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Leselupe.de > Kurzprosa
Das blieb auch
Eingestellt am 01. 05. 2005 01:32


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nachtfalter
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Duschen
Ein Kind, das Grausamkeit erf├Ąhrt, Sadismus, Ablehnung und Zynismus; ein Kind, das schweigt, weil es nicht zu sprechen wagt, sich mitzuteilen auch gar nicht gew├Âhnt ist, so ein Kind zieht sich wahrscheinlich weiterhin in sich zur├╝ck und es denkt vielleicht: sp├Ąter..sp├Ąter, wenn ich gro├č bin, werde ich alles tun, was ich will.Es tr├Âstet sich mit dem Zauberwort sp├Ąter. Das Zauberwort aber entpuppt sich als ein fatales Wort, denn das Kind hatte auch gelernt, das Leben zu verschieben auf sp├Ąter und dieses sp├Ąter fand mit gro├čer Vers├Ąumnis statt.Das Kind mu├čte sich dreinfinden und es gab vor, wenigstens kooperativ zu sein, nein, Liebe t├Ąuschte es nicht vor und erwartete sie doch. Es war ein Staatskind. Es bem├╝hte sich, alle m├Âglichen verinnerlichten Erwartungen in es zu erf├╝llen, das funktionierte nicht.Es verlor sich dabei selbst aus dem Ged├Ąchtnis. Doch der K├Ârper, das Haus, das man sich ist, hatte alles gespeichert.
Das Kind wuchs auf in der Zeit nach dem gro├čen Morden und dem anschlie├čenden Schweigen. Trotzdem erfuhr es allm├Ąhlich vieles, wu├čte eben auch mehr, als Kindern zugedacht ist. Es identifierzte sich mit den Opfern.
Sp├Ąter wurde ├╝ber diese Zeit dann doch noch viel gesprochen, die Kinder der Opfer und T├Ąter taten es, die Opfer teilweise, die T├Ąter kaum.Es nahm gro├čen Anteil, obwohl es seine Vorfahren gar nicht gekannt hatte, auch nicht wusste, auf welcher Seite...Es redete nicht mit und blieb an der Seite der Opfer.

Doch immer wieder, wenn ich dusche, ├╝berkommt mich ein unangenehm bis trostloses Gef├╝hl. Ich mu├č dann daran denken, da├č es Duschen gegeben hat, aus denen Gas str├Âmte. Und auch in den Krankenh├Ąusern hatte das Duschen oft etwas mit Tod oder Todesgefahr zu tun, denn alle Menschen, die operiert wurden, mussten, soweit sie es konnten, am Vorabend der Operation duschen und es war manchmal sehr bedr├╝ckend, wenn ich glaubte, jemand w├╝rde die Operation eher nicht ├╝berstehen, die Antworten waren hilflos, verlogen, denn wir hatten diesbez├╝glich keine Ausbildung und keine Unterst├╝tzung. Es hat ein jeder Mensch seine letzte Einsamkeit und nackt ist sie vollst├Ąndig.Beim Duschen denke ich von Zeit zu Zeit an den Tod. Er kommt.

























































__________________
MargareteSch.

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Bluomo
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo nachtfalter,

meine Meinung, und nur meine Meinung:

1. Abschnitt:

der komplette erste Abschnitt wirkt durch die Formulierung "Das Kind"/"Es" sehr distanziert. Noch st├Ąrker wird dieses Gef├╝hl, weil auch alle Erfahrungen durch abstrakte W├Ârter vermittelt werden: Grausamkeit, Sadismus, Ablehnung usw..

Deshalb kann mich deine Geschichte kaum erreichen- weil ich mich durch die Distanz mit der Figur nicht identifizieren kann- weil die Figur nur das Kind bleibt, ich kaum etwas individuelles ├╝ber die Figur in deinem Text finde.

Deshalb w├Ąre mein Vorschlag all das, was du nennst, die Grausamkeiten, Sadismus, Ablehnung zu zeigen, indem du eine Szene bringst, wo das geschieht. Und dann auch die Folgen f├╝r das Kind zu zeigen, es zu einer Person, einem Individuum zu machen. Nur die Folgen zu nennen, wirkt nicht so stark, wie es zu zeigen.

quote:
Und auch in den Krankenh├Ąusern hatte das Duschen oft etwas mit Tod oder Todesgefahr zu tun, denn alle Menschen, die operiert wurden, mussten, soweit sie es konnten, am Vorabend der Operation duschen und es war manchmal sehr bedr├╝ckend, wenn ich glaubte, jemand w├╝rde die Operation eher nicht ├╝berstehen, die Antworten waren hilflos, verlogen, denn wir hatten diesbez├╝glich keine Ausbildung und keine Unterst├╝tzung.

Hier unbedingt den Satzbau ├Ąndern.

2. Abschnitt:

Hier gehst du in die Gegenward, in eine ich Perspektive- die Figur wird nicht ausgezeichnet, sie bleibt weiterhin unausgeleuchtet.
Auch die Vergleiche erschlie├čen sich nicht. Warum denkt die Figur so??
Das Ende hat was.

Fazit:
Deine Gesichte erz├Ąhlt nicht, wie alles gekommen ist. Aus einer distanzierten Haltung wird nur die Vergangenheit zusammengefa├čt- und diese distanzierte Haltung erreicht mich als Leser nicht.
Dazu fehlen komplett die 3Dimensionalit├Ąt: Es gibt keinen Handlungsraum, keinen Hintergrund, es gibt keine anderen Figuren als das Kind/ Ich. Und diese Figur wird auch nur kurz angezeichnet.
Insgesamt w├Ąre es gut, wenn du mehr erz├Ąhlen w├╝rdest, statt es durch Gedanken oder Zusammenfassungen darzustellen. Dadurch w├╝rde deine Geschichte lebendiger werden, Gesichter und Orte bekommen.

Gruss

Bluomo

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