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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Ungeheuer von New York
Eingestellt am 19. 12. 2012 15:07


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Rhondaly DaCosta
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Das Ungeheuer von New York

New York. Michaela war schon mehrmals dort. Sie kann diese Stadt nicht besonders gut leiden. Alles ist zugebaut, der Verkehr dröhnt, und aus den Gullys zischen überall Dampfschwaden. Die Kanalisation braucht eine aufwendige Renovierung, eines Tages. The next generation pays.

Michaela führt ein Beratungsunternehmen in der Nähe von Düsseldorf. Einer ihrer Kunden hat seinen Hauptsitz in New York. Man hat ihrem Büro in Düsseldorf die Beratung für die deutsche Filiale übertragen, wegen der deutschen Gesetze. Nun möge sie doch bitte in NYC der dortigen Geschäftsführung dies und das persönlich erklären

Der Kunde macht 2 % ihres Jahresumsatzes aus. Wenn sie Nein sagt zur Anhörung, dann hat sie vielleicht eines Tages 2% weniger. Wehret den Anfängen. Und die Reisekosten bringt der Kunde in eineinhalb Monaten wieder herein.

Nun diskutiert sie in diesem Konferenzraum auf der 5th Avenue. Auf der anderen Seite haben sich 4 Männer in Szene gesetzt. Die Agenda ist nach zwei Stunden abgearbeitet. Zum Schluß verbreitet ein kleinfingerdünner Typ atmosphärisch noch sein Gift. Ein pitta Typ, ayurvedisch gesehen. Kann böse sein, wenn er nicht im Gleichgewicht ist.

Die Suche nach dem absoluten Nichts ist beendet. Spinnenmann krallt seine Akten und zischt ab. Die drei Mitglieder der GF schauen Michaela mitfĂĽhlend, sogar freundlich, an. Aha, der Typ ist bekannt.

Michaela schweigt. Schweigen nach einem verbalen Angriff ist ein verhandlungstechnischer Erstligazug. Stille. Schließlich spricht der Häuptling der Gruppe. Man habe sich nun ausgetauscht. Man sei zufrieden, und man wolle die Zusammenarbeit fortsetzen. Gut. $$.

Die Lobby ihres Hotels ist dunkel. Eine Dusterburg. Amerikanische Hotels können schlimm sein. Michaela liebt das europäische Hotelflair. Es gibt wunderbare Lobbys, in Florenz, in Prag, in Dresden.

Aber dieses Hotel liegt gĂĽnstig um die Ecke, und es ist ein Zimmer frei.
Die Cafeteria ist offen zur Empfangshalle. Sie geht zum Kaffeeständer und bedient sich an einem Automaten. Ein Hotel in einer guten Lage, mit Kaffeeautomaten im Wartebereich. Und Pappbechern. Nix cultura.

Sie setzt sich in eine Ecke und denkt über das Meeting nach. Wird sie von Jemandem beobachtet? Auch andere Menschen sollen solche Blicke spüren. Michaela schaut sich um. Zwei Tische weiter – Jürgen. Das Ungeheuer von Montauk ist also doch Wirklichkeit.

Sein Blick ist irgendwie unnatürlich, nicht starr, sondern seltsam geradeaus ausgerichtet. Sein Körper scheint verspannt. Er sitzt leicht nach vorne gebeugt, nicht locker aufrecht. Seine Aura verstrahlt für sie die Schwingungen eines Kühlschrankes.

Michaela neigt ihm spontan den Kopf zu. Dann öffnet sie in einer leicht geschwungenen Bewegung mit dem rechten Arm den Raum, hin zu ihrem Tisch. Ein leichter Schwung, nicht übertrieben galant, nicht huldvoll gnädig. Du hast es oder du hast es nicht.

Jürgen erhebt sich von seinem Stuhl. Beim Aufstehen stößt er sich an der Tischkante. Mit einer Verletzung als Handicap betritt er also die Arena.

Er setzt sich an ihren Tisch und eröffnet die Runde mit den Worten Hallo, wie geht es dir? Eine fantastische Gesprächseröffnung.

Michaela erzählt kurz von einem geschäftlichen Treffen, ohne den Namen des Kunden zu nennen.

Magst du noch einen Kaffee? Nein, danke, ich habe noch. JĂĽrgen geht zum Service Point und holt sich seinen Becher ab. Diesmal kollidiert er nicht mit einer Tischkante, obwohl es da eine gewisse Auswahl an Kanten gab, auf dem Weg hin und zurĂĽck.

Michaela betrachtet Jürgen nun aus der Nähe. Sein Mund erscheint ihr heute verkniffener als früher. Kein Mund mehr zum Küssen. Um seine Augen bemerkt sie dunkle Ringe. Jetlag? Alkohol? Schlechter Schlaf? Wenn ja, dann hoffentlich, weil er sie so schändlich verlassen hat.

Sein Haar benötigt einen neuen Schnitt. He, Mann, du lässt dich hängen. Der Anzug ist staubgrau. OK, so laufen andere Männer auch herum. Aber, als sie noch zusammen waren, da war er besser angezogen. Mehr zum Vorzeigen. Naja.

Weil ihr der andere Leid zugefĂĽgt. Ein die Herzen ansprechender Liebesroman von Irmentraud Holdt. Michaela dichtet ihre Geschichte in Kurzform.

Sie war todunglĂĽcklich, nachdem er gegangen war. Das GefĂĽhl des UnglĂĽcklichseins kommt in ihr jetzt wieder hoch.

Das Ungeheuer von Montauk, eine Geschichte auf die sie, wer weiß wie, beim Surfen im Internet gekommen ist. Alles Quatsch, dennoch stellt sie sofort genau diese Gedankenverbindung her, wie verrückt, und fast gewalttätig. New York, Jürgen, Ungeheuer, Schmerz. Sie will sich auslassen.

Schmerz muss sich Bahn brechen. Schreien hilft ihr immer am besten. Schreien geht nicht, hier in der Lobby. Aber intellektuelles Bahnbrechen geht. Dem anderen zeigen, dass er inferior ist.

Sie gomezt. Dir geht es gut, hast du gesagt? Aber er habe doch noch gar nichts über sich gesagt. Dir geht es also gut. Die alte Diskussionsfalle der mönchischen Disputanten. Du behauptest, dass dein Gegenüber etwas gesagt habe. Und dieser fällt darauf herein. Jürgen sitzt in der Abseitsfalle.

Sie schweigt. JĂĽrgen nippt. Uhr tickt. No fun.

JĂĽrgen schaut nach einiger Zeit auf seine Uhr. Er muss nun gehen. Er wird sich gerne wieder in D melden. Alle Gute. Dito.

JĂĽrgen ist kein Ungeheuer, Michaela weiĂź es. Aber warum hat er mich verlassen?

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Rhondaly DaCosta,
mir gefällt diese im Telegrammstil formulierte Geschichte.

Zwei Fragen:
Die drei Mitglieder der GF schauen ...Was bedeutet hier GF?

gomezt Was heißt das? Nie gehört.

...wieder in D melden. Alles Gute. Das s fehlt hier.

LG Usch

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Grauschimmel
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Hallo!

Also der USch?… ist schon so gar nicht weit weg das“ gomezt“ vom Englischen besser Usamerikanischen „go me“, einer s.g. Redewendung, die ausdrückt: „Ich locke dich, will dich niederwerfen… aber umbringen ist mir zu anstr….“
Guten Abend Costa, sag mal bist Du mit dem C.Co… Mist ich bin doch hier nicht in Humor…
Ja, Deine Geschichte hat mir auch gefallen. Unkonventionell, frisch… Am „gegomezt“ stoße ich mich nicht. Vielleicht wird es mal in den Duden… so wie das „simsen“…
Aber als Leser habe ich mit Deinem Erzähler ein Problem. Der redet/denkt wörtlich, was doch eher der Prota zukommt. Dann gibt es auch noch ein paar Zeiten…
Aber trotzdem, Dein Text hat was…
In der Vergangenheit habe ich immer mein Pulver im ersten Anlauf verschossen. Jetzt warte ich noch, was Du daraus machst.
Kleine Anmerkung noch, lass Dich nicht von der Literaturpäpstin „gomeeten“
Lieber GruĂź vom Grauschimmel!

__________________
Ich will dem Namenlosen in mir Worte schenken, dass ich verstehe und zu hören bin.

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