Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92211
Momentan online:
70 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Taschentuch
Eingestellt am 20. 02. 2005 01:42


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das Taschentuch

(Achtung, Kitsch!)

ÔÇ×Fahr doch nicht so schnell, Guido!ÔÇť, bat Constanze. Guido grinste in sich hinein. Er war wieder einmal ├╝berm├╝tig vor lauter guter Laune. Er hatte das Radio voll aufgedreht und w├Ąre am liebsten im Takt der Musik Schl├Ąngellinien gefahren. Das wagte er dann aber doch nicht auf der Autobahn.
ÔÇ×Schnall dich wenigstens an!ÔÇť, h├Ârte er seine Begleiterin klagend fordern. Auch daf├╝r hatte er nur ein ├╝berlegenes L├Ącheln. Er meinte, die ganze Welt l├Ąge ihm zu F├╝├čen. Sein neuer Song war beim Publikum gut angekommen, die reichste Frau der Stadt sa├č neben ihm und hielt entgegen der Familienmeinung zu ihm, trug sein Kind unter dem Herzen und in zehn Tagen sollte Hochzeit sein, auch wenn die Baronesse von Brockingen daf├╝r enterbt werden w├╝rde. Da konnte einem doch schon das Herz im Leibe singen, oder?
Pl├Âtzlich gewahrte Guido ein Reh vor sich, verriss das Lenkrad und der Wagen knallte gegen die Leitplanke. Constanze wurde ohnm├Ąchtig. Guidos Oberk├Ârper schlug auf die Hupe, die sofort los gellte. So erkannte der Fahrer des n├Ąchsten Autos die Situation, noch ehe er richtig sah, was geschehen war. Bald war ein Rettungswagen zur Stelle. Guido verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus, Constanzes Kind kam tot zur Welt.
Aber genau das wollte und konnte Constanze nicht akzeptieren. Schlimm genug, dass sie den geliebten Mann verloren hatte, warum auch noch das Kind? So grausam konnte der Himmel nicht sein. Sie war felsenfest ├╝berzeugt, dass ihr Kind noch lebte und ihr nur von der Familie weggenommen worden war. In den nachfolgenden Monaten und Jahren gab sie sich der Trauer hin, wurde fast wahnsinnig vor Schmerz und Gram.

Madita trug das Taschentuch mit der feinen Spitze stets bei sich, wohlverwahrt in einem alten Brillenetui. Im Kloster hatte sie gelernt, solche kunstvollen Muster selbst zu h├Ąkeln, aber dieses Taschentuch war etwas Besonderes. Nicht nur, weil es jahrelang ihr einziger Besitz war, sondern auch, weil es sie wahrscheinlich zu ihren Eltern f├╝hren konnte.
Die Nonnen hatten ihr erz├Ąhlt, dass das Wappen auf dem Tuch der wohlhabenden Familie von Brockingen zuzuordnen ist. Demnach w├Ąre sie vielleicht eine Baronesse! Wer wei├č, welche Trag├Âdie ihre Mutter seinerzeit veranlasst hatte, sie vor das Tor des Klosters zu legen . . .
Nachdem Madita vollj├Ąhrig wurde, zog sie immer mehr Erkundigungen ├╝ber das Haus von Brockingen ein und erfuhr so, dass als einzige die sehr zur├╝ckgezogen lebende Constanze daf├╝r in Frage kam, ihre leibliche Mutter zu sein. Eines Tages fasste sie allen Mut zusammen und besuchte diese Constanze. Sie wurde erst vorgelassen, nachdem sie mehrfach versichert hatte, dass ein pers├Ânliches Gespr├Ąch mit der Baronesse von h├Âchster Wichtigkeit sei.
W├Ąhrend Madita auf das Erscheinen der hohen Dame wartete, sah sie sich im Salon um. Alles k├╝ndete von Reichtum und Geschmack. Wenn Constanze wirklich ihre Mutter war, w├╝rde sie sich hier gewiss sehr wohl f├╝hlen k├Ânnen! Das Herz schlug ihr bis in den Hals hinauf. Sie fingerte das Taschentuch hervor, um es zu pr├Ąsentieren.
Endlich ├Âffnete sich die gegen├╝ber liegende T├╝r und eine schlanke, verh├Ąrmt wirkende Frau kam herein. ÔÇ×Sie w├╝nschen?ÔÇť, kam es matt aus ihrem Mund. Madita hatte sich so oft schon die Worte zurecht gelegt, die sie sagen wollte, doch jetzt waren sie einfach nicht verf├╝gbar. Stammelnd berichtete sie, dass sie als Neugeborenes an der Klostert├╝r abgelegt worden war und dieses Taschentuch in ihrem J├╝ppchen steckte.
Constanze war inzwischen so abgestumpft, dass sie die Rede nur wie durch einen Vorhang vernahm. Sie wurde erst hellh├Ârig, als das Datum genannt wurde. Drei Tage nach jenem schrecklichen Unfall war das kleine M├Ądchen bei den Nonnen angekommen! Eine hei├če Welle durchflutete sie. Sie griff an ihr Herz und sank auf einen Stuhl. Hatte sie doch all die Jahre recht gehabt, ihr Kind lebte! Ihre Tochter lebte und stand nun vor ihr, mit einem kleinen Taschentuch als Zeichen ihrer Herkunft in der Hand! Oh, wie wollte sie diese junge Frau lieben und alles nachholen, was die garstige Familie verhindert hatte! Weinend lagen sich die beiden in den Armen.
Schon am n├Ąchsten Tag zog Madita in das vornehme Stadthaus. Sie wurde von Constanze adoptiert und hie├č nun nicht mehr Madita M├╝ller. Sie wurde mit Geschenken ├╝berh├Ąuft und das Personal wunderte sich, wie schnell sich die Hausherrin vom Trauerklo├č zum lustigen Schmetterling wandelte. Dass die frischgebackene Baronesse mit der alten kaum ├ähnlichkeit hatte, dar├╝ber schwieg die H├Âflichkeit. Lasst ihr doch die Freude!

Nur eine im Hause, die jetzt auch oft bei der K├╝chenarbeit sang, schmunzelte in sich hinein. Der Trick mit dem Taschentuch war dem K├╝chenm├Ądchen Magda gut gelungen. Wie h├Ątte sie damals, als sie gerade erst sechzehn war, das Kind dieses Musikers ern├Ąhren sollen? Sie hatte ihn angehimmelt und sich unvorsichtig mit ihm eingelassen. Es h├Ątte einen riesigen Skandal gegeben, wenn es herausgekommen w├Ąre, bestimmt w├Ąre sie entlassen worden, und wo sollte sie dann hin? Sie war Waise.
Und jetzt hatte ihr M├Ądchen heim gefunden. Es war gut, dass Constanze nun wenigstens Guidos Tochter um sich hatte. Sie hatte ihn schlie├člich wirklich geliebt. Und Magda, die leibliche Mutter, konnte sich freuen, dass es ihrer Tochter gut ging.


__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Uve Eichler
Festzeitungsschreiber
Registriert: Mar 2003

Werke: 80
Kommentare: 147
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Uve Eichler eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

So kann man mit kleinen Tricks viele Menschen gl├╝cklich machen.

__________________
Uve
(Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich darin nur zurechtfinden)

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
danke

f├╝rs lesen und kommentieren. ach ja, ich mache gerne menschen gl├╝cklich . . .
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Nieselregen
???
Registriert: Jan 2005

Werke: 2
Kommentare: 31
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nieselregen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hmm...

Hallo Flammarion,
die kleine Warnung am Anfang finde ich besonders goldig.... Aber Spa├č beiseite. Der Plot, an und f├╝r sich, gef├Ąllt mir gut. Jedoch wer Kitsch liebt, liebt es auch, ihn sich ganz gem├Ąchlich, mit vielen Detais und auf eine sehr pers├Ânliche Weise erz├Ąhlen zu lassen. Die Art, wie du den Stoff gebracht hast, ist mir zu trocken heruntererz├Ąhlt. Ich (als Leser) habe wie Geschichte gelesen und verstanden, daber ich habe sie nicht erlebt(vor meinem inneren Auge).

Liebe Gr├╝├če
Nieselregen
__________________
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ja,

lieb nieselregen, andere k├Ânnten aus der geschichte einen drei groschen roman machen. das liegt mir nicht.
danke f├╝rs lesen und kommentieren.
lg
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Nieselregen
???
Registriert: Jan 2005

Werke: 2
Kommentare: 31
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Nieselregen eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ups,

Hallo flammarion,

oh, Verzeihung! Ich bin ja immer noch recht neu in diesem Forum und bin mal wieder einer meiner, anscheinend doch recht naiven, Vorstellungen aufgesessen. Ich glaubte wirklich, dass, gleichg├╝ltig was man schreibt, ob nun Groschenromane oder intellektuelle Texte, in brillanter Rhetorik, deren tieferer Sinn sich nur einem erlesenen Leserkreis erschlie├čt, es immer das Wichtigste ist, sich darum zu bem├╝hen es gut zu machen. Warum hast du den Plot erst in Angriff genommen, wenn du ihn im Grunde f├╝r zu sch├Ąbig f├╝r dein literarisches Niveau h├Ąltst?

Die frustrierte und recht ratlose
Nieselregen

(Vielleicht bin ich doch falsch hier!?)

__________________
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!