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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Wasser im Meer der Angst
Eingestellt am 31. 07. 2002 13:15


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Abrasax
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2002

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Kommentare: 1
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Trotz seiner Angst ging er weiter auf das Licht zu. Er ging langsam, hatte es nicht eilig. Immer wieder schaute er sich um, doch sah nichts, nichts von alldem, welches ihm einst etwas bedeutet hat. Deshalb ging er weiter, seine Angst wurde größer und verflüchtigte sich wieder. Dennoch war sie immer vorhanden, er versuchte sie hinter sich, in die Bedeutungslosigkeit des vergangenen Seins, das hinfloss, so schnell wie der Wasserfall fiel, zu verjagen, doch es gelang ihm nicht, wie es ihm auch nicht gelang, zu sagen, wo der Wasserfall anfing und wo er endete. Die Angst überholte ihn und warf ihren Schatten, indem sie sich vor das Licht stellte, auf ihn. Er blieb stehen, suchte Erklärungen, drehte sich um, suchte dort, fand, was er nicht finden konnte, was er nicht zu finden können wollte, machte einen Schritt rückwärts, blind dem Licht und der lauernden Angst zu. Er stolperte, flog nach hinten und schlug hart auf und obwohl das Geräusch niemand hörte, war es dennoch da, genauso laut als hörte es jemand, denn auch der Wasserfall fließt weiter, auch dann, wenn es niemand sieht. Die Schmerzen erfüllten ihn und er blieb liegen, seine Angst eilte ihm zu Hilfe, tröstete ihn und half ihm auf. Er fragte sie nach dem Weg und sie antwortete:“ Immer rückwärts dem Licht entgegen, keinesfalls vorwärts sehen, denn sonst erreichst du es nie.“ Er wusste nicht ob sie noch da war, dennoch dankte er ihr, aus reiner Höflichkeit, so wie der Regenwurm dem Vogel dankt, wenn er nicht gefressen wird, oder der Wasserfall dem Wasser, dass es fließt, weil es sein Blut ist. Also ging er weiter in Richtung Licht, er sah den Schatten der Angst größer werden, schließlich durchschritt er die hilfsbereite Angst und ließ sie langsam, während sie im Dunkeln verschwand, zugrunde gehen. Er schritt weiter rückwärts dem Licht entgegen und als er es durchschritt, glaubte er sich gedreht zu haben, deshalb wendete er noch mal und schritt weiter, obwohl das Licht kleiner wurde, doch er merkte es nicht, da er die Angst zurückgelassen hatte, und deren Schatten ihm den Weg wies. Und der Wasserfall hörte auf zu fließen, das Wasser verflüchtigte sich im Meer und die Angst betätigte mit ihrem letzten Atemzug den Lichtschalter. Das Licht ging aus, doch niemand sah es, denn alle hatten ihrem eigenen Licht den Rücken zugewandt, während ihre Angst starb, und deshalb war es in Wirklichkeit nicht. Denn niemand hört das Wasser im Meer.
__________________
Auch wer nichts erwartet wird enttäuscht.

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