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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Das Tagebuch eines frühreifen Mädchens
Eingestellt am 25. 10. 2016 23:34


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Anais
Hobbydichter
Registriert: Oct 2016

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...Leseprobe aus Anaïs Tagebuch

27. Juli 1967

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Freund. Er war fünf und wohnte in meiner Nachbarschaft. Hugo, Huge Cardot glaube ich, blond, verwegen und mit einem Lächeln, dass mir damals schon die Beine weich werden ließ. Er hatte sogar eine Narbe auf der Wange, weil er sich meinetwegen mit dem Hund unseres Hausmeisters gerauft hatte.
Er war mein Held und ich 4 Jahre alt. Wir gingen zusammen, einen ganzen Sommer lang, bis meine Eltern aus der Stadt aufs Land zogen und wir einen eigenen Hund bekamen, den ich Hugo 2 nannte. Ich war damals traurig, nicht weil ich Jungs mochte, nein, weil mir mein bester Freund fehlte. Mit vier unterscheidet man noch nicht wirklich, an wen man sein Herz verschenkt, aber ich hatte meines verschenkt und es war gebrochen.
Hugo 2, unser Hund, fand rasch Anschluss und da ich die meiste Zeit an seiner Leine hing, kam ich nicht umhin, andere Kinder des Örtchens kennenzulernen. Da waren Sarah, das kleine rothaarige Mädchen mit den vielen Sommersprossen, Clara ihre wenig ältere Schwester und Mathéo, ein Junge in Hugos Alter, der, schüchtern, wie er war, kaum mit meiner ersten Liebe vergleichbar war. Dennoch gefiel er mir mit seinen blauen Auge, die in einem so magischen Kontrast zu seinen schwarzen Haaren standen, dass ich immer öfter an ihn denken musste.
Sarah wurde bald meine beste Freundin und zusammen mit ihrer Schwester und Mathéo bildeten wir ein unschlagbares Quartett, dem sich einen Sommer später noch Leon, der Junge des Metzgers anschloss. Leon war schon älter, fast 10 und überragte uns um mindestens einen Kopf. Aber er war nicht besonders helle, weshalb er sich mit uns Kleinen bestens verstand. Er wollte meistens der Anführer sein, doch kaum wurde es etwas brenzlig, war der Hasenfuß der erste, der das Weite suchte.
Ich dachte immer seltener an Hugo. Aber manchmal, wenn ich allein auf meinem Bett saß und mit meinen Puppen spielte, stellte ich mir vor, was passiert wäre, wenn wir nicht umgezogen wären. Ob Hugo und ich ein Paar geworden wären, geheiratet und Liebe wie die Großen gemacht hätten? Ich wusste nicht, was es bedeutete „Liebe zu machen“, doch ich fand, es klang schön und ich wollte unbedingt mit Hugo „Liebe machen“. Stellvertretend verheiratete ich in diesen Tagen meine Puppe Emma mit meiner anderen Puppe, die ich notwendigerweise Clément nannte, und ließ sie die Beziehung führen, von der ich dachte, dass Hugo und ich sie einst gehabt hätten.
Emma sah hinreißend aus in ihrem Brautschleier aus einem alten Stück Gardine und Clément machte sich gut in seinen schwarzen Hosen und einem Schal, weil ich kein männliches Oberteil hatte. Emma war sehr häuslich und wartete immer sehnsüchtig auf ihren Clément, bis der endlich vom Stall, der Ernte oder aus dem Wirtshaus kam, um ihm sein Essen hinzustellen. Vorher hatte sie sich hübsch gemacht und nette Unterwäsche angezogen. Das hatte ich mal bei meiner Mutter beobachtet, als wir Besuch bekamen und mein Vater auf einer Messe für Traktoren war.
Emma und Clément waren meine Familie, vor allem, als sie ihr Baby bekamen, einen kleinen Teddy, den mir einst mein Großvater aus Deutschland mitbrachte. Es war aufregend für ein Mädchen von vier Jahren ihre Puppen aufeinander zu legen und sie wie die Erwachsenen Liebe machen zu lassen. Clément musste natürlich oben liegen und Emmas Puppenbeine waren weit gespreizt. Ich hatte das bei meinen Eltern gesehen, als sie an einem Abend im Sommer dachten, ich würde schon schlafen. Anschließend verkündete ein kleines Kissen unter Emmas Kleid die frohe Botschaft.


30. Juni 1968

Ein Jahr später, als der Lavendel wieder blühte und ich meinen fünften Geburtstag feierte, brachte mir Mathéo einen selbst gepflückten Feldblumenstrauß mit. Es war das erste Mal, dass mir ein Junge Blumen schenkte, und auch später bekam ich nie mehr einen solch schönen Strauß. Meine Mutter war ganz gerührt von diesem kleinen Kavalier in seinen kurzen Hosen und dem weißen Hemd, das er sonst nur am Sonntag in der Kirche trug. Verlegen nahm ich die Blumen und hauchte Mathéo auf Drängen meiner Mutter einen Kuss auf die Wange. Meine Lippen brannten wie Feuer, ebenso unsere Gesichter und peinlich berührt hatten wir die erste halbe Stunde meiner kleinen Gartenfeier kaum Worte für einander. Zum Glück kamen Sarah und ihre Schwester, was das unangenehme Schweigen beendete. Ein Blick von Mathéo und ich wusste, dass dieser erste Kuss unser Geheimnis bleiben würde.
Clara hatte damals schon einen richtigen Freund. Er hieß Bernard und ging bereits zur Schule, eine Klasse über Clara, die dieses Jahr eingeschult werden würde. Ich war ein bisschen neidisch, auch weil Bernard ein wirklich hübscher Junge war. Zudem erinnerte er mich an Hugo. Wie er war er blond und braun gebrannt. Keiner in unserer Clique konnte schneller laufen oder weiter werfen als er, selbst Leon nicht. Auch konnte Bernard schon schwimmen, während ich mich kaum weiter als bis zu den Beinen in den kleinen Weiher unseres Örtchens traute. Bernard war auch der erste Junge, den ich nackt sah, unfreiwillig zwar, aber dennoch war es ein unvergessliches Erlebnis.
Sarah und ich wollten eines Morgen, es waren gerade Sommerferien, zum Beerensammeln in den benachbarten Wald, als wir Clara und Bernard trafen, die mit den Rädern zum Weiher fuhren. Bernard schlug vor, doch gemeinsam baden zu gehen und während Clara noch überlegte, ob auch sie uns dabei haben wollte, sagten Sarah und ich zu. Aufregt liefen wir in den Hof zurück und holten unser Badezeug. Auf dem alten Rad meiner Mutter strampelten wir dann zu zweit Clara und ihrem Freund hinterher, wobei einmal ich und einmal Sarah in die Pedalen traten, während die andere auf dem Gepäckträger saß.
Es war eine schöne Fahrt, quer durch die Lavendelfelder, mit wehenden Haaren an einem strahlenden Sommertag bis Sarah und ich am Weiher antrafen. Dort wartete Clara bereits auf ihrer Decke und las. Noch musste sie sich die Buchstaben laut vorsagen, doch sie war stolz, bereits lesen zu können und zeigte das auch. Sarah verzog nur das Gesicht und warf ihr Handtuch wie zufällig gegen das Buch ihrer Schwester, das ihr auf die Nase schlug. Wütend sprang Clara auf und ich verzog mich lachend hinter die dicht herab hängenden Zweige einer Trauerweide, um mich umzuziehen.
In deren Schutz streifte ich mein Kleid ab und suchte in meiner Tasche nach dem Badeanzug, als es in hinter einer Hecke raschelte und ich mich erschrocken umdrehte. Noch heute spüre ich mein Herz bis in den Hals hinauf schlagen, als ich mit Nichts außer einem Armreif bekleidet einem ebenso nackten Jungen gegenüberstand und vor Scham im Boden versinken wollte. Doch ich war wie gelähmt und starrte nur unfähig zu einem klaren Gedanken auf diesen kleinen Wurm zwischen Bernards Beinen. Ich erinnere mich kaum noch an Details, weder, wann ich mich aus der Starre löste und bedeckte, noch wie Bernard reagierte, einzig sein kleines Glied faszinierte mich so sehr, dass ich noch heute daran denken muss.


1. August 1968

Einige Monate vor unserem Umzug aufs Land wurde meine kleine Schwester Marcelle geboren. Als meine Mutter aus der Klinik nach Hause kam und ich Marcelle das erste Mal sah, ahnte ich, dass nichts mehr so sein würde, wie es war. Ich hatte mir so sehr einen Bruder gewünscht, doch jetzt drehte sich alles nur um das Baby und ich hasste sie dafür. Selbst mein Vater, für den es bisher nur eine Prinzessin gegeben hatte, kümmerte sich die meiste Zeit um das schreiende Ding in der Wiege. Vielleicht auch, weil er immer öfter abends länger im Büro blieb, um Überstunden zu machen. Mutter meinte, er tue das für die Familie, weil wir wegen des Babys mehr Geld bräuchten. Ich aber dachte, er wollte nur dem ständigen Schreien entgehen.




Deshalb war ich sehr froh, als wir damals zu meinen Großeltern in die Provence zogen, auch wenn ich Hugo vermisste und meine Eltern das Baby mitnahmen. Hier aber hatten wir mehr Platz als in der Stadtwohnung, meine Großeltern kümmerten sich um mich und ich konnte mit Hugo 2 in den Wiesen und Wäldern herumtollen. In der Stadt gab es bisher nur Autos, Straßen und Dreck. Hier aber schien jeden Tag die Sonne, es war grün und ich sah zum ersten Mal richtige Tiere, die nicht hinter Gittern im Zoo lebten. Auf dem Hof meiner Großeltern gab es Schweine, zwei Kühe, einen Hahn und viele, frei herum laufende Hühner, denen Hugo 2 für sein Leben gern nachjagte.
Mathéo hatte auch einen Hund, einen Terrier namens Frida, die genauso alt wie Mathéo war und damit eine alte Dame. Sie und Hugo 2 verstanden sich gut, auch wenn Frida mittlerweile zu langsam für die Hühnerjagd war und sich lieber von mir den haarigen Bauch kraulen ließ. Mathéo und ich saßen immer öfter zusammen bei uns auf dem Hof, schauten den balgenden Hunden zu oder beobachteten die Wolken am Himmel. Manchmal fragte er mich, ob ich in der dicken Wolke über uns auch einen Pferdekopf erkennen würde oder wieso manchmal die Sonne scheint, obwohl es gleichzeitig regnet. Wegen des Regenbogens, antworte ich dann und sah versonnen auf die Wolke, die eher wie ein Herz als ein Pferdekopf aussah.
Sarah war verliebt in Mathéo. Zumindest gestand sie mir das eines Tages und ich zuckte mit den Schultern. Seit unserem Umzug hatte ich nie wieder das merkwürdige Gefühl im Bauch gehabt, wie ich es von der Zeit mit Hugo kannte. Ich mochte Mathéo, aber er konnte mir das Herz nicht brechen, das gehörte Hugo, dem Hugo, der unendlich weit in der Stadt zurückgeblieben war. Doch Mathéo reagierte nicht auf Sarahs Werben, er spielte lieber mit mir und unseren Hunden und wenn Sarah dazu kam, verabschiedete er sich oft schon nach wenigen Minuten. Wir waren fünf Jahre alt und hatten noch alles vor uns.
Ich hatte Sarah nie von dem Kuss erzählt, den ich Mathéo an meinem Geburtstag gegeben hatte. Sie war meine beste Freundin und wir teilte alle unsere Geheimnisse, doch das, so fühlte ich damals, war keines, von dem sie wissen wollte. Ebenso wenig, dass Mathéo einige Wochen nach meinem Geburtstag versucht hatte, mich nochmals zu küssen.
Wie so oft saßen wir im Heuschober meines Großvaters, versteckten uns vor den Erwachsenen und malten uns aus, wie es wäre, wenn wir mal groß sind. Plötzlich sagte Mathéo, dass er mich dann heiraten würde und griff nach meiner Hand. Es war wie elektrischer Schlag. Erschrocken zog ich meine Hand weg und sah, dass Mathéo näher gerückt war. Unsicher, was ich tun sollte, wartete ich ab, bis er plötzlich die Augen schloss und mit seinem Mund versuchte, mein Gesicht zu treffen. Ich wich zurück und spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Da sprang Mathéo auf und rannte ohne ein weiteres Wort aus dem Stall.


2. Oktober 1968

Ich sah Mathéo lange nicht mehr. Fast war es, als ob er mir aus dem Weg ging, und als wir uns doch wieder trafen, taten wir, als ob nichts geschehen wäre. Wir sprachen nie wieder darüber, auch wenn er mich später noch viele Male geküsst hat. Der Sommer ging langsam zu Ende und Clara kam in die Schule. Sarah und ich aber hatten noch ein Jahr, das wir sorgenfrei spielend bei unseren Familien verbringen konnten. Unsere liebsten Spiele damals waren Hüpfgummi, Haarkränze aus Butterblumen flechten oder auf der Ziege von Sarahs großem Bruder zu reiten.
Leider ereilte die Ziege ein tragisches Unglück, als auch Leon, der Metzgerjunge, auf ihr reiten wollte. Er war zu groß und zu schwer für das Tier und als er sich auf sie schwingen wollte, strauchelte Martha, die Ziege, knickte um und brach sich den Vorderhuf. Sie musste geschlachtet werden, was Leons Vater übernahm. Sarah weinte drei Tage lang und ihr Bruder drohte an, uns windelweich zu prügeln, wenn wir jemals wieder auf einem seiner Tiere reiten würden.
Sarah wollte nichts mehr mit Leon zu tun haben, so dass nun nach Mathéo auch der zweite Junge einen großen Bogen um uns machte. Uns war das egal, wir lachten den ganzen Tag, tollten durch die Wiesen oder vergnügten uns an den letzten warmen Spätsommertagen am Weiher. Ab und zu begegneten wir Bernard, dem ich noch immer nicht in die Augen gucken konnte, so sehr schämte ich mich beim Gedanken an unsere unfreiwillige Begegnung damals hinter der Hecke am See.
Bernard musste nach der Schule oft seinem Vater im Stall helfen. Doch sobald er ausbüchsen konnte, trieb er sich gerne auf unserem Hof herum, tat als wartete er auf Clara. Ich mochte ihn, mehr noch die Erinnerung an sein kleines Geheimnis, das ich nackt zwischen seinen Beinen gesehen hatte und dessen Anblick mich seither nicht mehr losließ. Natürlich hatte ich schon oft Jungs gesehen, wie sie sich mit weitem Strahl an einem Baum erleichterten, aber nie darüber nachgedacht, womit sie das taten. Sarah und ich mussten dann immer kichern, während wir uns hinhockten, um es ihnen gleichzutun. Nun aber stand etwas zwischen Bernard und mir, ein Geheimnis, das meine Neugier weckte und ich fing an, die Jungs in meiner Umgebung zu beobachten, versuchte einen Blick zu erhaschen, wenn sie sich umdrehten, um ihr Würmchen hervorzuholen und zu pinkeln.
Bernard tat mir den Gefallen nicht, noch nicht, aber er verbrachte mehr und mehr Zeit mit mir, ohne sich wie sonst noch nach Clara zu erkundigen. Auch Sarah fiel das auf, aber auch, dass ich immer weniger Zeit für sie zu haben schien und zusammen mit ihrer Schwester stellten sie mich eines Tages zur Rede und verboten mir, mich weiter allein mit Bernard zu treffen. Ich versprach es, hatte ich doch Angst, meine beste Freundin zu verlieren. Auch interessierte ich mich gar nicht für Bernard. Ich war gern in seiner Nähe, hörte mir seine Geschichten von Waldgeistern und Trollen an, die er angeblich jagen ging, und dachte an Hugo, an den mich Bernard vom ersten Tag an erinnerte. Aber Sarah und ihre Schwester waren meine Freundinnen und da hielt man zusammen.
Hugo übrigens sah ich kurz nach dem Tod der Ziege wieder. Meine Mutter hatte mich auf einen Ausflug in die Stadt mitgenommen und zufällig kamen wir an unserer früheren Wohnung vorbei. Hugo stand wie selbstverständlich in der Tür des kleinen Tabakladens im Erdgeschoss und winkte mir. Fast hätte ich ihn nicht erkannt. Er war gewachsen und trug einen Strohhut, so wie die Jungs bei uns auf dem Lande. Er stand ihm gut und wieder spürte ich dieses vertraute Ziehen unterhalb des Herzen bei seinem Anblick.  

25. Dezember 1968

Für uns Kinder war eine Jahreszeit von ganz besonderem Reiz. Der Winter. Hatte er doch in diesem Jahr früh Einzug gehalten und unseren Ort seit Wochen unter einer weißen Schneeschicht begraben. Überall auf der Straße hörte man es am Morgen kratzen und schaben. Die Leute räumten die Bürgersteige vor ihren Häusern und ich drehte mich nochmal in meinem kuscheligen Federbett um. Nur schlafen konnte ich nicht mehr, zu aufgeregt wartete ich, dass es endlich hell genug wäre, damit wir auf den See konnten. Ich hatte neue Schlittschuhe zu Weihnachten bekommen und brannte darauf, sie auszuprobieren. Die Eisschicht auf dem Weiher war mittlerweile so dick, dass man sogar mit einem Pferdegespann den Weg zum Nachbarort abkürzen konnte.
Doch noch mehr freute ich mich, Mathéo wieder zu sehen. Wir hatten uns seit dem verunglückten Kuss mehrmals getroffen, oft zufällig. Manchmal aber schien es mir, passte er mich ab, wenn wir von der Kirche oder aus der Stadt zurückkamen. Dann stand er meist am Tor unseres Hauses oder half meinem Großvater beim Heuwenden im Stall. Wir sprachen nicht viel miteinander. Manchmal erzählte ich ihm, wie es in der Stadt gewesen war, manchmal unterhielt er mich mit Mutproben, die die Jungs im Dorf für gewöhnlich anstellten, um die Mädchen zu beeindrucken. Doch Mathéo war noch viel zu jung, um da mit zu machen.
Heute aber würde er Sarah, ihre Schwester und mich auf den See begleiten und vielleicht würden wir wie früher Hand in Hand übers Eis laufen.
Ich hatte meinen dicksten Winterpulli angezogen, den roten, den ich so gern mochte und von dem meine Großmutter immer sagte, er würde so gut zu meinen dunkelblonden Haaren passen. Dazu eine weiße Daunenjacke mit Latzhose. Die Pudelmütze mit der roten Bommel passte hervorragend zu meinem Pullover. Ich liebte es, so dick angezogen in der Kälte herum zu toben, den eigenen Atem aufsteigen zu sehen und so zu tun, als ob man heimlich rauchen würde.
Sarah hatte eine grüne Winterkombination an, unter der sie ebenfalls einen roten Pulli trug. Sie stand darauf, dass wir uns manchmal wie Zwillinge anzogen, auch wenn sie mit ihren roten Haaren und den grünen Augen eher meiner Schwester Marcelle glich, als mir. Noch mehr aber liebte sie es, grüne Sachen anzuziehen. Sie hatte viele grüne Kleider, die es unmöglich machten, sie im Wald zu finden, wenn wir im Sommer dort Verstecken oder Fangen spielten. Heute aber würde sie im Weiß des Sees für jedermann weithin sichtbar und ich die Unsichtbare sein.
Nicht so für Mathéo. Unverkennbar hatte er nur Augen für mich, ignorierte Sarahs Werben und half mir auf, wenn ich über meine eigenen Füße stürzte. Er konnte schon ziemlich gut Schlittschuh laufen, viel besser als ich damals, aber er war ja auch ein Jahr älter. Leon hingegen blieb dem See fern. Er traute dem Eis nicht, seit er – ungefähr in meinem Alter – beim Eisfischen mit seinem Vater eingebrochen und fast ertrunken wäre. Manche sagen sogar, er war für Minuten bewusstlos und ist seitdem etwas langsam im Kopf. Ich aber kenne ihn nur so. Zumindest meidet er das Eis und alles, was man Tolles darauf anstellen kann.
Am meisten aber freute sich Hugo 2. Er tobt den lieben langen Tag hinter uns her, rutschte bäuchlings über das Eis und bellte, wenn wir ihn mit Schneebällen bewarfen. Einige der älteren Dorfbewohner spielten auf einer extra frei geräumten Bahn Eisstockschießen und schimpften, wenn mein Hund dem Zielpuk nachjagte und ihn mit seiner Schnauze verschob. Wie selbstverständlich gingen wir am späten Nachmittag Hand in Hand zurück nach Hause. Sarah rechts und ich links, Mathéo in der Mitte.


10. März 1969

Ich habe Ärger mit Sarah. Irgendwie steht Mathéo zwischen uns. Er ist mir ein wirklich guter Freund geworden und ich mag ihn sehr. Aber noch mehr mag ich meine Freundin und habe deshalb ein wirklich schlechtes Gewissen, wenn mich Mathéo besucht. Wir haben viel Spaß miteinander, radeln durch den ausbrechenden Frühling oder helfen meiner Großmutter im Garten beim Anlegen der Beete. Manchmal bringt er mir ein Stück Kuchen oder Blumen mit, die er auf dem Weg zu unserem Hof gepflückt hat. Doch jedes Mal, wenn ich Sarah davon erzähle, reagiert sie abweisend. Neulich fing sie sogar zu weinen an, weil ihr Mathéo gesagt hatte, keine Zeit zu haben, während er bei mir war.
Es ist wie damals bei Bernhard. Auch hier hatte ich Ärger mit Clara und gehe Bernard seitdem aus dem Weg. Das will ich mit Mathéo nicht schon wieder machen, weiß aber nicht, ob Sarah das verstehen kann. Immerhin bin ich mit beiden befreundet und kann nichts dafür, wenn er sie weniger gern hat als mich.
Als ich einmal fragte, wie er Sarah fände, zuckte er nur mit den Schultern und meinte, ganz ok. Das habe ich ihr gar nicht erst erzählt, sonst wäre sie wohl wieder in Tränen ausgebrochen. Maman meint, ich solle einfach mehr Zeit mit beiden verbringen, doch das wollen komischerweise weder Sarah noch Mathéo und nun bin sich so schlau wie zuvor. Bei Clara und Bernard hat es geklappt, doch ich glaube nicht, dass sich Mathéo mehr für Sarah interessiert, wenn ich ihn nicht mehr treffe. Deshalb spiele ich neuerdings auch öfters mit anderen Mädchen aus der Nachbarschaft und sogar mit Leon, nur um nicht zu viel Zeit allein mit Mathéo zu verbringen.
Neulich hat Leon versucht, eines dieser Nachbarsmädchen zu küssen. Cloé, so heißt sie, war mit einem Schrei aufgesprungen und lief hochroten Kopfes davon. Leon lachte, fragte mich aber, warum sie sich so aufregt. Ich ahnte den Grund und war froh, dass er nicht versucht hatte, mir seinen Mund aufs Gesicht zu drücken. Ich war erst einmal von einem Jungen geküsst worden, von Mathéo, und das auch nur auf die Wange, aber ich fand es wunderschön. Doch von Leon wollte auch ich mich nicht küssen lassen. Er war irgendwie grob und plump und benahm sich oft ungeschickt beim Spielen mit uns Mädchen. Immer wollte er bestimmen, was wir tun, und wenn ihm eine widersprach, knuffte er sie in den Arm oder nahm ihre Spielsachen weg.
Cloé war wie ich sechs Jahre alt und die Tochter eines der Bauern, mit denen meine Großeltern befreundet waren. Sie war oft krank und wirkte sehr blass mit ihren flachsblonden Haaren und einer Haut, die im Sonnenlicht wie Pergament schimmerte. Oft trug sie dunkle Ringe unter ihren wasserblauen Augen und wirkte niedergeschlagen. Als sie sich einmal beim Spielen Saft über ihre Hose gegossen und diese zum Waschen ausgezogen hatte, sah ich dunkelblaue Flecken auf ihren Oberschenkeln und fragte, was da passiert sei. Ihr schoss das Blut ins Gesicht und sie zog ihre Hose, nass wie sie war, rasch wieder an. Sie wäre gefallen, flüsterte sie, wollte aber nie wieder darüber sprechen.
Ich mochte Cloé und war ziemlich traurig, als mir meine Mutter kürzlich mitteilte, dass sie zusammen mit ihrer Mutter weggezogen sei. Ich wunderte mich, weil Cloé nie etwas von einem Umzug erzählt hatte und kaum ohne sich zu verabschieden gegangen wäre. Wir waren gute Freundinnen und hatten schon oft über die Zeit gesprochen, wenn wir endlich zur Schule gehen konnten. Und nun war sie von heute auf morgen verschwunden? Vielleicht war sie krank, doch deshalb hätte sie nicht wegziehen müssen. Keiner antwortete auf meine Fragen und ich hoffte, dass mir Cloé wenigstens eines Tages schreiben würde.

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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