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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das große Scheitern
Eingestellt am 24. 02. 2004 08:12


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katia
???
Registriert: Jan 2004

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Der Plan war anfangs aufgegangen und das war schließlich das einzige, was wirklich zählt. Zumindest ein Teilerfolg.
Als sie diese kleinen und planlos vor sich hin vegetierenden Lebewesen im Abfall gefunden hatte, war sie spontan auf die Idee gekommen, ein solches Experiment durchzuführen.
Ohne Käfig, nur auf ein bestimmtes Territorium beschränkt, sollte diese zugegebenermaßen einmalige Spezies ihre Überlebensfähigkeit beweisen.
Sie ist allein im Raum und hat sehr viel Zeit. Sie ist unsterblich. Sie steht über den Dingen.
Das aus ihrer Sicht abrupte Ende jenes einmaligen Abenteuerspiels schien schon mehrmals unmittelbar bevor zu stehen, doch irgendwie rissen diese kleinen Tierchen das Ruder immer wieder herum und krochen in unerwartete Richtungen. Mit welcher Geschicklichkeit sie das taten, wie wendig sie doch waren – sehr erstaunlich!
Es gab selbstverständlich intelligentere Lebewesen. Doch in der Geschichte der Erde siegte eben nicht nur der Starke, sondern ganz besonders das Mittelmaß. Nur so konnte das Spiel funktionieren, so war es programmiert. Kakerlaken und Ratten waren das beste Beispiel als Beleg für diese These, denn über ein hervorstechendes intellektuelles Vermögen oder gar Gehirnmasse verfügten diese beiden Arten nun nicht gerade. Und doch hatten sie fast seit Anbeginn der Evolution überlebt.
Neugierig schaute sie auf das von ihr selbst geschaffene Testgebiet, dessen Entwicklung sie mit äußerster Akribie und größtmöglichem Aufwand betrieben hatte. Das kugelförmige Gebilde hing vor ihr in guter Gesellschaft mit ihren ersten Versuchen, die zwar nicht zum gewünschten Erfolg geführt hatten, aber dennoch nicht schlecht waren. Manche erwiesen sich im Nachhinein sogar als richtig nützlich.
Sie hatte von Anfang an vermutet, dass diese kleinen Tiere sich gegenseitig zerstören und gierig auf ihre eigene Vernichtung zusteuern würden. Dass diese Entwicklung jedoch derart schnell voranschritt, übertraf bei weitem ihre schlimmsten Befürchtungen. Nun ja, keiner ist perfekt. Sie konnte sich da nichts vorwerfen, denn sie war immer bemüht, ihnen so weit wie möglich entgegen zu kommen, ohne sich selbst ins Spiel zu bringen. Offenbar hatte sie erstmals auf der ganzen Linie versagt, was das betraf. Einerseits bedrückte sie diese Erkenntnis, andererseits handelte es sich bei alledem schließlich nur um ein Experiment und nichts weiter.
Vor gar nicht so langer Zeit hatte sie bereits den zweiten Warnschuss abgegeben, wobei sie nicht sicher gewesen war, ob sie sich nicht selbst damit schadete. Denn würden diese kleinen Parasiten, die alles anfraßen und mit ihrem Moder versahen, auch nur annähernd über das Maß an Intelligenz verfügen, wie es eigentlich geplant war, dann wären sie umgekehrt und hätten sich einen anderen Weg durch ihr Gehege gesucht – und ein gerüttelt Maß Spannung wäre dem Spiel abhanden gekommen.
Doch sie tappten in die Falle. Und bei allem, was sie taten, beriefen sich diese kleinen Erdlinge auf diese höhere Macht, die sie ihnen zwar geschenkt hatte – allerdings aus ganz anderen Gründen.
Und sogar die Sprache, für die sie allein in mühevoller Kleinarbeit das Werkzeug geschaffen hatte, nutzten einige der gefährlichsten Artgenossen jener eigentümlichen Spezies nicht zur Verständigung, sondern meistenteils als Waffe. Dabei verfügten doch die Winzlinge über irrwitzigste mechanische Tötungsmaschinerien und bauten mehr als genug davon, die sie immer dann ausprobierten, wenn sie ihr Parasitendasein bedroht sahen.
Ihr wurde zunehmend klarer, dass ihr das Experiment zu entgleiten drohte.
Die da unten auf der Erde begannen, einander anzufressen, drängten sich gegenseitig aus ihren kleinen Territorien und ihre Ausdünstungen zogen stinkende Furchen und Berge über die einst grün-blaue Erde, die von ihren zynischerweise auch noch als Mutter bezeichnet wurde.
Sie war hier oben ganz alleine und blickte hinab auf dieses kleine Kriegsspielprogramm, mit dem sie sich die Zeit vertrieb, indem sie den kleinen, mittlerweile vor sich hin siechenden Tierchen zusah. Dieses dritte große Aussterben, das von ihnen selbst verursacht worden war, konnte das Ende vom Spiel sein. Dann wäre sie wieder alleine und würde sich langweilen, wenn sie nicht... – nun ja.
Sie war stolz auf ihre Weitsicht. Vor gar nicht so langer Zeit hatte sie begonnen, ihr nächstes Experiment vorzubereiten. Doch bei diesem zweiten Versuch würde sie die Spielregeln abändern und die Rangfolge umkehren. Vielleicht würde es klappen, wenn das Chaos der Anfang sein würde und die Ordnung das Ende.

__________________
(kas)

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knychen
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aber plötzlich rief herr gott nach seiner tochter, sie verlor die lust an ihrem spiel, schaltete das licht aus, drehte die heizung ab und warf die tür ihres kinderzimmers wie immer etwas zu heftig ins schloß.
auf der erde wurde es dunkel und kalt und niemand konnte sich erklären, warum.
auf dem fensterbrett in unserem wohnzimmer steht eine flasche mit strandsand vom hiddenseer sandstrand, grün schimmerndem wasser, ein paar steinchen und einigen flocken undefinierbaren ursprungs.
das steht dort seit 1998 und wer weiß, vielleicht entsteht ein neues universum.
knychen
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kny

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