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Leselupe.de > Humor und Satire
Das T-Shirt
Eingestellt am 23. 04. 2004 16:51


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jimKaktus
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Das T-Shirt

Sein Bruder war zur√ľck, zur√ľck aus der Dominikanischen Republik. Und wie immer, wenn sein Bruder oder seine Eltern verreist waren, traf sich hinterher die Familie im elterlichen Haus zur Video- und Foto-Show und zum Verteilen der Souvenirs.

Mutter bekam einen Sonnenhut, handgemacht. Oma bekam eine Dose aus Holz, auch handgemacht, Opa eine spanische Galeere, handgemacht in China. Thomas hatte sich eine handgemachte Ukulele erhofft. Er bekam ein buntes T-Shirt.

Noch bevor Thomas die drei fr√∂hlichen bunten Rastafaris mit ihren Musikintrumenten gesehen und die fr√∂hlichen bunten Fische mit Sonnenbrillen gesehen und die gr√ľne und die lila Palme, beide fr√∂hlich, und auch die M√∂wen, die nur gelbe H√§kchen waren, gesehen hatte; und noch bevor Thomas "NO PROBLEM" gelesen hatte sowie "WE'RE HAPPY" und "RIO SAN JUAN, REPUBLICA DOMINICANA", hasste Thomas dieses T-Shirt.

Gen√ľgte es nicht, dass der Bruder mit seiner attraktiven Freundin in die Karibik gefahren war, w√§hrend andere Menschen nicht in die Karibik gefahren waren? Musste er, der Bruder, diese anderen Menschen nun auch noch mit obsz√∂nen T-Shirts beleidigen?

Es war wahrscheinlich das Beleidigendste, das er (der Bruder!) ihm (Thomas), je zugemutet hatte. Jahrelang waren das Beleidigendste die M√§dchen und Frauen gewesen, die, als Thomas und sein Bruder beide noch zuhause wohnten, d√ľrftig bekleidet aus seinem, des Bruders, Zimmer kamen, nach N√§chten voller Ger√§usche. Jetzt dieses T-Shirt.

Es gab doch √ľberall diese T-Shirts, wo drauf stand: 'Mein Bruder, meine Schwester, mein irgendwas war da und da, und ich Vollidiot krieg blo√ü so ein verdammtes T-Shirt.' So ein T-Shirt w√§re ein ehrliches Geschenk gewesen. Das Beste w√§re eine Flasche Rum gewesen. Aber die hatte sein Bruder f√ľr sich behalten, denn man durfte nur zwei Flaschen unverzollt mitbringen. Die zweite hatte Vater bekommen. Vater bekam kein T-Shirt.

Auf dem T-Shirt gab es auch ein lila Meer, eine rote Spiralsonne und lustige Noten, die durch die Luft flogen. In Deutschland gab es kein lila Meer, keine Spiralsonne und es flogen auch keine lustigen Noten durch die Luft. Dort Noten, Meer und Sonne; und bunt und grinsende Fische und NO PROBLEM - hier: Deutschland und Mutters Kartoffelsalat.

Er hatte sich von der Familienfeier zur√ľckgezogen. Die Beleidigung lag flach vor ihm auf dem Tisch. Mit Daumen und Zeigefinger hob er nacheinander die Rastafaris auf; die gr√ľne Palme, die lila Palme und die M√∂wen, die nur gelbe H√§kchen waren: hob er auf. Und was er so mit Daumen und Zeigefinger aufhob, da schnitt rein, mit einer Schere, mehrmals. Er genoss das Knirschen der Schere.

Die Rastafaris sahen danach nicht mehr gl√ľcklich aus. Und die Fische sahen nicht mehr gl√ľcklich aus. Er hatte Sushi aus ihnen gemacht, Sushi mit Sonnenbrillenst√ľckchen. Und die gl√ľcklichen gr√ľn-violetten Palmen hatte er durch ein S√§gewerk geschickt. Die Rastafaris hatte er auch durch ein S√§gewerk geschickt. Und die M√∂wen, die nur gelbe H√§kchen waren, gewesen waren, und die er genau darum am meisten gehasst hatte, waren nicht mehr zu identifizieren.

Er legte das T-Shirt in den Hamsterkäfig. Nach zwei Tagen war es weg.

"Das T-Shirt, das wir dir mitgebracht haben: Mutter sagt, dein Hamster hat es zerfressen. Ihr musstet es wegschmeißen", sagte Thomas Bruder.

"Das tut mir leid", sagte Thomas Bruder.

"Ich schenk dir daf√ľr meins", sagte Thomas Bruder und nahm aus der T√ľte ein buntes T-Shirt mit fr√∂hlichen Rastafaris und Fischen und Palmen und auch die M√∂wen, die nur gelbe H√§kchen waren, fehlten nicht. Obendrein war das T-Shirt ihm, Thomas, viel zu gro√ü, andererseits ...

"Danke." sagte Thomas, und f√ľhlte sich mies. Sein Bruder besa√ü dieses zweite T-Shirt nicht, damit es ihn, Thomas, √§rgerte ... ... Und eigentlich waren die Rastafaris und die M√∂wen gar nicht so √ľbel.


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Pritt
Hobbydichter
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Hi Jim!

Eine sch√∂ne Geschichte, wie ich finde. Ich denke, die bisweilen recht komplizierten Einsch√ľbe und auch Wiederholungen sollen Stilmittel sein? Also z.B. ...er, Thomas, ... oder ...er (der Bruder) ihm (Thomas)...
Ich finde, sowas kann man ein paarmal machen. Bin mir gerade nicht ganz sicher, ob Du hier √ľberstrapazierst.

Das Ende... Auf der einen Seite gelungen, weil √ľberraschend. Andererseits entt√§uschend, weil das schlechte Gewissen des Beschenkten nicht so recht zum sowohl bissigen Ton der Geschichte als auch zur Handgreiflichkeit des Prots (Zerschneiden des T-Shirts) passt. Du nimmst hier unn√∂tig den Pep raus. Was kann man noch so Fieses mit einem h√§sslichen T-Shirt machen? Am besten so, dass er NIEMALS wieder eines geschenkt bekommt! :-) Dir f√§llt bestimmt was ein...
Ansonsten: Klasse Thema, schön erzählt
Gruß ... Pritt

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jimKaktus
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Hi Pritt,

du hast zielsicher die wunden Punkte erwischt. Bei manchen S√§tzen ist der Bogen wohl √ľberspannt. Das "ihn, Thomas" nutzt sich ab. Und das Ende ist problematisch. - Naja, vielleicht lohnt sich hier das √úberarbeiten.

Gruß,
jim

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

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also,

mir gefällt es rundherum.
lg
__________________
Old Icke

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