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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Das karierte Reh
Eingestellt am 04. 12. 2011 14:14


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Arno Abendschön
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Registriert: Aug 2010

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Juni 1994. Abendschön macht Urlaub an der Spree - nicht in Berlin, sondern an ihrem Oberlauf. Taubenheim liegt nicht weit von der Quelle im Lausitzer Bergland. Die Spree ist ein schmaler Bach, das Dorf klein, das Essen schmackhaft-deftig, schon ein wenig böhmisch. Es böhmelt ĂŒberhaupt in der Gegend. Bautzen, Zittau, Görlitz - schöne, alte StĂ€dte, so gesĂ€ttigt von ferner Geschichte, dass sie einem fast fremdartig erscheinen. Man ahnt, was das einmal war: Ostmitteleuropa.

Schon damals rumorte es in den Zeitungen, im Regionalprogramm des Fernsehens. Die Leute waren besorgt wegen der hĂ€ufigen EinbrĂŒche. Die TĂ€ter kamen meistens ĂŒber die grĂŒne Grenze. Auch der Menschenschmuggel blĂŒhte schon. Etwas spĂ€ter wurden Zittauer Taxifahrer, die am Transport ab Grenze gut verdient hatten, zu Haftstrafen verurteilt.

Ich hatte einen Ferienbungalow am Ortsrand gemietet. Er war aus der FDGB-Konkursmasse an die Gemeinde gefallen und von ihr etwas aufpoliert worden. Es ließen sich da bei Tag lĂ€ndlich heitere Stunden verbringen - doch meistens kam ich erst am Abend zurĂŒck, wenn die bewaldeten Grenzberge sich mehr und mehr verschatteten. Dann nahm die Schwermut zu, die fĂŒr mich dort immer zu spĂŒren war. Die Melancholie der Landschaft benötigte nur noch einen Anlass, um konkrete Angst auszulösen.

Die Jalousie neben meinem Bett war defekt. Ich konnte durch ihre breit klaffenden LĂŒcken in die schwĂ€rzliche Nacht hinausstarren. Wer draußen vielleicht vorbeiging, wĂŒrde mich daliegen sehen: Arno allein zu Haus. Schlich nicht gerade einer um den Bungalow? Da war ein scharrendes GerĂ€usch, wie von festem Schuhwerk auf Betonboden, wie schlurfende Schritte. Der Bungalow stand auf einer vorkragenden Betonplatte. Zweifellos trieb sich da jemand herum. Ich schlief dennoch ein, trĂ€umte unruhig.

Am folgenden Abend identifizierte ich das GerĂ€usch. Die Nachbardatsche war in privater Hand. Ihre Besitzer wohnten in der NĂ€he und verbrachten den grĂ¶ĂŸten Teil des Tages hier draußen. Wenn sie abends heimgingen, ketteten sie den Hund am Bungalow an. Er schleifte nachts die Kette ĂŒber den Steinfußboden, er verrĂŒckte seinen Blechnapf auf dem Beton. Kein Grund zur Beunruhigung.

Am letzten Tag ging ich noch einmal hinauf in die Grenzberge. Reisepass und gesamtes restliches Bargeld hatte ich auch jetzt dabei, aus Furcht vor Einbrechern. Dann stand ich auf einer Felsenkanzel und sah ĂŒber den steil abfallenden Wald in die Ferne. Die jungen Fichten unter mir waren kaum anderthalb Meter hoch. Auf einmal musste ich niesen und unmittelbar darauf hörte ich da unten etwas hopsen oder plumpsen. Ganz kurz gewahrte ich verschwommen eine Silhouette am unteren Rand meines Gesichtsfeldes. Es musste ein SĂ€ugetier sein. Ich entschied mich fĂŒr ein Reh.

Es war dann wieder still. Plötzlich huschte mein Reh ĂŒber eine kleine LĂŒcke im Baumbestand, bemĂŒht, rasch wieder Deckung zu gewinnen. Das Reh trug ein kariertes Oberhemd, mehr konnte ich nicht erkennen. Ich machte, dass ich schnell und möglichst gerĂ€uschlos aus dem Wald herauskam. Heute glaube ich, keiner von uns beiden war damals neugierig auf den anderen, den Fremden.



Version vom 04. 12. 2011 14:14

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Arno,

ein sehr netter Stimmungsbericht! Drei Kleinigkeiten:

quote:
Der Bungalow stand ja auf einer vorkragenden Betonplatte. Zweifellos trieb sich da jemand herum.

quote:
Ich konnte durch ihre breit klaffenden LĂŒcken in die schwĂ€rzliche Nacht hinausstarren. Wer draußen vielleicht vorbeiging, konnte mich daliegen sehen:
Statt konnte wĂŒrde ich wĂŒrde schreiben, wegen Wiederholung.

quote:
Der Bungalow stand ja auf einer vorkragenden Betonplatte

LG Uwe

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Arno Abendschön
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Danke, Uwe, fĂŒr die beiden einleuchtenden Tipps - einen dritten habe ich allerdings nicht gefunden. Was du zu Recht bemĂ€ngelst, sind Unsauberkeiten von der Art, die auszumerzen ich mich immer bemĂŒhe und fĂŒr die ich manchmal doch blind bin. Beide Stellen habe ich jetzt korrigiert.

LG Arno

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Sorry Arno, der eine war doppelt vermerkt! Ich habe zum ersten Mal hinbekommen, wie das mit Quote funktioniert und da wohl versehentlich ĂŒbereifert.

LG Uwe

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