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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Vergängnis
Eingestellt am 09. 07. 2001 15:00


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Fahnert
Blümchendichter
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Das Vergängnis

Geduldsam tickt eine Uhr auf dem Flur. Eine Dame mit Stock erscheint und hämmert gegen die Fensterscheibe. Konstantin blickt auf und schüttelt den Kopf. „Was machen Sie da ?“, sagt er sanftmütig und legt seinen Stift auf die Seite.

Der hagere Mann, dessen schmale, geschwungene Lippen lautlos Worte formulieren, erhebt sich, nimmt sie in den Arm und begleitet sie auf eines der zahllosen Zimmer.

Es folgt ein Gespräch.

Ihre Blicke streifen einander länger, nackte Füße kommen zum Vorschein, als die Dame, deren Alter in der Dunkelheit verschwimmt, ihr Haupt auf das Kopfkissen bettet und Konstantin ihren ausgemergelten Körper bedeckt. Er berührt ihre knöcherne Hand.

Nachdem er sich auf seinen Platz begeben hatte, notiert er knapp, sie habe einen Spaziergang gemacht und rechtfertigte diesen durch die Ängstlichkeit jener unscheinbaren Person, die sich offenbar an der Dunkelheit störte.

Knisternd, bald knirschend, tickt eine Uhr auf dem Flur. Er faltet Handtücher, die am Tag auf nackten Schultern ihren Platz finden, bis es Zeit wird, den brummenden Mann zu wenden.

Der Vorhang weht in das spärliche Zimmer. Unsichtbare Vögel flattern. Ausgesprochen dünne Beine kommen zum Vorschein, zwischen denen ein feuchtes Kissen seinen Platz gefunden hat.

Flüstern über die Änderung.

Schnaufen und Rascheln. Er hantiert, zieht und beruhigt, bis die Wendung vollzogen ist. Rückkehr an seinen Platz, Notiz über den Zustand.

Hämmernd, fast fordernd, tickt eine Uhr auf dem Flur. Konstantin besucht jeden einzelnen, mit Ausnahme des brummenden Mannes, der schweigsam wurde.

Die Dame mit Stock liegt still und ausgestreckt auf ihrem Bett. Er schreitet hin. Er berührt sie und läuft an seinen Platz.

Sprechen über das Vergängnis.

Ein Telefonat. Der Untersetzte erscheint, nickt und schreibt. Konstantin betet und ändert die Kleidung der Dame. Gemeinsame Reise an einen anderen Ort.

Nach seiner Rückkehr sagt der Untersetzte, man müsse die Furchtsame durch den Einbeinigen ersetzen.

Schweigsam äußert die Uhr eine Zeit. Zahllose Personen erscheinen auf dem Flur, verschwinden und tauchen wieder auf. Konstantin äußert unterdess Nachfolgern das Wesentliche, dass der Gewendete vor Tagesanbruch beruhigt wurde und der Einbeinige einen Stock benötige ...



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visco
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Das Vergängnis

Hallo Fahnert!

Ein großes Lob vorab! Gefällt mir richtig gut - von mir gibt´s dafür eine "9".

Dennoch einige Anmerkungen:
Die Gegenwartsform, mit der du angefangen hast, finde ich sehr gut gewählt. Warum aber bleibst du im 5. Absatz nicht dabei? (notierte Rechtfertigung für den Spaziergang)

Nur Kleinigkeiten:
Fehlt bei: "Nachdem er sich auf seinen Platz begeben hatte, [..]" nicht ein "zurück"?

"Knisternd, bald knirschend [..]"; die beiden Umschreibungen sind so ähnlich, daß man sie bei nicht ganz aufmerksamem Lesen leicht für identisch hält. Dem ergänzenden Hinweis "bald" kommt dadurch durch deutlich mehr Gewicht zu als vermutlich geplant.

"[..] den brummenden Mann zu wenden." Den Satz habe ich 2x gelesen, weil ich nicht sicher war, ob "brummigen" gemeint sein könnte. Immerhin impliziert "brummenden", daß er unablässig brummende Geräusche von sich gibt.

"Der Vorhang weht in das spärliche Zimmer." Der Text ist sicher so ausgelegt, möglichst viel mit möglichst wenigen Wörtern auszusagen. Dennoch stoße ich mich etwas an dem "spärlichen Zimmer", was wohl nur spärlich eingerichtet ist. Vorschlag: "karge Räumlichkeit"?

"Er hantiert, zieht und beruhigt, bis die Wendung vollzogen ist." Gehört ein Ziehen nicht auch zum Hantieren? Eine Aufzählung finde ich dennoch wichtig, lediglich die Auswahl der Verben könnte glücklicher sein. "Hantieren" ist für mich mit einem negativen Touch versehen, also nicht wertfrei, wie du eigentlich sein willst. Statt "beruhigt" vielleicht "redet zu"? Damit würde deutlicher, daß nicht der "brummende Mann" gemeint ist. Vielleicht auch neuer Satz: "Dann ist die Wendung vollzogen."?

"Hämmernd, fast fordernd, tickt eine Uhr [..]" Hier stört mich ein wenig das "fordernd". Vielleicht "Eindringlich hämmernd tickt eine Uhr [...]"?

"Konstantin äußert unterdess Nachfolgern [..]" Okay, künstlerische Freiheit. "indes" hätte mir trotzdem besser gefallen.

"[..], dass der Gewendete vor Tagesanbruch beruhigt wurde [..]" Vielleicht besser "wann der Brummende zuletzt gewendet wurde"?

Viele Grüße,
visco

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flammarion
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es

tut mir leid, aber ich kann deine geschichte nicht verstehen. stellt sie einen blick ins irrenhaus dar oder erzählt sie einen albtraum? lg
__________________
Old Icke

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Fahnert
Blümchendichter
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Vergängnis oder Albtraum

Die Geschichte erzählt von einer Nachtschicht in irgendeinem Krankenhaus aus Konstantins Empfinden heraus, über die Eintönigkeit der Zeit und über den Tod einer Frau, die kurz bevor sie für immer einschläft nocheinmal in Erscheinung tritt und zu Beginn des neuen Tages bereits keine Erwähnung mehr findet ...


Gruss Fahnert

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Fahnert
Blümchendichter
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Amerkungen

Hallo Visco,

sooft ich lese, sooft korrigiere ich :-)

Identität/Uhr:
Eintönigkeit/Ruhe -> Stille der Nacht bis hin zur stillen Zeitanzeige, die die Bewegung des Tages kennzeichnet

fordernd: Sie will, dass endlich ein Ereignis eintritt, Vorraussage, villeicht sogar orakelierend ...

brummender Mann: unzufriedener Mensch, der nicht in der Lage ist, sich selbst zu bewegen und ruft

spärliches Zimmer: nur ein Bett, kein Licht, Jammern

hantieren - beschäftigt sein im Zimmer
ziehen - anders für quälen
beruhigen - ...

zurück an seinen Platz: das "zurück" ergibt sich daraus, dass er seine Notizen macht ...

Uhr + immer knapper werdende Sätze sollen einen Spannungsbogen erzeugen

Letzter Satz: Hier soll zum Ausdruck kommen, dass die Tote nichteinmal Erwähnung gefunden hat

Gruss Fahnert

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flammarion
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aha,

vielen dank für die freundliche aufklärung. aus dieser sicht ist die geschichte wahrhaftig super. ganz tolle wortwahl. lg
__________________
Old Icke

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