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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Das Spiel
Eingestellt am 08. 06. 2002 20:14


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Lukrezia
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Nov 2001

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Das Spiel

Wir drei waren – gem├Ą├č der Vorschrift – korrekt in Hut und Mantel gekleidet und hatten einen Arm steif an die Seite gepresst und unter dem Mantel verborgen. Alle beobachteten uns aus dem Augenwinkel, als wir hintereinander im Gleichschritt den ehemaligen Kinosaal betraten, der uns diesmal als geheimer Versammlungsraum diente, und uns hinter der bereits sitzenden Reihe aufstellten.

Der Vorsitzende betrachtete die Versammelten mit hart funkelnden Augen. Er war ebenfalls in einen tadellos sitzenden Anzug gekleidet. Er begann zu sprechen: „Sie wissen, was Ihnen bevorsteht. Sie haben sich zur Mitgliedschaft entschieden und Sie m├╝ssen es durchhalten. Es verlangt Nerven – von jedem von uns wird erwartet, dass er seine Pficht erf├╝llt! Es gibt kein Zur├╝ck!“

Keiner gab ein Ger├Ąusch von sich, doch man vernahm im Schweigen der f├╝nf unbeweglich sitzenden Stuhlreihen vor uns im d├Ąmmrigen Licht der an der Wand angebrachten Lampen den kalten Schwei├č der Furcht und bedingungsloses Gehorsam. Die unmittelbar vor mir und meinem Kollegen, links und rechts um einige St├╝hle versetzt Sitzenden zitterten leicht.

Dann begann das Ritual. Der Vorsitzende zog ein Los und nannte eine Zahl. Mein Vordermann erhob sich und ging nach vorn zum Podium. Er verbeugte sich und nahm auf dem Stuhl dort Platz. Sein wei├čes Gesicht starrte unbeweglich in unseres. Ich verfolgte zwanghaft jede seiner Bewegungen. Das Auf und Ab seiner Hand, das kalte Klicken brannte sich in mein Hirn, dann knallte der Schuss und der Mann auf dem Stuhl fiel vorn├╝ber.

Das Spiel hatte ihn gekriegt. Der Platz auf seinem Stuhl im Saal war nun frei. Ich war der N├Ąchste, sich zu setzen. Wann w├╝rde es mich treffen?

Es hatte begonnen mit einem furchtbaren Leichtsinn – drei „Lehrer“ und drei erwachsene „Sch├╝ler“, denn als solche bezeichneten sich die Jugendlichen der Oberschicht gern, hatten w├Ąhrend einer Bergwanderung in Oberalpen vor einer einsamen Schutzh├╝tte Schie├č├╝bungen gemacht und danach aus purer Langeweile mit der Pistole, aus deren 12er-Magazin sie alle Kugeln bis auf eine entfernt hatten, pl├Âtzlich begonnen, russisches Roulette zu spielen. Dabei stachelten f├╝nf der Anwesenden sich mit spitzen und abwertenden Bemerkungen gegen├╝ber dem sechsten an, so dass der Bedr├Ąngte, ein sch├╝chterner, jedoch f├╝r sein mutiges und oft leichtsinniges Verhalten bekannter junger Mann, die Pistole in den Mund steckte und abdr├╝ckte. Die Pistole klickte. Alle br├╝llten vor Lachen. F├╝nf 50-Mark-Scheine f├╝r den Todesmutigen flatterten als Gewinn auf den Tisch

Ich war bei dieser ungeheuerlichen Geschichte einer der f├╝nf gewesen, aber schnell war mir der Ernst der Situation klar. Ich wollte Schluss damit machen, jedoch verhalten meine Proteste auf beiden Seiten ungeh├Ârt. Ich wandte mich halb zur Seite, entschied mich dann, Kraft anzuwenden, um den Irrsinn zu durchbrechen, aber ich bekam einen Kinnhaken und ging zu Boden. Man band mich auf einem Stuhl fest. Der Junge namens Bert wurde angefeuert und bei jedem „Klick“ lie├č die Stimmung schriller werden. Man z├Ąhlte laut mit und feuerte Bert an: „Na los, bei 3 kriegst du einen Bonus!“ „Los, du schaffst es, jetzt 4!“ Die Pistole klickte und die Schwei├čperlen auf Bert’s Stirn glitzerten. H├Ąnde knallten 50-Mark-Scheine auf den Tisch. Einer zog Speichel durch die Z├Ąhne und spuckte aus. Es klickte wieder – 5 –, brennende Stille, die mit dem Z├Âgern des Sch├╝tzen immer l├Ąnger wurde, es klickte erneut – 6 -– Gejohle, nach einer minutenlangen Pause dr├╝ckte Bert wieder ab – da krachte der Schuss. Ich sah Berts K├Ârper zu Boden fallen. Schweigen – dann „Du hast ihn auf dem Gewissen ... Nein du!“

Die Zeitungsschlagzeile des folgenden Tages „Sch├╝ler beging auf Bergh├╝tte Selbstmord“ ... von dem wahnwitzigen Russischen Roulette war nicht die Rede. Keiner hatte gesprochen, keiner war dabei gewesen, keiner wusste etwas. Keiner ...

Das Spiel machte Furore. Sie sprachen zu anderen dar├╝ber, in R├Ątseln, unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Es wurde ein Geheimbund und erst einmal Mitglied, gab es f├╝r niemanden ein Zur├╝ck: Traf einen das Los, dann musste man bis 10 kommen, entweder war man schon vorher tot oder frei. Durch die Mittat zusammengeschwei├čt, verschworen und unter dem Zwang, immer wieder einen dieser besonderen Selbstmorde zu provozieren, ihn zu beobachten. Statt weniger wurden sie mehr. Zu den Versammlungen kamen sie in kleinen Gruppen als g├Ąbe es etwas umsonst.

Und eines Nachts standen drei von ihnen vor meinem Bett. Ich wusste sofort, dass sie es waren, obwohl ich keinen von ihnen kannte. Sie zwangen mich ohne viel Worte, mich anzuziehen und mit zu kommen. Sie setzten mich unter Druck. Ich sollte mitmachen. Ich sei einer der ersten Stunde, ich d├╝rfte mich jedoch nicht in die Stuhlreihen setzen. Au├čer mir waren zwei Neue dabei, aber sie wussten nicht, was ich wusste, als wir den Raum betraten. Ich war unter den ersten gewesen und ich w├╝rde der n├Ąchste sein ...

Gemeinsame Schuld ist das st├Ąrkste Einigungsmittel und Angst das gr├Â├čte Einigungsgef├╝hl.

__________________
AdB

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Tekky
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 67
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Das Ende

Hi,

soweit hat mir die Geschichte gut gefallen. Ich konnte mich richtig in die einzelnen Szenen hineinversetzen.

Aber ein paar Infos fehlen mir:


Der Erz├Ąhler ist Gr├╝ndungsmitglied, steht bei der Veranstaltung mit einem Kollegen hinter den Stuhlreihen. Dann wird sein (sitzender) Vordermann aufgerufen, dessen Platz nun frei ist. Frage: Warum ist der Erz├Ąhler als Gr├╝ndungsmitglied der n├Ąchste, sich zu setzen? Gibt es da eine bestimmte Ordnung, eine Regel, die das Spiel noch ein bisschen spannender macht?

Am Ende verstehe ich dann nicht, warum der Erz├Ąhler in seiner Wohnung aufgesucht wird. Findet das Spiel auch statt, wenn die Mitglieder nicht anwesend sind? Warum war er als "einer der ersten Stunde" nicht sowieso schon lange dran? Und was wussten die Neuen nicht? Ist es so, dass die Leute dort Mitglieder werden, ohne zu wissen, was abgespielt wird?

Und dann stellt sich mir die f├╝r den Verlauf der Geschichte vielleicht nicht wirklich wichtig Frage: Was passiert mit den Leichen?

Vieles habe ich mir einfach dazugedacht, ├╝berlegt, wie es denn gehen k├Ânnte. Ein Zeichen daf├╝r, dass Deine Story bei mir Interesse geweckt hat...

Gruss
tekky

P.S.: Sorry, bin nun mal ein hoffnungsloser Logiker.


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Wenn es Sinn hat, etwas zu machen, dann hat es auch Sinn, es schlecht zu machen.(Gilbert Keith Chesterton)

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Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Dein Schreibstil gef├Ąllt mir, wie schon Tekky erw├Ąhnte, kostest du jeden Moment voll aus und das gibt dem Leser Anreiz weiterzulesen. Das was mir aber ein bischen Kopfzerbrechen machte war der "Blick zur├╝ck" als der "Club" gegr├╝ndet wurde, irgendwie passte das nicht, was ich auch vermisste (ist aber Geschmackssache) sind eingehendere Beschreibungen der Figuren, das einzige was ich weiss, ist das alle deine "Clubmitglieder" Anz├╝ge tragen, dass ist aber schon alles (wenn man die komische Geste mit der Hand ausnimmt). Au├čerdem, warum versucht dein Protagonist nicht zu fl├╝chten, er wurde ja wohl gewaltsam in den Kinosaal verfrachtet, oder, theoretisch h├Ątte er ja die Chance gehabt, da er stand und alle Augen auf den Typen vor ihm gerichtet waren...
Der Plot gef├Ąllt mir auch, kennst du diese "Spielchen" aus Erfahrung, oder hast du die irgendwo aufgeschnappt?
Freue mich schon auf deine n├Ąchste Geschichte.
Gru├č Phantom

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