Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92195
Momentan online:
344 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das Zimmer
Eingestellt am 27. 08. 2004 17:59


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
kira
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 3
Kommentare: 50
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um kira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es war heiß. Stickige Luft drĂŒckte sich gegen die Möbel, schob sich zwischen die Falten der VorhĂ€nge, wĂ€lzte sich trĂ€ge auf dem Teppichboden. Die Sonnenstrahlen, die durch die milchigen Scheiben fielen, erhellten Staubgeflimmer, das langsam durch das Zimmer tanzte.
Ein verirrte Fliege lief am Fensterrahmen entlang. Sie verharrte, rieb die Vorderbeine und breitete dann ihre FlĂŒgel aus, in die das Licht rosa und grĂŒne Reflexe warf. Summend flog sie gegen die Scheibe, prallte wieder und wieder daran ab und fiel endlich halb betĂ€ubt auf das Fensterbord. Ein paar Sekunden saß sie reglos, dann nahm sie ihre Suche wieder auf.
Das Kind, das bisher den Kopf ĂŒber ein Heft gebeugt hatte, sah auf. Es beobachtete eine Weile die Fliege, dann wandte es sich wieder seiner Aufgabe zu. Sein Gesicht war leicht gerötet, vereinzelte HaarstrĂ€hnen klebten an seiner Stirn. Die warme Luft umhĂŒllte es wie eine schwere Decke, schmiegte sich an seine Wangen und brachte es zum Blinzeln. Hin und wieder löste sich ein Schweißtropfen von der SchlĂ€fe, rollte am Ohr vorbei und wurde, bevor er das Kinn erreichen konnte, von einer verschwitzten Hand fortgewischt.
Mit einem Bleistift drĂŒckte das Kind langsam ungelenke Striche in das Papier. Seine feuchten Finger rutschten immer tiefer den Stift hinunter, bis die Fingerspitzen nahezu das Blatt berĂŒhrten. Dann musste es mit drei Fingern der anderen Hand die Bleistiftmine fassen, die klebrigen Finger lösen und den Stift etwas weiter oben erneut ergreifen. Es setzte den Bleistift sorgfĂ€ltig wieder an, zielte auf die blassgrauen Linien im Heft und malte konzentriert eine wackelige Dreieckspitze in die Reihen. Nun kam das Schwierigste. BemĂŒht, einen bestimmten Punkt zu treffen, senkte es den Kopf noch etwas tiefer, presste die ZĂ€hne fest gegeneinander und verband die Dreieckseiten durch einen kurzen Strich.
Es setzte den Stift ab und betrachtete das Ergebnis. „A“, flĂŒsterte es fast lautlos. „A“.
Wieder bohrte es den Stift ins Papier.
Als es Schritte hörte, fuhr es hastig herum. Die TĂŒr wurde von einem großen Mann aufgestoßen, der mit schweren Schritten zum Tisch trat.
„Bist du noch nicht fertig?“, polterte er und ergriff das Heft.
Das Kind zog die Schultern hoch. Unsicher blickte es von unten auf die RĂŒckseite des Heftes. Fast schien es ihm, als könne es durch den Umschlag hindurch die verĂ€ngstigten Buchstaben sehen, die sich mit ihren kurzen FĂŒĂŸchen in die Linien krallten.
Der Mann schleuderte das Heft angewidert auf den Tisch.
„Was soll das sein?“, dröhnte er. „Was soll das sein? ErklĂ€r’ mir das!“
Das Kind warf einen verzweifelten Blick auf die Seiten.
Die Hand des Mannes schoss krachend auf die Tischplatte.
„Das sind doch keine Buchstaben!“, brĂŒllte er.
Sein wĂŒtendes Gesicht kam ganz nah an das Kind heran. „Weißt du was das ist?“
VerĂ€chtlich wedelte er mit der Hand ĂŒber das Heft.
„Fliegendreck!“, zischte der Mann. „Fliegendreck ist das!“
JĂ€h riss er dem Kind den Bleistift aus den verkrampften Fingern und strich mit zwei schnellen Bewegungen die bisherigen Zeilen durch.
„Das machst du noch mal! Und zwar ordentlich!“
Er richtete sich auf und warf den Stift auf den Tisch.
„Wenn du fertig bist, darfst du rausgehen, vorher nicht.“, sagte er und sah kurz zum Fenster. „Vorher nicht“, wiederholte er.
Er drehte sich um und verließ das Zimmer; seine Schritte entfernten sich.
Ein paar Minuten lang sah das Kind auf die zerstörte Arbeit, dann griff es nach dem Bleistift.
Langsam und unbeholfen setzte es die Spitze auf die hellgrauen Linien. „A“, flĂŒsterte es und schob den Stift mĂŒde ĂŒber das Papier. Es blinzelte. Seine Schuhspitzen schoben sich hinter die Stuhlbeine, das Hemd rutschte am RĂŒcken etwas nach oben, als es sich tiefer ĂŒber das Heft beugte.
Die Fliege saß in einer Ecke des Fensterrahmens. Ab und zu bewegte sie ihre Vorderbeine, doch ihre FlĂŒgel blieben gefaltet. Staub schwebte langsam durch das Zimmer, nichts war mehr zu hören.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


BeAngeled
???
Registriert: Aug 2004

Werke: 5
Kommentare: 35
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um BeAngeled eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hmmmm .... hmmm ..... und?

Die Beschreibung gefĂ€llt mir gut, bis auf Stickige Luft drĂŒckte sich gegen die Möbel - finde ich ein bisschen zu gewollt bei dem ansonsten recht nĂŒchternen Stil, und so richtig vorstellen kann ich es mir auch nicht.

Aber, was ist der Sinn der Geschichte? Die Sinnlosigkeit vielleicht? Ich grĂŒbel noch ein bißchen ...

BA :)
__________________
Well do you ever get the feeling,
that the story’s too damn real and in the present tense? (J. T.)

Bearbeiten/Löschen    


kira
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 3
Kommentare: 50
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um kira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo BeAngeled,

warte kurz, hier muss ich doch mal eine mir bekannte Autorin zitieren:
"Die 'Moral von der Geschicht' ĂŒberlasse ich aber jedem Einzelnen - muß man denn immer alles erklĂ€ren?"

:-)

Du hast Recht, dieser Text ist keine wirkliche Geschichte, er fĂ€ngt irgendwo an und hört anderswo auf, Überaschungseffekte bietet er auch nicht.
Nenn es also Fragment, und Sinn dieses Fragmentes ist es, eine Stimmung zu vermitteln. So hoffe ich.
Und nachdem ich nun gerade alles, was ich zum Thema "Stimmung" schrieb, wieder gelöscht habe (um nun aber wirklich zu verdeutlichen um WELCHE Stimmung genau es hier gehen soll, jawohl), ĂŒberlasse ich Interpretations- und Assoziationsarbeit besser wieder dem geneigten Leser.

Es grĂŒĂŸt Dich

Kira


Bearbeiten/Löschen    


Eatingsheep
Guest
Registriert: Not Yet



Ich finde den Text alles andere als sinnlos. Die Stimmung ist (fĂŒr mich) wahrnehmbar bedrĂŒckend/ beengend, erstens durch die Beschreibung des Raums, zweitens durch den Satz: Wenn du fertig bist, darfst du rausgehen, vorher nicht.
FĂŒr mich drĂŒckt das die Ignoranz erwachsener Menschen gegenĂŒber kindlichen GefĂŒhlen aus, den Versuch, sie in irgendeine Form zu pressen.

Bearbeiten/Löschen    


kira
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 3
Kommentare: 50
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um kira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Eatingsheep,

danke fĂŒr Dein Feedback. Schön zu lesen, dass einige meiner Assoziationen zu diesem Text auch die Deinen sind.

Es grĂŒĂŸt Dich sehr herzlich,

Kira

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!