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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das alternative Leben des Bill Gates
Eingestellt am 05. 11. 2007 07:14


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healthnut
Festzeitungsschreiber
Registriert: Oct 2007

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Der Mann stand in seiner Küche und schaute in den Regen hinaus. Typisches Seattle Wetter, dachte er und trank einen Schluck Kaffee.
“Warst du heute auf der Bank, Bill?”, fragte ihn seine Frau vom Küchentisch her. Sie saß vor einem Stapel Rechnungen und schrieb Schecks.
Verdammt, dass hatte er völlig vergessen.
“Dann warte ich mal lieber mit den Schecks”, sagte seine Frau zögernd.” Ich weiß ja jetzt gar nicht, wie viel auf der Bank ist.”
Wie sie da vor dem ganzen Zettelkram hockte, tat sie ihm richtig leid. Es wäre schon toll, wenn sie so einen Datenverarbeiter wie im Büro hätten. Es war unglaublich, wie viel die Dinger speichern konnten! Den ganzen Zettelkram hätte sie sich sparen können. Aber so ein Riesending würde ja gar nicht in ihr Haus passen.
Das Haus war nicht besonders groß, aber gemütlich und es reichte für sie alle aus. Sein Job in der Anwaltskanzlei war ganz gut bezahlt, auch wenn sie keine großen Sprünge machen konnten.
Insgeheim war er ja immer noch davon überzeugt, dass seine Idee damals gut gewesen war. Ein persönlicher Computer für Otto Normalverbraucher! Natürlich hätte man sie irgendwie kleiner machen müssen. Aber letztendlich hatte er einsehen müssen, dass sich seine Idee so nicht verwirklichen ließ. Und es war gut, dass er erst mal das College zu Ende gebracht hatte. Wer weiß, wo er sonst heute wäre, auf jeden Fall hätte er bestimmt nicht so ein schönes Haus.
‘Ist die Post schon durch?”, fragte ihn wieder seine Frau.
“Keine Ahnung.”
“Deine Mutter wollte uns doch die Fotos von ihrem Urlaub schicken.” Sie seufzte. “Das dauert mal wieder ewig.” Sie spannte einen Bogen Papier in die Schreibmaschine. “An Elli muss ich auch noch schreiben, wir haben uns noch gar nicht für dein Geburtstagsgeschenk bedankt.”
Sie schaute prüfend in die Schreibmaschine.” Kein Farbband mehr drin, na klasse. Also wird das heute auch nichts mehr.”
Die Kinder lümmelten auf der Couch und schauten ein Musikprogramm im Fernsehen an.
Bono sang etwas ins Mikrophon, die alberne Sonnenbrille auf der Nase. Es war unglaublich, wie erfolgreich der Mann mit seiner läppischen Singerei geworden war. Aber wie er sich für Afrika einsetzte, das war schon bewundernswert. Der Mann war sich nicht sicher, ob er sein Geld einfach so weggegeben hätte. Aber Bono hatte sicher genug.
“Macht euch mal jetzt hier weg, ich will Nachrichten sehen.” Mit diesen Worten scheuchte er die Kinder von der Couch. Murrend verzogen sie sich.
“Ich wünschte, wir hätten einen zweiten Fernseher!”, schimpfte seine große Tochter.
“Habt ihr keine Hausaufgaben?” Er suchte die Nachrichten.
“Ich muss was über den Bürgerkrieg schreiben, haben wir da ein Buch?”, fragte ihn sein Sohn lustlos.
“Das fällt dir ja reichlich zeitig ein! Nein, haben wir nicht, soviel ich weiß. Und die Bibliothek hat jetzt zu. Dann wirst du wohl morgen ohne Hausaufgabe erscheinen müssen.”
Genervt drehte er den Ton lauter.
Eine konspirative Untergruppe von Al Kaida hatte war zerschlagen worden. Na das war doch mal eine gute Nachricht. Die Sicherheitsdienste schienen in letzter Zeit immer erfolgreicher zu sein. Sie fingen immer wieder Briefe ab und hörten bei verdächtigen Telefongesprächen mit.
Flüchtig streifte ihn der Gedanke, was die Terroristen alles hätten speichern können, wenn sie jemals mit einem seiner Computer in Berührung gekommen wären. Nicht auszudenken.
Eventuell hätte man sogar mehrere Computer miteinander verbinden können. Während er darüber noch nachdachte, klingelte es an der Tür.
Mrs. Becker, ihre Nachbarin stand mit einem dicken Brief in der Hand davor.
“Das habe ich heute für sie entgegengenommen, Mr. Gates. Tut mir leid, dass ich es erst jetzt vorbeibringe.”
Es war der Brief von seiner Mutter, na endlich.
“Danke, Mrs. Becker.”
Er schloss die Tür und blickte wieder durch das Fenster hinaus. Die Maulwürfe waren wieder da. Gleich morgen würde er sich ein Buch über Maulwurfbekämpfung ausleihen.
Ansonsten sah der Garten gut aus. Er war zufrieden. Es gab eigentlich nichts, was sein Leben noch verbessert hätte.

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