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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Sonderangebot
Eingestellt am 08. 12. 2001 00:28


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Löwengeist
???
Registriert: Sep 2001

Werke: 66
Kommentare: 72
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Nach einer weiteren, ungezÀhlten, schlaflosen Nacht, erhebe ich mich beim ersten Morgengrauen
kraftlos von meiner Wohnzimmercouch.
Seit Wochen habe ich schon keinen Schritt mehr in den eigentlichen Schlafraum getan, aus dem
mir, wie jeden Morgen, ein schnarchÀhnliches GerÀusch entgegenhallt.
Mein erster Blick fÀllt auf den vor mir stehenden Tisch, der alltÀglich das selbe Bild bietet:
Ein Brocken Haschisch, in einer kleinen TĂŒte aufbewahrt, daneben ein feuerzeug, eine leere
Zigarettenschachtel, ein randvoller, stinkender, Aschenbecher, mehrere GlÀser und eine halbleere
Flasche Wein. Ein paar Zeitschriften und ein benutzte Teller samt Besteck vom gestrigen Abend
runden den Anblick ab.
Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen und mache mich auf den Weg ins Bad.
Die Uhr an der Wand zeigt 5:03, eine halbe Stunde bleibt mir noch, dann wird er aufstehen.
Meine Beine sind schwer wie Blei, irgendwo pocht ein leiser Schmerz in meinem Kopf und
eine tiefe Sehnsucht nach starkem Kaffee macht sich in meinem Innern breit.
Das GefĂŒhl kann mich ĂŒberreden, einen Abstecher in die KĂŒche einzurĂ€umen und mich um das schwarze
GebrĂ€u zu kĂŒmmern.
Wenig spĂ€ter werfe ich einen Blick in den Spiegel, der eingerahmt ĂŒber dem Waschbecken im Bad
hÀngt. Ich schenke mir selbst ein gequÀltes Grinsen, nur um zu sehen, ob ich es noch kann,
auf die Ehrlichkeit des LĂ€chelns lege ich schon lange keinen Wert mehr.
Jede Einzelheit, die ich erkenne, kommt mir wie die Auslage eines Tante-Emma-Ladens vor,
der seine Ware zum Ramschpreis im kleinen Schaufenster anbietet.
Im Sonderangebot befinden sich heute ein, von blutleeren Lippen, eingerahmter Mund, der auf
Kommando seine Winkel heben kann, also praktisch ferngesteuert und bedienerfreundlich.
Weiterhin gibt es eine ebenmĂ€ĂŸige Nase, die, bei sorgfĂ€ltiger Puderpflege, sicherlich als
Kunstobjekt reissenden Absatz findet !
Eben entdecke ich die Ursache meines Kopfschmerzes. Ein blau-lila gefĂ€rbter Fleck, unnatĂŒrlichen
Ursprungs, zieht sich an der rechten SchlÀfe, bis zum Haaransatz entlang.
Ja, ich kann mich gut an seine Entstehung erinnern, ihn gibt es als Erstlingswerk absolut billig
angeboten. Die Bilder eines KĂŒnstlers steigen bekanntlich erst nach dessen Tod im Preis.
Ich finde noch einen roten Striemen, der knapp unterhalb des Kehlkopfes verlÀuft und wie ein
nichtbleibendes Modetattoo schon wieder verblasst. Es lohnt nicht, ihn noch anzubieten.
Die meiste Aufmerksamkeit der KĂ€ufer wĂŒrden wohl die beiden, eigentlich schönen,
grĂŒnen Augen erregen, die weder fragend noch eigenwillig aus den dunklen Höhlen schauen.
Sie haben nichts zu sagen, egal was sie wahrnehmen.
"Wer wĂŒnscht sich nicht insgeheim ein "Ist-mir-egal-Ausdruck", wenn es einmal wieder
Ärger zu geben scheint ? Diese Augen sind bestens darauf trainiert, verehrte Damen und Herren."-
so könnte der Werbespruch lauten. SpÀtestens jetzt stellt jeder die Frage nach dem Preis.
Ich ĂŒberprĂŒfe noch einmal das geĂŒbte Grinsen und gebe ihm den letzten Schliff. Es soll alles
seine gewohnte Ordnung haben, Fehler kann ich mir nicht leisten, nicht heute.
WÀhrend ich den Wecker im Schlafzimmer schellen höre, greife ich zu den Schmerztabletten
auf der Fensterbank.
Mein Leben, billiger kann ich es nicht verkaufen....

__________________
Der Glaube in uns, geboren aus Hoffnung, weist einen Weg, der Zuversicht heißt.

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Elli K.
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2001

Werke: 6
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Verdammt deprimierend...
Aber gut geschrieben und eine interessante Idee!

Liebe GrĂŒĂŸe,
Elli

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McFire
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 4
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Au weia, sowas schreibt man, wenn man demnÀchst heiratet?

Ganz schöne Spalttablette, wa?

Na, im Ernst und wie schon hier gesagt - gute Idee und was Gutes draus gemacht.

Aber ein bissel Sorge bleibt...

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Löwengeist
???
Registriert: Sep 2001

Werke: 66
Kommentare: 72
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Vielen Dank ...

...Euch zwei fĂŒr Eure Worte :-)

Deprimierend war die Zeit sicherlich fĂŒr mich, das steht außer Frage.
Es handelt sich in der Geschichte allerdings nicht um den Mann, den ich demnÀchst heirate *fg*.
"Das Sonderangebot" gab es bis vor eineinhalb Jahren.
Mittlerweile bin ich ausverkauft *fg*

Liebe GrĂŒĂŸe
Kerstin


__________________
Der Glaube in uns, geboren aus Hoffnung, weist einen Weg, der Zuversicht heißt.

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