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Leselupe.de > Ungereimtes
Das letzte Buch
Eingestellt am 11. 07. 2004 09:22


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hl
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2004

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Das letzte Buch

Was fĂĽr eine Welt, Mutter,
hast du mir hinterlassen?
Zu hoch war der Kredit,
den du verbraucht!

Du wiegtest mich in zentralbeheizten Armen.
Kein Weg war dir zu weit,
mich freizeitmässig zu verfahren.
FĂĽr Liebe jedoch, da fehlte dir die Zeit.

Mit Fastfood hast du mich ernährt,
die Plastikteller warf man einfach fort.
Per Flugzeug, darauf legtest du den grössten Wert,
ging´s in die Ferien zum allerfernsten Ort.

Im Whirlpool lernte ich nicht schwimmen,
doch in der Disko, leicht zu leben.
Ach, Mutter, warum hast du mir
nicht ab und zu mal Zärtlichkeit gegeben?

Ein grosses Haus, du hast es mir vererbt,
der dicke Teppich machte Stimmen leis´.
Warum nur, Mutter, warntest du
mich nicht vor dem, was ich heute weiĂź?

Das Haus ist nun unbeheizt und kalt,
Schlammlawinen und MĂĽll vor dem Tor.
Abgeholzt ist jetzt jeder Wald,
das Wasser kommt nicht mehr aus dem Rohr.

In einer Höhle hause ich, alt und krank,
dein letztes Buch gibt mir die letzte Feuerwärme.
Der Titel ist: “Zum Muttertag - Hab´ Dank!“
FĂĽr dieses Buch, Mutter, hab ich dich gerne.

__________________
"Der Mensch hat gegenüber den Widrigkeiten des Lebens drei Dinge zum Schutz: Die Hoffnung, den Schlaf – und das Lachen." (Immanuel Kant)

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Perle
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo hl,

dein Gedicht lässt mich, auch nach mehrmaligem Lesen, nachdenklich und gleichzeitig unzufrieden zurück.
Ich glaube das Anliegen verstanden zu haben. - Eine Mutter hat ihr Kind mit allem Materiellen, nur nicht mit Liebe versorgt. Es hat somit nie gelernt selber Liebe zu geben. -
Die Umsetzung dieses Anliegens, oder wenn man will auch der Idee, finde ich nicht sehr gelungen.

Was fĂĽr eine Welt Mutter,
hast du mir hinterlassen?
Zu hoch war der Kredit,
den du verbraucht!


Die deutet für mich mehr auf Schändung der Natur, Zerstörung der Umwelt, nicht jedoch auf eine lieblose Kindheit und fehlende Entwicklung sozialer Kompetenzen hin.

Dann ist sehr ausführlich und mit teilweise schönen Bildern die "materiellen Liebe" beschrieben. besonders gefällt mir:

"mich freizeitmäßig zu verfahren" und "Teppich machte Stimmen leis`"

Leider wird nach meiner Meinung wieder vieles durch die moralische Anklage kaputt gemacht. Ich denke, die Bilder könnten für sich sprechen.

Großes Unverständnis hinterläßt bei mir jedoch die letzte Strophe. Wiese Höhle? Wieso der Titel "Zum Muttertag-Hab`Dank!"? Solch ein Buch kauft sich doch eine Mutter nicht allein, es ist in der Regel ein Geschenk des Kindes, doch diese Kind hat das Buch bestimmt nicht gekauft!

Ich hoffe, ich war nicht zu hart mit meiner Kritik.

Liebe GrĂĽĂźe
Perle

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hl
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jul 2004

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Vielen Dank, Perle!
Eine solche ausfĂĽhrliche Kritik hatte ich mir erhofft, weil ich selbst nicht zufrieden mit meinem Text bin. Dein Kommentar zeigt deutlich, welche Fehler ich gemacht habe.

Mein Anliegen ist, den Vorwurf einer Nachfolgegeneration, die unter den Umwelt-SĂĽnden ihrer Elterngeneration zu leiden hat bzw. diese ausbaden muss, darzustellen. Gleichzeitig sollte es ein Anti-Muttertags-Text sein.

Ich werde es ĂĽberarbeiten.

Nochmals herzlichen Dank und lg.. Heidi


__________________
"Der Mensch hat gegenüber den Widrigkeiten des Lebens drei Dinge zum Schutz: Die Hoffnung, den Schlaf – und das Lachen." (Immanuel Kant)

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