Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
317 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erotische Geschichten
Das grüne Fenster
Eingestellt am 15. 04. 2004 12:24


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

************************************************************
Das grüne Fenster

oder

Ich male dir ein Bild aus Worten


************************************************************


Nachtschatten durchziehen das Zimmer und formen aus meiner Bettdecke weiche Berge und Täler. Der Mond wirft seinen milchigen Schein auf mein Laken und langsam drifte ich ins Nimmerland hinüber.
Ich erwache auf der anderen Seite vor einem Fenster. Der Rahmen ist grün, wie die Mauer, die es umgibt. Seine Scheiben schimmern perlmutt. Da ich nicht hindurch sehen kann, öffne ich es langsam. Geräusche wie von einem Fest fliegen mir entgegen, hinein in meine stille Welt vor dem Fenster, wo ich atemlos vor Spannung stehe.
Der Ausblick führt in einen großen runden Saal. Durch sieben kreisförmige Öffnungen in der weit geschwungenen Kuppel fallen goldene Lichtsäulen auf den Marmorboden. An den Wänden liegen die Gäste auf üppigen Polstern. Düfte von Sandelholz und Moschus durchziehen schwer und sinnlich die Luft.




Wie durch Zauberhand legt sich Stille über die Szenerie, als eine Tänzerin mit schwebenden Schritten in die Mitte der Halle tritt. Sie ist nackt. Ihre geölte Haut schimmert bronzefarben. Eine Musik beginnt, nur für sie gespielt, aus Trommel und Sitar. Am Rande steht ein Schwarzer, der eine Peitsche zum Takt knallen lässt. Mit langsamen, fließenden Bewegungen beginnt sie ihren Tanz mit einem Schleier – dünn wie Spinnweben.
Ihre Arme winden sich, schlangenhaft durch den Raum gesandt, so als verberge sich hinter dieser Langsamkeit eine heimliche Kraft. Ihre Hüften kreisen wie ein Versprechen. Das luftige Tuch wickelt sich wie von selbst um ihren Körper, ihre Arme, ihren Hals und zwischen die Schenkel, nur um sich wieder zu lösen oder einen anderen Teil, wie ein Strom aus Nebel, zu verhüllen. Der Schleier wird zu einem lebenden Wesen mit eigenem Willen. Sie tanzt für sich allein – als sähe sie keinen von den Gästen, die mit lippenleckendem Begehren in den Augen vorgebeugt auf den Polstern liegen.
Der Rhythmus wird schneller. Sie wiegt sich in Ekstase, lässt sich geschmeidig auf den Boden gleiten wie eine Raubkatze, um in Wellen den Schleiertanz bis zur Vollendung zu führen. Fließende Hände, Beine, Schleier berühren einander und werden eine einzige Bewegung. Ein Tropfen Schweiß nimmt seinen Weg vom Hals über die Brust zum Boden. Der Rausch findet seinen Höhepunkt und erstirbt. Sie liegt erschöpft am Boden. Als die Musik abbricht ist die Stille greifbar wie Masse.
Ich höre noch ein Ausatmen, so als hätte jemand die ganze Zeit über die Luft angehalten. Ich staune – es ist mein Atem – und schlage mit klopfendem Herzen die Augen auf und sehe den Mond auf meinem Laken.

************************************************************

__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Aceta
???
Registriert: Apr 2002

Werke: 122
Kommentare: 715
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Aceta eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Großartig!

Großartig !

Du spielst auf den Saiten der Phantasie, verlierst keine pornographische Unzweideutigkeit! Es zu lesen hat mit verdammt gut gefallen ... so wünsche ich mir "erotische Literatur"!
Bitte weiter so!
*lächel*

Aceta

__________________
mit dem Herzen sehen ... (der kleine Prinz)

Bearbeiten/Löschen    


Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An freifrau von löwe

Du wolltest ein Bild aus Worten malen. Das hast du auch getan.
Dein Pinselstrich ist noch unsicher, aber die Farben leuchten schon und lassen erkennen, was durch Übung und Beharrlichkeit daraus werden könnte.

Dein Text hat mich angeregt, wenn auch nicht erotisch. Ich las und war mehr von der Sprache angetan, denn vom Inhalt selbst. Ich konnte den Schleiertanz sehen und die Bilder, die du mit Worten zeichnest, schoben sich mühelos über die Schablone eines Schleiertanzes in meinem Kopf.

Der Eingangssatz ist schön und ließ mich verweilen. Die weichen Berge und Täler der Bettdecke regten meine Fantasie an. Ich hielt inne im Lesen und spürte dem Bild nach. Ja, so kenne ich es auch. Wenn ich nachts wach liege, und durch das immer offene Fenster diffuses Licht von draussen einfallen kann...

Der zweite Satz riss mich wieder raus. Er ist klischeebehaftet.

Der Vollmond wirft seinen milchigen Schein auf mein Laken und langsam drifte ich ins Nimmerland hinüber.

Um dir zu veranschaulichen, was ich meine, hier ein Vorschlag:

Mond wirft seinen milchigen Schein auf mein Laken und ich drifte nach und nach ins Nimmerland hinüber.

Erklärung dazu: Im ersten Satz verwendest du doch auch Nachtschatten anstatt „Die Nachtschatten“.
Und natürlich kann es Vollmond gewesen sein, aber da grüßt zu sehr das Klischee. Also würde ich es lieber weglassen und nur Mond schreiben. Und dann habe ich noch das „langsam“ ersetzt, weil es im nachfolgenden Text gehäuft auftritt.

Ich liefere gleich die anderen Häufungen nach. Neben „langsam“ wäre da noch der Vergleich „wie“.

Ihre Hüften kreisen wie ein Versprechen.
Sie tanzt wie für sich allein
Sie wiegt sich wie in Ekstase,


An sich sind diese Vergleiche nicht verkehrt. Aber in diesem Fall schmälern sie das Erleben. Denn ich verfolge die Bewegungen der Tänzerin, so wie du sie beschreibst und ich erwarte von ihr, dass sie in der Tat für sich allein tanzt, und auch wirklich in Ekstase verfällt und nicht nur so tut als ob.
Dein Vergleich aber läßt mich an Vortäuschung der Ekstase denken. Und das bringt mich auch wieder aus meiner reverie.

Bitte noch das Wort „überraschenderweise“ streichen. Ist viel zu nüchtern in diesem ansonsten poetischen Text.

Das luftige Tuch wickelt sich wie von selbst um ihren Körper, ihre Arme, ihren Hals und zwischen die Schenkel, nur um sich überraschenderweise wieder zu lösen oder einen anderen Teil, wie ein Strom aus Nebel, zu verhüllen.

Der Strom aus Nebel ist ein schönes Bild und könnte auch in einem Satz an sich stehen. Als Nebensatz geht er ein wenig unter.

Ich hoffe nun, dass ich nicht zuviel seziert habe. Denn ich habe den Traum gern gelesen und mit Freude.

Lotte Werther

Bearbeiten/Löschen    


freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
ich wußte es.... (mein sechser :-)

liebe lotte,

hab vielen dank für deinen kommentar - er ist ebenso willkommen, wie geschätzt, denn lernen ist ja der grund, aus dem ich texte hier rein stelle - nicht wahr?

mit dem, was du schreibst, kann ich etwas anfangen - wunderbar! ich verstehe alles, was du beschrieben hast gut, und werde es dementsprechend ändern (und das mir, die kritik kritisch gegenüber steht, weil sie oft zu sehr subjektiv ist).

es freut mich, dass du freude beim lesen hattest. ich fühle selber noch das ungefähre, das herantasten an etwas, das noch zu ungenaue. ich denke auber auch, es wird schon werden.

über den erotischen inhalt kann man sich streiten, was der eine erotisch findet, ist es für den anderen noch lange nicht - dem einen ist es zu vage, dem anderen passt es genau (siehe aceta).

nochmals lieben dank an dich.


__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen    


freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

liebe aceta,

freut mich, dass es dir gefallen hat. auch an dich ein danke für deinen kommentar.

wie schon bei lotte angesprochen, sind die geschmäcker da ja sehr verschieden. umso mehr schön, dass es deinen traf.

liebe grüße

__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen    


freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

liebe lotte,

ich habe - deinem vorschlag gemäß einige "wie"s gelöscht und den VOLLmond. auch das "überraschenderweise" ist eliminiert.

Nur eins habe ich gelassen:

die hüften kreisen in der tat WIE ein versprechen. wenn ich schreibe: die hüften sind ein versprechen fehlt mir was. die linie ist mir zu gerade.

hab dank nochmals für die mühe.


__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Erotische Geschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!