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Leselupe.de > Humor und Satire
Das falsche Gesicht
Eingestellt am 28. 04. 2002 08:27


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Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

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Es war Samstagmorgen. Der Wecker klingelte um 6Uhr30 und ich war aus dem Bett und halb angezogen, bevor mir einfiel, da├č ich die ersten beiden Stunden frei hatte: M├Ądchenturnen.
<br />
Ich warf den Wecker aus dem Fenster und kroch zur├╝ck unter die Decken, wo ich nat├╝rlich nicht mehr einschlafen konnte. Nach einer halben Stunde des Herumw├Ąlzens gab ich auf und schlurfte ins Badezimmer, um meine Blase zu entleeren.
<br />
Doch was mu├čte ich entdecken, als ich am Badezimmerspiegel vorbeikam ? Jemand hatte mein Gesicht gestohlen und mir daf├╝r ein anderes dagelassen!
<br />
Es war ein durchschnittliches, unauff├Ąlliges Gesicht, nicht schlecht aussehend, aber mit den mir eigenen aristokratischen Z├╝gen nicht zu vergleichen.
<br />
Ich war schockiert. Mein altes Gesicht mu├čte wieder her!
<br />

<br />
Vollst├Ąndig angezogen wankte ich in die K├╝che, wo ich meinen Vater hinter einer Zeitung und vor einer Tasse Kaffee vorfand.
<br />
"Guten Morgen, Vater", sagte ich.
<br />
"Guten Morgen, junger Mann", erklang es von irgendwo aus der Zeitung.
<br />
"Vater, ich bin heute morgen mit dem falschen Gesicht aufgestanden", bemerkte ich.
<br />
Der Vater warf mir aus der Sicherheit seiner Zeitung einen kurzen Blick zu.
<br />
"In der Tat", sagte er. "Das bist du." Die Zeitung raschelte.
<br />
"Wo ist denn die Mutter ?"
<br />
Ich wu├čte, da├č es keinen Sinn hatte, weiter in den Vater zu dringen.
<br />
"Die Frau, welche dich geboren hat", antwortete die Zeitung leicht pikiert, "zieht es vor im Wohnzimmer zu fr├╝hst├╝cken. Sie sagt, von dort aus kann sie den Fernseher besser sehen."
<br />
Was sich leich nachvollziehen lie├č. Schlie├člich war der Stammplatz unseres Herrn Fernsehers schon seit Jahren im Wohnzimmer befindlich. Joschi, der Fernseher stand dort gem├╝tlich auf einer Kommode, direkt neben der Kiste von Pepi, dem Kater. Ich beschlo├č, die Mutter aufzusuchen.
<br />
Sie sa├č im Wohnzimmer vor dem Herrn Fernseher und einem Glas Orangensaft. Gl├╝cklich bi├č sie in einen gebutterten Toast.
<br />
"Guten Morgen", sagte ich.
<br />
"Guten Morgen", antwortete die Mutter. "Kennen wir uns?"
<br />
"Ich bins, dein Sohn, Mutter", kl├Ąrte ich sie auf. "Jemand hat ├╝ber Nacht mein Gesicht mit einem anderen vertauscht. Was soll ich denn jetzt machen? Ich kann doch so nicht in die Schule gehen."
<br />
Zu diesem Zeitpunkt wurden mir die Vorteile der ganzen Geschichte bewu├čt.
<br />
"H├Âr auf zu tanzen und zu jauchzen", sagte die Mutter. "Wir werden schon eine L├Âsung finden. Komm mit."
<br />
Sie stand auf, ging in die K├╝che, nahm meinem entsetzten Vater die Zeitung weg, fa├čte ihn fest ins Auge, deutete auf mich und sagte: "Unternimm gef├Ąlligst etwas."
<br />
"Du hast recht", antwortete der Vater. Er stand auf, hob seine Tasse und straffte die Gestalt. Es kam nicht viel dabei heraus und zu meinem Leidwesen mu├č ich gestehen, da├č ich seine Figur geerbt habe.
<br />
"Es kann nicht angehen", fuhr er fort, "da├č man meinem Sohn einfach das Gesicht entwendet. Ich werde mich beschweren."
<br />
Dann hob er die Tasse zum Salut, und leerte sie auf einen Zug.
<br />
In diesem Stadium sind wir noch heute.
<br />
Nun, nicht ganz.
<br />
Als ich n├Ąmlich zur Schule ging, traf ich den Kerl, der mein Gesicht gestohlen hatte. Ich erkannte ihn sofort, schlie├člich lief er mit meinem Gesicht herum.
<br />
"Wieso", fragte ich ihn und er verstand auf der Stelle.
<br />
"Ich war mein altes Gesicht leid", antwortete er. "Es ist so durchschnittlich und unauff├Ąllig. Recht gutaussehend zwar, aber nicht zu vergleichen mit deinen aristokratischen Z├╝gen."
<br />
Ich war versucht ihn zu schlagen, wollte mir aber nicht die eigene Visage verbeulen.
<br />
Er schlug mir eine Art Gottesurteil vor: Wir w├╝rden unsere beiden Gesichter in eine Schachtel legen und ich d├╝rfte danach eines davon blind ziehen. Dieses m├╝├čte ich dann wohl oder ├╝bel behalten.
<br />
"Fair ist fair", dachte ich und sagte zu.
<br />

<br />
Ich wei├č bis heute nicht, ob ich das richtige Gesicht gezogen habe (es ist n├Ąmlich gar nicht so leicht, *├╝berhaupt kein* Gesicht zu haben und trotzdem im Auge zu behalten, wer man eigentlich ist).
<br />
So kann es also sein, da├č *ich* hinten in der Klasse sitze und diesen Aufsatz schreibe ... oder jemand anders. F├╝r genau diesen Fall haben wir diesen Aufsatz n├Ąmlich vorbereitet.
<br />
Wie dem auch sei, Herr Lehrer: Bitte benoten Sie mich oder den anderen Kerl nicht zu streng, denn wir sind aus verst├Ąndlichen Gr├╝nden ein wenig verwirrt.
<br />
Vielen Dank
<br />

<br />

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Ja, so kann's gehn,

sehr interessante Geschichte, so recht aus dem wahren Leben,
aber nett geschrieben

Mit zwanzig Jahren hat jeder das Gesicht, dass Gott ihm gegeben hat, mit vierzig, das Gesicht, dass ihm das Leben gegeben hat und mit sechzig das Gesicht, dass er verdient.
(Albert Schweitzer)

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Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
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1989 mu├čte ich eine Schularbeitzu dem Thema "Heute morgen erwachte ich mit einem falschen Gesicht" schreiben. Mir fiel ├╝berhaupt nichts ein. Note: Nicht Gen├╝gend
Voriges Jahr setzte ich mich nochmal hin und schrieb, was Ihr hier vor Euch habt.

Aber ich kann auch anders. La├čt Euch ├╝berraschen.

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

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hallo,

dorian, nach einer so neten geschichte lassen wir uns gern von dir ├╝berraschen. aber sag mal, wie hast du - und vor allem wozu - die ganzen brs in den text gesetzt? fragend guckt
__________________
Old Icke

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Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

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Hallo!

Tja, das mit den brs war mehr oder weniger ein Unfall. Ich habe die Geschichte n├Ąmlich schon mal auf eine andere Hobbyschriftstellerseite gepostet, aber dort habe ich sie direkt ins Dialogfeld geschrieben. Als Word-Datei habe ich sie nicht mehr, daher habe ich sie direkt von dort kopiert und hier eingef├╝gt und das kam dabei raus. Wei├č auch nicht wieso.
Sollte also kein Stilmittel oder sowas sein. Hoffe es st├Ârt nicht zu sehr beim Lesen

LG

Dorian

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flammarion
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aha,

so war das mit den brs. jaja, jeder compi ist in wahrheit ein billigochi. lg
__________________
Old Icke

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Rolf-Peter Wille
???
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Bravo! Der Stil erinnert mich sehr an Gogol oder auch Kusenberg. Hast Du noch mehr solcher Geschichten?

Gruss,
RP

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