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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern
Eingestellt am 13. 12. 2014 18:03


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Jo Phantasie
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Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern


Titeltext: Hans Christian Andersen; 1854

Das erste Weiß in diesem Jahr!
Nun, es sind keine richtigen Flocken, sie bleiben auch nicht lange liegen, aber es sieht zumindest in der Luft nach richtigem Schnee aus. Als verkappter Romantiker würde ich auch niemals den desillusionierenden Begriff „Schneematsch“ verwenden. Ich stehe dazu, gegen den dunklen Nachthimmel sieht dieses weiße Herunterrieseln einfach schön aus und ich möchte eigentlich nur ein wenig diese neue Atmosphäre genießen. Außerdem gibt es ab heute nur drei Blocks weiter einen kleinen Weihnachtsmarkt. Das ist nicht der große in der Innenstadt, den ich in den vergangenen Jahren immer gemieden habe, weil ich dieses Gedränge und Geschiebe absolut nicht mag, es ist „unser“ Weihnachtsmarkt. Hier hatten nämlich einige Elternvertreter und lokale Vereine die Genehmigung erhalten, ein paar Stände aufzubauen. Die Zeitung hatte davon in einem ganz kleinen Artikel berichtet: Er soll drei Tage dauern und beginnt genau heute. Diese Eigeninitiative in meinem Viertel finde ich recht lobenswert und werde sie daher durch die Abnahme von ein bis zwei Tassen Glühwein gerne unterstützen. Der ist sowieso am besten zu genießen, wenn damit noch ein paar Schneeflocken eingefangen werden können.

Aber besser doch die Kapuze aufsetzen, nasse Haare und der leichte Wind, das ist keine gute Kombination. Deshalb wird es wahrscheinlich auch nicht so einen Riesenandrang auf dem Miniweihnachtsmarkt geben, ein weiterer Vorteil.
Etwa acht Stände lassen einen kleinen Platz in der Mitte frei, über den bei diesem Wetter aber auch kaum jemand läuft. Aber zumindest die drei Stände mit den heißen Getränken sind gut besucht. Die haben auch ein kleines Vordach und man steht trocken. Gelächter, Gerede, Anstoßen, kleine und große Gruppen, das wird mir jetzt schon fast wieder zu viel, ich wollte doch nur Atmosphäre tanken. Die Glühweintasse hält warm, zumindest die Hände. Der Weihnachtsmarkt ist tatsächlich sehr übersichtlich: An einem Stand verkaufen sie selbst gebastelte Krippen, toll! Dort hinten gibt es Zimtwaffeln und drüben kann man auf einem Esel reiten. Wunderbar, tatsächlich ist für alles gesorgt, was ich heute Abend so brauche. Der Glühwein ist auch nicht schlecht, anscheinend selbst angesetzt und nicht zu süß. Am zweiten Stand riecht der sogar noch besser und lässt sich optional mit einem Schuss Amaretto verfeinern.
Stimmung, Atmosphäre, so langsam wird das was.

Die hatte ich ja noch gar nicht gesehen. Keine Bude, sie hat nur einen Minitisch aufgestellt, ohne Dach, ohne Regenschutz. Interessant, das nenne ich mal Initiative! Die Tasse mit dem Glühwein kann man sich auch an die Wange halten, wärmt dann das Gesicht und ich rieche tatsächlich das leichte Vanillearoma und etwas Zimt. Es ist auch ein Stand mit wenig Andrang, praktisch null Publikum, denn ich bin hier im Moment der einzige Interessent. Die Kleine bedrängelt mich auch nicht groß, steht einfach nur hinter ihrem Minitisch und sieht mich an. Moment mal, hat die nichts an den Füßen? Glühwein, so stark ist der doch wohl nicht? Hübsches Gesicht! Sie wird so Anfang zwanzig sein, etwas klein, dafür aber mit einer tollen Figur. Es scheint auch alles Wesentliche vorhanden zu sein, so wie sich das da unter ihrem Minikleid abzeichnet.
Schluck ...!
Weißes Minikleid? Keine Jacke, keine Schuhe? Also Tom, noch einmal umdrehen, fünf Schritte zurück und ganz vorsichtig wieder an ihren Stand: „Frieren Sie nicht? Sie haben wohl vergessen, sich etwas überzuziehen!“

Sie strahlt mich an. Das schönste Anlächeln, das ich jemals gesehen habe. Nicht so, wie die Verkäuferin gelacht hat, als ich bei Mempe nach dem Preis für die Rolex gefragt habe. Auch nicht so, wie die von der Brottheke, bei der ich oft morgens die Brötchen hole und mich dann per Handschlag bedanke, weil die noch warm sind. Nein, das hier ist offen, ehrlich, und das Wichtigste, es kommt aus einem überirdisch hübschen Gesicht: „Ja, es ist schon etwas kalt und ich friere auch ein wenig. Aber ich kann hier erst weg, wenn ich etwas verkauft habe!“

Kaum kann ich mich von ihrem Gesicht losreißen, lasse meinen Blick über ihr tiefes Dekolleté, das fast bis zu dem Verkaufstisch hinunter reicht, auf das Warenangebot fallen. Ein einzelnes Kästchen, hübsch von der Größe und der Farbe. „Was verkaufen Sie denn so?“, nun, ich vermute stark, das wird nichts für mich sein. Aber wenn sie hier erst wegkommt, wenn der Tisch leer ist, dann hat sie ein Problem.
„Schwefelhölzer, ich verkaufe hier Schwefelhölzer!“, dabei umfasst sie sich selbst mit den Armen und wiegt sich dabei etwas hin und her. Das sieht unheimlich erotisch aus und ich habe schon wieder vergessen, was sie gesagt hat. Nur das eine Wort habe ich noch behalten, kann auch bei meiner Frage den Blick nicht von ihrem Gesicht abwenden: „Toll, Schwefelhölzchen! Was macht man denn so mit diesen ... Schwefeldingern?“
Das habe ich auch nur so provozierend gefragt, um sie noch einmal lächeln zu sehen, denn jeder weiß doch, was man so mit diesen Hölzchen macht.
„Sie wollen mich jetzt necken, oder? Jeder weiß doch, was man mit Schwefelhölzern macht!“, schmollt sie. Diese Lippen dabei, denen möchte ich ...
Fassungslos gelingt mir nur ein leichtes Kopfschütteln und ich beuge mich erwartungsvoll zu ihr herüber, so, als wenn ich jetzt ein großes Geheimnis erwarten würde, das nur ganz leise ausgesprochen werden darf.
„Weil du es bist, verrate ich es auch!“, sie beugt sich mir tatsächlich weit entgegen und, unfassbar, ich sehe von oben in ihren Ausschnitt, vorbei an diesen zwei wundervoll geformten Rundungen, bis auf ihre nackten Füße. Fehlt da nicht noch etwas? Das glaube ich jetzt nicht, sollte sie tatsächlich außer dem weißen Minikleid mit dem tiefen Ausschnitt nichts weiter anhaben?
„Diese Schwefelhölzer, man zündet sie an!“, ihre Stimme wie im Nebel, die Glühweintasse kalt, mein Kopf heiß.

Schwefelhölzchen zündet man an! Na klar, was sonst? Aber dann heißen die Streichhölzer und die gibt es heute auch schon fast nicht mehr. Natürlich, zum Kaminanzünden, diese größeren Hölzer sind das. Aber die als Hauptprodukt auf dem sonst so leeren Tisch anbieten? Eine Schachtel? Mädel, das wird heute nichts mit dem Riesenumsatz: „Ich möchte diese Schachtel mit den wunderschönen Schwefelhölzchen kaufen!“
„Man kann keine ganze Schachtel kaufen, die Hölzer gebe ich nur einzeln ab!“, kommt nun etwas betroffen. Nicht weinen, bitte lach doch wieder! Einzeln ab? Schwefelhölzchen? Das weiß doch jeder! Logo, in allen Baumärkten und sowieso weltweit kann man diese kostbaren Dinger nur einzeln kaufen. Die werden ja auch so was von rationiert. Jetzt will sie mich veräppeln, oder?

„Und was macht man dann so, ich meine, mit einem einzigen von diesen wertvollen Schwefelhölzchen?“, sie soll sich doch nur noch einmal vorbeugen, bitte!
„Wie ich schon sagte, man zündet sie an!“, wieder dieser erotische Schmollmund. Um sie zum Vorbeugen zu bringen, muss ich wohl noch einmal den verschwörerischen leisen Tonfall einschlagen: „Und wenn man es dann angezündet hat, was dann?“ Jetzt, jetzt ist es wieder soweit, ich sehe hindurch bis auf ihre nackten Füße. „Dann wünscht man sich etwas!“, ihr Atem riecht etwas nach Vanille und auch nach Zimt, herrlich, genau wie dieser Amarettoglühwein.





Was hatte sie gesagt?
„Ich möchte dringend eines von diesen tollen Schwefelhölzchen kaufen und anzünden. Hilfst du mir dabei?“, wenn die mich hier aufziehen will, da kann ich mithalten. Aber nein, sie meint es ernst: „Hier bitte, jetzt kannst du es anzünden!“ Hilflos suche ich an der Schachtel nach dieser Reibkante, an der man das zumindest mit den Streichhölzern so macht. Jetzt ist sie es, die mich irritiert ansieht: „Man muss es an etwas reiben, das mit dem Wunsch zu tun hat. Du weißt ja wohl gar nichts, oder?“
Nein, das wusste ich tatsächlich nicht. Aber dafür kenne ich jetzt meinen Wunsch: „Na, dann gib mir mal deine Hand!“

Vanillearoma, ich rieche es, so intensiv, versetzt mit Mandeln und Aprikose.
Schöön, waarm, weiich ...!
Wieso liege ich in meinem Bett? Wieso bin ich nackt und wer liegt da neben mir?
„Ein guter Wunsch war das! Ich habe tatsächlich ein wenig gefroren und hätte mir dann selbst eines von den Hölzchen anstecken müssen. Aber du hast mich zu dir geholt, mein Prinz, mein Erretter, mein Held, mein, mein ...!“, ihre heißen Küsse bedecken mein Gesicht, meine Lippen.
Ihre Hände, was macht sie denn da mit ihren Händen?
„So dumm, wie du dich immer anstellst, weiß du sicherlich auch nicht, dass man mit seinem Wunsch alles anstellen darf, was man möchte. Alles, einfach alles!“

Zuerst werden meine Ohren heiß, dann der ganze Kopf und jetzt der Rest bis hin zu dem, zu dem ...
Alles ..., was für ein wunderschönes Wort!

ʘ

„Hat jemand das Mädchen mit den Schwefelhölzchen gesehen?“, einige hören gar nicht hin, andere sehen mich nur kopfschüttelnd an. „Der Stand mit den Weihnachtskrippen ist dort rechts!“, eine ältere Dame, sie nimmt mich jedenfalls ernst. „Nein, ich meine das Mädchen in dem weißen Kleid und mit dem kleinen Tisch. War die heute schon hier?“, meine Stimme klingt anders als sonst und ich muss mich zusammenreißen, um nicht wieder in diesen leicht hysterischen Ton zu verfallen.

Mein Aufwachen heute Morgen hatte noch sehr angenehm begonnen, zu dem Zeitpunkt, als ich noch nichts vermisste, in keinerlei Hinsicht ...

„Stay with me ...!“, so romantisch, was der Radiowecker da von sich gibt. Zuhören, ausklingen lassen. Bei diesem Song kann man mit geschlossenen Augen auch noch etwas länger liegen bleiben.
War da noch etwas?
Vanille, Zimt? Hmm ..., so schön!
Schwefelhölzchen ...
Wieso Schwefelhölzchen? Was? Wo ist sie? Was ist passiert?

Natürlich liege ich alleine in meinem Bett, alleine und ratlos. Tom, du Idiot, hast du wirklich geglaubt, du würdest ein armes frierendes Mädchen nachts in dein Bett beamen und es dann auch noch mit ihr treiben können? Ja, kaum ist Johanna jetzt mal drei Tage nicht für dich da, schon verfällst du in diese schwülstigsten Träume. Kalt duschen soll da helfen! Klar, Johanna fehlt mir schon etwas, aber diese drei Tage, die werde ich schon noch aushalten. Aber ihr IT-Crashkurs, 200 Kilometer entfernt im nördlichen Niemandsland, das volle Programm, 12 Stunden am Tag mit anschließender Prüfung, der ist bestimmt richtig hart. Johanna nimmt die Sache so ernst, dass sie sich keinerlei Ablenkung durch schmachtende Anrufe erbeten hat. Bei diesem Vergleich gibt es für mich nicht den geringsten Grund, trübsinnig oder gar psychopathisch zu werden.

Gedanken sind etwas, denen man nicht vorschreiben kann, in welche Richtung sie sich bewegen. Die Büroarbeit wird zu einer einzigen Katastrophe. Die Konzentration ist hin. Der PC dient ausschließlich der Recherche nach diesen verflixten Schwefelhölzchen, die es eigentlich gar nicht gibt. Nur Karla aus dem Archiv kann da noch helfen. „Tom, ich liebe deine grenzenlosen Fantasien über alles!“, dabei lacht sie so ehrlich, dass ich ihr einfach zuhören muss: „Eine hübsche junge Frau mit Wunschhölzchen, die sie in dein Bett bringen? Na, na, du alter Schwerenöter! Aber mir gefällt die Idee.“
Sie glaubt mir genauso wenig, wie ich mir selbst.
Es nützt nichts, ich muss ununterbrochen an das Mädchen denken. Dann war da ja auch noch dieses „Alles“. Habe ich wirklich alles mit ihr gemacht?
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern.
Den Büroalltag erlebe ich wie hinter einer Nebelwand, meine Gedanken drehen langsame Kreise, große Runden in Zeitlupe mit Sicht von oben auf einen kleinen Weihnachtsmarkt. Tom, was bist du nur für ein Träumer, ein verlorener Tagträumer!

Ich bin viel zu früh da. Niemand kann sich erinnern, keiner hat ein Mädchen mit einem kleinen Stand gesehen. Schwefelhölzchen, nein, so etwas gäbe es hier nicht zu kaufen! Mein einziger Trost bleibt der Glühwein, der gute, der mit Amaretto, der so herrlich nach Vanille und Zimt duftet. Wenn ich meine Nase ganz dicht an die Tasse halte, dann ist da noch mehr: Mandeln und Aprikose.
Alles ..., das habe ich wohl verpasst.

Der Glühwein ist lobenswert, besonders jetzt der dritte, mit dem in der Hand ich hier meine letzte Runde drehen werde. Kein Schnee, nur etwas Nieselregen. Das ist nicht so angenehm und es verwundert nicht, dass sich alle Besucher nur unter den Vordächern der Stände verkriechen. Der Platz wirkt auch ein wenig verlassen, genauso, wie meine momentane Stimmung.

Nur aus den Augenwinkeln ist es zu erkennen, dieses unscheinbare weiße Aufblitzen. Ich renne, stehe vor ihr. Ein kosmisches Strahlen in ihren Augen begrüßt mich und sie hält mir etwas entgegen: „Da bist du ja endlich! Ich habe schon den ganzen Abend auf dich gewartet.“

Alles! Jetzt weiß ich es wieder! Ich darf es nur nicht vergessen ...

ʘ

„Stay with me ...!“, so romantisch, was der Radiowecker da von sich gibt. Zuhören, ausklingen lassen. Bei diesem Song kann man mit geschlossenen Augen auch noch etwas länger liegen bleiben.
War da noch etwas?
Vanille, Zimt? Hmm ..., so schön!
Aber gab es das nicht schon einmal? Irgendwie kommt mir das so vertraut vor.
Was? Wo ist sie?

Und täglich grüßt das Murmeltier, ja, so muss es sein! Ich bin in einer Zeitschleife gefangen, werde da nie wieder herauskommen, bis ich ein guter Mensch geworden bin! Und Tom, das weiß du genau, das wirst du niemals schaffen. Den Rest deines Lebens wirst du ausschließlich im Büro und abends auf dem Weihnachtsmarkt verbringen, solange, bis du endlich dieses „Alles“ verstanden hast.
100 Jahre, die werden da nicht reichen!
Keine Zeitschleife, ich sinke auf meine Knie, es ist schon Freitag! Der Regen hat auch aufgehört und ein paar Sonnenstrahlen kämpfen sich tapfer durch die Nebelsuppe.

„Karla, weiß du, dass heute Nacht dieses Mädchen mit den Schwefelhölzchen wieder in meinem Bett gelegen hat?“, Karla ist die Einzige, bei der ich mich traue, davon zu erzählen. Bei allen anderen würde das in einem Fiasko enden, Riesengelächter, ich wäre ja so was von erledigt. Aber Karla wird mir schon glauben! „Tom, du bist einfach ein unverbesserlicher Träumer! Aber das sollst du auch bleiben. Menschen wie dich muss es einfach geben, sonst wäre es doch auf dieser Erde nicht zum Aushalten!“, der Mut, den sie mir zusprechen möchte, ich verstehe einfach nicht, warum der nötig sein soll?

Warum ist sie nur wieder verschwunden? Dass es ein Traum war, daran glaube ich jetzt nicht mehr. Zu real waren die tausend Eindrücke. Das Bett war auch völlig zerwühlt und heute Morgen hatte es außer nach Vanille und Zimt auch noch nach heißem Sex gerochen. Ganz genau kann ich mich auch noch an ihr: „Anscheinend hast du immer noch nicht verstanden, dass man mit seinem Wunsch alles anstellen kann, was man möchte.
Alles, einfach alles!“
Dieses „Alles“ hatte überaus provokativ geklungen, so wie eine Aufforderung, endlich etwas völlig anderes zu versuchen!
Und er hatte sich ins Zeug gelegt! Alle Variationen, die er kannte. Dann auch Neues ausprobiert, endlos umschlungen und vereint, getrennt und in allen anderen denkbaren und undenkbaren Positionen. Sie hatten beide gestöhnt, geschrien, geschwitzt und waren mehrmals vor Erschöpfung eingeschlafen, um nach einigen Minuten der Erholung erneut zu starten. Trotzdem war sie irgendwann einfach verschwunden, wie ein nie da gewesener Traum.
Es ist keine Zeitschleife, es ist viel mehr.

Er hatte einfach dieses „Alles“ noch nicht verstanden.

Es würde solange weitergehen, bis er genau das herausgefunden hatte. Kamasutra, 433 Stellungen? Nein, so etwas in der Art konnte sie nicht gemeint haben. Lexikon der Liebestechniken ..., sehr interessant. Tatsächlich befand er sich mit seinem Kenntnistand ganz im unteren Bereich. Aber das konnte es auch nicht sein, dafür hatte ihr Körper zu viel von diesen metaphysischen Vibrationen ausgestrahlt. Karla, die kennt sich gut mit Menschen aus, die wird schon wissen, um was es geht: „Karla, was weiß du so über die Liebe. Was kann es bedeuten, wenn du jemandem ‚Alles‘ geben sollst?“

„Tom, das ist eine sehr schwere Frage. Früher einmal habe ich es gewusst, aber das ist jetzt lange her, viel zu lange. Man kann das auch nicht erklären, man fühlt es dann einfach, wenn man sich in ganz in den Partner hineinversetzt. Dann erlebt man es. Man ist dann so verbunden, so eng umschlungen, dass beide Körper eins werden. Körper und Seele, die verschmelzen dann!“, gedankenverloren und mit einer Träne im Auge steht sie jetzt da. Ich wollte ihr nicht wehtun und muss sie schnell ablenken: „Ja und wie geht das dann, dieses Verschmelzen? Was muss man da genau für machen?“
„Finde es heraus, Tom! Finde es einfach selbst heraus ...!“, in ihrem anderen Auge sehe ich jetzt auch eine Träne.

Na toll, diese Antwort wird mir sicherlich unendlich viele Weihnachtsmärkte mit leerem Bett am nächsten Morgen bescheren! Tom, für dieses „Verschmelzen“, dafür bist du einfach nicht geeignet. Du bist ein Wüstling, ein Rohling, ein sexbesessener Frauenmissbraucher, einer, der das Mädchen mit den Schwefelhölzchen niemals verdient hat, das bist du!

Den Glühwein trinke ich eigentlich nur, weil ich noch einen Rest Hoffnung hege, dass er bei der Lösung für dieses „Alles“ behilflich sein könnte. Und natürlich dieses Aroma, Vanille, Zimt, ...
Sie hatte es auch an sich, diesen Duft, die ganze Nacht. An ihrem Hals, ihren Brüsten, den Schenkeln, sogar an ihren Füßen, von denen ich überhaupt nicht verstehen kann, wieso diese so unendlich weich und zart sein konnten, hatte sie damit doch wieder barfuß im kalten Regen gestanden.

Aber das mit dem Geruch musste Einbildung sein. Ich hatte gelesen, dass manche Düfte stundenlang an den Rezeptoren hängen bleiben und so nachwirken. Tagträumer! Trotzdem, ich werde jetzt so lange meine Nase in diese Glühweintasse hineinhalten, bis dieses weiße Aufblitzen an der Ecke wieder erscheint. Ich werde warten, bis sie mir wieder dieses eine Zeichen gibt, das mir dann erlauben wird, neue Wege zu gehen und meine eigene Lösung für dieses „Alles“ zu finden. Auch wenn es jetzt schon sehr spät ist, der Stand mit den Weihnachtskrippen hat schon das Licht ausgeschaltet, ich bin absolut zuversichtlich, dass sie schon die ganze Zeit auf mich wartet.
Irgendwo hier auf dem kleinen Weihnachtsmarkt, frierend und mit meinem Schwefelhölzchen in der Hand, so steht sie bereits da ...

ʘ

„Endlich wieder ausschlafen können! Tom, du kannst dir nicht vorstellen, wie aufreibend die letzten drei Tage waren. Aber jetzt ist Wochenende, juchhu! Kurs bestanden! Als eine der Besten, juchhu! Aber stressig ohne Ende war es. Nur auf den Bahnfahrten zu dir konnte ich etwas Schlaf mitnehmen, mein Schatz. Alleine im Hotel hätte ich es auch niemals ausgehalten. Die ganze Nacht hätte ich dann nur daran gedacht, wie schön es wäre, neben dir zu liegen, so warm und so angeschmiegt. Da habe ich dann doch lieber gleich die Bahn genommen. Wie ein Murmeltier hast du immer schon geschlafen. Aber dann, wenn ich mich an dich gekuschelt habe, mir war ja immer sooo kalt, dann ist es was geworden! Schade, dass ich immer schon um vier wieder weg musste. Aber auch diese kurze Zeit hat sich total gelohnt. Tom, ich wusste gar nicht, wie erfinderisch du sein kannst! Wo nimmst du diese verrückten neuen Ideen nur immer her? Es war so aufregend und hat mir unendlich viel gegeben!
Heute Nacht warst du besonders zärtlich, lieb, einfühlsam, so ..., ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll? Jedenfalls habe ich eine überirdische Gänsehaut bekommen und fühlte mich dann richtig mit dir verschmolzen. Ich liebe dich, Tom!“, Johannas Gesicht schwebt dich über mir. Die Sonne scheint bereits in das Schlafzimmer und ich liege paralysiert.

Das Mädchen, sie hatte mir doch wieder das Schwefelhölzchen gegeben, ich weiß es ganz genau! Das war kein Traum, denn ich habe mich extra noch gekniffen. Sie hat mich genauso angelächelt, wie Johanna es im Moment macht. Sie hat genauso gerochen, wie Johanna im Moment riecht, nach Vanille, dem Glühwein, Zimt, nach Weihnachtsmarkt, eben nach diesem „Alles“.

Johanna küsst meinen Mund, der zu einer Erwiderung noch nicht fähig ist, küsst und streichelt, küsst und tastet, tastet genau wie das Mädchen ...
„Wie findest du mein neues Parfüm? Es ist „Xerjoff Lira“. Ich mag diese leichte Note von zarter Vanille auf meiner Haut! Da ist noch einiges anderes Geheimnisvolles drin. Richtig sinnlich, findest du nicht auch?“


Der Platz sieht ohne die Weihnachtsstände einfach nur trostlos aus. In der Ecke die vielen Mülltonnen, eine zerbrochene Glühweintasse und noch die Abdrücke von den verschwundenen Verkaufständen im lockeren Schotterboden. Wenn also hier der Glühweinstand aufgebaut war, dann habe ich mir ihren kleinen Verkaufstisch in etwa an dieser Stelle eingebildet. Ja, das kommt hin. Hier muss sie gestanden haben. Drei Abende hat sie genau hier frierend auf mich gewartet.
Das habe ich jedenfalls so geträumt ...

Was liegt denn da?

Ich bücke mich. Eine alles durchdringende Hitzewelle erfasst mich und drückt mich fassungslos auf die Knie: Ein bis zur Hälfte abgebranntes Hölzchen! Es ist mein Schwefelhölzchen, mein letztes, mein Eintritt für dieses „Alles“.

Es riecht nach Vanille.

ʘ


__________________
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Albert Einstein

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Susi M. Paul
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Lieber Jo,

deine Geschichten gehören ohne Zweifel zu den phantasie- und einfallsreichsten in diesem Forum, und sie sind außerdem noch gut geschrieben, im besten Sinne des Wortes: flott, zielstrebig, schnörkellos, dabei aber voll von Bildern, Gedanken, Gerüchen und anderen Sinneseindrücken.
Dass bei deiner Bearbeitung des Märchens vom Mädchen mit den Schwefelhölzchen der erotische Aspekt für meine Begriffe arg weit in den Hintergrund gedrängt worden ist, wäre der einzige Kritikpunkt, den ich anführen könnte. Ansonsten: Glückwunsch und frohe Weihnachten, Susi

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Circulo
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Täglich grüßt das Murmeltier statt der Wunsch nach Erziehung.

Du verbindest erotische Erweckung mit altertümlichem Wort, welches jetzt gerade nicht mehr im Gebrauch ist „Schwefelhölzchen“; die Sache, das Feuer, die Leidenschaft, bleibt dieselbe. Durch Deine Geschichte bekomme ich Lust zur historischen Arbeit. Was damals möglich gewesen ist, warum sollte es nicht auch heute möglich sein. Da kommen wir doch geneaologisch her. Irgendwie selbe Möglichkeit.

Die zurzeit reale Welt vermarktet die Liebe zum institutionellen Gewerbe. Streichhölzer gibt es en masse im Baumarkt und mit osteuropäischen Frauen ausgestattete Wohnmobile an der Seite Deutscher Bundesstraßen in stetigen Abständen wie Autobahnkirchen. Du führst die Agape in den Eros zurück.

Etwas wünschen nach dem Entzünden: Geburt des Kindes. Alles müsste, anders als in Deinem Einstein-Zitat, auch seine Grenzen finden. Begrenztes Alles, Maßstab. Erziehung?

Schön wäre auch gewesen, wenn es seine eigene Lebensgefährtin wäre, mit der er dann im Bett liegt; eine Verwandlung also durch das Wunder am Weihnachtsmarkt in die Alltäglichkeit des Daseins, die derart einen kernigen Zauber erhalten hätte. Denn es muss, meines Wissens nach, kein Palimpalim im Bewusstsein zurück bleiben (Ich nenne Palimpalim eine Kraft unseres Bewusstseins, ein Wunsch, den unser Wille im Sein nicht zu ereignen oder zu realisieren vermag, und der uns im wirklichen Lebensvollzug begleitet). – (Diesen Absatz habe ich während der Lektüre geschrieben, ehe seine Freundin erwähnt worden ist; ich lasse ihn aber so stehen, weil die Identität zwischen Palimpalim und seiner Freundin bis zuletzt in der Schwebe, und halb beantwortet bleibt. Das Ende mit dem Parfüm als Dufthülle des wünschbaren Kosmos. Baut auf Trunkenheit.)

Dein Engel klingt mir zum Ende hin nicht nach einer möglichen Zukunft sondern nach einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit.

Täglich kehrt das Gleiche wieder. Das summiert sich dann bei Klara im Archiv. Wirkt stark bei mir! Historie. Aufruf zur Allheit. Aber wie? 7

In meinen Augen eine wundervolle, aufmunternde und belebende Geschichte, deren Happy End sich womöglich dadurch verstellt, dass Du alles, was Du schreiben kannst, im Internet posten kannst. „Am Anfang der Kippe bin ich total froh und richtig gut drauf. Neigt sie sich durch das Feuer und meinen Zug ihrer Hälfte entgegen, werde ich phänomenal traurig. Aber hehe, Freunde! Ich habe noch eine zweite Zigarette in meiner Manteltasche.“ usw.

Liebe Grüße
Circulo

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Vagant
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Hallo Jo,

danke für diese schöne Geschichte zur Vorweihnachtszeit. Bei Sätzen wie << Sie hatten beide gestöhnt, geschrien, geschwitzt und waren mehrmals vor Erschöpfung eingeschlafen, um nach einigen Minuten (????) der Erholung erneut zu starten >> möchte man sich doch wünschen, dass es diese Art Weihnachtsmärkte das ganze Jahr durch gäbe.
Ich meine, dass dir hier eine lockere Schlenderei zwischen Illusion und Realität gelungen ist, die angenehm von der Ich-Erzähler Positition getragen wird. Das kannst du gut. Du bist da immer ganz dicht bei deinem Protagonisten (ich meine Tom und Johannna hier schon einmal bei dir gelesen zu haben, vielleicht die Tangosache - kann mich aber irren).

An einer Stelle verlässt du die Erzählperspektive (jedenfalls lese ich es so).

Zitat:

Er hatte einfach dieses „Alles“ noch nicht verstanden.

Es würde solange weitergehen, bis er genau das herausgefunden hatte. Kamasutra, 433 Stellungen? Nein, so etwas in der Art konnte sie nicht gemeint haben. Lexikon der Liebestechniken ..., sehr interessant. Tatsächlich befand er sich mit seinem Kenntnistand ganz im unteren Bereich. Aber das konnte es auch nicht sein, dafür hatte ihr Körper zu viel von diesen metaphysischen Vibrationen ausgestrahlt. Karla, die kennt sich gut mit Menschen aus, die wird schon wissen, um was es geht: „Karla, was weiß du so über die Liebe. Was kann es bedeuten, wenn du jemandem ‚Alles‘ geben sollst?“

„Tom, das ist eine sehr schwere Frage. Früher einmal habe ich es gewusst...

Zitatende.

Ich weiß nicht. Ist nur ein kurzer Absatz. Aber hier verlässt du eindeutig die Position des Ich-Erzählers. Klingt für mich fast schon auktorial.
Dies würde ich leicht überarbeiten.

Ja, das war's eigentlich. Mehr wollte ich dazu nun gar nicht sagen.

Lg Vagant.

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aligaga
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Was mir an diesem Stück überhaupt nicht gefallen will, ist der gnadenlose Missbrauch von Andersens traurigem Märchen (das eigentlich gar keines ist).

Es wird mir nicht recht verständlich, wie ein Typ, der ein kaum angezogenes Mädchen (auf einem scheinbar von "Eltern" organisierten) Weihnachts-Flohmarkt barfuß im Schnee stehen sieht, sofort nach dessen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen spechten kann, um sich sodann einschlägigen Vorstellungen hinzugeben. Ebenso unverständlich bleibt, warum sich ein Mädchen, volljährig oder nicht, einem Typen beigesellen sollte, der scheinbar nichts anderes aufzuweisen hat als einen Glühweinrausch und eine Erektion.

Das Stück schrammt für mich hart an einem Genre vorbei, das man besser gar nicht erst benennt. Der Protagonist exhibiert sich mit seiner schwülen Fantasie bei einer Arbeitskollegin, worauf diese sonderbarer Weise davon nicht angeekelt scheint, sondern den Mitteilungswütigen freundlich als „unverbesserlichen Träumer“ qualifiziert. Im Gefolge wird darüber sinniert, was bei der „Liebe“ denn „Alles“ sei, aber man kommt auch gemeinsam nicht über die Grenze eines rein pornografischen Horizonts hinaus.

Ebenso grotesk dann das Ende der Fantasia: Eine Ehefrau oder Lebensabschnittsgefährtin taucht auf, die als PlatzhalterIn fungiert und ihrem Gespons Artistisches auf dem Gebiet der Sexualpraktik zuzuschreiben hat, während dieser im Glühweinkoma dämmerte.

Das ist so nahe am Witz, dass man schmunzelt und (um beim Märchen zu bleiben!) an den kleinen Aladin denkt, der an etwas so lange auf und ab rieb, bis ihm die "Fantasie" durchging.

Tipp: Die Story nicht mit Andersens unglücklich umkommenden Kind befrachten, das Flohmarktpersonal aus klar erkennbar Volljährigen rekrutieren und deutlich machen, warum jemand in dem Lüstling einen Prinzen sehen sollte. Das „Fachgespräch“ mit der Lageristin wäre entbehrlich; statt des umständlichen und flachen Dialogs mit einer Ehefrau würde ich den Protagonisten am Ende nur ahnen lassen, mit wem er wirklich in der Kiste war. Das könnte man doch viel geschickter erzählen …

Gruß

aligaga

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Jo Phantasie
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Hallo aligaga,

da ich mir jeden Kommentar zu Herzen nehme, möchte ich auch auf deinen eingehen, Rechtfertigungen ausgeschlossen, aber themennahe Analyse ist wohl legitim.

Andersens Märchen hat mich schon als Kind bewegt, der Ausgang war fast nicht ertragbar. Also, was spricht dagegen, diesen harmonisch zu gestalten.

Du schreibst:

... wie ein Typ, der ein kaum angezogenes Mädchen (auf einem scheinbar von "Eltern" organisierten) Weihnachts-Flohmarkt barfuß im Schnee stehen sieht, sofort nach dessen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen spechten kann, um sich sodann einschlägigen Vorstellungen hinzugeben.

Nein, so habe ich es nicht geschrieben:

Sie strahlt mich an. Das schönste Anlächeln, das ich jemals gesehen habe.
...
Nein, das hier ist offen, ehrlich, und das Wichtigste, es kommt aus einem überirdisch hübschen Gesicht. ...
...
„Schwefelhölzer, ich verkaufe hier Schwefelhölzer!“, dabei umfasst sie sich selbst mit den Armen und wiegt sich dabei etwas hin und her. Das sieht unheimlich erotisch aus und ich habe schon wieder vergessen, was sie gesagt hat. Nur das eine Wort habe ich noch behalten, kann auch bei meiner Frage den Blick nicht von ihrem Gesicht abwenden: „Toll, Schwefelhölzchen! Was macht man denn so mit diesen ... Schwefeldingern?“
Das habe ich auch nur so provozierend gefragt, um sie noch einmal lächeln zu sehen,


Das ist so weit von dem Genre entfernt, was dir so vorschwebt, dass ich mir ernsthaft Sorgen um meine selektive Lesefähigkeit mache.

Du schreibst:

Der Protagonist exhibiert sich mit seiner schwülen Fantasie bei einer Arbeitskollegin, worauf diese sonderbarer Weise davon nicht angeekelt scheint, sondern den Mitteilungswütigen freundlich als „unverbesserlichen Träumer“ qualifiziert. Im Gefolge wird darüber sinniert, was bei der „Liebe“ denn „Alles“ sei, aber man kommt auch gemeinsam nicht über die Grenze eines rein pornografischen Horizonts hinaus.

Unverständlich, wie hier völlig an den Intensionen vorbei diskutiert werden kann. Ich lese nämlich:

„Karla, was weiß du so über die Liebe. Was kann es bedeuten, wenn du jemandem ‚Alles‘ geben sollst?“

„Tom, das ist eine sehr schwere Frage. Früher einmal habe ich es gewusst, aber das ist jetzt lange her, viel zu lange. Man kann das auch nicht erklären, man fühlt es dann einfach, wenn man sich in ganz in den Partner hineinversetzt. Dann erlebt man es. Man ist dann so verbunden, so eng umschlungen, dass beide Körper eins werden. Körper und Seele, die verschmelzen dann!“, gedankenverloren und mit einer Träne im Auge steht sie jetzt da.


Hier kann man unkommentiert das Rätsel lösen, wenn du es einfach überlesen hast.

An dieser Stelle möchte ich auch den Kommentar von Susi M. Paul zitieren:

Dass bei deiner Bearbeitung des Märchens vom Mädchen mit den Schwefelhölzchen der erotische Aspekt für meine Begriffe arg weit in den Hintergrund gedrängt worden ist, wäre der einzige Kritikpunkt, den ich anführen könnte.

Was denn jetzt?

Weiter mit dir:

Ebenso grotesk dann das Ende der Fantasia: Eine Ehefrau oder Lebensabschnittsgefährtin taucht auf, die als PlatzhalterIn fungiert und ihrem Gespons Artistisches auf dem Gebiet der Sexualpraktik zuzuschreiben hat, während dieser im Glühweinkoma dämmerte.

Auch das lese ich nicht:

Kamasutra, 433 Stellungen? Nein, so etwas in der Art konnte sie nicht gemeint haben. Lexikon der Liebestechniken ..., sehr interessant. Tatsächlich befand er sich mit seinem Kenntnistand ganz im unteren Bereich. Aber das konnte es auch nicht sein, dafür hatte ihr Körper zu viel von diesen metaphysischen Vibrationen ausgestrahlt ...
...
Heute Nacht warst du besonders zärtlich, lieb, einfühlsam, so ..., ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll? Jedenfalls habe ich eine überirdische Gänsehaut bekommen und fühlte mich dann richtig mit dir verschmolzen. Ich liebe dich, Tom!“, Johannas Gesicht schwebt dich über mir.


Das könnte man, prinzipiell, meine ich, zwar für kitschangehaucht halten, aber "Artistisches" ist hier weit entfernt, sogar abgelehnt.

Jetzt endlich kommt ein erster konstruktiver Vorschlag:

Das „Fachgespräch“ mit der Lageristin wäre entbehrlich; statt des umständlichen und flachen Dialogs mit einer Ehefrau würde ich den Protagonisten am Ende nur ahnen lassen, mit wem er wirklich in der Kiste war. Das könnte man doch viel geschickter erzählen …

Gefällt mir persönlich jetzt nicht so, aber das ist Geschmackssache.

Dazu möchte ich dann Circulo zitieren:

Schön wäre auch gewesen, wenn es seine eigene Lebensgefährtin wäre, mit der er dann im Bett liegt; eine Verwandlung also durch das Wunder am Weihnachtsmarkt in die Alltäglichkeit des Daseins, die derart einen kernigen Zauber erhalten hätte.

Dazu hatte ich auch schon meinen Kommentar abgegeben, denn genau das hatte ich absichtlich unerwähnt gelassen.

Was bleibt hängen:
Ein qualifizierter Kritiker kann sich qualifizierter irren.
© Manfred Hinrich

und:

Alle Rechtfertigungen eines Autors bestärken nur die Meinung des Kritikers!
© Von mir









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Rehcambrok
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Hallo Jo,
es ist zwar nicht erbauend nach dem zu schreiben, dem die Felle weg schwimmen oder in der Lagune absaufen, aber seis drum. Als ich im Januar der Kommunity beitrat wusste ich sofort, das ist eins von drei Stücken die ich zur passenden Gelegenheit hervor hole. Was wäre passender als die beginnende Adventszeit.
Zur Story kann ich aus meiner Sicht nur sagen, dass da genau der Spielraum gelassen wird, den man für gutes Kopfkino braucht. Einfach klasse.

LG Rehcambrok
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Wer Frieden auf der Welt will muss bei den Kindern anfangen .

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