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Leselupe.de > Horror und Psycho
Das Wochenendhaus
Eingestellt am 31. 10. 2011 19:07


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Raina
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2011

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Das Wochenendhaus

Es geschah im Jahre 1986. Wir waren auf einer Rundreise durch Polen und fĂŒr drei Tage bei Verwandten in Oberschlesien zu Gast.
Unsere Gastgeber besaßen, neben ihrer Wohnung in der Stadt, auch noch ein, in einem etwas verlassenen Viertel gelegenes Wochenendhaus. Dieses Haus, oder sollte man besser sagen HĂ€uschen, war bis in eine Höhe von zwei Metern gemauert, der Rest bestand aus dicken Balken, so eine Art Blockhaus. Es stammte aus den zwanziger Jahren.
In dem Haus befand sich im Erdgeschoss eine Werkstatt fĂŒr elektrische GerĂ€te und das Obergeschoss war als GĂ€stewohnung hĂŒbsch eingerichtet. An das Haus grenzte auf der RĂŒckseite ein langer Schuppen, der aus mehreren EinzelrĂ€umen bestand.
Das Nachbarhaus rechts war nur zeitweise bewohnt, anscheinend diente es ebenfalls als Wochenendquartier und grenzte direkt an das HĂ€uschen, in dem wir drei Tage wohnen sollten.
Links befand sich ein großer Garten, an dessen linken Ende, etwa 50 Meter entfernt, sich ein Wohnhaus befand.
Zwischen dem Garten und unserem Haus befand sich eine große, ĂŒberdachte Terrasse, auf der sich sehr gut feiern ließ.
Die GÀstewohnung war recht gerÀumig und wie schon gesagt, bestens ausgestattet.
Am ersten Abend hatten wir auf der Terrasse bis spÀt in der Nacht gesessen und gingen erst gegen ein Uhr schlafen. Es war die Nacht von Tschernobyl.

Ich erinnere mich, dass ich kurz nach dem Einschlafen wach wurde, und ein leises Kinderweinen hörte, es hörte sich an, als wenn es aus dem Nachbarhaus kommen wĂŒrde. Ich stand leise auf, um nach unserer Tochter zu sehen, die im Nebenzimmer schlief, sie lag ruhig in ihrem Bett und trĂ€umte.
Ich lauschte in die Nacht, doch das Weinen war nicht mehr zu hören. So legte ich mich wieder ins Bett und konnte nur schwer wieder Schlaf finden. Ich wurde von einem Alptraum heimgesucht.
Der Traum war irreal aber so erschreckend, dass ich schweißgebadet erwachte

Ich trĂ€umte, jemand klopfte laut gegen die EingangstĂŒr. Ich ging hinunter und öffnete. Vor der TĂŒr stand ein Mann (oder eine Frau oder was sonst auch immer), das Gesicht war nicht erkennbar, in der Hand trug er eine AutokĂŒhlbox.
Ich fragte, was es gĂ€be und er stellte die KĂŒhlbox ab, öffnete den Deckel und deutete mit der Hand auf den Inhalt. Ich blickt hinein und sah darin ein an SchlĂ€uche angeschlossenes menschliches Herz, das langsam pulsierte.
Das war der Moment, an dem ich erwachte.
Als ich mir bewusst wurde, dass alles nur ein Traum gewesen war, versuchte ich wieder einzuschlafen, aber es gelang mir nicht so richtig, da ich wieder das Weinen des Kindes vom Nachbarhaus hörte.
Als ich dann doch noch in einen kurzen, traumlosen Schlaf fiel, wurde es schon langsam hell.

Der nĂ€chste Tag verging sehr schnell, da wir etliche Familien besuchten und es ĂŒberall viel zu erzĂ€hlen gab.
So war es kein Wunder, dass wir am Abend recht mĂŒde und ziemlich zeitig schlafen gingen. Kurz nach Mitternacht erwachte ich und hörte wieder das Kinderweinen. Diesmal nahm ich mir vor es einfach zu ignorieren und es am nĂ€chsten Tag unseren Gastgebern zu erzĂ€hlen.
Ich schlief dann auch schnell ein, als ich durch Schritte auf der Holztreppe erwachte. Wer konnte das sein, ich war mir sicher, die TĂŒr abgeschlossen zu haben. Ich lauschte, aber alles blieb still. Ich zog mir die Bettdecke ein wenig ĂŒber den Kopf und schlief wieder ein. Es begann ein neuer Alptraum:

Ich trĂ€umte, dass jemand die Treppe heraufgekommen war, die TĂŒr öffnete und eine AutokĂŒhlbox vor mein Bett stellte, sich umdrehte und gehen wollte. Vor Entsetzen erwachte ich schweißgebadet.
Am nĂ€chsten Tag fragte ich unsere Gastgeber, ob bei den Nachbarn immer Nachts das Kind schreien wĂŒrde, sie sahen mich verwundert an und sagten, dass es dort kein kleines Kind gĂ€be und die Nachbarn zur Zeit auch verreist seien.
Ich ĂŒberzeugte meine Familie davon, dass es besser wĂ€re, noch am selben Tage unsere Rundreise fortzusetzen. Ich wollte keine Nacht mehr in diesem Haus zubringen.

... ein Jahr spÀter.

Im August wurde unsere zweite Tochter geboren, sie war ein FrĂŒhchen und hatte einen angeborenen Herzfehler. Aus diesem Grunde wurde sie nach ihrer Geburt im Krankenhaus behalten. TĂ€glich brachten wir ihr am Abend Muttermilch in die Klinik, der TransportbehĂ€lter fĂŒr die FlĂ€schchen war eine AutokĂŒhlbox...

Unsere Tochter starb im September des selben Jahres.

... weitere zwei Jahre spÀter.

Im Jahre 1988 kam unser Sohn zur Welt und als er drei Monate alt war, reisten wir wieder zu einer Familienfeier nach Beuthen. Wir sollten bei der selben Familie ĂŒbernachten, bei der wir im Wochenendhaus schon einmal geschlafen hatten.
Als ich das erfuhr, sagte ich, dass ich dieses Haus nie mehr betreten wolle und so beschlossen wir, erst mal die Nachbarn auf der linken Seite des GrundstĂŒcks zu besuchen.
Die Bewohnerin des Hauses war eine nette Dame, die uns gleich zu sich einlud.
Von der Veranda des Hauses hatte man einen schönen Blick auf das Wochenendhaus, das mir so unheimlich schien.
Unser Sohn schlief friedlich in seiner Liegeschale im Auto und ich trug sie vorsichtig in Richtung auf das Haus der netten Nachbarin. Als ich dabei die Schale zufÀllig in Richtung des Wochenendhauses drehte, wachte er auf und begann jÀmmerlich zu schreien, so hatte ich ihn noch nie schreien gehört! Schnell lief ich mit ihm ins Haus der Nachbarin und stellte ihn im Wohnzimmer ab, er war nur sehr schwer zu beruhigen.
Ich erzĂ€hlte der Nachbarin, dass wir vor drei Jahren schon einmal hier waren und in dem HĂ€uschen ĂŒbernachtet hĂ€tten, mir es dort aber so unheimlich war, dass ich dort raus musste.
Sie sah mich seltsam an und fragte, ob ich dort ein Kind hÀtte weinen hören.
Ich sagte ihr, dass ich das gehört hĂ€tte und mich darĂŒber sehr gewundert hatte, dass man das so deutlich hören konnte, obwohl doch die Balken recht dick waren.
Daraufhin erzĂ€hlte sie uns eine Geschichte, die mir eine GĂ€nsehaut ĂŒber den RĂŒcken jagte:

Es war im FrĂŒhjahr des Jahres 1945, kurz vor Kriegsende, alles war auf der Flucht vor der herannahenden Roten Armee oder vor den abziehenden Deutschen. Eine jĂŒdische Familie mit einem Kleinkind hatte sich im Schuppen hinter dem Haus versteckt. Als die SS das Viertel nach FlĂŒchtlingen durchsuchte, dachten sie, wenn sie das Kind allein lassen wĂŒrden, hĂ€tte es vielleicht eine Chance zu ĂŒberleben, denn als MĂ€dchen sah man ihm ja nicht sofort an, dass es jĂŒdischer Abstammung war. Sie hofften, dass das Kind gefunden und damit gerettet werden wĂŒrde. Sie konnten nicht wissen, dass das GrundstĂŒck zu dieser Zeit schon von seinen Besitzern verlassen worden war.
Sie zogen das kleine MĂ€dchen warm an und legten es in den Schuppen.

Was aus den Eltern wurde, niemand weiß es. Das MĂ€dchen wurde nach mehreren Tagen zufĂ€llig gefunden. Es war verdurstet...

Wir verließen die Stadt am nĂ€chsten Tag und waren seitdem nie wieder dort.
Jahre spÀter erfuhren wir, dass das Wochenendhaus von seinen Besitzern verkauft worden war und dann ein Jahr spÀter wegen einer defekten Stromleitung abgebrannt war.

Nach einer wahren Begebenheit

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lapismont
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Hallo Raina,

gruslig, aber der Anfang liest sich nicht gut, zuviel erklÀrendes Setting, das spÀter keine Rolle spielt. Versuch schneller und vor allem stimmungsvoller einzusteigen.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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Raina
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Hallo lapismont,
danke, dass Du dir die MĂŒhe gemacht hast, meine Geschichte zu lesen und zu kommentieren. Deinen Vorschlag finde ich gut, aber habe im Moment Probleme mit der Realisierung. Durch den, zugegeben, etwas langatmigen "Vorspann" wollte ich erreichen, dass beim Leser zum Einen die LokalitĂ€t vorstellbar wird, zum anderen aber auch erkennbar wir, wie normal und alltĂ€glich die Ausgangsituation eigentlich ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich diese Geschichte selbst genau so erlebt habe und immer noch unter dem Eindruck der Ereignisse stehe.

LG
Raina

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