicht wirklich hier. Ich bin auch nicht hier. Du redest dir alles nur ein. Wann wirst du es endlich erkennen ? Meine Tage vergehen bis dahin mit dem Flackern der Gl├╝hbirne. Ich sitze hier wartend Tagein Tagaus<. >Worauf wartest du Ted ?<, fragt Peter besorgt. >Darauf, dass ihr mir den Gnadensto├č gebt<, fl├╝stert Ted. >Was redest du<, stottert Peter entsetzt. >Du wei├čt wovon ich rede, aber du kannst es dir nicht eingestehen. Wei├čt du was die Nazis fr├╝her mit Kr├╝ppeln und Behinderten gemacht haben ? Sie wurden hingerichtet. Heute ist es anders, heute sprechen die Menschen nur dein Todesurteil, umbringen musst du dich schon selbst. Ich aber werde solange warten, bis ihr das Urteil f├╝r mich vollstreckt<. >Niemand hat dein Todesurteil gesprochen<, sagt Peter unwillig. >Siehst du mich in der Ecke sitzen, siehst du mein entstelltes Gesicht, oder siehst du mein Schatten ? Ich bin nur noch ein Schatten<. >Ich w├╝rde dir gerne helfen wieder aus dem Schatten zu kommen<. >Wozu ?<. >Weil ich dein Freund bin<. >Wirst du mit mir in Bars Billard spielen wie fr├╝her, werden deine Kinder auf meinem Scho├č sitzen wollen, wird deine Frau nicht mehr zu Boden schauen, wenn meine geschlagenen Augen sie anblicken ?<, forscht Ted mit scharfer Stimme. Peter senkt verlegen den Kopf. >Wenn ich meine H├Âhle verlasse sehe ich in den Augen der Menschen die Wahrheit. Du bist Tod, du bist keiner der Unseren, sagen diese Augen zu mir. Ich bin in dieser H├Âhle um mich lebendig zu f├╝hlen<. >Ich wei├č einfach nicht was ich tun soll<, sagt Peter verzweifelt. >Ich will von dir und allen h├Âren, dass ich Tod bin. Ich will h├Âren, dass ich eine Missgestalt, ein Unmensch bin, ich will h├Âren, dass die Welt mich nicht mehr braucht<, faucht Ted w├╝tend. >Wieso ?<, fragt Peter verst├Ąndnislos. >Weil "du sollst nicht L├╝gen" das 8. Gebot der Bibel ist<. >Du kannst dich immer bei mir melden, wenn du meine Hilfe brauchst. Ich muss jetzt gehen<, sagt Peter und seufzt schwerm├╝tig. >Ich will davon nichts h├Âren. Ich will die Wahrheit<, ruft Ted ihm nach. Die T├╝r f├Ąllt dumpf in die Angel und Stille legt sich ├╝ber den dunklen Raum. Die Schritte von Peter verhallen im Gang, nur das schwache Knistern des flackernden Lichts ist noch zu h├Âren. >Warum hast du mich allein gelassen ?<, raunt Ted klagend gegen das Schweigen der Welt.

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Ann-Kathrin Deininger
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Also ich wei├č nicht

Ohne jetzt gemein werden zu wollen, aber kann man den Text noch unter Kurzgeschichte verstehen? Ich denke, man sollte ihn lieber unter kurze Erz├Ąhlung einordenen. Es passt einfach sprachlich nicht zu dem, was die Kurzgeschichte vermitteln will. Aber ich mu├č trotzdem zugeben, dass mir die Idee gef├Ąllt, obwohl, so neu ist sie auch nicht, oder?

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Yossarian
Hobbydichter
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Hi Ann

Bei manchen steht "Kurzgeschichten von XXX" beim anderen "Erz├Ąhlungen von XXX" aber ich wei├č noch immer nicht was eigentlich der Unterschied ist. Das ist jetzt kein Zynismus (so B├Âse bin ich auch nicht), sondern ernstgemeint. K├Ânntest du mir mal sagen wie ich zwischen den beiden Unterscheiden soll ?

Nun liebe Ann, betrachtet man es ganz genau ist eigentlich jedes Thema nicht mehr neu.

In diesem Sinne auf bald.

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Ann-Kathrin Deininger
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Kurzgeschichte/Erz├Ąhlung

Also, soweit ich das jetzt sagen kann, ich bin auch kein Experte, ist die Kurzgeschichte eigentlich keine erz├Ąhlende Kurzform, sondern soetwas wie eine gestochen scharfe Fotografie eines Moments. Daher lassen sich auch so ein paar typische Elemente einordnen, so z.B. setzt die Kurzgeschichte immer direkt ins Geschehen ein, ohne vorher noch lange zu erkl├Ąren. Das Ende ist meistens offen oder setzt mit einem ├╝berraschenden Schluss an den Rest an. Charaktere in der Kurzgeschichte sind im Gegensatz zur Erz├Ąhlung meist nicht namentlich benannt, meistens steht da nur "er, sie, der Mann, die Frau" Gutes Beispiel daf├╝r ist Wolfgang Borchert, ist einer meiner Lieblingsautoren.Ich hoffe, das gibt dir einen kleinen Ansto├č, bei Fragen stehe ich gerne zur Verf├╝gung.

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