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Leselupe.de > Rund um den Literaturbetrieb
Das politische Gedicht
Eingestellt am 30. 11. 2006 12:13


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Duisburger
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Hallo,

augehend von dieser diskussion hier
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möchte ich diese hier weiterfĂŒhren.
Es ging um die u.a. um die frage, ob sich eine ernsthafte politische auseinandersetzung angemessen lyrisch umsetzen lĂ€sst. Sicherlich hat der ein oder andere sich daran schon mal versucht. So auch ich und bin daran gescheitert, wie ich finde. Das hier schrieb in kurz vor dem zweiten golfkrieg. Das ergebnis betĂ€rkte mich in meiner meinung, dass die lyrik kein besonders geeignetes medium fĂŒr komplizierte politische themen ist.

In diesen Tagen

Die Furien des Krieges
zerren an ihren Ketten
wieder einmal bereit
zu töten und verwunden
im Namen einer gerechten Sache

Gerecht nach jenen Werten
die ein einzelner propagiert
eines engstirnigen Demagogen
der selbst die MĂ€chtigen einstimmt
in den Chor der SchlachtlĂŒsteren

Jedem Argument verschlossen
nur seinem eigenen Plan folgend
welcher einzig allein ihn leitet
in seines Vaters blutiger Spur
die er nun auch beschreiten will

Die Schlacht wird geschlagen
die MĂ€chtigen stolzgeschwellt
die breiten Massen geblendet
die KĂ€mpfenden blutend
der eine zutiefst befriedigt

Töricht zu Glauben
das es nicht wieder geschieht


Aber bitte, es geht hier nicht um dieses werk, das dient nur als (abschreckendes ) Beispiel, sondern um das "politische gedicht" an sich.

lg
duisburger
__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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knychen
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ich denke, daß sich lyrik genau wie alle anderen stile der literatur eignet, politisch stellung zu beziehen und aufmerksamkeit zu erregen.
nimm nur die "moabiter sonette" von albrecht haushofer.
man fand die manuskripte in der leichenstarren faust des hingerichteten autors auf einem brachgrundstĂŒck in berlin kurz nach ende des zweiten weltkrieges. der blanvaletverlag eröffnete damit seine nachkriegseditionen.
geschrieben im moabiter knast und bei sich getragen auf dem angeblichen weg in die freiheit.
da bekommen zeilen wie:

Es gibt wohl Zeiten, die der Irrsinn lenkt.
Dann sind's die besten Köpfe, die man henkt."

eine wucht, die diese zeilen dann auch einprÀgt.
gruß us berlin.
knychen



__________________
kny

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HFleiss
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Das politische Gedicht

Das Beispielgedicht, Duisburger, krankt daran, dass du zuwenig hinter die Kulissen siehst, sondern lediglich in ein, durchaus verstĂ€ndliches, folgenloses Klagen ausbrichst. Zeig die HintergrĂŒnde auf, zeig, wie es funktioniert, und zwar nicht der Krieg an sich und seine Auswirkungen, sondern welche Machtmechanismen hier tĂ€tig sind. Um das tun zu können, muss man sich allerdings mit den Dingen beschĂ€ftigt haben und sich eben nicht nur mit der OberflĂ€che oder, um bei deinem anderen Gedicht zu bleiben, mit den Kulissen zufriedengeben. Kein Mensch, der nicht von ihm profitiert, mag den Krieg, und insofern ist das vorgestellte Gedicht fĂŒr mich doch recht allgemeinkonkret, menschelnd.

Gruß
Hanna

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Walther
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Moin Duisburger,

mit diesem Text wÀrst Du wohl nicht zum "Fast-Bestseller-Autor" geworden.

Nun zum Thema.

Wichtig ist, daß gute politische Lyrik nur aus der verarbeiteten Betroffenheit entsteht. Betroffenheitslyrik jeder Art ist meist schlecht. Oder

quote:
allgemeinkonkret, menschelnd
, wie Hanna das treffend beschreibt.

Kurz gesagt: Gute politische Kunst ist noch seltener als "normale" gute Kunst, eigentlich eine RaritÀt. Daher gibt es davon in der Tat mehr abschreckende als einladende Beispiele.

So weit, so schlecht.

Gruß W.




__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Duisburger
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Hallo,

das bestÀtigt meine meinung, dass man eine tiefgehende auseinandersetzung mit lyrik kaum umsetzen kann.

quote:
Zeig die HintergrĂŒnde auf, zeig, wie es funktioniert, und zwar nicht der Krieg an sich und seine Auswirkungen, sondern welche Machtmechanismen hier tĂ€tig sind.
Das ist mir bei politischen themen nicht möglich und ich werde es auch nicht mehr versuchen.
Aber mal weg von meinem "werk" und hin zu fried und nicaragua.
Dieses werk wird ja immer wieder als paradebeispiel eines politischen gedichtes herangezogen. Inhaltlich fĂŒr mich ganz ausgezeichnet. In dieser politischen auseinandersetzung ist ein roter faden vorhanden, an dem man langlesen kann. Fried erzeugt betroffenheit und/oder unbehagen (je nachdem) mit einfachen mitteln, ohne plakativ zu wirken.
Aber ist es ein gedicht? ErfĂŒllt es die formalen kriterien? Oder ist es eher ein prosatext, dem eine versform gegeben wurde, weil diese block fĂŒr block den leser den leser an freids intension heranfĂŒhrt? Die versform unterstĂŒtzt sicherlich die einzelnen "wahrheiten" und gibt ihnen einen optischen rahmen.
Reicht das fĂŒr ein gedicht?

lg
duisburger

__________________
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Walther
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Moin Duisburger,

das Thema "Erich Fried und Lyrik" wĂ€re sicherlich ein abend(foren-)fĂŒllendes. Ich schĂ€tze Erich Fried und seine Poesie sehr.

Allerdings: Ich empfinde seine auf aktuelle politische Ereignisse reagierenden Texte als seine schwĂ€chsten. Lyrik setzt bei einem Thema Verarbeitung, Transparenz, Distanz und Überzeitlichkeit voraus. Frische EindrĂŒcke lassen sich zwangsweise nicht verdichten, wie auch. Sie sind ja frisch. Des Pudels Kern findet sich meist erst nach lĂ€ngerer Betrachtung einer Fragestellung. Und um den geht es in der Lyrik.

Frische EindrĂŒcke sind etwas fĂŒr Texte mit etwas epischer Breite. Gut geeignet: Publikumsbeschimpfungen im Essay- oder Kommentarstil. Oder auch: Kabarett und Satire. Aber bitte nicht in Lyrik. Da will alles wohl abgehangen sein. Auch die Leiche im Keller.

Es grĂŒĂŸt

der W., jetzt wieder im Off
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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